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Österreichs Heizbranche fordert 500 Millionen Euro Förderung

23. März 2026 um 11:42
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Die österreichische Wärmebranche schlägt Alarm: In einem dramatischen offenen Brief fordern führende Unternehmen der erneuerbaren Heizungstechnologien von der Bundesregierung eine Verdoppelung der ...

Die österreichische Wärmebranche schlägt Alarm: In einem dramatischen offenen Brief fordern führende Unternehmen der erneuerbaren Heizungstechnologien von der Bundesregierung eine Verdoppelung der Kesseltauschförderung auf 500 Millionen Euro jährlich. Der Grund: Ohne sofortiges Handeln droht Österreich in eine noch tiefere Energieabhängigkeit von Russland und anderen Förderstaaten zu rutschen. Gleichzeitig verzeichnen erneuerbare Heizsysteme massive Absatzeinbrüche, während fossile Heizungen wieder im Aufwind sind.

Alarmierender Markteinbruch bei erneuerbaren Heizsystemen

Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: 2025 brachen die Verkäufe von Wärmepumpen, Pelletsheizungen und anderen erneuerbaren Heizsystemen um dramatische 20 bis 35 Prozent ein. Parallel dazu stiegen die Verkäufe fossiler Heizkessel um zehn Prozent auf rund 33.000 Stück. Diese Entwicklung bezeichnet Richard Freimüller, Präsident des Verbands Wärmepumpe Austria, als "alarmierend".

Die Wärmepumpe ist eine Heizungstechnologie, die Wärme aus der Umgebungsluft, dem Erdreich oder dem Grundwasser gewinnt und diese mittels eines technischen Prozesses auf ein höheres Temperaturniveau bringt. Anders als bei Gas- oder Ölheizungen wird dabei kein fossiler Brennstoff verbrannt. Stattdessen nutzt die Wärmepumpe elektrische Energie, um einen Kältemittelkreislauf zu betreiben - ähnlich wie ein Kühlschrank, nur umgekehrt. Moderne Wärmepumpen erreichen dabei einen Wirkungsgrad von über 400 Prozent, das bedeutet, aus einem Kilowatt Strom werden vier Kilowatt Wärme erzeugt.

60.000 Heizungstausche jährlich als Mindestziel

Um die Klimaschutzverpflichtungen Österreichs zu erfüllen und die Energieunabhängigkeit zu stärken, müssen laut der Branche jährlich mindestens 60.000 fossile Heizsysteme durch Wärmepumpen und Biomassekessel ersetzt werden. Eine aktuelle Studie des Bundesministeriums für Wirtschaft, Energie und Tourismus vom Juli 2025 bestätigt: Der Kesseltausch ist die effizienteste und kostengünstigste Maßnahme für den Klimaschutz.

Biomassekessel verbrennen nachwachsende Rohstoffe wie Holzpellets, Scheitholz oder Hackschnitzel. Im Gegensatz zu fossilen Brennstoffen ist diese Verbrennung CO2-neutral, da die Bäume während ihres Wachstums genau so viel Kohlendioxid aus der Atmosphäre aufgenommen haben, wie bei der Verbrennung wieder freigesetzt wird. Österreich verfügt über ausgezeichnete Voraussetzungen für Biomasse: Die heimischen Wälder liefern nachhaltig Rohstoffe, und die Pelletsproduktion entspricht bereits dem Doppelten des aktuellen inländischen Bedarfs.

Milliardenschwere Energieimporte belasten Österreich

Die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern kostet Österreich jährlich mehr als zehn Milliarden Euro, die an Erdöl- und Erdgas-Förderstaaten überwiesen werden. 1,2 Millionen österreichische Haushalte heizen noch immer mit Erdgas oder Heizöl und sind damit direkten Preisschwankungen und geopolitischen Spannungen ausgesetzt. "Erdgas- und Ölheizungen sind verantwortlich dafür, dass Energiepreisschocks direkt inflationstreibend wirken", warnt die Branche in ihrem offenen Brief.

Diese Energieabhängigkeit wurde besonders während der Ukraine-Krise deutlich spürbar. Österreich bezog jahrzehntelang einen Großteil seines Erdgases aus Russland - eine Abhängigkeit, die nicht nur wirtschaftliche, sondern auch sicherheitspolitische Risiken birgt. Jede neue fossile Heizung, die heute installiert wird, zementiert diese Abhängigkeit für weitere 15 bis 20 Jahre, da Heizsysteme in der Regel so lange in Betrieb bleiben.

