Hochmoderne Anlage soll bis 2030 Wiens Wasserversorgung sichern
Wien beginnt mit dem Bau eines neuen Wasserwerks auf der Donauinsel. Das 140-Millionen-Euro-Projekt ist Teil der Strategie "Wiener Wasser 2050".
Wien baut auf der Donauinsel ein neues Trinkwasserwerk. Seit April 2026 entstehen zwischen Nordbrücke und Steinitzsteg Anlagen, die bis 2030 zusätzliches Grundwasser aufbereiten sollen. Das Projekt ist Teil der Strategie „Wiener Wasser 2050“ und soll die Versorgungssicherheit in einer wachsenden und heißer werdenden Stadt erhöhen. Der Kostenrahmen liegt laut Stadt Wien bei rund 140 Millionen Euro.
Die Zahlen machen die Dimension deutlich: Das Wasser wird aus 17 Grundwasser-Brunnen in den Schutzgebieten Donauinsel und Nußdorf entnommen. Das neue Werk soll künftig bis zu 1.000 Liter Trinkwasser pro Sekunde liefern. Damit können nach Angaben der Stadt bis zu 22 Prozent des durchschnittlichen Tagesbedarfes gedeckt werden. Besonders wichtig ist diese Reserve bei Hitzewellen, Reparaturen an Hochquellenleitungen oder Ausfällen einzelner Quellen.
Wien wächst, und der Klimawandel erhöht den Druck auf die Wasserversorgung. Mehr Menschen bedeuten mehr täglichen Bedarf. Längere Hitzeperioden können Verbrauchsspitzen verursachen. Gleichzeitig muss Trinkwasser auch dann verfügbar bleiben, wenn einzelne Anlagen gewartet werden oder Quellen temporär weniger liefern. Genau für diese Situationen soll das Wasserwerk Donauinsel zusätzliche Flexibilität schaffen.
Die Strategie „Wiener Wasser 2050“ setzt deshalb auf mehrere Ebenen: verfügbare Wassermengen erhöhen, Wasserbehälter sanieren und vergrößern, das Rohrnetz ausbauen und Energie aus wasserbezogener Infrastruktur nutzen. Das neue Werk ist ein Baustein in diesem Gesamtplan. Es ersetzt nicht die Wiener Hochquellenleitungen, sondern ergänzt die Versorgung mit aufbereitetem Grundwasser aus geschützten Bereichen.
Für die Bevölkerung ist die Botschaft pragmatisch: Trinkwasser soll auch in Zukunft jederzeit in hoher Qualität verfügbar sein. Die Stadt spricht bewusst von Vorsorge. Ein Wasserwerk, das erst 2030 fertig wird, reagiert nicht auf ein einzelnes aktuelles Problem, sondern auf erwartbare Langfristtrends.
Im neuen Wasserwerk wird Grundwasser mehrstufig behandelt. Die Stadt beschreibt vier zentrale Schritte. Zunächst wird dem Wasser Sauerstoff zugeführt. Diese Belüftung hilft, gelöste Stoffe abzubauen. Danach läuft das Wasser durch einen Grobfilter und anschließend durch einen Feinfilter. Im letzten Schritt wird es mit UV-Licht desinfiziert, bevor es in das Wiener Rohrnetz gepumpt wird.
Wiener Wasser vergleicht die Filterwirkung mit der natürlichen Reinigung von Hochquellwasser im Berg. Dieser Vergleich ist anschaulich, sollte aber nicht missverstanden werden: Das neue Werk ist eine technische Aufbereitungsanlage. Es nutzt mineralische Filterstoffe, Belüftung, Filtration und UV-Desinfektion, damit das geförderte Grundwasser zuverlässig Trinkwasserqualität erreicht.
Zusätzlich kooperiert Wiener Wasser mit mehreren Universitäten. Eine Pilotanlage soll einzelne Verfahrensschritte testen und optimieren. Im fertigen Wasserwerk ist eine fixe Versuchsstrecke vorgesehen. Das ist relevant, weil Wasseraufbereitung kein statischer Prozess ist. Technik, Messmethoden und Anforderungen entwickeln sich weiter. Eine Versuchsstrecke ermöglicht es, neue Verfahren nicht erst im laufenden Vollbetrieb improvisieren zu müssen.
Der Baustart ist laut Stadt Wien mit 20. April 2026 angesetzt, das Bauende mit 2030. Während der Arbeiten werden Fußgängerinnen, Fußgänger und Radfahrende auf der Donauinsel umgeleitet. Der bisherige Hauptweg wird für den Baustellenverkehr benötigt; die Umleitung erfolgt über bestehende und ausgebaute Wege. Damit betrifft das Projekt nicht nur die technische Infrastruktur, sondern auch den Alltag vieler Menschen, die die Donauinsel zur Erholung oder als Radroute nutzen.
