Ein innovatives Bildungsprogramm für junge Ukrainer:innen hat Geschichte geschrieben: "Next Visionaries" wurde als österreichischer Beitrag mit dem prestigeträchtigen Europäischen Jugendkarlspreis ...
Ein innovatives Bildungsprogramm für junge Ukrainer:innen hat Geschichte geschrieben: "Next Visionaries" wurde als österreichischer Beitrag mit dem prestigeträchtigen Europäischen Jugendkarlspreis 2025 ausgezeichnet. Die Initiative, die demokratische Werte und europäische Integration fördert, qualifiziert sich damit für das europaweite Finale am 12. Mai 2026 in Aachen – ein bedeutender Erfolg für die ukrainische Diaspora in Österreich und ein starkes Zeichen der Solidarität in Zeiten des Krieges.
Der Europäische Jugendkarlspreis gilt als eine der renommiertesten Auszeichnungen für junge Europäer:innen im Bereich Demokratieförderung. Benannt nach Karl dem Großen, dem ersten Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, würdigt der Preis seit seiner Einführung Projekte, die zur Stärkung der europäischen Einigung und demokratischen Teilhabe beitragen. Organisiert wird die Auszeichnung gemeinsam vom Europäischen Parlament und der Stiftung Internationaler Karlspreis zu Aachen – eine Kooperation, die die enge Verbindung zwischen europäischen Institutionen und zivilgesellschaftlichem Engagement unterstreicht.
Das Besondere am Jugendkarlspreis: Er richtet sich ausschließlich an Menschen unter 30 Jahren und erkennt damit die zentrale Rolle der jungen Generation für die Zukunft Europas an. In jedem der 27 EU-Mitgliedstaaten wird zunächst ein nationales Gewinnerprojekt ausgewählt. Diese 27 Projekte konkurrieren dann um die drei europäischen Hauptpreise, die mit 7.500 Euro (Platz 1), 5.000 Euro (Platz 2) und 2.500 Euro (Platz 3) dotiert sind. Doch der finanzielle Aspekt steht nicht im Vordergrund – vielmehr geht es um Anerkennung, Vernetzung und die Chance, europaweit Aufmerksamkeit für wichtige gesellschaftliche Themen zu schaffen.
"Next Visionaries" ist weit mehr als ein gewöhnliches Bildungsprogramm. Die Initiative, die von der ukrainischen Organisation Internews Ukraine mit Unterstützung der österreichischen ERSTE Foundation durchgeführt wird, hat sich zum Ziel gesetzt, eine neue Generation ukrainischer Führungskräfte auf ihre Rolle in einem demokratischen, europäisch orientierten Land vorzubereiten. Das Programm richtet sich gezielt an Hochschulabsolvent:innen im Alter zwischen 21 und 27 Jahren – eine Altersgruppe, die besonders von den Auswirkungen des russischen Angriffskrieges betroffen ist.
Die Teilnehmer:innen werden durch eine offene Ausschreibung aus der gesamten Ukraine und der ukrainischen Diaspora ausgewählt. Dies bedeutet, dass sowohl Menschen, die noch in der Ukraine leben, als auch jene, die aufgrund des Krieges ihr Land verlassen mussten, an dem Programm teilnehmen können. Diese inklusive Herangehensweise ist von enormer Bedeutung, da schätzungsweise über sechs Millionen Ukrainer:innen als Flüchtlinge in anderen europäischen Ländern leben – darunter rund 75.000 in Österreich.
Das Programm kombiniert verschiedene Lernformate: Online-Module ermöglichen es Teilnehmer:innen aus kriegsbetroffenen Gebieten, am Programm teilzunehmen, während Offline-Veranstaltungen den direkten Austausch und Netzwerkaufbau fördern. Internationale Studienaufenthalte bieten zusätzlich die Möglichkeit, demokratische Institutionen in verschiedenen EU-Ländern hautnah zu erleben und Best Practices zu studieren.
Ein Kernelement des Programms ist die gemeinschaftliche Projektarbeit. In Teams entwickeln die Teilnehmer:innen konkrete Initiativen zu brennenden gesellschaftlichen Themen: Geschlechtergleichstellung ist dabei ebenso relevant wie die Einbindung junger Menschen in Verteidigungs- und Sicherheitsfragen – ein Thema, das angesichts des anhaltenden Krieges besondere Brisanz hat. Weitere Schwerpunkte liegen auf der Wiedereingliederung von Kriegsveteranen, Kulturdiplomatie und beruflicher Bildung.
Die Unterstützung durch die ERSTE Foundation unterstreicht die österreichische Dimension dieses Projekts. Die gemeinnützige Stiftung der Erste Group, einer der größten Finanzdienstleister Zentral- und Osteuropas, engagiert sich seit Jahren für Bildung und gesellschaftlichen Zusammenhalt in der Region. Mit Sitz in Wien verfügt die ERSTE Foundation über langjährige Erfahrung in der Projektförderung und ein tiefes Verständnis für die Herausforderungen in Transformationsländern.
