Am 07.10.2026 diskutierten Expertinnen und Experten in Wien bei der Jahrestagung der Gesellschaft für Zukunftssicherung und Altersvorsorge, veranstaltet von der DenkWerkstatt St. Lambrecht, ein The...
Am 07.10.2026 diskutierten Expertinnen und Experten in Wien bei der Jahrestagung der Gesellschaft für Zukunftssicherung und Altersvorsorge, veranstaltet von der DenkWerkstatt St. Lambrecht, ein Thema, das in Österreich zunehmend an Bedeutung gewinnt: Künstliche Intelligenz in der Pflege, Medizin und Prothetik. Die Debatte zeigte eindrücklich, dass Künstliche Intelligenz weder Allheilmittel noch Selbstzweck ist – sie bleibt ein Werkzeug, das richtig eingesetzt große Vorteile bringen kann. Gleichzeitig verdeutlichte die Veranstaltung, wie sensibel der Einsatz von Künstlicher Intelligenz gerade am Menschen zu handhaben ist. Lokale Träger wie das Haus der Barmherzigkeit bringen praktische Erfahrungen ein, die für österreichische Pflegeeinrichtungen und Gesundheitseinrichtungen unmittelbar relevant sind. Das Datum der Veranstaltung ist damit nicht nur ein Kalendereintrag, sondern markiert einen Schritt in der Diskussion, wie Österreich sich technologisch und ethisch auf eine älter werdende Gesellschaft vorbereitet.
Die Künstliche Intelligenz (KI) war das Leitmotiv eines Themenblocks beim DenkForum, das heuer unter dem Oberbegriff 'Longevity' stattfand. Referentinnen und Referenten aus Praxis und Wissenschaft – darunter Anette Jelen-Csokay, Univ.-Prof. Christoph Gisinger, Univ.-Prof. Dr. Thomas E. Dorner und Hans-Peter Arzberger von Otto Bock – betonten übereinstimmend: Technik muss dem Menschen dienen. In Wien wurde deutlich, dass Künstliche Intelligenz in der Altenpflege, bei Amputationstechnik und bei neurologischen Beeinträchtigungen unterstützend eingesetzt werden kann, wenn Transparenz, Datenqualität und partizipative Entwicklung sichergestellt sind.
Das Haus der Barmherzigkeit bringt mehrere Praxisinitiativen ein, die als konkrete Beispiele dienen: datengetriebene Auswertung umfassender Patientendaten zur Unterstützung bei Delir- und Sturzbewertungen, humanoide Roboter für Interaktion und soziale Aktivierung, ein elektronisches Mitteilungsheft zwischen Stationen, Bewohnerinnen und Angehörigen sowie die Lebensstil-App 'KliMate' zur Förderung von Bewegung trotz klimawandelbedingter Herausforderungen. Diese Projekte zeigen, wie unterschiedlich Künstliche Intelligenz im Alltag wirken kann – von administrativer Entlastung bis zu direkten Interaktionsszenarien.
Die Anwendung von Künstlicher Intelligenz in Medizin und Pflege ist das Ergebnis jahrzehntelanger technologischer und methodischer Entwicklung. Begonnen hat vieles mit einfachen Expertensystemen und statistischen Modellen, die medizinische Entscheidungsunterstützung bieten sollten. In den letzten Jahren haben Fortschritte in Rechenleistung, Datenverfügbarkeit und maschinellem Lernen die Einsatzszenarien drastisch erweitert. Algorithmen können heute Bilddaten auswerten, Mustervorhersagen liefern und große Datensets für die Versorgungsplanung nutzbar machen. Gleichzeitig ist das Bewusstsein gewachsen, dass technische Lösungen in Gesundheitseinrichtungen ethische, datenschutzrechtliche und organisatorische Herausforderungen mit sich bringen. In Österreich wie in anderen europäischen Ländern wurde die Diskussion deshalb von frühen Pilotprojekten hin zu strukturierten Forschungsprogrammen und interdisziplinären Konferenzen geführt. Die DenkWerkstatt St. Lambrecht setzt diesen Diskussionsstrang fort, indem sie Praxis, Forschung und Industrie zusammenführt, um technologische Potenziale mit realen Versorgungsbedarfen abzugleichen.
Innerhalb Österreichs gibt es regionale Unterschiede in der Digitalisierungs- und Innovationsdichte. In urbanen Zentren sind Pilotprojekte und Vernetzung mit Forschungseinrichtungen häufig ausgeprägter als in ländlichen Regionen, wo Infrastrukturfragen und Personalengpässe dominieren. Der Austausch über Landesgrenzen hinweg ist wesentlich: Deutschland und die Schweiz verfügen über unterschiedliche regulatorische und förderpolitische Rahmen, die den Einsatz von KI beeinflussen. In Deutschland beispielsweise fördern größere Forschungsnetzwerke und eine breitere industrielle Basis die Entwicklung klinischer Anwendungen. Die Schweiz punktet mit hohem Spezialisierungsgrad in Medtech und einer engen Verzahnung von Universitäten und Wirtschaft. Österreichs Stärke liegt in einem dichten Gesundheitsversorgernetzwerk und einem wachsenden Interesse an interdisziplinären Ansätzen wie bei der DenkWerkstatt. Für die Praxis bedeutet das: Lösungen müssen lokal adaptierbar, interoperabel und rechtssicher sein, damit sie in allen Bundesländern Anwendung finden können.
