Dokumentation „Ich will alles. Hildegard Knef
Zum 100. Geburtstag der unvergessenen Künstlerin Hildegard Knef zeigt der ORF ein bewegendes Filmporträt über ihr außergewöhnliches Leben.
Am 28. Dezember 2025 jährt sich der Geburtstag einer der schillerndsten Persönlichkeiten der deutschsprachigen Unterhaltungsgeschichte zum 100. Mal: Hildegard Knef. Aus diesem Anlass strahlt der ORF am darauffolgenden Tag, dem 29. Dezember, um 22.30 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON das Filmporträt „Ich will alles. Hildegard Knef" aus. Die Dokumentation von Regisseurin Luzia Schmid zeichnet das bewegte Leben einer Frau nach, die sich von keinem Schicksalsschlag unterkriegen ließ.
Hildegard Knef war Schauspielerin, Sängerin, Bestsellerautorin und Broadway-Star in einer Person. Sie verkörperte eine Epoche und prägte Generationen mit ihrer einzigartigen Stimme und ihrem unverwechselbaren Auftreten. Jazz-Legende Ella Fitzgerald beschrieb sie einst treffend als „die größte Sängerin ohne Stimme" – ein Kompliment, das die besondere Qualität von Knefs Interpretationskunst auf den Punkt bringt.
Der Titel der Dokumentation ist dabei programmatisch gewählt: Er stammt aus der Textzeile „Ich will ... will alles oder nichts" ihres berühmtesten Chansons „Für mich soll's rote Rosen regnen". Diese Worte spiegeln das Lebensmotto einer Frau wider, die niemals halbe Sachen machte und deren Karriere von spektakulären Höhenflügen ebenso geprägt war wie von dramatischen Abstürzen.
Das Leben der Hildegard Knef begann unter schwierigen Umständen. Die Kriegserfahrungen ihrer Jugend prägten sie nachhaltig und lehrten sie früh, zu überleben – eine Fähigkeit, die ihr später noch oft zugutekommen sollte. In der Schauspielschule fiel sie bereits durch ihre Andersartigkeit auf: Sie war die Einzige, die dem Lehrer nicht gefallen wollte. Ihre scheinbare Uneitelkeit war dabei ihre größte Eitelkeit – der unbändige Wille, die Beste zu werden.
Der Durchbruch kam unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg. Wie der sprichwörtliche Phönix aus der Asche erhob sich die junge Schauspielerin aus den Trümmern des zerstörten Deutschlands. Mit der Hauptrolle im ersten deutschen Nachkriegsfilm „Die Mörder sind unter uns" wurde Hildegard Knef schlagartig berühmt. Der Film von Wolfgang Staudte aus dem Jahr 1946 gilt heute als Meilenstein der deutschen Filmgeschichte, und Knefs Darstellung machte sie über Nacht zum Star.
Der Erfolg in der Heimat weckte Begehrlichkeiten in Übersee. Hollywood rief, und Hildegard Knef war von dem Gedanken besessen, es auch in der amerikanischen Traumfabrik zu schaffen. Doch die Realität erwies sich als ernüchternd. Für eine junge Frau aus dem Land der Täter, nur wenige Jahre nach Kriegsende, gab es schlichtweg keine Rollen. Die deutsche Schauspielerin wurde regelrecht auf Eis gelegt, ihre Karriere in Hollywood war zu Ende, bevor sie richtig begonnen hatte.
Die Rückkehr nach Europa brachte jedoch neuen Ärger. Der österreichische Regisseur Willi Forst besetzte sie in „Die Sünderin" (1951), einem Film, der zum Skandal werden sollte. Sechs Sekunden lang war Knef darin nackt zu sehen – aus größerer Entfernung. Für die prüde Nachkriegsgesellschaft war das zu viel. Die Volksseele kochte vor Empörung, es kam zu Protesten, und angeblich sollten sogar Kinos brennen. Die gefeierte Heimkehrerin war plötzlich zum „gefallenen Mädchen" geworden.
Doch Hildegard Knef wäre nicht Hildegard Knef gewesen, hätte sie sich von diesem Rückschlag unterkriegen lassen. Ihre Rettung kam ausgerechnet aus den USA, von einem der größten Komponisten der amerikanischen Musikgeschichte: Cole Porter. Er überzeugte die zweifelnde Künstlerin davon, dass sie singen könne – eine Erkenntnis, die ihr Leben verändern sollte.
„Silk Stockings" hieß das Musical, das auf Ernst Lubitschs Filmklassiker „Ninotschka" basierte. Fast 500 Mal spielte Hildegard Knef die Titelrolle, und der Broadway stand Kopf. Die deutsche Künstlerin hatte in Amerika Fuß gefasst – nicht als Filmschauspielerin, sondern als Musical-Star und Chansonniere. Es war ein Triumph, der alle vorherigen Enttäuschungen vergessen machte.
Den 8. Mai 1959 bezeichnete Hildegard Knef als den Tag ihrer „eigentlichen Geburt". An diesem Datum lernte sie den britischen Schauspieler David Cameron kennen, der sechs Jahre jünger war als sie. Sie nannte ihn zärtlich „Tonio