Thomas Schäfer-Elmayer wurde in Wien mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet. Die Ehrung ist nicht nur eine Würdigung einer bekannten Tanzschul-Persönlichkeit, sondern auch ein Hinweis auf die kulturelle Bedeutung von Umgangsformen, Ballkultur und öffentlicher Begegnung.
Am Donnerstag ist Thomas Schäfer-Elmayer im Salon Karlsplatz des Künstlerhaus mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet worden. Die Laudatio hielt Sabine Haag. Im Anschluss fand im Hotel Imperial ein Empfang statt, bei dem Wiens Kultur- und Wissenschaftsstadträtin Veronica Kaup-Hasler die besondere Verbindung Schäfer-Elmayers zu Wien und seine Verdienste um die Stadt würdigte.
„Thomas Schäfer-Elmayer steht für eine Wiener Institution – und vor allem für eine Haltung. Er hat Generationen vermittelt, dass der Umgang miteinander eine Frage von Respekt, Aufmerksamkeit und Verantwortung ist. Die Wiener Ballkultur lebt von Musik, Tanz und festlicher Tradition sowie von Begegnung und Aufmerksamkeit füreinander. Thomas Schäfer-Elmayer hat diese Kultur über Jahrzehnte mitgeprägt, lebendig gehalten und in die Gegenwart geführt. Das wirkt weit über den Ballsaal hinaus“, würdigte Kultur- und Wissenschaftsstadträtin Veronica Kaup-Hasler im Rahmen des Empfangs Thomas Schäfer-Elmayer vor Familienmitgliedern, Freund*innen und Wegbegleiter*innen.
Schäfer-Elmayer habe, so Kaup-Hasler, wesentlich dazu beigetragen, die Wiener Tradition des Tanzes und der Ballkultur auch für neue Generationen anschlussfähig zu machen. Wer bei ihm tanzen lernte, lernte ein Gefühl für Rhythmus, für Haltung, für das Gegenüber und für die besondere Verbindung von Kunst, Gesellschaft und Stadt. Als Kunst- und Kulturliebhaber habe Schäfer-Elmayer Wiener Tradition nie als starres Erbe verstanden, sondern als lebendige Kultur, die weitergegeben, geöffnet und immer wieder neu übersetzt werden müsse. Wiens Kulturstadträtin gratuliert einer Persönlichkeit, die das Bild der Wiener Ballkultur entscheidend mitgeprägt und den Begriff der Umgangskultur in die Gegenwart geführt hat.
Thomas Schäfer-Elmayer, geboren 1946 in Zell am See, leitet seit 1987 die traditionsreiche Tanzschule Elmayer in Wien. Er gilt als einer der bekanntesten Experten für Etikette und gesellschaftliche Umgangsformen in Österreich. Durch Bücher, Vorträge und Trainings erlangte er weit über Wien hinaus Bekanntheit; seine Tätigkeit als Fachjuror in der ORF-Sendung „Dancing Stars“ machte ihn zudem einem noch breiteren Publikum vertraut.
Quelle: Stadt Wien - Kommunikation und Medien (KOM). Originalmeldung:
Die Wiener Ballkultur ist ein sichtbarer Teil der Stadtidentität. Sie verbindet Musik, Tanz, Kleidung, Rituale, gesellschaftliche Begegnung und oft auch karitative oder institutionelle Zwecke. Kritisch betrachtet kann diese Kultur elitär wirken, weil sie mit Regeln, Eintrittskarten und historischer Symbolik verbunden ist. Gleichzeitig ist sie ein lebendiges Format, das jedes Jahr neu organisiert, gelernt und besucht wird. Wer einen Ball besucht, nimmt nicht nur an Unterhaltung teil, sondern an einer Form öffentlicher Choreografie.