Was bedeuten diese Entwicklungen konkret für Menschen in Österreich? Zuerst entlasten datenbasierte Systeme Pflegekräfte administrativ: Automatisierte Auswertungen können Routineaufgaben reduzieren, sodass mehr Zeit für direkte Betreuung bleibt. Im Fall des Delir- und Sturzmonitorings, wie im Haus der Barmherzigkeit beschrieben, könnte KI tägliche Beobachtungsaufgaben beschleunigen und Frühwarnungen liefern. Für Patientinnen und Patienten bzw. Bewohnerinnen bedeutet das potenziell schnellere Interventionen und bessere Abstimmung von Therapien.
Für Menschen mit Amputationserfahrung oder baldiger Amputation kann KI die Suche nach der richtigen Prothese verkürzen und objektivieren, indem Daten zu Aktivitätsniveau, Lebensstil und anatomischen Besonderheiten in eine Entscheidungsunterstützung einfließen. Das kann Wartezeiten reduzieren und Fehlversorgungen vermeiden. Zugleich bleiben emotionale und persönliche Aspekte, etwa die individuelle Präferenz für eine bestimmte Prothesenform oder -funktion, zentral – KI soll diese Entscheide nicht ersetzen, sondern fundierter machen.
Ein weiteres Beispiel sind humanoide Roboter oder Apps, die soziale Interaktion und Bewegung fördern. Für alleinlebende ältere Menschen können solche Tools eine ergänzende Rolle spielen, um Isolation zu verringern oder Bewegungsempfehlungen zu begleiten. Entscheidend ist dabei, dass diese Technologien barrierefrei, datenschutzkonform und unter Einbeziehung der Zielgruppe entwickelt werden.
Hinweis: Weitere belastbare statistische Aussagen zu Alterungszahlen, Versorgungsdichte oder wirtschaftlichen Kennzahlen wurden in der vorliegenden Quelle nicht geliefert. Zur vertieften Datenanalyse sollten offizielle Quellen wie Statistik Austria, Gesundheitsministerium oder wissenschaftliche Publikationen herangezogen werden.
Die Zukunft der Künstlichen Intelligenz in österreichischen Gesundheits- und Pflegesystemen hängt von mehreren Faktoren ab: transparente Datengrundlagen, interdisziplinäre Entwicklungsteams, rechtssichere Rahmenbedingungen und die Partizipation Betroffener. Prognostisch ist zu erwarten, dass KI-Anwendungen zunächst in unterstützenden Rollen wachsen – etwa bei Entscheidungsunterstützung, Priorisierung von Interventionsbedarf und bei administrativen Prozessen. Mittelfristig können adaptive Systeme in Prothesensteuerung und Reha-Technologien den Alltag Betroffener deutlich verbessern. Langfristig wird die Integration entlang der gesamten Versorgungskette wichtig: von präventiven Ansätzen über Rehabilitation bis zu stationärer Pflege. Entscheidend bleibt, dass technische Machbarkeit stets an Nutzen für Menschen, Ethik und Kosten-Nutzen-Abwägungen gekoppelt wird. Veranstaltungen wie die DenkWerkstatt St. Lambrecht tragen dazu bei, diese Perspektiven zu bündeln und konkrete Schritte für Forschung, Politik und Versorgungspraxis zu identifizieren.
Das DenkForum in Wien hat gezeigt: Künstliche Intelligenz bietet vielfältige Chancen für Pflege, Prothetik und medizinische Prävention, wenn der Mensch im Zentrum bleibt. Österreichische Einrichtungen wie das Haus der Barmherzigkeit liefern praktische Erfahrungswerte, die für andere Träger relevant sind. Wichtig ist ein lösungsorientierter, nicht technologiegetriebener Ansatz – das Motto 'Nicht alles, was möglich ist, ist sinnvoll' bleibt leitend. Die DenkWerkstatt St. Lambrecht wird diese Diskussion auf der Herbstkonferenz in St. Lambrecht (07.10.2026 bis 09.10.2026) vertiefen und damit den Dialog zwischen Forschung, Praxis und Politik fortsetzen.
Weitere Informationen und Kontakt: Gesellschaft für Zukunftssicherung und Altersvorsorge - Denkwerkstatt St. Lambrecht, Mag. Petra Pichler, Telefon 0664 821 00 87, E-Mail [email protected], Website https://denkwerkstatt-stlambrecht.org.