Die 53. Ausgabe der ORF-Spendenaktion zeigt eindrucksvoll die Solidarität der Bevölkerung
Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten spendeten Österreicherinnen und Österreicher bis Heiligabend mehr als 15,5 Millionen Euro für Menschen in Not.
Am Heiligen Abend 2024 erreichte die traditionsreiche ORF-Spendenaktion erneut einen beeindruckenden Meilenstein: Exakt 15.530.151,55 Euro wurden seit Beginn des 53. Aktionsjahres bis einschließlich 24. Dezember 2024 für Menschen mit Behinderungen sowie Familien und Kinder in Not in Österreich gesammelt. Diese Summe, zusammengetragen aus unzähligen Einzelspenden, Benefizveranstaltungen und Sonderaktionen, verdeutlicht einmal mehr die außergewöhnliche Hilfsbereitschaft der österreichischen Bevölkerung – gerade in Zeiten, die von wirtschaftlichen Herausforderungen und gesellschaftlicher Unsicherheit geprägt sind.
Licht ins Dunkel ist die größte und bekannteste Spendenaktion Österreichs, die seit 1973 vom Österreichischen Rundfunk (ORF) organisiert und durchgeführt wird. Der Begriff "Spendenaktion" bezeichnet dabei ein systematisch geplantes Unterfangen, bei dem über verschiedene Kanäle – Fernsehen, Radio, Internet und Telefon – Geldmittel für wohltätige Zwecke gesammelt werden. Im Gegensatz zu spontanen Hilfsaufrufen zeichnet sich eine solche Aktion durch ihre Langfristigkeit, professionelle Organisation und transparente Mittelverwendung aus. Bei Licht ins Dunkel werden die gesammelten Gelder zu 100 Prozent an bedürftige Menschen in Österreich weitergegeben, wobei keine Verwaltungskosten von den Spenden abgezogen werden.
Die Aktion basiert auf einem Vereinsmodell: Der Verein Licht ins Dunkel fungiert als rechtlicher Träger und ist für die ordnungsgemäße Verteilung der Spendengelder verantwortlich. Unterstützt werden dabei sowohl Einzelpersonen in akuten Notlagen als auch langfristige Projekte von Hilfsorganisationen, die sich für Menschen mit Behinderungen und armutsgefährdete Familien einsetzen. Die enge Zusammenarbeit mit dem ORF ermöglicht eine mediale Reichweite, die in Österreich ihresgleichen sucht und die Aktion zu einem festen Bestandteil der vorweihnachtlichen Tradition gemacht hat.
Die Anfänge von Licht ins Dunkel reichen bis in das Jahr 1973 zurück, als der ORF erstmals eine Benefizsendung zugunsten von Menschen in Not ausstrahlte. Was damals als einmalige Weihnachtsaktion begann, entwickelte sich im Laufe der Jahrzehnte zu einer ganzjährigen Initiative mit einem Höhepunkt am Heiligen Abend. Die erste Fernsehsendung am 24. Dezember fand 1977 statt – heuer wurde somit die 48. Ausgabe dieser traditionsreichen TV-Produktion ausgestrahlt. In den über fünf Jahrzehnten ihres Bestehens hat die Aktion mehrere Hundert Millionen Euro an Spendengeldern eingesammelt und damit unzähligen Menschen in Österreich geholfen.
Besonders bemerkenswert ist die kontinuierliche Weiterentwicklung der Aktion: Während in den Anfangsjahren hauptsächlich das Fernsehen als Spendenkanal diente, wurden im Laufe der Zeit immer neue Möglichkeiten erschlossen. Heute können Spenderinnen und Spender telefonisch, per SMS, online über die Website, via Social Media oder sogar durch die Abgabe alter Mobiltelefone – die sogenannte Ö3-Wundertüte – ihren Beitrag leisten. Diese Diversifizierung der Spendenkanäle hat maßgeblich dazu beigetragen, dass Licht ins Dunkel auch jüngere Generationen erreicht und die Spendensummen über die Jahre hinweg stabil geblieben sind.
Die beeindruckende Summe von über 15,5 Millionen Euro setzt sich aus verschiedenen Quellen zusammen, wobei das Ö3-Weihnachtswunder einen besonders großen Anteil beisteuert. Bei dieser Sonderaktion sendeten die Moderatoren Philipp Hansa, Tina Ritschl und Andi Knoll 120 Stunden lang ununterbrochen aus einem gläsernen Studio am Kapitelplatz in Salzburg. Das Konzept: Hörerinnen und Hörer können sich Musikwünsche erfüllen lassen, wenn sie im Gegenzug eine Spende für den Licht ins Dunkel-Soforthilfefonds tätigen. Das Ergebnis dieser fünftägigen Marathonsendung: 5.562.382 Euro – ein Betrag, der direkt und unbürokratisch an Familien in akuten Notlagen ausgezahlt wird.