Die Kooperation zwischen der ukrainischen Organisation Internews Ukraine und der österreichischen ERSTE Foundation zeigt exemplarisch, wie grenzüberschreitende Partnerschaften in Krisenzeiten funktionieren können. Internews Ukraine ist eine etablierte Medien- und Bildungsorganisation, die sich seit Jahren für Pressefreiheit und demokratische Werte in der Ukraine einsetzt. Seit Beginn des russischen Angriffskrieges hat die Organisation ihre Arbeit unter schwierigsten Bedingungen fortgesetzt.
Die Auszeichnung von "Next Visionaries" als österreichischer Gewinner des Jugendkarlspreises ist mehr als nur ein symbolischer Erfolg. Sie verdeutlicht Österreichs aktive Rolle bei der Integration ukrainischer Flüchtlinge und der Förderung demokratischer Werte in Europa. Österreich hat seit Kriegsbeginn überdurchschnittlich viele ukrainische Flüchtlinge aufgenommen und dabei nicht nur humanitäre Hilfe geleistet, sondern auch langfristige Integrationsprogramme entwickelt.
Im Vergleich zu anderen EU-Ländern zeigt Österreich eine besonders hohe Pro-Kopf-Aufnahme von ukrainischen Flüchtlingen. Während Deutschland mit seiner größeren Bevölkerung die meisten Flüchtlinge in absoluten Zahlen aufgenommen hat, liegt Österreich bei der relativen Aufnahme deutlich über dem EU-Durchschnitt. Diese Solidarität spiegelt sich auch in der Unterstützung von Bildungsinitiativen wie "Next Visionaries" wider.
Der Jugendkarlspreis zeichnet traditionell sehr unterschiedliche Projekte aus. In den vergangenen Jahren reichte die Bandbreite von Umweltinitiativen über Anti-Diskriminierungsprojekte bis hin zu digitalen Demokratie-Plattformen. "Next Visionaries" hebt sich durch seinen spezifischen Fokus auf Kriegsfolgen und Wiederaufbau ab – ein Thema, das in der 20-jährigen Geschichte des Preises noch nie so zentral war.
Deutsche und schweizerische Gewinnerprojekte der letzten Jahre konzentrierten sich häufig auf Umweltthemen und digitale Innovation. Das österreichische Siegerprojekt 2025 zeigt dagegen, wie akut politische Krisen die Prioritäten der europäischen Jugend prägen. Es ist das erste Mal, dass ein explizit auf Kriegsfolgen ausgerichtetes Projekt den nationalen Jugendkarlspreis gewinnt.
Die Auszeichnung von "Next Visionaries" fällt in eine Zeit, in der demokratische Werte in Europa unter Druck stehen. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine ist nicht nur ein militärischer Konflikt, sondern auch ein Angriff auf die demokratische Ordnung und die Grundwerte der Europäischen Union. In diesem Kontext gewinnt die Förderung demokratischen Bewusstseins bei jungen Ukrainer:innen eine strategische Dimension.
Die Teilnehmer:innen von "Next Visionaries" werden nicht nur für ihre berufliche Zukunft ausgebildet, sondern auch darauf vorbereitet, beim Wiederaufbau der Ukraine eine führende Rolle zu spielen. Dies schließt die Stärkung demokratischer Institutionen, die Förderung von Rechtsstaatlichkeit und die Integration europäischer Standards in allen Lebensbereichen ein.
Besonders relevant ist dabei die Arbeit an Geschlechtergleichstellung. In der Ukraine haben traditionelle Geschlechterrollen durch den Krieg eine paradoxe Entwicklung erfahren: Einerseits sind Frauen stärker in gesellschaftlich wichtige Rollen gerückt, andererseits verstärkt der Krieg auch traditionelle Rollenbilder. "Next Visionaries" adressiert diese Spannung und bereitet junge Führungskräfte darauf vor, eine moderne, gleichberechtigte Gesellschaft aufzubauen.
Für die österreichische Bevölkerung hat der Erfolg von "Next Visionaries" mehrere konkrete Bedeutungen. Erstens zeigt er, dass die Integration ukrainischer Flüchtlinge nicht nur humanitär, sondern auch gesellschaftlich bereichernd ist. Ukrainische Teilnehmer:innen des Programms, die in Österreich leben, bringen ihre neu erworbenen Kompetenzen auch in die österreichische Gesellschaft ein – sei es durch ehrenamtliches Engagement, berufliche Tätigkeiten oder kulturelle Aktivitäten.
Zweitens profitiert Österreich von der internationalen Aufmerksamkeit, die mit der Auszeichnung einhergeht. Das Land positioniert sich als verlässlicher Partner der Ukraine und als Vorreiter bei der Förderung demokratischer Werte. Dies stärkt Österreichs Rolle in der EU und kann sich positiv auf wirtschaftliche und politische Beziehungen auswirken.
Für junge Österreicher:innen bietet das Projekt Möglichkeiten zur Vernetzung und zum Erfahrungsaustausch. Viele österreichische Universitäten und Bildungseinrichtungen kooperieren bereits mit "Next Visionaries", wodurch auch heimische Studierende von den Programminhalten profitieren können.
