Verfassungsausschuss schickt Dienstrechtsnovelle in Begutachtung - Entlastung für Direktoren und Lehrer geplant
Eine Gesetzesnovelle soll administrative Entlastung an Pflichtschulen bringen. Bis 9. März läuft die Begutachtungsfrist für das neue Management-System.
Österreichs Pflichtschulen stehen vor einer strukturellen Veränderung: Der Verfassungsausschuss des Nationalrats hat einstimmig beschlossen, eine Dienstrechtsnovelle in Begutachtung zu schicken, die ein "mittleres Management" an allgemeinbildenden Pflichtschulen etablieren soll. Die Stellungnahmefrist läuft bis zum 9. März 2025.
Das geplante System soll sowohl Schuldirektoren als auch Lehrer von administrativen Aufgaben befreien. Konkret könnten einzelne Lehrkräfte bei reduzierter Unterrichtsverpflichtung spezielle Managementaufgaben übernehmen - etwa die Organisation schulischer Veranstaltungen oder die Koordination von Arbeitsgruppen.
Die neue Regelung würde die erst kürzlich eingeführten pädagogisch-administrativen Fachkräfte ersetzen und ein effizienteres Verwaltungssystem schaffen. Die Schulleitung bleibt dabei für die Aufgabenverteilung und Auswahl der entsprechenden Lehrkräfte zuständig.
Die verfügbaren Ressourcen für das mittlere Management orientieren sich an der Größe der jeweiligen Schule. Bei Schulen mit 40 bis 60 Lehrkräften (gemessen in Vollzeitäquivalenten) ist beispielsweise eine Reduktion der Unterrichtsverpflichtung um insgesamt 18 Wochenstunden vorgesehen.
Das neue System soll bereits ab dem kommenden Schuljahr 2025/26 für Volks- und Mittelschulen mit mindestens 15 Klassen gelten. Diese zeitnahe Umsetzung zeigt die Priorität, die die Regierung dieser Bildungsreform beimisst.
Die Pläne gehen über die Pflichtschulen hinaus: Auch an allgemeinbildenden höheren Schulen (AHS) und berufsbildenden mittleren und höheren Schulen (BMHS) sollen die administrativen Ressourcen aufgestockt werden. An diesen Schultypen sowie an Berufsschulen ist zudem ein flexiblerer Personaleinsatz für Verwaltungsaufgaben vorgesehen.
Diese umfassende Reform zielt darauf ab, das gesamte österreichische Schulsystem effizienter zu gestalten und die Qualität der Bildungsarbeit durch bessere organisatorische Strukturen zu steigern.
Das Bildungsressort kalkuliert mit erheblichen Investitionen in die neue Struktur. Ab 2027 werden jährliche Mehrkosten von rund 19,7 Millionen Euro erwartet. Davon entfallen 1,28 Millionen Euro auf die AHS und BMHS.
Bereits ab dem kommenden Schuljahr könnten rund 225 zusätzliche Planstellen an den Pflichtschulen erforderlich sein. Diese Zahlen verdeutlichen den Umfang der geplanten Strukturreform und das Bekenntnis der Regierung zu Investitionen in das Bildungssystem.
Fast 200 Stellen und Organisationen sind zur Stellungnahme eingeladen, was die Bedeutung dieser Reform unterstreicht. Zu den Begutachtern zählen:
Diese umfassende Beteiligung verschiedener Stakeholder soll sicherstellen, dass alle relevanten Perspektiven in die finale Gesetzesversion einfließen können.
Mit dem Ende der Begutachtungsfrist am 9. März 2025 könnte der Verfassungsausschuss noch vor der nächsten Plenarsitzung am 25. März abschließend über die Novelle beraten. Dieser straffe Zeitplan ermöglicht es, die Reform rechtzeitig für das Schuljahr 2025/26 umzusetzen.
Die einstimmige Beschlussfassung im Verfassungsausschuss deutet auf breite politische Unterstützung für das Vorhaben hin, was die Chancen auf eine rasche Verabschiedung erhöht.
Die geplante Einführung des mittleren Managements stellt einen wichtigen Schritt in der Modernisierung des österreichischen Schulwesens dar. Durch die Entlastung von Direktoren und Lehrern von administrativen Aufgaben können sich diese wieder stärker auf ihre pädagogischen Kernaufgaben konzentrieren.
Gleichzeitig schafft das System neue Karrierewege für Lehrkräfte, die sich für Managementaufgaben interessieren, ohne den Unterricht vollständig aufgeben zu müssen. Diese Flexibilität könnte auch zur Attraktivität des Lehrberufs beitragen.
Die Reform zeigt, dass die österreichische Bildungspolitik auf die veränderten Anforderungen im Schulalltag reagiert und strukturelle Verbesserungen anstrebt, um die Bildungsqualität nachhaltig zu sichern.