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Marinomed kündigt Kapitalerhöhung an - Aktionäre erhalten Bezugsrechte

19. März 2026 um 16:19
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Das österreichische Biotech-Unternehmen Marinomed Biotech AG aus Korneuburg steht vor einer wichtigen Finanzierungsrunde. Am 19. März 2026 gab das börsennotierte Unternehmen bekannt, eine Kapitaler...

Das österreichische Biotech-Unternehmen Marinomed Biotech AG aus Korneuburg steht vor einer wichtigen Finanzierungsrunde. Am 19. März 2026 gab das börsennotierte Unternehmen bekannt, eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrechten durchzuführen, um kurzfristige Liquiditätsbedürfnisse zu decken. Die Maßnahme soll mindestens zwei Millionen Euro in die Kassen spülen und wird bereits von einem institutionellen Investor unterstützt.

Kapitalerhöhung im Detail - Was Anleger wissen müssen

Marinomed plant die Ausgabe von bis zu 459.985 neuen Aktien zu einem Bezugspreis von 14 Euro pro Aktie. Das Grundkapital soll dabei um maximal 459.985 Euro erhöht werden. Bestehende Aktionäre können ihre Anteile im Verhältnis 4:1 aufstocken - das bedeutet, vier bestehende Aktien berechtigen zum Bezug einer neuen Aktie zu den festgelegten Konditionen.

Die Bezugsrechtsemission ist ein bewährtes Instrument der Unternehmensfinanzierung, bei dem bestehende Aktionäre das Vorkaufsrecht auf neue Aktien erhalten. Dieses Verfahren schützt Altaktionäre vor einer Verwässerung ihrer Beteiligung, da sie ihre prozentuale Beteiligung am Unternehmen durch den Kauf entsprechender neuer Aktien aufrechterhalten können. Im Fall von Marinomed beginnt das Bezugsangebot am 26. März 2026 und läuft mindestens zwei Wochen.

Rump-Placement als Absicherung

Nicht bezogene Aktien werden in einer anschließenden Rump-Placement an institutionelle und ausgewählte nicht-institutionelle Investoren im Europäischen Wirtschaftsraum verkauft. Ein institutioneller Investor, der bisher keine Marinomed-Aktien besitzt, hat bereits eine verbindliche Zusage über eine Million Euro abgegeben. Diese Absicherung ist für Unternehmen wichtig, um sicherzustellen, dass die geplante Kapitalbeschaffung auch tatsächlich gelingt.

Warum Marinomed jetzt frisches Kapital braucht

Der Liquiditätsbedarf entsteht durch verzögerte Zahlungen aus dem Verkauf des Carragelose-Geschäfts an Unither Pharmaceuticals. Carragelose ist ein natürlicher Wirkstoff aus Rotalgen, der in Nasensprays und Halstabletten zur Behandlung von Erkältungen und Grippe eingesetzt wird. Marinomed hatte diesen Geschäftsbereich verkauft, erhielt aber noch nicht alle vereinbarten Zahlungen.

CEO Andreas Grassauer erklärt die Situation: "Weil es zu Verzögerungen bei den Earn-out-Zahlungen aus dem Verkauf des Carragelose-Geschäfts gekommen ist, wird diese Kapitalmaßnahme diese Liquiditätslücke schließen." Die zwei Millionen Euro sollen den Liquiditätsbedarf bis Mitte 2026 decken und den Restrukturierungsplan erfüllen.

Fokus auf Budesolv und Tacrosolv

Marinomeds Zukunft liegt in den Flagship-Produkten Budesolv und Tacrosolv, die auf der patentgeschützten Marinosolv-Technologie basieren. Diese innovative Plattform verbessert die Löslichkeit und Bioverfügbarkeit schwer löslicher Wirkstoffe. Budesolv ist ein Kortisonpräparat zur Behandlung von Hauterkrankungen, während Tacrosolv bei Autoimmunerkrankungen eingesetzt wird. Das Unternehmen erwartet aus Partnerschaften und Lizenzierungen dieser Produkte Zahlungen im mehrstelligen Millionenbereich.

Beeindruckende Geschäftszahlen für 2025

Die vorläufigen Geschäftszahlen für 2025 zeigen eine deutliche Verbesserung der Unternehmenssituation. Der Umsatz stieg von 4,7 Millionen Euro in 2024 auf 7,7 Millionen Euro in 2025. Dieser Anstieg ist hauptsächlich auf eine Vorauszahlung von fünf Millionen Euro aus dem Carragelose-Verkauf zurückzuführen.

