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Mayr-Melnhof steigert Gewinn trotz schwieriger Marktlage um 3%

17. März 2026 um 07:37
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Der österreichische Kartonhersteller Mayr-Melnhof Karton AG (MM) hat in einem herausfordernden Marktumfeld seine Profitabilität gesteigert und gleichzeitig ein umfassendes Transformationsprogramm e...

Der österreichische Kartonhersteller Mayr-Melnhof Karton AG (MM) hat in einem herausfordernden Marktumfeld seine Profitabilität gesteigert und gleichzeitig ein umfassendes Transformationsprogramm erfolgreich vorangetrieben. Das Wiener Unternehmen konnte seinen bereinigten Betriebsgewinn im Jahr 2025 um 3 Prozent auf 195,4 Millionen Euro erhöhen, während gleichzeitig die Dividende um 11 Prozent auf 2,00 Euro je Aktie angehoben wird.

Fit-For-Future-Programm bringt erste Erfolge

Das Herzstück der Unternehmensstrategie bildet das konzernweite "Fit-For-Future"-Transformationsprogramm, das bereits im ersten Jahr beachtliche Ergebnisse lieferte. Mit einem Ergebnisbeitrag von rund 70 Millionen Euro in 2025 übertraf das Programm die ursprünglichen Erwartungen deutlich. Bis 2027 rechnet das Management mit einer nachhaltigen Ergebnisverbesserung von mehr als 250 Millionen Euro gegenüber 2024 - eine deutliche Steigerung gegenüber den ursprünglich angepeilten 150 Millionen Euro bei Programmstart.

Dieses Transformationsprogramm ist eine strategische Antwort auf die anhaltenden Herausforderungen in der europäischen Verpackungsindustrie. Strukturelle Überkapazitäten - das bedeutet, dass mehr Produktionskapazitäten vorhanden sind, als der Markt derzeit nachfragt - setzen die gesamte Branche unter Druck. Diese Situation entsteht oft durch Investitionen in bessere Zeiten, die sich bei nachlassender Nachfrage als zu optimistisch erweisen. Für Unternehmen wie Mayr-Melnhof bedeutet dies einen intensiven Preiskampf und die Notwendigkeit, durch Effizienzsteigerungen die Profitabilität zu sichern.

Finanzielle Kennzahlen zeigen gemischtes Bild

Der Konzernumsatz ging um 4,8 Prozent auf 3,885 Milliarden Euro zurück, was hauptsächlich auf den Verkauf der TANN Group zurückzuführen ist. Bereinigt um diesen Effekt zeigt sich eine stabilere Entwicklung. Das bereinigte EBITDA - ein Kennwert, der den Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen darstellt und als Maßstab für die operative Leistungsfähigkeit gilt - blieb mit 418,2 Millionen Euro nahezu unverändert (Vorjahr: 418,5 Millionen Euro). Die bereinigte EBITDA-Marge verbesserte sich jedoch von 10,3 auf 10,8 Prozent.

Der Jahresüberschuss sank von 110,5 auf 77,0 Millionen Euro, was primär auf eine deutlich höhere Steuerbelastung zurückzuführen ist. Die effektive Konzernsteuerquote stieg von 3,4 auf 47,2 Prozent, nachdem im Vorjahr noch Verlustvorträge die Steuerlast reduzierten. Verlustvorträge sind steuerliche Vergünstigungen, die entstehen, wenn ein Unternehmen in einem Jahr Verluste macht - diese können dann in späteren Jahren mit Gewinnen verrechnet werden, um die Steuerlast zu senken.

Bilanzstärkung durch Schuldenabbau

Positiv entwickelte sich die Finanzstruktur des Konzerns. Die Nettoverschuldung konnte von 1,078 Milliarden Euro auf 913,7 Millionen Euro reduziert werden. Das Verhältnis von Nettoverschuldung zu Eigenkapital verbesserte sich von 51 auf 43 Prozent, während das Verhältnis von Nettoverschuldung zum bereinigten EBITDA von 2,6 auf 2,2 sank. Diese Kennzahlen sind für Investoren und Kreditgeber wichtige Indikatoren für die finanzielle Stabilität eines Unternehmens.