Der Begriff "Soforthilfefonds" beschreibt dabei einen speziellen Topf innerhalb der Gesamtaktion, aus dem schnelle und unkomplizierte Hilfe geleistet werden kann. Im Unterschied zu Projektförderungen, bei denen Organisationen Anträge stellen und deren Verwendung nachweisen müssen, ermöglicht der Soforthilfefonds die direkte Unterstützung von Einzelpersonen und Familien, die durch unvorhergesehene Ereignisse – etwa Krankheit, Arbeitsplatzverlust oder Naturkatastrophen – in finanzielle Schwierigkeiten geraten sind. Die Bearbeitung erfolgt über lokale Sozialberatungsstellen und die Caritas, die die Bedürftigkeit prüfen und die Auszahlung koordinieren.
Ein besonders innovatives Element der Licht ins Dunkel-Familie ist die Ö3-Wundertüte, die bereits zum 21. Mal durchgeführt wurde. Bei dieser Aktion werden alte, nicht mehr benötigte Mobiltelefone gesammelt und einer fachgerechten Verwertung zugeführt. Die dabei entstehenden Erlöse – aus dem Recycling wertvoller Rohstoffe wie Gold, Silber und seltene Erden – fließen vollständig in die Hilfsaktionen. In diesem Jahr wurden bereits 430.000 Euro durch die Wundertüte generiert, was zusammen mit dem Ö3-Weihnachtswunder ein Gesamtvolumen von rund sechs Millionen Euro ergibt.
Das Konzept der Handysammlung verbindet dabei zwei wichtige gesellschaftliche Anliegen: Einerseits die soziale Unterstützung bedürftiger Menschen, andererseits den Umweltschutz durch die Wiederverwertung von Elektronikschrott. In Österreich schlummern schätzungsweise 15 bis 20 Millionen ungenutzte Mobiltelefone in Schubladen und Kästen – ein enormes Potenzial für die Rohstoffrückgewinnung und die Spendenakquise. Die Wundertüte zeigt eindrucksvoll, wie Nachhaltigkeit und Solidarität Hand in Hand gehen können.
Wie in jedem Jahr wurde die Spendenaktion am Heiligen Abend von zahlreichen prominenten Persönlichkeiten unterstützt, die im Callcenter des A1-Headquarters an den Spendentelefonen mithalfen. Diese ehrenamtliche Tätigkeit von bekannten Gesichtern aus Sport, Kultur und Gesellschaft hat nicht nur symbolischen Wert – sie motiviert auch viele Menschen, selbst zum Hörer zu greifen und eine Spende zu tätigen. Die persönliche Interaktion mit einem Prominenten, der die Spende entgegennimmt, schafft eine emotionale Bindung zur Aktion und macht das Helfen zu einem besonderen Erlebnis.
Eine besondere Rolle spielen dabei die Gardesoldatinnen und Gardesoldaten des Österreichischen Bundesheeres, die traditionell den gesamten Heiligen Abend im Callcenter verbringen. Diese Beteiligung des Militärs an einer zivilen Hilfsaktion hat tiefe symbolische Bedeutung: Sie zeigt, dass das Bundesheer nicht nur für die äußere Sicherheit zuständig ist, sondern sich auch als Teil der Zivilgesellschaft versteht und soziale Verantwortung übernimmt. Für viele Soldatinnen und Soldaten ist der Einsatz bei Licht ins Dunkel eine Herzensangelegenheit, die sie auch in ihrer Freizeit wahrnehmen.
Bundespräsident Alexander Van der Bellen, der als Schirmherr der Aktion fungiert, würdigte das Engagement der Bevölkerung mit deutlichen Worten: "Es gibt viele Gründe, auf Österreich stolz zu sein. Der Einsatz der unzähligen Freiwilligen in unserem Land gehört für mich dazu." Der Bundespräsident betonte dabei besonders den Zusammenhalt in der Gesellschaft und die Bereitschaft, das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen. In einer Zeit, die von politischer Polarisierung und gesellschaftlichen Spannungen geprägt ist, sendet diese Botschaft ein wichtiges Signal der Einheit und des Miteinanders.
