Zurück
OTS-MeldungFrauen/Wertschätzung/Familie

NÖ Landesrätin fordert: Frauen brauchen mehr als Symbolpolitik

7. März 2026 um 07:16
📰 OTS Import
Teilen:

Pünktlich zum Internationalen Weltfrauentag am 8. März 2024 meldet sich die niederösterreichische Landesrätin Susanne Rosenkranz (FPÖ) mit klaren Worten zu Wort. Ihre Botschaft ist eindeutig: Warme...

Pünktlich zum Internationalen Weltfrauentag am 8. März 2024 meldet sich die niederösterreichische Landesrätin Susanne Rosenkranz (FPÖ) mit klaren Worten zu Wort. Ihre Botschaft ist eindeutig: Warme Worte und ideologische Debatten reichen nicht aus – Frauen brauchen konkrete politische Maßnahmen, die sich an ihrer Lebensrealität orientieren. Die Politikerin kritisiert dabei scharf die ihrer Ansicht nach oberflächliche Symbolpolitik rund um Gendersternchen und Binnen-I, während gleichzeitig echte Probleme wie Altersarmut bei Müttern und fehlende Wiedereinstiegschancen ungelöst bleiben.

Die unsichtbare Leistung der Mütter

Im Zentrum von Rosenkranz' Argumentation steht die gesellschaftliche Anerkennung von Müttern und deren oft unsichtbarer Arbeit. "Mutter zu sein bedeutet Verantwortung, Organisation und Lebensleistung", betont die Landesrätin und wendet sich damit gegen die Abwertung der Mutterrolle in der modernen Gesellschaft. Diese Positionierung ist besonders bemerkenswert, da sie in einer Zeit erfolgt, in der traditionelle Familienmodelle zunehmend hinterfragt werden.

Die Rolle der Mutter als "nur Hausfrau" zu bezeichnen, sei ein gesellschaftlicher Fehler, argumentiert Rosenkranz. Tatsächlich zeigen aktuelle Studien des Österreichischen Instituts für Familienforschung, dass unbezahlte Care-Arbeit in Österreich einen volkswirtschaftlichen Wert von rund 105 Milliarden Euro pro Jahr hat – das entspricht etwa einem Viertel des Bruttoinlandsprodukts. Frauen leisten dabei etwa zwei Drittel dieser unbezahlten Arbeit, was ihre zentrale Rolle in der Gesellschaft unterstreicht.

Kindererziehung als volkswirtschaftlicher Faktor

Die Erziehung von Kindern ist weit mehr als eine private Angelegenheit – sie ist eine Investition in die Zukunft der Gesellschaft. Mütter übernehmen dabei nicht nur die physische Betreuung, sondern auch die Vermittlung von Werten, Kultur und sozialen Kompetenzen. Diese "soft skills" werden in einer digitalisierten Arbeitswelt immer wichtiger und bilden das Fundament für eine funktionierende Gesellschaft.

Rosenkranz verweist dabei auf eine soziale Realität, die oft übersehen wird: "Armut sitzt oft im Kinderwagen." Diese prägnante Formulierung beschreibt ein statistisch belegtes Phänomen. Laut Statistik Austria sind Alleinerziehende und kinderreiche Familien überproportional von Armutsgefährdung betroffen. 2023 lag die Armutsgefährdungsquote bei Haushalten mit drei oder mehr Kindern bei 19,2 Prozent – deutlich über dem österreichischen Durchschnitt von 13,9 Prozent.

Das Dilemma der Altersvorsorge

Ein zentraler Punkt in Rosenkranz' Argumentation betrifft die Altersvorsorge von Frauen, die Betreuungsaufgaben übernommen haben. Hier klafft eine massive Lücke im österreichischen Pensionssystem. Frauen, die ihre Berufstätigkeit für Kindererziehung oder Pflege von Angehörigen unterbrechen, zahlen einen hohen Preis in Form niedrigerer Pensionen.