Divisionale Entwicklung im Detail

Food & Premium Packaging bleibt solide

Die Division Food & Premium Packaging, die Verpackungen für Lebensmittel und Premiumprodukte herstellt, konnte ihre bereinigte operative Marge auf solidem Niveau halten. Diese Sparte profitiert von der stabilen Nachfrage nach hochwertigen Verpackungslösungen, auch wenn die Konsumenten derzeit zurückhaltender sind. Die Herstellung von Verpackungen für Lebensmittel erfordert besondere Expertise in Bereichen wie Lebensmittelsicherheit, Barriereeigenschaften gegen Feuchtigkeit und Sauerstoff sowie ansprechende Optik für die Verkaufsförderung.

Pharma & Healthcare mit Wachstumspotenzial

Die Division Pharma & Healthcare Packaging verzeichnete eine ermutigende Steigerung der operativen Marge. Besonders in den USA werden weitere Wachstumschancen gesehen, während die europäischen Märkte gedämpfter verlaufen. Pharmazeutische Verpackungen unterliegen strengsten Qualitäts- und Sicherheitsanforderungen, da sie den Schutz von Medikamenten gewährleisten müssen. Dies umfasst Aspekte wie Kindersicherheit, Manipulationsschutz, präzise Dosierbarkeit und die Verhinderung von Verwechslungen durch eindeutige Kennzeichnung.

Board & Paper unter Druck

Die Division Board & Paper, die Karton und Papier produziert, zeigte zwar eine Verbesserung gegenüber dem Vorjahr, das Gewinnniveau blieb jedoch unbefriedigend. Im vierten Quartal musste sogar eine Wertberichtigung von 70,5 Millionen Euro vorgenommen werden. Diese Sparte leidet besonders unter den marktbedingten Margendruck - das bedeutet, dass die Preise für die Endprodukte aufgrund der Konkurrenz und Überkapazitäten sinken, während die Produktionskosten relativ stabil bleiben oder sogar steigen.

Nachhaltigkeit als strategischer Schwerpunkt

Mayr-Melnhof konnte seine absoluten CO2-Emissionen um 11 Prozent reduzieren. Dies wurde hauptsächlich durch die verstärkte Nutzung erneuerbarer Energiequellen für die Strombeschaffung und Energieeffizienzmaßnahmen erreicht. In der Verpackungsindustrie ist Nachhaltigkeit nicht nur ein Umweltthema, sondern auch ein wichtiger Wettbewerbsfaktor, da sowohl Einzelhändler als auch Verbraucher zunehmend umweltfreundliche Verpackungslösungen fordern.

Die Dekarbonisierung - also die Reduzierung des CO2-Ausstoßes - ist für energieintensive Industrien wie die Papier- und Kartonproduktion eine besondere Herausforderung. Der Prozess erfordert hohe Temperaturen und damit viel Energie. Mayr-Melnhof investiert daher kontinuierlich in moderne Anlagentechnik und alternative Energiequellen. Gleichzeitig wird an der Wassereffizienz, dem Biodiversitätsschutz und der Abfallvermeidung gearbeitet.

Dividendenpolitik und Aktionärsrendite

Trotz des gesunkenen Jahresüberschusses schlägt der Vorstand eine Dividendenerhöhung von 11 Prozent auf 2,00 Euro je Aktie vor. Dies entspricht der neuen Dividendenpolitik, die eine Ausschüttungsquote von 40 bis 60 Prozent des Jahresüberschusses vorsieht, abhängig von der Verschuldungssituation, geplanten Investitionen und Zukunftsaussichten. Die Ausschüttungsquote gibt an, welcher Anteil des Gewinns an die Aktionäre ausgeschüttet wird - der Rest verbleibt im Unternehmen zur Finanzierung von Wachstum und Investitionen.