ORF-Generaldirektor Roland Weißmann ordnete das Spendenergebnis in den größeren Kontext des öffentlich-rechtlichen Auftrags ein: "Licht ins Dunkel ist ein zentraler Bestandteil des öffentlich-rechtlichen Auftrags des ORF: Wir begleiten Menschen, schaffen Bewusstsein für soziale Anliegen und setzen als ‚ORF für alle' gemeinsam mit der Bevölkerung sichtbare Zeichen für ein respektvolles und inklusives Miteinander." Diese Aussage verdeutlicht, dass der ORF seine Rolle weit über die reine Informationsvermittlung hinaus definiert und sich aktiv für den gesellschaftlichen Zusammenhalt einsetzt.
Vereinspräsidentin Ines Stilling lenkte den Blick auf die konkrete Verwendung der Spendengelder: "Dank der Spenden kann Licht ins Dunkel Projekte unterstützen, die Barrieren abbauen und Menschen mit Behinderungen und armutsgefährdeten Kindern eine gleichberechtigtere Teilhabe an unserer Gesellschaft ermöglichen." Der Begriff "Inklusion" bezeichnet dabei das Ziel, alle Menschen – unabhängig von körperlichen, geistigen oder sozialen Einschränkungen – vollständig in die Gesellschaft einzubeziehen. Dies umfasst den Zugang zu Bildung, Arbeit, Freizeit und allen anderen Lebensbereichen ohne Diskriminierung oder Barrieren.
Konkret werden aus den Spendengeldern beispielsweise barrierefreie Umbauten in Wohnungen finanziert, therapeutische Angebote für Kinder mit Entwicklungsverzögerungen unterstützt, Hilfsmittel wie Rollstühle oder Hörgeräte angeschafft und Ferienaktionen für Familien ermöglicht, die sich keinen Urlaub leisten können. Die Bandbreite der geförderten Projekte ist dabei enorm: Von kleinen lokalen Initiativen bis hin zu österreichweiten Programmen reicht das Spektrum der Unterstützung.
Die Stärke von Licht ins Dunkel liegt nicht zuletzt in der umfassenden medialen Unterstützung durch den ORF. Als öffentlich-rechtlicher Rundfunk verfügt der ORF über eine Reichweite, die private Medien in Österreich nicht erreichen können. Diese Reichweite wird während des gesamten Aktionsjahres für die Bewerbung der Spendenaktion genutzt – in Fernsehen, Radio, Internet und den sozialen Medien. Besondere Höhepunkte bilden dabei Sonderproduktionen wie die "Promi-Millionenshow für Licht ins Dunkel", der "Musikwunschtag" in allen Landesstudios und die "ORF-III-Auktion", bei der Prominente persönliche Gegenstände zugunsten der Aktion versteigern.
Die ganztägige Fernsehsendung am Heiligen Abend stellt den emotionalen Höhepunkt der Aktion dar. In dieser Sendung werden nicht nur die aktuellen Spendenstände präsentiert, sondern auch berührende Geschichten von Menschen erzählt, denen durch Licht ins Dunkel geholfen wurde. Diese Kombination aus Information und Emotion hat sich als äußerst wirksam erwiesen, um Menschen zum Spenden zu motivieren. Studien zeigen, dass persönliche Geschichten eine deutlich stärkere Spendenbereitschaft auslösen als abstrakte Statistiken – ein Prinzip, das Licht ins Dunkel meisterhaft umsetzt.
Die Spendenbereitschaft der österreichischen Bevölkerung liegt im europäischen Vergleich im oberen Mittelfeld. Laut dem Österreichischen Spendenreport 2024 spenden rund 60 Prozent der Erwachsenen mindestens einmal jährlich für wohltätige Zwecke. Das durchschnittliche Spendenvolumen pro Person ist dabei in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen, obwohl die Inflation die verfügbaren Einkommen belastet hat. Experten führen dies auf eine gewachsene Sensibilität für soziale Anliegen und die verbesserte Transparenz der Hilfsorganisationen zurück.
Im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz zeigt sich ein differenziertes Bild: Während die Schweiz traditionell die höchste Pro-Kopf-Spendenquote im deutschsprachigen Raum aufweist, liegt Österreich in Bezug auf die emotionale Bindung an Spendenaktionen vorne. Die Kombination aus medialer Präsenz, prominenter Unterstützung und lokaler Verankerung macht Licht ins Dunkel zu einem Phänomen, das in dieser Form weder in Deutschland noch in der Schweiz existiert. Die enge Verbindung zwischen öffentlich-rechtlichem Rundfunk und Wohltätigkeit ist ein österreichisches Alleinstellungsmerkmal.