Die langfristigen wirtschaftlichen Auswirkungen sind ebenfalls beträchtlich. Die Ukraine wird nach dem Krieg einen enormen Wiederaufbaubedarf haben – Schätzungen gehen von mehreren hundert Milliarden Euro aus. Österreichische Unternehmen können dabei eine wichtige Rolle spielen, besonders wenn sie über gut ausgebildete ukrainische Partner:innen verfügen, die sowohl die lokalen Gegebenheiten als auch europäische Standards kennen.
Die ERSTE Foundation investiert nicht nur in ein Bildungsprogramm, sondern auch in zukünftige Geschäftsbeziehungen. Absolventen von "Next Visionaries" werden voraussichtlich wichtige Positionen im ukrainischen Wiederaufbau übernehmen und dabei als Brücke zwischen der Ukraine und Österreich fungieren.
Als österreichischer Gewinner nimmt "Next Visionaries" nun am europaweiten Finale des Jugendkarlspreises teil, das am 12. Mai 2026 in Aachen stattfindet. Aachen, die Krönungsstadt Karls des Großen, ist nicht zufällig Austragungsort: Die Stadt symbolisiert die Idee eines geeinten Europas und die Kontinuität demokratischer Traditionen über Jahrhunderte hinweg.
Bei der Preisverleihung in Aachen treffen alle 27 nationalen Gewinnerprojekte aufeinander. Eine europäische Jury, bestehend aus Vertreter:innen des Europäischen Parlaments, der Stiftung Internationaler Karlspreis und weiteren Expert:innen, wählt die drei europäischen Hauptpreisträger aus. Neben dem Preisgeld bietet die Veranstaltung vor allem die Chance zur Vernetzung und zum Erfahrungsaustausch zwischen jungen Demokratie-Aktivist:innen aus ganz Europa.
Für "Next Visionaries" bedeutet die Teilnahme am europaweiten Finale eine enorme Steigerung der Sichtbarkeit. Das Projekt wird internationalen Medien, politischen Entscheidungsträger:innen und potentiellen Förderern präsentiert. Dies kann zu weiteren Kooperationen und einer Ausweitung des Programms führen.
Der Karlspreis blickt auf eine mehr als 70-jährige Geschichte zurück. Seit 1950 wird er an Persönlichkeiten verliehen, die sich um die europäische Einigung verdient gemacht haben. Zu den Preisträgern gehören Winston Churchill, Konrad Adenauer, aber auch jüngere Politiker wie Emmanuel Macron. Der Jugendkarlspreis, der seit 2008 vergeben wird, erweitert diese Tradition um die Perspektive der jungen Generation.
Die Auszeichnung von "Next Visionaries" steht in einer besonderen historischen Kontinuität: Auch nach dem Zweiten Weltkrieg ging es darum, demokratische Werte zu stärken und Europa zu einen. Heute, 80 Jahre später, steht Europa wieder vor der Herausforderung, seine Grundwerte gegen autoritäre Bedrohungen zu verteidigen. In diesem Kontext gewinnt die Förderung junger Demokrat:innen aus der Ukraine eine symbolische Bedeutung, die über das einzelne Projekt hinausgeht.
Die Auszeichnung mit dem Jugendkarlspreis ist für "Next Visionaries" kein Endpunkt, sondern ein Startschuss für eine Ausweitung des Programms. Die internationale Anerkennung öffnet Türen zu neuen Förderern und Partnern. Bereits jetzt gibt es Gespräche über eine Ausweitung auf andere post-sowjetische Länder, die ebenfalls demokratische Transformationen durchlaufen.
Für Österreich ergeben sich durch den Erfolg des Projekts neue Möglichkeiten der Kooperation mit der Ukraine. Das Verbindungsbüro des Europäischen Parlaments in Wien wird das Projekt auch weiterhin begleiten und als Beispiel für erfolgreiche Integration und Demokratieförderung präsentieren.
Die langfristigen Auswirkungen werden erst in einigen Jahren vollständig sichtbar werden, wenn die Absolvent:innen von "Next Visionaries" wichtige Positionen in Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft übernehmen. Dann wird sich zeigen, ob das Programm tatsächlich dazu beigetragen hat, eine neue Generation demokratischer Führungskräfte in der Ukraine zu schaffen.
Die Auszeichnung von "Next Visionaries" mit dem österreichischen Jugendkarlspreis ist mehr als nur die Anerkennung eines einzelnen Projekts. Sie ist ein Zeichen der Hoffnung für die Ukraine, ein Beweis für Österreichs Solidarität und ein Beispiel dafür, wie europäische Werte auch in schwierigsten Zeiten weitergegeben werden können. Am 12. Mai 2026 werden alle Augen auf Aachen gerichtet sein – und Österreich kann stolz darauf sein, ein Projekt zu präsentieren, das demokratische Zukunft und europäische Einigung in beispielhafter Weise verkörpert.