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OeKB Gruppe steigert Gewinn um 8,3 Prozent auf 73,1 Millionen Euro

16. April 2026 um 05:36
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Österreichs wichtigste Exportfinanzierungsbank hat trotz eines schwierigen wirtschaftlichen Umfelds ein beeindruckendes Geschäftsjahr 2025 abgeschlossen. Die Oesterreichische Kontrollbank AG (OeKB)...

Österreichs wichtigste Exportfinanzierungsbank hat trotz eines schwierigen wirtschaftlichen Umfelds ein beeindruckendes Geschäftsjahr 2025 abgeschlossen. Die Oesterreichische Kontrollbank AG (OeKB) und ihre Tochterunternehmen konnten ihren Gewinn nach Steuern um 8,3 Prozent auf 73,1 Millionen Euro steigern und dabei gleichzeitig das Neugeschäftsvolumen in den Export Services deutlich ausweiten. Diese Entwicklung zeigt die zentrale Rolle der OeKB als stabilisierender Faktor für die österreichische Wirtschaft in geopolitisch turbulenten Zeiten.

Was bedeutet Exportfinanzierung für die österreichische Wirtschaft?

Exportfinanzierung ist das Rückgrat des internationalen Handels und für ein exportorientiertes Land wie Österreich von existenzieller Bedeutung. Die OeKB fungiert dabei als staatliche Spezialbank, die österreichischen Unternehmen bei ihren Auslandsgeschäften hilft. Durch Exporthaftungen übernimmt sie das Risiko, dass ausländische Käufer ihre Rechnungen nicht bezahlen können – etwa wegen politischer Krisen oder Währungsproblemen. Bei Exportfinanzierungen stellt sie günstige Kredite zur Verfügung, damit österreichische Firmen ihre Produkte ins Ausland verkaufen können. Diese Instrumente sind besonders wichtig für kleine und mittlere Unternehmen, die sich solche Risiken nicht leisten könnten. Ohne diese Absicherung würden viele Exportgeschäfte gar nicht zustande kommen, was Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum in Österreich gefährden würde. Die OeKB wirkt somit als Brücke zwischen heimischen Unternehmen und internationalen Märkten.

Dramatischer Anstieg bei Exporthaftungen und Finanzierungen

Die Zahlen des Geschäftsjahres 2025 spiegeln die angespannte globale Lage wider: Bei den Exporthaftungen verzeichnete die OeKB Neuzusagen im Wert von rund 7,7 Milliarden Euro – ein beeindruckender Anstieg von 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Die Exportfinanzierungen stiegen ebenfalls deutlich auf 5,9 Milliarden Euro, was einem Plus von 16 Prozent entspricht. Diese Entwicklung zeigt, wie sehr österreichische Unternehmen auf staatliche Unterstützung angewiesen sind, um in einem von geopolitischen Krisen geprägten Umfeld bestehen zu können.

Helmut Bernkopf, Vorstandsmitglied der OeKB für Export Services, erklärt die Hintergründe: "Das Exportfördersystem hat sich einmal mehr gerade auch in einer ökonomisch und geopolitisch anspruchsvollen Situation als stabilisierender Faktor für die österreichische Wirtschaft erwiesen." Besonders gefragt waren die Produkte Vorratsinvest und Shopping Lines, die Unternehmen dabei helfen, ihre Lagerbestände zu finanzieren und kurzfristige Liquiditätsengpässe zu überbrücken.

Neue Maßnahmenpakete für kritische Situationen

Im November 2025 beschloss die OeKB gemeinsam mit dem Bundesministerium für Finanzen ein weiteres Maßnahmenpaket, das speziell auf die aktuellen Herausforderungen zugeschnitten ist. Dazu gehört die Finanzierung von Unternehmensgründungen und -übernahmen, eine erweiterte Finanzierung von Betriebsmitteln und Vorräten sowie die Schaffung einer Supply Chain Financing-Möglichkeit. Letztere ist besonders für kritische Rohstoffe gedacht und soll Lieferketten stabilisieren.

Österreichs Exportwirtschaft im internationalen Vergleich

Österreich ist traditionell ein exportstarkes Land mit einer Exportquote von rund 55 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Damit liegt das Land deutlich über dem EU-Durchschnitt von etwa 45 Prozent und zeigt sich ähnlich exportorientiert wie Deutschland (47 Prozent) oder die Schweiz (65 Prozent). Die hohe Exportabhängigkeit macht österreichische Unternehmen besonders anfällig für globale Krisen, aber auch für Chancen auf internationalen Märkten. Der Rückgang der Warenexporte um nur 0,5 Prozent im Jahr 2025 ist vor diesem Hintergrund als Erfolg zu werten, zumal viele andere europäische Länder deutlich stärkere Einbußen verzeichneten.

Im Vergleich zu anderen nationalen Exportkreditagenturen zeigt sich die OeKB als besonders effizient. Während die deutsche KfW IPEX-Bank oder die Schweizer SERV ähnliche Aufgaben erfüllen, konnte die OeKB ihr Neugeschäftsvolumen überproportional steigern. Dies liegt auch an der flexiblen Anpassung der Instrumente an die Bedürfnisse der heimischen Wirtschaft.

