Ein bemerkenswerter Trend prägt das österreichische Spendenwesen: Immer mehr Menschen entscheiden sich dafür, ihr Vermögen nach dem Tod für gemeinnützige Zwecke zu vermachen. Mit 122 Millionen Euro...
Ein bemerkenswerter Trend prägt das österreichische Spendenwesen: Immer mehr Menschen entscheiden sich dafür, ihr Vermögen nach dem Tod für gemeinnützige Zwecke zu vermachen. Mit 122 Millionen Euro erreichten die Testamentsspenden 2023 einen neuen Rekordwert – das entspricht fast jedem neunten Spendeneuro in Österreich.
Über die Beweggründe von Menschen, die per Testament spenden, weiß Markus Aichelburg, Leiter von „Vergissmeinnicht – Die Initiative für das gute Testament“. Die von 100 gemeinnützigen Organisationen aus ganz Österreich gemeinsam getragene Initiative informiert kostenlos und neutral über die Möglichkeit eines Vermächtnisses und führt regelmäßig Umfragestudien zum Thema Erben durch. „Immer mehr Menschen entscheiden sich dafür, die wertvolle Arbeit gemeinnütziger Einrichtungen über das eigene Leben hinaus zu unterstützen. Dahinter steht primär der Gedanke an einen sinnstiftenden Nachlass: Laut Umfrage unter 2.000 Personen über 40 Jahre möchten 56% der Befragten mit einer Testamentsspende auch nach ihrem Ableben Gutes bewirken. 38% nennen den persönlichen Bezug zu einer bestimmten Organisation als Grund und 36% möchten nicht, dass ihr Vermögen nach dem Tod an den Staat geht“, so Aichelburg.
Tendenziell vererben Österreichs Testamentsspender:innen im Schnitt 50.000 bis 100.000 Ꞓ. Zu über 90% stammen Testamentsspenden von alleinstehenden und kinderlosen Personen. Unter den präferierten Spendenzwecken sticht der Tierschutz hervor, gefolgt von den Bereichen Gesundheit, Pflege und Soziales sowie Hilfe für Kinder und Jugendliche. Unter der Gesamtbevölkerung über 40 Jahre kann sich mittlerweile fast ein Fünftel gut vorstellen, die gesamte Erbschaft einmal gemeinnützigen Anliegen zu widmen. 23% der Befragten würden Vereine als Ersatzerben einsetzen; besonders groß ist das Interesse unter kinderlosen Personen, von denen rund ein Drittel offen für eine Testamentsspende ist.
Alljährlich im April treffen die Vertreter:innen der 100 Vergissmeinnicht-Mitglieder aus allen gemeinnützigen Wirkungsbereichen zusammen, um sich bei ihren Spender:innen durch das gemeinsame Pflanzen von blühenden Vergissmeinnicht symbolisch zu bedanken. In diesem Jahr fand die gemeinsame Aktion am 8. April im Schlosspark Schönbrunn statt. Ruth Williams berichtet, dass die Mitglieder der Initiative außerdem eintausend Blumentöpfe mit Vergissmeinnicht-Samen in der Bevölkerung verteilten, um damit den Testamentsspender:innen symbolisch zu danken.
Die vom Fundraising Verband Austria ins Leben gerufene Initiative „Vergissmeinnicht“ hat es sich zur Aufgabe gemacht, flächendeckend zum Thema Testamentsspende und Erbrecht aufzuklären. Die 100 Mitglieder verbindet die Überzeugung, dass man mit einem Vermächtnis für den guten Zweck über das eigene Leben hinaus Gutes tun kann. Die Hilfsgemeinschaft der Blinden und Sehschwachen Österreichs betont, dass Testamentsspenden seit über 60 Jahren ihre Arbeit unterstützen und dank großzügiger Zuwendungen Beratungen und Hilfsmittel für ihre Mitglieder ermöglicht werden können. Auch Greenpeace hebt hervor, dass Testamentsspenden zur langfristigen Absicherung ihrer Arbeit beitragen.
Generell ist der Informationsbedarf beim Thema Erben sehr groß: Nur 31% der Personen über 40 haben bereits ein Testament gemacht. 50% bezeichnen sich als wenig bis gar nicht über das Erbrecht informiert.
In den kommenden Wochen informiert die Initiative „Vergissmeinnicht“ daher im Rahmen der „Wochen des guten Testaments“ in ganz Österreich – von Mattersburg bis Hohenems – bei kostenfreien Informationsveranstaltungen gemeinsam mit lokalen Notar:innen. Alle Termine: www.vergissmeinnicht.at