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Der sogenannte Gender Pension Gap – der Unterschied zwischen den Pensionen von Männern und Frauen – beträgt in Österreich etwa 42 Prozent. Das ist einer der höchsten Werte in der Europäischen Union. Frauen erhalten durchschnittlich nur 1.073 Euro Pension pro Monat, während Männer auf 1.844 Euro kommen. Diese Differenz resultiert hauptsächlich aus unterbrochenen Erwerbsbiografien aufgrund von Betreuungspflichten.

Kindererziehungszeiten und ihre Anerkennung

Das österreichische Pensionssystem berücksichtigt Kindererziehungszeiten bereits teilweise durch die sogenannten "Kindererziehungszeiten". Pro Kind werden maximal vier Jahre für die Pension angerechnet, wobei diese Zeit mit 60 Prozent der Beitragsgrundlage bewertet wird. Dennoch reicht diese Maßnahme nicht aus, um die Pensionslücke zu schließen. Rosenkranz fordert daher eine fairere und angemessenere Anrechnung dieser gesellschaftlich wertvollen Arbeit.

Im internationalen Vergleich zeigt sich, dass andere Länder innovative Lösungsansätze entwickelt haben. Deutschland etwa führte das "Splitting-Modell" ein, bei dem Ehepartner ihre Rentenansprüche teilen können. Frankreich wiederum gewährt Frauen Rentenpunkte für jedes Kind, was zu deutlich geringeren Pensionsunterschieden führt.

Bildung als Schlüssel zur Selbstständigkeit

Rosenkranz betont die zentrale Bedeutung der Bildung für die wirtschaftliche Selbstständigkeit von Frauen. Statistiken des Arbeitsmarktservice (AMS) belegen eindeutig den Zusammenhang zwischen Bildungsniveau und Arbeitsmarktchancen. Während die Arbeitslosenquote bei Personen mit Pflichtschulabschluss 2023 bei 16,1 Prozent lag, betrug sie bei Universitätsabsolventen nur 3,2 Prozent.

Besonders dramatisch zeigt sich dieser Unterschied bei der Langzeitarbeitslosigkeit. Frauen ohne abgeschlossene Berufsausbildung haben ein fünfmal höheres Risiko, länger als ein Jahr arbeitslos zu sein, als solche mit Hochschulabschluss. Diese Zahlen unterstreichen Rosenkranz' Forderung nach solider Ausbildung als "zentralem Schlüssel für Selbstständigkeit und Sicherheit".

Regionale Unterschiede in Niederösterreich

In Niederösterreich zeigen sich deutliche regionale Unterschiede bei den Arbeitsmarktchancen für Frauen. Während im Großraum Wien-Umland die Frauenerwerbsquote bei über 70 Prozent liegt, erreicht sie in peripheren Regionen des Waldviertels nur etwa 60 Prozent. Hier setzt Rosenkranz mit gezielten regionalen Projekten an, die punktgenau bei der Wiedereingliederung ins Arbeitsleben helfen sollen.

Diese "Gießkannen-Vermeidung" entspricht einem modernen Ansatz der Arbeitsmarktpolitik, der auf maßgeschneiderte Lösungen für spezifische Problemlagen setzt. Statt pauschaler Förderungen werden Ressourcen dort eingesetzt, wo sie den größten Effekt erzielen können.

Die Stärken erfahrener Arbeitnehmerinnen

Ein besonders wichtiger Aspekt in Rosenkranz' Ausführungen betrifft ältere Arbeitnehmerinnen. Frauen über 50 sind auf dem Arbeitsmarkt oft benachteiligt, obwohl sie wertvolle Kompetenzen mitbringen. Die Landesrätin hebt hervor: "Frauen über 50 bringen enorme Kompetenz, Erfahrung und Verlässlichkeit in die Betriebe ein."