Besonders bemerkenswert ist das operative Ergebnis, das sich von minus 7,6 Millionen Euro in 2024 auf plus 18,7 Millionen Euro in 2025 verbesserte. Diese dramatische Wende ist größtenteils einem Restrukturierungsgewinn von 18,9 Millionen Euro zu verdanken. Das Nettoergebnis drehte von einem Verlust von 15,4 Millionen Euro in 2024 zu einem Gewinn von 15,3 Millionen Euro in 2025.

Personalkosten wurden reduziert

Die Personalkosten sanken von 4,8 Millionen Euro in 2024 auf 4,0 Millionen Euro in 2025, was die ersten Optimierungsmaßnahmen des Unternehmens widerspiegelt. Diese Kostenreduktion ist Teil der umfassenden Restrukturierung, die Marinomed nach finanziellen Schwierigkeiten in den Vorjahren durchgeführt hat.

Bilanzielle Situation zeigt Herausforderungen

Trotz der positiven Ergebnisentwicklung zeigt die Bilanz die anhaltenden Herausforderungen. Das Eigenkapital beträgt minus 9,8 Millionen Euro, was eine deutliche Verbesserung gegenüber minus 26,2 Millionen Euro im Vorjahr darstellt, aber immer noch eine Überschuldung bedeutet. Eine Überschuldung liegt vor, wenn die Verbindlichkeiten das Vermögen übersteigen, was rechtlich problematisch werden kann.

Die liquiden Mittel beliefen sich Ende 2025 auf nur eine Million Euro, was den akuten Finanzierungsbedarf unterstreicht. Die Bankverbindlichkeiten reduzierten sich deutlich von 28,2 Millionen Euro auf 8,4 Millionen Euro, während neue Anleihen von 3,0 Millionen Euro ausgegeben wurden.

Rechtliche Rahmenbedingungen der Emission

Marinomed nutzt für die Kapitalerhöhung die Prospektbefreiung nach der EU-Prospektverordnung. Dies bedeutet, dass das Unternehmen keinen vollständigen Wertpapierprospekt erstellen muss, sondern nur ein vereinfachtes Dokument nach Anhang IX der Prospektverordnung. Dieses Dokument wird vor Beginn des öffentlichen Angebots bei der österreichischen Finanzmarktaufsicht (FMA) eingereicht und auf der Unternehmenswebsite veröffentlicht.

Die Prospektbefreiung ist für kleinere Kapitalerhöhungen möglich und reduziert den bürokratischen Aufwand erheblich. Sie setzt aber voraus, dass bestimmte Bedingungen erfüllt sind, wie etwa die Begrenzung des Emissionsvolumens oder die Art der angesprochenen Investoren.

Wiener Börse als Handelsplatz

Die neuen Aktien werden an der Wiener Börse gehandelt, wo Marinomed bereits im amtlichen Handel notiert ist. Zusätzlich sind die Papiere im Freiverkehr in Deutschland an den Börsen Düsseldorf, Frankfurt, München, Stuttgart und über Tradegate handelbar. Die ISIN lautet ATMARINOMED6, die deutsche WKN ist A2N9MM.

Marinomeds Geschäftsmodell und Zukunftsaussichten

Als wissenschaftsbasiertes Biotech-Unternehmen konzentriert sich Marinomed auf die Entwicklung innovativer, patentgeschützter Produkte. Die Marinosolv-Technologie ist dabei das Herzstück des Unternehmens. Diese Plattformtechnologie ermöglicht es, schwer lösliche Wirkstoffe besser verfügbar zu machen, was bei vielen modernen Medikamenten ein großes Problem darstellt.

Die Biotechnologie-Branche ist geprägt von langen Entwicklungszyklen und hohen Investitionen. Erfolgreiche Produkte können jedoch enorme Gewinne generieren. Marinomed hat mit der Marinosolv-Plattform eine vielseitig einsetzbare Technologie entwickelt, die für verschiedene Krankheitsbilder angepasst werden kann. Besonders im Fokus stehen autoreaktive Immunstörungen, ein wachsender Markt in der Pharmabranche.