Kapitalmarktdienstleistungen als zweites Standbein

Neben der Exportfinanzierung ist die OeKB auch ein zentraler Akteur am österreichischen Kapitalmarkt. Das Unternehmen erbringt umfangreiche Daten- und Infrastrukturdienstleistungen, die für das Funktionieren des Finanzplatzes Wien unverzichtbar sind. Dazu gehören gesetzliche Funktionen wie die Meldestelle für Beteiligungen oder die Verwaltung von Wertpapierdepots.

Angelika Sommer-Hemetsberger, Vorstandsmitglied für Kapitalmarktaktivitäten, betont die Fortschritte bei der Digitalisierung: "Auch 2025 war sehr stark von der voranschreitenden Digitalisierung und dadurch ermöglichten Automatisierungen und Serviceausweitungen geprägt." Ein wichtiger Meilenstein ist die Einbindung in den European Single Access Point (ESAP), ein zentrales EU-Portal für Finanz- und Nachhaltigkeitsdaten. Die OeKB wird dabei als Schnittstelle zwischen österreichischen Unternehmen und der europäischen Dateninfrastruktur fungieren.

Energiemarkt-Services gewinnen an Bedeutung

Ein weiteres Geschäftsfeld der OeKB sind Services für den Energiemarkt, insbesondere Finanzclearing und Risk Management. In Zeiten der Energiekrise und des Übergangs zu erneuerbaren Energien gewinnt dieser Bereich zunehmend an Bedeutung. Die OeKB unterstützt dabei große Transformations- und Energieprojekte, die für die Energiewende in Österreich entscheidend sind.

Konkrete Auswirkungen auf österreichische Unternehmen

Die Dienstleistungen der OeKB haben direkte Auswirkungen auf das tägliche Geschäft österreichischer Unternehmen. Ein mittelständischer Maschinenbauer aus Oberösterreich kann dank einer OeKB-Haftung seine Anlagen nach Indien verkaufen, ohne das Risiko eines Zahlungsausfalls tragen zu müssen. Ein Stahlproduzent aus der Steiermark erhält günstige Finanzierung für den Export seiner Produkte nach Südamerika. Ein Technologieunternehmen aus Wien kann dank der neuen Supply Chain Financing-Möglichkeit kritische Halbleiter aus Asien importieren, ohne dabei Liquiditätsprobleme zu bekommen.

Diese Beispiele zeigen, wie die OeKB als Katalysator für den internationalen Handel fungiert. Ohne diese Unterstützung würden viele Geschäfte nicht zustande kommen, was sich negativ auf Arbeitsplätze und Wirtschaftswachstum auswirken würde. Studien zeigen, dass jeder Euro, den die OeKB als Haftung übernimmt, etwa drei bis vier Euro an Exportvolumen generiert.

Finanzielle Kennzahlen im Detail

Die finanzielle Performance der OeKB Gruppe zeigt die Stabilität des Geschäftsmodells. Der Gewinn nach Steuern stieg von 67,5 Millionen Euro im Vorjahr auf 73,1 Millionen Euro im Jahr 2025. Der Zinsüberschuss blieb mit 133,1 Millionen Euro stabil, was die solide Zinsmarge des Unternehmens widerspiegelt. Besonders erfreulich entwickelte sich das Provisionsergebnis, das um 7 Prozent auf 51,6 Millionen Euro zulegen konnte. Dies zeigt die wachsende Nachfrage nach den Dienstleistungen der OeKB.

Das Gesamtergebnis erreichte 81,3 Millionen Euro gegenüber 69,3 Millionen Euro im Vorjahr. Allerdings war dieses Ergebnis durch versicherungsmathematische Effekte bei den Pensionsrückstellungen beeinflusst, was bei Finanzunternehmen dieser Größenordnung nicht ungewöhnlich ist. Die Eigenkapitalquote bleibt mit über 20 Prozent sehr solide und deutlich über den regulatorischen Mindestanforderungen.

Historische Entwicklung und Bedeutung der OeKB

Die Oesterreichische Kontrollbank wurde 1946 als Aktiengesellschaft gegründet, um den Wiederaufbau der österreichischen Wirtschaft nach dem Zweiten Weltkrieg zu unterstützen. Ursprünglich konzentrierte sich das Institut auf die Verwaltung von Marshall-Plan-Mitteln und die Finanzierung des Wiederaufbaus. In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich die OeKB zur zentralen Institution für Exportfinanzierung und Kapitalmarktdienstleistungen. Heute ist sie eine der wichtigsten Säulen des österreichischen Finanzsystems und beschäftigt mehr als 500 Mitarbeiter an den Standorten Wien und anderen österreichischen Städten.