Diese Einschätzung wird durch arbeitspsychologische Studien gestützt. Ältere Arbeitnehmerinnen zeichnen sich durch höhere Loyalität, geringere Fehlzeiten und ausgeprägte Problemlösungskompetenz aus. Gleichzeitig sinken mit dem Alter die Kosten für Weiterbildung und Einarbeitung, da diese Mitarbeiterinnen bereits über einen reichen Erfahrungsschatz verfügen.

Age Management in österreichischen Unternehmen

Dennoch kämpfen Frauen über 45 Jahren mit besonderen Herausforderungen am Arbeitsmarkt. Die Wiedereinstiegsquote nach längerer Arbeitslosigkeit sinkt ab diesem Alter drastisch. Während 30-jährige Frauen nach einem Jahr Arbeitslosigkeit eine 65-prozentige Chance auf Wiedereinstieg haben, liegt diese Quote bei 50-jährigen Frauen nur noch bei 35 Prozent.

Innovative Unternehmen in Niederösterreich haben bereits erkannt, dass erfahrene Mitarbeiterinnen einen Wettbewerbsvorteil darstellen können. Besonders in Bereichen wie Kundenberatung, Qualitätskontrolle oder Mentoring zeigen ältere Arbeitnehmerinnen oft überdurchschnittliche Leistungen.

Kritik an Gender-Debatten

Besonders scharf kritisiert Rosenkranz die ihrer Ansicht nach oberflächlichen Debatten um gendergerechte Sprache. "Frauen brauchen keine Sonntagsreden zur gendergerechten Selbstbeweihräucherung und keine endlosen Debatten über Sternchen und Binnen-I", so die Landesrätin. Diese Positionierung spiegelt eine breitere gesellschaftliche Diskussion wider, die auch in anderen europäischen Ländern geführt wird.

Während Befürworter gendergerechter Sprache argumentieren, dass Sprache Bewusstsein schafft und zur Gleichberechtigung beiträgt, sehen Kritiker wie Rosenkranz darin eine Ablenkung von den wirklichen Problemen. Studien zum Thema zeigen gemischte Ergebnisse: Während einige Untersuchungen positive Effekte auf die Wahrnehmung von Geschlechterrollen feststellen, bezweifeln andere die praktische Wirksamkeit solcher Maßnahmen.

Pragmatische versus ideologische Ansätze

Die Debatte zwischen pragmatischen und ideologischen Ansätzen in der Frauenpolitik ist nicht neu, gewinnt aber in Zeiten knapper öffentlicher Ressourcen an Brisanz. Rosenkranz vertritt dabei einen explizit ergebnisorientierten Ansatz, der messbare Verbesserungen in der Lebenssituation von Frauen über symbolische Gesten stellt.

Diese Haltung findet auch in der österreichischen Bevölkerung Widerhall. Umfragen zeigen, dass Frauen pragmatische Maßnahmen wie bessere Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeiten oder faire Bezahlung deutlich höher bewerten als sprachliche Reformen oder Quotenregelungen.

Internationale Perspektiven

Im europäischen Vergleich nimmt Österreich bei der Gleichstellung eine mittlere Position ein. Während nordische Länder wie Schweden oder Dänemark bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf führend sind, hinkt Österreich besonders bei der Kinderbetreuungsinfrastruktur hinterher. Nur 28 Prozent der unter Dreijährigen besuchen in Österreich eine Betreuungseinrichtung – in Dänemark sind es 61 Prozent.

Diese Unterschiede erklären auch, warum österreichische Frauen häufiger und länger ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen müssen. In Frankreich etwa ermöglicht ein flächendeckendes Betreuungssystem bereits ab dem dritten Lebensmonat eine frühere Rückkehr in den Beruf, was sich positiv auf die Pensionshöhe auswirkt.

Best Practice Beispiele

Länder wie die Schweiz oder Deutschland haben innovative Modelle entwickelt, um die Doppelbelastung von Frauen zu reduzieren. Das deutsche Elterngeld-Plus-System oder die schweizerischen Modelle zur Anerkennung von Care-Arbeit könnten auch für Österreich Vorbildcharakter haben.