Pipeline-Entwicklung als Schlüssel zum Erfolg

Das Unternehmen verfügt über eine wachsende Entwicklungspipeline mit mehreren Produktkandidaten in verschiedenen Entwicklungsstadien. CEO Grassauer zeigt sich optimistisch für die kommenden Jahre: "Marinomeds Geschäftsplan sieht Gewinne für 2026 und die Folgejahre vor, die durch die erfolgreiche Vermarktung unserer Flaggschiffprodukte Budesolv und Tacrosolv erzielt werden sollen."

Österreichische Biotech-Landschaft im Wandel

Marinomed ist Teil der österreichischen Life-Sciences-Branche, die in den vergangenen Jahren erheblich gewachsen ist. Österreich hat sich als attraktiver Standort für Biotechnologie-Unternehmen etabliert, unterstützt durch Forschungsförderungen und ein innovationsfreundliches Umfeld. Das zeigt sich auch bei Marinomed, das österreichische Forschungsförderungen erhalten hat, die in den sonstigen betrieblichen Erträgen von 19,5 Millionen Euro enthalten sind.

Im Vergleich zu anderen europäischen Biotech-Standorten wie der Schweiz oder Deutschland ist Österreich noch ein kleinerer Player, wächst aber stetig. Die Wiener Börse hat in den vergangenen Jahren mehrere Biotech-Unternehmen angezogen, auch wenn der Markt noch deutlich kleiner ist als etwa die Schweizer SIX oder deutsche Börsen.

Herausforderungen für kleine Biotech-Firmen

Kleine Biotechnologie-Unternehmen wie Marinomed stehen vor besonderen Herausforderungen. Sie benötigen kontinuierlich frisches Kapital für Forschung und Entwicklung, haben aber oft noch keine regelmäßigen Einnahmen aus Produktverkäufen. Dieser Spagat zwischen hohen Ausgaben und unsicheren Einnahmen führt regelmäßig zu Finanzierungsrunden wie der aktuell geplanten Kapitalerhöhung.

Risiken und Chancen für Investoren

Für Anleger bietet die Kapitalerhöhung sowohl Risiken als auch Chancen. Positiv ist, dass bestehende Aktionäre durch die Bezugsrechte ihre Beteiligung aufrechterhalten können und nicht verwässert werden. Der Bezugspreis von 14 Euro pro Aktie liegt unter dem aktuellen Kursniveau, was die Bezugsrechte wertvoll macht.

Andererseits zeigt die anhaltende Überschuldung des Unternehmens die finanziellen Herausforderungen. Biotech-Investments sind generell mit hohen Risiken verbunden, da der Erfolg von Produktentwicklungen ungewiss ist und regulatorische Hürden hoch sind. Marinomed hat jedoch mit der erfolgreichen Vermarktung von Carragelose bereits bewiesen, dass es Produkte zur Marktreife bringen kann.

Analystenbewertung und Markteinschätzung

Die Biotech-Branche durchlebt derzeit eine schwierige Phase mit zurückhaltenden Investoren und strengeren Finanzierungsbedingungen. Dies macht es für Unternehmen wie Marinomed schwieriger, Kapital zu beschaffen. Gleichzeitig bietet die aktuelle Marktlage aber auch Chancen für gut positionierte Unternehmen mit bewährten Technologien.

Ausblick und nächste Schritte

Mit der geplanten Kapitalerhöhung will Marinomed die Basis für profitables Wachstum legen. Das Management erwartet für 2026 erstmals seit Jahren wieder Gewinne, basierend auf der erfolgreichen Vermarktung der Kernprodukte. Die Partnerschaften und Lizenzdeals in der Pipeline könnten zusätzlich mehrstellige Millionenbeträge in die Kassen spülen.

Die vollständigen Geschäftszahlen für 2025 werden am 22. April 2026 veröffentlicht. Diese werden zeigen, ob sich die positive Entwicklung der vorläufigen Zahlen bestätigt und wie nachhaltig die Erholung des Unternehmens ist.

Für Anleger, die an der österreichischen Biotech-Story teilhaben möchten, bietet Marinomed eine interessante, wenn auch riskante Gelegenheit. Die Bezugsrechte ermöglichen es bestehenden Aktionären, zu günstigen Konditionen aufzustocken, während neue Investoren eine etablierte Technologieplattform mit Marktpotenzial erwerben können. Entscheidend wird sein, ob das Unternehmen seine ambitionierten Pläne für 2026 und darüber hinaus umsetzen kann.

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