Die Presseinformation der Stadt nennt auch bauliche Details: Auf einer Fläche von etwa 50 mal 90 Metern werden zunächst Bohrpfähle hergestellt, um die tiefe Baugrube zu sichern. Nach Aushubarbeiten bis zu 12 Metern Tiefe soll bis Sommer 2029 der Betonbau entstehen. Genannt werden rund 12.000 Kubikmeter Beton und 1.700 Tonnen Stahl. Nach Fertigstellung des Betonbaus folgen Verfahrens- und Elektrotechnik.
Der Bau soll anschließend begrünt werden, damit er sich besser in die Umgebung der Donauinsel einfügt. Das ist kein Nebendetail. Die Donauinsel ist Erholungsraum, Hochwasserschutzbauwerk, Freizeitroute und technische Infrastruktur zugleich. Ein neues Wasserwerk muss deshalb nicht nur funktionieren, sondern auch verträglich in diesen Raum eingebettet werden.
1.000 Liter pro Sekunde klingt abstrakt. Umgerechnet entspricht das 60.000 Litern pro Minute oder 3,6 Millionen Litern pro Stunde. Für eine Stadt mit Millionenbevölkerung ist diese Menge kein Luxus, sondern ein strategischer Puffer. Sie kann helfen, Verbrauchsspitzen abzufedern und die Abhängigkeit von einzelnen Versorgungsteilen zu reduzieren.
Gleichzeitig löst ein neues Wasserwerk nicht alle Wasserfragen. Es ersetzt nicht sparsamen Umgang, Netzpflege, Speicherausbau oder Schutz von Wasserressourcen. Gerade deshalb ist die Einbettung in „Wiener Wasser 2050“ wichtig. Die Strategie beschreibt die gesamte Kette vom Wasservorkommen bis zu den Haushalten. Das Donauinsel-Werk ist sichtbar, aber nur ein Teil dieses Systems.
Für Wienerinnen und Wiener ist vor allem relevant, dass die Anlage die Versorgungssicherheit erhöht, ohne das bestehende System grundlegend zu verändern. Das Wasser soll weiterhin ins reguläre Rohrnetz eingespeist werden. Im Alltag wird also nicht ein eigener „Donauinsel-Wasserhahn“ entstehen, sondern ein zusätzlicher Beitrag zur gesamten städtischen Versorgung.
Wer die Donauinsel nutzt, wird die Baustelle dagegen konkret spüren. Umleitungen für Rad- und Fußverkehr sind bis zur Fertigstellung ein praktischer Punkt. Die Stadt stellt dafür Baustelleninformationen bereit. Bei Infrastrukturprojekten dieser Größe ist transparente Kommunikation wichtig, weil Einschränkungen mehrere Jahre dauern können.
Wien ist international für sein Hochquellenwasser bekannt. Das neue Werk zeigt aber, dass auch eine historisch starke Wasserversorgung zusätzliche Redundanz braucht. Grundwasser aus Schutzgebieten kann in Ausnahmesituationen, bei Wartungen oder bei steigender Nachfrage eine wichtige Ergänzung sein. Entscheidend ist dabei nicht, möglichst viele unabhängige Systeme nebeneinanderzustellen, sondern sie technisch und organisatorisch so zu verbinden, dass die Stadt flexibel reagieren kann.
Diese Redundanz ist ein Qualitätsmerkmal kritischer Infrastruktur. Wer Trinkwasser plant, muss nicht nur den durchschnittlichen Tag betrachten, sondern auch Spitzenlasten, Bauarbeiten, Störungen und langfristige Klimaeffekte. Das Wasserwerk Donauinsel ist deshalb vor allem ein Resilienzprojekt: Es soll die bestehende Versorgung robuster machen, bevor Engpässe entstehen.
Die Stadt Wien nennt 2030 als geplantes Bauende und Fertigstellungstermin.
Das Wasserwerk soll künftig bis zu 1.000 Liter Trinkwasser pro Sekunde liefern. Das entspricht laut Stadt Wien bis zu 22 Prozent des durchschnittlichen Tagesbedarfes.
Das Wasser stammt aus 17 Grundwasser-Brunnen in den Schutzgebieten Donauinsel und Nußdorf.
Die Aufbereitung erfolgt über Belüftung, Grobfilter, Feinfilter und UV-Desinfektion, bevor das Trinkwasser ins Wiener Rohrnetz gepumpt wird.