Besonders interessant ist das isländische Modell, das Väter stärker in die Kinderbetreuung einbezieht. Durch nicht übertragbare Vaterschaftszeiten wird die Care-Arbeit gleichmäßiger verteilt, was sich positiv auf die Karrierechancen von Frauen auswirkt.

Systemrelevante Berufe und Frauenanteil

Rosenkranz erwähnt die Stärkung systemrelevanter Berufe, in denen Frauen überproportional vertreten sind. Die Corona-Pandemie hat deutlich gemacht, wie wichtig Bereiche wie Pflege, Bildung oder Handel für das Funktionieren der Gesellschaft sind. Gleichzeitig sind diese Berufe oft schlecht bezahlt und bieten wenig Aufstiegsmöglichkeiten.

In der Pflege arbeiten etwa 84 Prozent Frauen, in der Kinderbetreuung sogar 96 Prozent. Diese Bereiche zeichnen sich durch hohe emotionale Belastung, ungünstige Arbeitszeiten und unterdurchschnittliche Bezahlung aus. Eine Aufwertung dieser Tätigkeiten würde nicht nur die Arbeitsbedingungen verbessern, sondern auch ein Signal für die gesellschaftliche Wertschätzung von Care-Arbeit setzen.

Zukunftsperspektiven und Handlungsbedarf

Die demografische Entwicklung Österreichs macht deutlich, dass innovative Lösungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf dringend erforderlich sind. Mit einer sinkenden Geburtenrate von 1,44 Kindern pro Frau und einer alternden Gesellschaft steigt der Druck auf das Pensionssystem und die Pflege älterer Menschen.

Gleichzeitig bieten technologische Entwicklungen neue Möglichkeiten für flexible Arbeitsmodelle. Homeoffice, digitale Plattformen und automatisierte Prozesse könnten Frauen helfen, Familie und Beruf besser zu vereinbaren. Voraussetzung dafür ist jedoch eine entsprechende digitale Kompetenz und Infrastruktur.

Politische Reformansätze

Konkrete Reformvorschläge für eine frauenfreundlichere Politik könnten eine bessere Anrechnung von Betreuungszeiten, flexible Arbeitsmodelle in der öffentlichen Verwaltung oder steuerliche Entlastungen für Familien umfassen. Auch eine Reform des Kinderbetreuungsgeldes hin zu einem einkommensabhängigen Modell könnte Anreize für eine gleichmäßigere Aufteilung der Betreuungsarbeit schaffen.

Die Digitalisierung bietet weitere Chancen: Online-Weiterbildungen können Frauen während der Familienphase ihre Qualifikationen aktuell halten, während digitale Plattformen neue Formen der Erwerbstätigkeit ermöglichen. Allerdings müssen auch die Risiken prekärer Beschäftigung in der Gig-Economy berücksichtigt werden.

Rosenkranz' Forderung nach einer Politik, die sich an der Lebensrealität von Frauen orientiert, trifft damit einen zentralen Punkt. Die Herausforderung liegt darin, traditionelle Rollenbilder zu respektieren und gleichzeitig moderne Lebensentwürfe zu ermöglichen. Nur so kann eine Politik entstehen, die Frauen echte Wahlfreiheit für ihren Lebensweg bietet – jeden Tag, nicht nur am Weltfrauentag.

Weitere Meldungen

OTS
SPÖ

Holzleitner mit 99% als SPÖ-Frauenvorsitzende bestätigt

6. März 2026
Lesen
OTS
Frauen

Weltfrauentag 2024: 800.000 Österreicher pflegen Angehörige

6. März 2026
Lesen
OTS
SPÖ

SPÖ-Frauenkonferenz: Holzleitner kündigt Reformen an

6. März 2026
Lesen
Alle Meldungen anzeigen