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Österreichische Post übernimmt 70% von euShipments.com um 55 Millionen Euro

6. März 2026 um 12:26
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Die Österreichische Post AG hat einen strategischen Coup gelandet: Mit der mehrheitlichen Übernahme des bulgarischen E-Commerce-Dienstleisters euShipments.com für 55 Millionen Euro sichert sich der...

Die Österreichische Post AG hat einen strategischen Coup gelandet: Mit der mehrheitlichen Übernahme des bulgarischen E-Commerce-Dienstleisters euShipments.com für 55 Millionen Euro sichert sich der heimische Konzern eine Schlüsselposition im boomenden osteuropäischen Online-Handel. Das Closing der Transaktion wurde heute erfolgreich abgeschlossen – ein Meilenstein in der Post-Strategie LEAD 2030, die das Unternehmen zum führenden E-Commerce-Player in Europa machen soll.

Der Deal umfasst 70 Prozent der Anteile an euShipments.com AD, einem der führenden Cross-Border- und Fulfillment-Anbieter in Südost- und Osteuropa. Zusätzlich verfügt die Post über eine Option, die restlichen 30 Prozent innerhalb der nächsten vier Jahre zu erwerben – ein klares Signal für langfristige Ambitionen in der Region.

Was bedeutet Cross-Border E-Commerce und Fulfillment?

Um die Tragweite dieser Übernahme zu verstehen, ist es wichtig, die Fachbegriffe zu erläutern: Cross-Border E-Commerce bezeichnet den grenzüberschreitenden Online-Handel, bei dem Verbraucher Produkte aus dem Ausland bestellen. Dieser Bereich wächst exponentiell, da immer mehr Menschen international einkaufen und Unternehmen ihre Reichweite erweitern möchten. Fulfillment wiederum umfasst alle Prozesse der Auftragsabwicklung – von der Lagerung der Waren über die Kommissionierung und Verpackung bis zur Auslieferung an den Endkunden. Ein Fulfillment-Anbieter übernimmt diese komplette Logistikkette für Online-Händler, die sich dadurch auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können.

euShipments.com fungiert als integrierte Plattform, die Online-Shops über eine einzige Schnittstelle mit verschiedenen E-Commerce-Portalen verbindet. Das Unternehmen bietet nicht nur klassische Logistikdienstleistungen, sondern auch Value Added Services wie Retourenmanagement, Zahlungsabwicklung und IOSS-Lösungen (Import-One-Stop-Shop) für den EU-weiten Handel.

Historische Entwicklung des E-Commerce in Osteuropa

Die Entscheidung der Post, in den osteuropäischen E-Commerce-Markt zu investieren, kommt nicht von ungefähr. Die Region erlebt seit Jahren ein überdurchschnittliches Wachstum im Online-Handel. Während Westeuropa bereits gesättigte Märkte aufweist, stehen Länder wie Bulgarien, Rumänien, Ungarn oder Polen noch am Anfang ihrer digitalen Transformation. Die COVID-19-Pandemie hat diesen Trend massiv beschleunigt – der Online-Handel in Osteuropa wuchs teilweise um über 50 Prozent pro Jahr.

euShipments.com wurde 2012 gegründet, als der E-Commerce in Südosteuropa noch in den Kinderschuhen steckte. Die Gründer erkannten früh das Potenzial der Region und positionierten sich als Brückenbauer zwischen lokalen Händlern und internationalen Märkten. Das Unternehmen profitierte von der steigenden Internet-Durchdringung, dem wachsenden Vertrauen der Konsumenten in Online-Einkäufe und der zunehmenden Professionalisierung der Logistikbranche.

Besonders bemerkenswert ist die Entwicklung des grenzüberschreitenden Handels in der Region. Während früher hauptsächlich lokale Märkte bedient wurden, suchen heute sowohl Händler als auch Konsumenten nach internationalen Lösungen. Diese Entwicklung macht spezialisierte Dienstleister wie euShipments.com zu unverzichtbaren Partnern für Unternehmen, die in neue Märkte expandieren wollen.