Förderungen rechnen sich bereits vor der Auszahlung

Ein bemerkenswertes Detail der Branchenforderung: Die geforderten Förderungen würden sich für den Bund bereits vor ihrer Auszahlung rechnen. Durch die Verlagerung der Wertschöpfung aus dem Ausland ins Inland entstehen Steuereinnahmen und Lohnabgaben, die höher sind als die später ausbezahlten Förderungen. Jeder Heizungstausch stärkt somit nicht nur die Energieunabhängigkeit, sondern auch die heimische Wirtschaft.

Die österreichische Heizungsbranche hat in den vergangenen Jahren massiv in den Ausbau ihrer Kapazitäten investiert. Die Pelletsproduktion wurde ausgebaut, Wärmepumpen-Hersteller erweiterten ihre Produktionslinien. Diese Investitionen erfolgten im Vertrauen auf die Energie- und Klimaschutzziele der Bundesregierung. Nun droht ein "Stop-and-Go" in der Förderpolitik diese Bemühungen zunichte zu machen.

Vergleich mit anderen Ländern zeigt Handlungsbedarf

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern hinkt Österreich beim Heizungstausch hinterher. Deutschland plant beispielsweise eine massive Offensive beim Austausch fossiler Heizsysteme und stellt dafür mehrere Milliarden Euro bereit. Die Schweiz hat bereits vor Jahren begonnen, fossile Heizungen systematisch zu ersetzen und konnte dadurch ihre Energieabhängigkeit deutlich reduzieren.

In Deutschland greift seit 2024 das neue Gebäudeenergiegesetz, das den Einbau neuer Öl- und Gasheizungen stark einschränkt. Parallel dazu wurden die Förderungen für erneuerbare Heizsysteme auf bis zu 70 Prozent der Investitionskosten angehoben. Diese klaren rechtlichen Rahmenbedingungen schaffen Planungssicherheit für Verbraucher und Unternehmen gleichermaßen.

Konkrete Auswirkungen für österreichische Haushalte

Für österreichische Haushalte bedeutet der schleppende Heizungstausch vor allem eines: höhere Energiekosten und weniger Planungssicherheit. Eine Familie, die heute noch mit einer 15 Jahre alten Gasheizung heizt, zahlt bei den aktuellen Gaspreisen etwa 2.500 bis 3.500 Euro jährlich für ihre Heizung. Eine moderne Wärmepumpe würde die Heizkosten auf etwa 1.200 bis 1.800 Euro reduzieren - bei gleichzeitiger Unabhängigkeit von Gaspreisschwankungen.

Besonders betroffen sind Haushalte in ländlichen Gebieten, die oft auf Heizöl angewiesen sind. Ein Einfamilienhaus mit Ölheizung verbraucht durchschnittlich 2.000 bis 3.000 Liter Heizöl pro Jahr. Bei den aktuellen Preisen bedeutet das Kosten von 2.000 bis 3.600 Euro jährlich. Eine Pelletsheizung würde die Kosten auf etwa 1.400 bis 2.100 Euro senken und dabei heimische Rohstoffe nutzen.

Technische Entwicklungen machen Wärmepumpen alltagstauglich

Die technische Entwicklung bei Wärmepumpen hat in den vergangenen Jahren große Fortschritte gemacht. Moderne Luft-Wasser-Wärmepumpen funktionieren auch bei Außentemperaturen von minus 20 Grad Celsius noch effizient. Diese Geräte entziehen der Außenluft auch bei Frost noch ausreichend Wärme und können damit auch in älteren, weniger gut gedämmten Gebäuden eingesetzt werden.

Erdwärme-Wärmepumpen nutzen die konstante Temperatur des Erdreichs und erreichen dadurch noch höhere Effizienzwerte. Sie benötigen allerdings Bohrungen oder Erdkollektoren, was die Installation aufwendiger macht. Grundwasser-Wärmepumpen sind die effizienteste Variante, können aber nur dort eingesetzt werden, wo ausreichend und geeignetes Grundwasser vorhanden ist.

Budgetäre Trennung zwischen Sanierung und Heizungstausch gefordert

Ein zentraler Punkt der Branchenforderung ist die klare budgetäre Trennung zwischen thermischer Sanierung und Heizungstausch. Bisher werden beide Bereiche oft aus demselben Fördertopf finanziert, was zu Konkurrenz zwischen den Maßnahmen führt. Die Branche argumentiert, dass sowohl die energetische Gebäudesanierung als auch der Heizungstausch wichtige, aber unterschiedliche Beiträge zum Klimaschutz leisten und daher getrennt gefördert werden sollten.

