Die österreichische Wirtschaft steht vor herausfordernden Zeiten: Der seit Ende Februar 2026 ausgebrochene Krieg im Nahen und Mittleren Osten erhöht die Unsicherheit für die Konjunkturprognosen der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB).
Die österreichische Wirtschaft steht vor herausfordernden Zeiten: Der am 28. Februar 2026 ausgebrochene Krieg im Nahen und Mittleren Osten erhöht die Unsicherheit für die Konjunkturprognosen der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB). Die heute präsentierte Zwischenprognose zeichnet gedämpfte Erwartungen für die kommenden Jahre.
Die OeNB erwartet für 2026 ein Wirtschaftswachstum von 0,5 %. Gegenüber der Prognose vom Dezember wurden die Wachstumserwartungen für 2026 um -0,3 Prozentpunkte angepasst. Für 2027 und 2028 wird ein Wachstum von rund 1 % prognostiziert.
„Nach einer zweijährigen Rezession verzeichnete Österreich im vergangenen Jahr wieder ein moderates Wirtschaftswachstum von 0,7 %. Auch der Start in das Jahr 2026 verlief positiv. Bereits verfügbare Monatsdaten zeigen eine robuste Entwicklung im Jänner und Februar. Der am 28. Februar ausgebrochene Krieg im Nahen und Mittleren Osten und die in der Folge deutlich gestiegenen Energiepreise bringen jedoch erneut große Unsicherheit mit sich und trüben die weiteren wirtschaftlichen Aussichten signifikant“, bewertet OeNB-Gouverneur Martin Kocher die aktuelle Lage.
Die OeNB prognostiziert für das Gesamtjahr 2026 eine Inflationsrate (HVPI) von 2,7 %. Die Inflation wird laut Prognose bis Mai 2026 auf knapp über 3,0 % ansteigen und bis Ende des Jahres auf rund 2,5 % zurückgehen. Für 2027 und 2028 werden 2,3 % bzw. 2,1 % erwartet. Die OeNB weist auf erhöhte Unsicherheit und Aufwärtsrisiken für die Inflationsprognose seit Beginn des Kriegs hin.
Die Arbeitslosenquote wird im laufenden Jahr bei 7,5 % verharren.
Für die Fiskalprognose ergeben sich derzeit keine substanziellen Änderungen gegenüber der letzten Prognose. Im Dezember 2025 prognostizierte die OeNB einen Budgetsaldo in Prozent des nominellen BIP von -4,5 % für 2025, jeweils -4,2 % für 2026 und 2027 sowie -4,4 % für 2028. Nach derzeitigem Stand werden die Zahlen für 2025 etwas besser, was auch die Ausgangslage für 2026 verbessert. Erst nach der Budgeterstellung des Bundes wird eine revidierte Prognose für 2027 und 2028 möglich sein.
Die OeNB betont die ungewöhnlich hohe Unsicherheit in Folge der weiteren Entwicklung des Kriegs im Nahen und Mittleren Osten und dessen Auswirkungen auf Energiepreise, Finanzmärkte und Vertrauen der Wirtschaftsakteure. Zur Abbildung dieser Unsicherheit berechnet die OeNB alternative Szenarien.
In einem Szenario mit einem Ölpreis von 100 USD pro Barrel und einem Erdgaspreis von 70 EUR/MWh im Jahresschnitt würde das Wirtschaftswachstum 2026 demnach 0,2 % betragen und die HVPI-Inflation auf 3,8 % ansteigen. In einem weiteren ungünstigeren Szenario könnte die Wirtschaftsleistung 2026 um 0,2 % zurückgehen und die HVPI-Inflation 2026 auf 4,2 % ansteigen.
Der EZB-Rat hat in seiner Sitzung am 19. März 2026 betont, darauf bedacht zu sein, dass sich die Inflation auf mittlere Frist beim Zielwert von 2 % stabilisiert. Der Rat werde weiterhin einen datengestützten Ansatz verfolgen und von Sitzung zu Sitzung entscheiden.
Die OeNB weist für das Geschäftsjahr 2025 einen Jahresfehlbetrag von -1.023 Mio EUR aus, der laut OeNB halb so hoch ist wie im Jahr zuvor. Unter Berücksichtigung des Verlustvortrags aus den Vorjahren resultiert ein Bilanzverlust für das Geschäftsjahr 2025 von -5.207 Mio EUR, der in das Geschäftsjahr 2026 vorgetragen wird. Die Bilanzsumme der OeNB betrug zum 31. Dezember 2025 256 Mrd EUR und stieg damit gegenüber dem Vorjahr um 19 Mrd EUR bzw. 8 %.
Die OeNB führt den Anstieg der Bilanzsumme 2025 unter anderem auf den hohen Goldpreis und dessen Bewertungseffekte auf den unveränderten Goldbestand zurück. Gewinne durch den Preisanstieg bleiben als Bewertungsreserven in der Bilanz.
Die OeNB gab an, 2025 Forschung in Österreich mit über 60 Mio EUR gefördert zu haben. Die für die Forschung gewidmete Veranlagung ermöglichte eine Ausschüttung von 50 Mio EUR an die Nationalstiftung Forschung, Technologie und Entwicklung (FTE-Nationalstiftung).