Vergleich mit anderen europäischen Märkten

Im Vergleich zu Deutschland oder der Schweiz hinkt Osteuropa beim E-Commerce noch hinterher, holt aber rasant auf. Während in Deutschland bereits über 80 Prozent der Bevölkerung regelmäßig online einkaufen, liegt dieser Wert in Bulgarien bei etwa 45 Prozent – mit stark steigender Tendenz. Die Schweiz gilt als einer der reifsten E-Commerce-Märkte weltweit, mit einem durchschnittlichen Online-Ausgabenwert pro Kopf von über 2.000 Euro jährlich.

In Österreich selbst hat die Post bereits eine dominante Position im Paketgeschäft inne und wickelt einen Großteil der E-Commerce-Sendungen ab. Mit dem Erwerb von euShipments.com erweitert das Unternehmen nun seinen Einflussbereich auf die wachstumsstarken Märkte im Osten. Diese geografische Diversifikation ist strategisch klug, da sie neue Wachstumsmöglichkeiten in Regionen eröffnet, die noch nicht von der Konkurrenz dominiert werden.

Konkrete Auswirkungen für österreichische Unternehmen

Die Übernahme bringt konkrete Vorteile für österreichische Online-Händler mit sich. Bisher war es für kleinere und mittlere Unternehmen oft schwierig und kostspielig, in osteuropäische Märkte zu expandieren. Die komplexen Zollbestimmungen, unterschiedlichen Währungen und lokalen Besonderheiten stellten hohe Hürden dar. Mit euShipments.com können österreichische Händler nun über eine einzige Plattform auf neun Fulfillment-Standorte in der Region zugreifen.

Ein praktisches Beispiel: Ein österreichischer Online-Shop für Sportartikel kann künftig seine Produkte in bulgarischen, rumänischen oder ungarischen Lagern von euShipments.com einlagern lassen. Wenn ein Kunde in Sofia eine Bestellung aufgibt, wird diese direkt vom örtlichen Fulfillment-Center verschickt – mit deutlich kürzeren Lieferzeiten und niedrigeren Kosten als bei einem Versand aus Österreich. Gleichzeitig übernimmt euShipments.com die lokale Zahlungsabwicklung, das Retourenmanagement und alle regulatorischen Anforderungen.

Für Konsumenten in Österreich bedeutet die Expansion indirekt auch mehr Auswahl und potenziell niedrigere Preise, da österreichische Händler durch den vereinfachten Zugang zu neuen Märkten ihre Umsätze steigern und Skaleneffekte nutzen können.

Beeindruckende Wachstumszahlen und Marktposition

Die Erfolgsgeschichte von euShipments.com spiegelt sich in beeindruckenden Kennzahlen wider. Das Unternehmen betreut über 1.300 Kunden, beschäftigt mehr als 400 Mitarbeiter und erwirtschaftete im vergangenen Jahr einen Umsatz von über 50 Millionen Euro bei guter Rentabilität. Diese Zahlen sind umso bemerkenswerter, wenn man bedenkt, dass das Unternehmen erst 2012 gegründet wurde.

Besonders hervorzuheben ist die Auszeichnung durch die Financial Times und Statista: Zum vierten Jahr in Folge wurde euShipments.com als eines der am schnellsten wachsenden Unternehmen Europas im FT1000-Ranking gelistet. Mit Platz 180 erreichte das Unternehmen seine bisher beste Gesamtplatzierung, in der Kategorie Logistik steht es sogar auf dem beachtlichen 8. Platz.

Die neun eigenen Fulfillment-Standorte mit Schwerpunkt Südost- und Osteuropa verschaffen euShipments.com einen erheblichen Wettbewerbsvorteil. Erst kürzlich wurden zwei neue Standorte in Italien (Bozen) und Spanien (Barcelona) eröffnet, wodurch die gesamte Lagerfläche um mehr als ein Drittel erhöht wurde. Diese strategische Erweiterung nach Südeuropa verkürzt die Transportzeiten erheblich und eröffnet neue Marktchancen.

Strategische Bedeutung für die Post-Gruppe

Für die Österreichische Post stellt die Übernahme einen wichtigen Baustein der Wachstumsstrategie LEAD 2030 dar. "Mit dem Closing setzen wir einen wichtigen Schritt in der Umsetzung unserer Wachstumsstrategie LEAD 2030", erklärt Walter Oblin, Generaldirektor der Österreichischen Post AG. Das Akronym LEAD steht für die vier strategischen Säulen: Leading customer experience, Excellent operations, Accelerated growth und Determined sustainability.