Die Eigentümerstruktur spiegelt die öffentliche Aufgabe wider: Die Republik Österreich hält über verschiedene Vehikel die Mehrheit an der OeKB, während auch private Banken und institutionelle Investoren beteiligt sind. Diese Struktur gewährleistet sowohl die Erfüllung der volkswirtschaftlichen Aufgaben als auch eine effiziente, marktorientierte Geschäftsführung.

Geopolitische Herausforderungen und Risikomanagement

Das Jahr 2025 war geprägt von zahlreichen geopolitischen Spannungen, die das internationale Geschäft erschwerten. Der anhaltende Krieg in der Ukraine, Handelskonflikte zwischen den USA und China sowie politische Instabilität in verschiedenen Schwellenmärkten erhöhten die Risiken für österreichische Exporteure. In diesem Umfeld zeigte sich die Bedeutung der OeKB als Risikoabsorber besonders deutlich.

Das Risikomanagement der OeKB umfasst sowohl länderspezifische als auch branchenspezifische Analysen. Dabei arbeitet das Institut eng mit internationalen Organisationen wie der OECD und der Weltbank zusammen, um aktuelle Risikoeinschätzungen zu erhalten. Die Diversifikation des Portfolios über verschiedene Länder und Branchen hilft dabei, Klumpenrisiken zu vermeiden.

Nachhaltigkeit und ESG-Kriterien im Fokus

Nachhaltigkeit spielt eine immer wichtigere Rolle in der Geschäftstätigkeit der OeKB. Das Unternehmen hat sich verpflichtet, bei allen Finanzierungsentscheidungen Umwelt-, Sozial- und Governance-Kriterien (ESG) zu berücksichtigen. Besonders unterstützt werden Projekte im Bereich erneuerbarer Energien, Energieeffizienz und nachhaltiger Mobilität. Der Nachhaltigkeitsbericht der OeKB Gruppe, der jährlich veröffentlicht wird, dokumentiert die Fortschritte in diesem Bereich.

Diese Ausrichtung entspricht auch den Erwartungen der Stakeholder und regulatorischen Anforderungen. Die EU-Taxonomie für nachhaltige Aktivitäten beeinflusst zunehmend die Geschäftstätigkeit von Finanzinstituten und macht ESG-konforme Finanzierungen zu einem wichtigen Wettbewerbsfaktor.

Digitalisierung als Wachstumstreiber

Die fortschreitende Digitalisierung eröffnet der OeKB neue Geschäftsmöglichkeiten und verbessert gleichzeitig die Effizienz bestehender Prozesse. Die Kundenplattform "my.oekb" ermöglicht es Kunden, alle relevanten Informationen und Services online abzurufen. Automatisierte Prozesse reduzieren Bearbeitungszeiten und Kosten, was letztendlich den Kunden zugutekommt.

Besonders wichtig ist die Einbindung in europäische Dateninfrastrukturen wie den European Single Access Point (ESAP). Dieser zentrale Zugang zu Finanz- und Nachhaltigkeitsdaten wird den Informationsaustausch zwischen verschiedenen europäischen Märkten erheblich erleichtern und neue Geschäftsmöglichkeiten schaffen.

Ausblick auf das Geschäftsjahr 2026

Trotz des anhaltend volatilen Umfelds blickt die OeKB Gruppe optimistisch auf das Jahr 2026. Das Management erwartet eine weitere positive operative Ertragsentwicklung, auch wenn die geopolitischen Unsicherheiten bestehen bleiben. Mehrere Faktoren sprechen für diese positive Einschätzung: Die österreichische Wirtschaft hat in der zweiten Jahreshälfte 2025 wieder Wachstum gezeigt, neue Produktangebote stoßen auf starke Nachfrage, und die Digitalisierungsfortschritte verbessern die Effizienz.

Besonders die neuen Finanzierungsmöglichkeiten für kritische Rohstoffe und Lieferketten dürften angesichts der geopolitischen Spannungen stark nachgefragt werden. Auch die Unterstützung von Transformations- und Energieprojekten wird weiter an Bedeutung gewinnen, da österreichische Unternehmen ihre Geschäftsmodelle an die Herausforderungen des Klimawandels anpassen müssen.

Bedeutung für den Wirtschaftsstandort Österreich

Die OeKB Gruppe leistet einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts Österreich. Durch ihre Dienstleistungen ermöglicht sie österreichischen Unternehmen den Zugang zu internationalen Märkten und hilft dabei, Arbeitsplätze zu sichern und neue zu schaffen. Die Kapitalmarktdienstleistungen tragen zur Attraktivität des Finanzplatzes Wien bei und unterstützen österreichische Unternehmen beim Zugang zu Kapital.

Mit mehr als 500 Mitarbeitern ist die OeKB selbst ein bedeutender Arbeitgeber im Finanzsektor. Die hohe Qualifikation der Beschäftigten und die kontinuierliche Weiterbildung tragen zur Wettbewerbsfähigkeit des österreichischen Finanzplatzes bei. Als wettbewerbsneutrales und sektorenübergreifend tätiges Institut gewährleistet die OeKB faire Bedingungen für alle österreichischen Unternehmen, unabhängig von Größe oder Branche.

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