Für die Menschen, die auf Unterstützung durch Licht ins Dunkel angewiesen sind, macht das Spendenergebnis einen konkreten Unterschied im Alltag. Nehmen wir als Beispiel eine alleinerziehende Mutter mit einem körperlich beeinträchtigten Kind: Die Kosten für spezielle Therapien, medizinische Hilfsmittel und barrierefreie Anpassungen der Wohnung übersteigen oft bei Weitem das, was Versicherungen und staatliche Förderungen abdecken. Hier springt Licht ins Dunkel ein und übernimmt beispielsweise die Finanzierung eines speziellen Therapiefahrrads, das dem Kind mehr Mobilität und damit mehr Lebensqualität ermöglicht.
Ein anderes Beispiel betrifft Familien, die durch unvorhergesehene Ereignisse in finanzielle Not geraten sind. Wenn der Hauptverdiener durch einen Unfall arbeitsunfähig wird oder eine schwere Erkrankung hohe Behandlungskosten verursacht, kann der Soforthilfefonds schnell und unbürokratisch einspringen. Die Hilfe reicht dabei von der Übernahme überfälliger Mietzahlungen über die Finanzierung dringend notwendiger Reparaturen bis hin zur Unterstützung bei den Kosten für den Schulbedarf der Kinder. Diese niederschwellige Hilfe verhindert oft, dass Familien in eine Abwärtsspirale geraten, aus der sie sich alleine nicht mehr befreien könnten.
Auch wenn der Heilige Abend der emotionale Höhepunkt der Aktion ist, endet Licht ins Dunkel nicht am 25. Dezember. Das ganze Jahr über können Spenden getätigt werden – telefonisch unter der kostenlosen Nummer 0800 664 24 12, per SMS, über die Website lichtinsdunkel.ORF.at oder via Facebook. Die Spendengelder werden kontinuierlich an Hilfsprojekte und Einzelpersonen verteilt, wobei ein eigenes Gremium über die Mittelvergabe entscheidet. Transparenz und Nachvollziehbarkeit sind dabei oberste Priorität: Regelmäßige Berichte informieren die Öffentlichkeit darüber, wofür die Spendengelder verwendet werden.
Für das kommende Jahr sind bereits zahlreiche Aktionen in Planung, die das Spendenaufkommen weiter steigern sollen. Die digitale Transformation der Aktion schreitet voran, mit neuen Online-Spendemöglichkeiten und verstärkter Präsenz in den sozialen Medien. Gleichzeitig bleibt der persönliche Kontakt ein wichtiger Bestandteil: Regionale Veranstaltungen, Benefizkonzerte und lokale Sammelaktionen sorgen dafür, dass Licht ins Dunkel in allen Teilen Österreichs präsent bleibt. Die Kombination aus traditionellen und modernen Elementen macht die Aktion zukunftsfähig und generationenübergreifend attraktiv.
Das Spendenergebnis von über 15,5 Millionen Euro ist mehr als eine Zahl – es ist ein Zeichen des Zusammenhalts in einer Zeit, die von Unsicherheit und Herausforderungen geprägt ist. Die Inflation hat die Kaufkraft vieler Haushalte geschwächt, die Energiepreise sind gestiegen, und die wirtschaftlichen Aussichten sind ungewiss. Trotzdem – oder gerade deshalb – haben sich Hunderttausende Österreicherinnen und Österreicher entschieden, einen Teil ihres Einkommens mit Menschen zu teilen, denen es noch schlechter geht. Diese Solidarität ist nicht selbstverständlich, und sie verdient Anerkennung.
Pius Strobl, der für Corporate Social Responsibility beim ORF verantwortlich zeichnet, brachte es auf den Punkt: "Die Solidarität, die wir heuer wieder durch Licht ins Dunkel erleben durften, ist außergewöhnlich. Jede Spende, ob groß oder klein, ermöglicht konkrete Hilfe für Familien, Kinder und Menschen mit Behinderungen – Hilfe, die ankommt und den Alltag nachhaltig verändert." Diese Worte fassen zusammen, worum es bei Licht ins Dunkel letztlich geht: nicht um große Gesten oder mediale Aufmerksamkeit, sondern um konkrete, spürbare Hilfe für Menschen, die sie brauchen.
Wer noch nicht gespendet hat, kann dies jederzeit nachholen. Jeder Euro zählt und trägt dazu bei, dass Licht ins Dunkel auch im kommenden Jahr seiner Aufgabe gerecht werden kann: Menschen in Not zu helfen und Barrieren abzubauen, die einer gleichberechtigten Teilhabe am gesellschaftlichen Leben im Wege stehen.