Österreichischer Marktführer im internationalen Vergleich

Mayr-Melnhof gehört zu den führenden europäischen Herstellern von Kartonverpackungen und nimmt auch auf dem österreichischen Markt eine Spitzenposition ein. Im Vergleich zu deutschen Konkurrenten wie Sappi oder internationalen Playern wie International Paper zeichnet sich MM durch seine fokussierte Strategie auf hochwertige Verpackungslösungen aus. Während viele Wettbewerber stärker diversifiziert sind, konzentriert sich das Wiener Unternehmen auf seine Kernkompetenzen in der Kartonverpackung.

Die österreichische Verpackungsindustrie profitiert von der zentralen Lage in Europa, der Nähe zu wichtigen Märkten und einer starken industriellen Basis. Gleichzeitig führen die hohen Lohn- und Energiekosten zu einem intensiven Innovationsdruck. Österreichische Unternehmen müssen daher besonders effizient und technologisch fortschrittlich sein, um im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.

Herausforderungen und Risiken am Horizont

Die geopolitischen Unsicherheiten und die anhaltend schwache Konsumnachfrage in Europa prägen das Marktumfeld auch für 2026. Besonders die Situation im Nahen Osten bereitet dem Unternehmen Sorgen, da MM dort zwei Verpackungswerke betreibt, die etwa 2 Prozent zum Konzernumsatz und 6 Prozent zum bereinigten EBITDA beitragen. Geschäftsunterbrechungen sind zu erwarten.

Die strukturellen Überkapazitäten in der europäischen Karton- und Papierbranche werden voraussichtlich auch 2026 bestehen bleiben. Diese entstanden durch Investitionen in wirtschaftlich besseren Zeiten und können nun aufgrund der hohen Fixkosten nicht einfach stillgelegt werden. Für die gesamte Branche bedeutet dies einen anhaltenden Preisdruck und die Notwendigkeit, durch Kostenoptimierung und Produktdifferenzierung Wettbewerbsvorteile zu schaffen.

Investitionsprogramm für die Zukunft

Für 2026 plant Mayr-Melnhof Investitionen in Höhe von rund 250 Millionen Euro. Diese sollen hauptsächlich der Stärkung der Wettbewerbsposition und dem weiteren Ausbau erneuerbarer Energien dienen. Die geplanten Wartungsstillstände in der Board & Paper-Division werden hauptsächlich im dritten und vierten Quartal stattfinden und voraussichtlich Kosten von etwa 40 Millionen Euro verursachen.

Zukunftsaussichten und Marktpositionierung

CEO Peter Oswald zeigt sich trotz der schwierigen Rahmenbedingungen zuversichtlich: "MM's Ziel bleibt es, seine Kosten-, Technologie- und Innovationsführerschaft im Kerngeschäft Kartonverpackungen auch unter anhaltend herausfordernden Marktbedingungen durch ein attraktives, nachhaltiges Angebot und eine entschlossene Transformation aufrechtzuerhalten."

Die ausgewogene Positionierung über drei Divisionen, ein attraktives Produktportfolio, eine gut investierte Anlagenbasis und eine solide Finanzierung bilden nach Ansicht des Managements eine starke Grundlage für den langfristigen Erfolg. Das Unternehmen setzt dabei auf die enge Zusammenarbeit mit Kunden und Lieferanten zur Entwicklung innovativer und nachhaltiger Lösungen.

Mit seinem Hauptsitz am Wiener Brahmsplatz und der Notierung im ATX repräsentiert Mayr-Melnhof einen wichtigen Teil der österreichischen Industrielandschaft. Die Aktie (ISIN: AT0000938204) wird neben Wien auch an verschiedenen deutschen Börsen gehandelt und gilt als solider Dividendentitel für konservative Anleger. Die für den 29. April 2026 geplante Hauptversammlung wird über die vorgeschlagene Dividendenerhöhung entscheiden und damit ein wichtiges Signal für die weitere Unternehmensstrategie setzen.

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