Die thermische Sanierung umfasst Maßnahmen wie die Dämmung von Außenwänden, Dach und Keller sowie den Austausch von Fenstern und Türen. Diese Maßnahmen reduzieren den Energiebedarf eines Gebäudes um 30 bis 70 Prozent, erfordern aber oft hohe Investitionen und längere Planungsphasen. Der Heizungstausch hingegen kann auch ohne umfassende Sanierung durchgeführt werden und bringt sofort eine Reduktion der CO2-Emissionen und der Energiekosten.

Arbeitsplätze in der Heizungsbranche gefährdet

Die unsichere Fördersituation gefährdet nicht nur die Klimaziele, sondern auch tausende Arbeitsplätze in der österreichischen Heizungsbranche. Installationsbetriebe, Hersteller von Wärmepumpen und Biomassekesseln sowie Zulieferer sind auf eine kontinuierliche Nachfrage angewiesen. Förderstopps führen zu Nachfrageeinbrüchen, die Unternehmen zwingen, Personal abzubauen oder Investitionen zu verschieben.

Die österreichische Heizungsbranche beschäftigt direkt und indirekt etwa 50.000 Menschen. Dazu gehören nicht nur die Hersteller von Heizsystemen, sondern auch Installateure, Servicetechniker, Projektentwickler und Zulieferer. Diese Arbeitsplätze sind größtenteils in regionalen Klein- und Mittelbetrieben angesiedelt und können nicht einfach ins Ausland verlagert werden.

Rechtliche Rahmenbedingungen als zusätzlicher Hebel

Neben der Aufstockung der Förderungen fordert die Branche auch klare rechtliche Signale. Ein verbindliches Erneuerbaren-Gebot für neue Heizsysteme und eine Außerbetriebnahme-Verpflichtung für alte fossile Kessel könnten den Umstieg beschleunigen. Ähnliche Regelungen gibt es bereits in anderen europäischen Ländern und haben dort zu einem deutlichen Rückgang der fossilen Heizungen geführt.

In Österreich gilt derzeit nur in Neubauten ein weitgehendes Verbot fossiler Heizsysteme. Bei der Sanierung bestehender Gebäude können jedoch nach wie vor Gas- und Ölheizungen eingebaut werden. Dies führt dazu, dass jährlich tausende neue fossile Heizsysteme installiert werden, die dann 15 bis 20 Jahre in Betrieb bleiben.

Zukunftsperspektive: Österreich als Vorreiter der Energiewende

Die Branche sieht in der aktuellen Situation nicht nur eine Herausforderung, sondern auch eine Chance für Österreich, sich als Vorreiter der Energiewende zu positionieren. Mit der richtigen Förderpolitik und klaren rechtlichen Rahmenbedingungen könnte das Land bis 2030 weitgehend unabhängig von fossilen Energieimporten für Heizung und Warmwasser werden.

Die technischen Voraussetzungen sind gegeben: Österreich verfügt über ausreichend erneuerbaren Strom für Wärmepumpen und über nachhaltige Biomasse-Ressourcen. Die heimischen Unternehmen haben die notwendigen Kapazitäten aufgebaut und das Know-how entwickelt. Was fehlt, ist die politische Entscheidung für eine konsequente und kontinuierliche Förderung.

Ein erfolgreicher Heizungstausch würde nicht nur die Energieabhängigkeit reduzieren und die CO2-Emissionen senken, sondern auch die Kaufkraft der Haushalte stärken. Die eingesparten Energiekosten würden zu einem großen Teil in der heimischen Wirtschaft ausgegeben und damit zusätzliche Wertschöpfung schaffen.

Konkrete Forderungen an die Politik

Die Branche richtet ihre Forderungen konkret an Finanzminister Magnus Brunner, Wirtschaftsminister Martin Kocher, Umweltministerin Leonore Gewessler sowie die Energiesprecher aller Parlamentsparteien. Im Juni 2026 soll das Doppelbudget 2027/2028 beschlossen werden - ein entscheidender Zeitpunkt für die Weichenstellung in der Energiepolitik.

Die Forderungen im Detail: 500 Millionen Euro jährlich für den Kesseltausch, verbindliche Budgetzusagen über mehrere Jahre, klare Trennung zwischen Sanierungsförderung und Heizungstausch sowie rechtliche Rahmenbedingungen, die den Ausstieg aus fossilen Heizsystemen beschleunigen.

"Gerade in diesen unsicheren Zeiten ist es wichtig, dass nicht nur die Politik handelt, sondern auch jene Haushalte, die heute noch mit fossilen Energieträgern heizen", appelliert Richard Freimüller an die Hausbesitzer. Sein Rat: "Bitte erkundigen Sie sich bei Ihrem Installateur, investieren Sie in eine Wärmepumpe und sichern Sie sich damit Unabhängigkeit und langfristige Leistbarkeit."

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