Peter Umundum, Generaldirektor-Stellvertreter und Vorstand für Paket & Logistik, betont den innovativen Charakter der Lösung: "Mit euShipments.com haben wir eine innovative Lösung, die Klein- und Mittelbetriebe über eine einzige Schnittstelle rasch und unkompliziert an unterschiedlichste E-Commerce-Portale anbindet." Diese Nahtlosigkeit im Cross-Border E-Commerce sei ein echter Mehrwert für Online-Shops beim internationalen Wachstum.

Die Rolle von Private Equity und Unternehmenstransaktionen

Interessant ist auch der Hintergrund der Transaktion: euShipments.com war zuvor ein Portfoliounternehmen von BlackPeak Capital, einer führenden Private-Equity-Gesellschaft mit Fokus auf Südost- und Mitteleuropa. BlackPeak Capital hatte 2022 in das Unternehmen investiert und dessen Expansion maßgeblich unterstützt, einschließlich der Umsetzung einer M&A-Strategie und der Skalierung der grenzüberschreitenden Logistikplattform.

Private-Equity-Gesellschaften wie BlackPeak Capital spielen eine wichtige Rolle bei der Entwicklung mittelständischer Unternehmen in Osteuropa. Sie bringen nicht nur Kapital mit, sondern auch strategisches Know-how und internationale Netzwerke. Der erfolgreiche Exit an die Österreichische Post zeigt, dass sich diese Investitionsstrategie auszahlt und gleichzeitig den Weg für weitere Konsolidierung in der Branche ebnet.

Zukunftsperspektiven und Marktausblick

Die Aussichten für die weitere Entwicklung sind vielversprechend. Svetlozar Dimitrov, CEO von euShipments.com, zeigt sich optimistisch: "Durch die Optimierung der Netzwerkanbindung, die Verbesserung der betrieblichen Effizienz und die Beschleunigung von Serviceinnovationen werden wir unseren Kunden ermöglichen, ihre Wettbewerbsfähigkeit in ihren aktiven Online-Märkten zu steigern."

Besonders spannend sind die Pläne für Expansionen über die EU hinaus. Der osteuropäische E-Commerce-Markt könnte als Sprungbrett für weitere internationale Aktivitäten dienen, beispielsweise in den Balkanstaaten, der Türkei oder anderen angrenzenden Regionen. Diese Märkte weisen teilweise noch höhere Wachstumsraten auf als die bereits erschlossenen EU-Länder.

Experten prognostizieren, dass der E-Commerce in Osteuropa in den nächsten fünf Jahren weiterhin zweistellige Wachstumsraten verzeichnen wird. Faktoren wie die zunehmende Smartphone-Penetration, verbesserte Internetinfrastrukturen und das wachsende Vertrauen in Online-Zahlungsmethoden werden diesen Trend weiter befeuern. Die Österreichische Post positioniert sich mit der euShipments.com-Übernahme optimal, um von dieser Entwicklung zu profitieren.

Synergien und Integrationsmöglichkeiten

Die Kombination aus der etablierten Position der Österreichischen Post im deutschsprachigen Raum und der Expertise von euShipments.com in Ost- und Südosteuropa eröffnet zahlreiche Synergien. Gemeinsame Technologieplattformen, geteilte Best Practices und eine erweiterte geografische Abdeckung können zu erheblichen Effizienzgewinnen führen.

Darüber hinaus kann die Post ihre bewährten Nachhaltigkeitsstandards und Umweltinitiativen auf die neuen Märkte übertragen. In Zeiten des Klimawandels und steigenden Umweltbewusstseins wird dies zu einem immer wichtigeren Wettbewerbsfaktor im E-Commerce.

Mit dieser strategischen Akquisition stärkt die Österreichische Post nicht nur ihre Position als integrierte E-Commerce-Dienstleisterin, sondern setzt auch ein starkes Zeichen für die Zukunftsfähigkeit des österreichischen Logistiksektors. Die Übernahme von euShipments.com könnte den Grundstein für weitere Expansionen legen und die Post zu einem der führenden E-Commerce-Player in ganz Europa machen. Für österreichische Unternehmen eröffnen sich dadurch neue Möglichkeiten für internationales Wachstum, während Verbraucher von verbesserten Services und kürzeren Lieferzeiten profitieren können.

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