Schäfer-Elmayers Arbeit ist in diesem Zusammenhang bedeutsam, weil sie Regeln nicht nur bewahrt, sondern vermittelbar macht. Eine Tanzschule ist nicht einfach ein Ort, an dem Schritte geübt werden. Sie ist auch ein Trainingsraum für Aufmerksamkeit: auf Musik, Rhythmus, Abstand, Partnerwechsel, Körpersprache und das Verhalten im gemeinsamen Raum. Gerade diese Elemente erklären, warum seine Tätigkeit kulturell über den Ballsaal hinausreicht. Sie betrifft eine Frage, die in modernen Gesellschaften immer wieder neu beantwortet werden muss: Wie gelingt respektvolle Begegnung, wenn Menschen unterschiedliche Hintergründe, Erwartungen und Sicherheiten mitbringen?
Dass die Auszeichnung im Salon Karlsplatz des Künstlerhauses stattfand, passt zur kulturellen Einordnung. Das Künstlerhaus am Karlsplatz ist ein traditionsreicher Wiener Kunstort, der für Ausstellungen, Veranstaltungen und kulturelle Öffentlichkeit steht. Die Nähe zu Karlsplatz, Musikverein, Secession und weiteren Kulturinstitutionen verstärkt die Symbolik: Die Ehrung wurde nicht in einem beliebigen Veranstaltungssaal sichtbar, sondern in einem Umfeld, das stark mit Kunst, Stadtgeschichte und öffentlicher Repräsentation verbunden ist.
Auch der anschließende Empfang im Hotel Imperial folgt dieser Logik. Solche Orte sind in Wien nicht bloße Kulisse. Sie erzählen von Repräsentation, Gastlichkeit und historischer Kontinuität. Gerade deshalb ist es wichtig, die Auszeichnung nicht nur als private Würdigung zu lesen. Sie berührt die Frage, welche Traditionen eine Stadt weitertragen möchte und wie sie diese Traditionen in eine Gegenwart übersetzt, die vielfältiger, offener und weniger selbstverständlich hierarchisch ist als frühere Gesellschaftsbilder.
Warum braucht es im Jahr 2026 noch Etikette? Die kurze Antwort lautet: weil gesellschaftliche Unsicherheit nicht verschwunden ist. Digitale Kommunikation, hybride Arbeitsformen, internationale Teams und öffentliche Debatten haben viele Begegnungen schneller und informeller gemacht. Das kann befreiend sein, schafft aber auch neue Missverständnisse. Umgangsformen müssen deshalb nicht als starres Regelbuch verstanden werden. Sinnvoll sind sie dann, wenn sie Orientierung geben, ohne Menschen auszuschließen.
Schäfer-Elmayers öffentliche Rolle bestand lange darin, genau diese Balance zu erklären: Haltung ohne Hochmut, Höflichkeit ohne Unterwerfung, Form ohne leere Pose. Ob jede traditionelle Regel noch zeitgemäß ist, kann man diskutieren. Der kulturelle Wert liegt aber darin, dass über Umgang gesprochen wird. Wer über Umgangsformen spricht, spricht letztlich über Respekt, Aufmerksamkeit und die Fähigkeit, ein Gegenüber mitzudenken. In dieser Lesart wirkt die Bundesauszeichnung weniger wie ein nostalgischer Blick zurück, sondern wie eine Anerkennung für kulturelle Übersetzungsarbeit.
Öffentliche Auszeichnungen sind immer auch Signale. Sie zeigen, welche Leistungen eine Gesellschaft für erinnerungswürdig hält. Bei einer Person wie Schäfer-Elmayer ist dieses Signal vielschichtig. Es betrifft nicht nur den Erhalt einer Institution, sondern die Weitergabe von Wissen, das oft erst auffällt, wenn es fehlt: Takt, Rücksicht, Bewegungsgefühl, soziale Aufmerksamkeit und die Fähigkeit, einen formellen Anlass nicht als Barriere, sondern als gemeinsamen Rahmen zu verstehen.
Gerade in Wien hat diese Frage Gewicht, weil die Stadt stark von kulturellen Ritualen lebt. Museen, Konzertsäle, Kaffeehäuser, Theater, Bälle und Feste prägen das Bild der Stadt nach außen. Gleichzeitig müssen solche Rituale offen genug bleiben, um neue Generationen nicht nur zu belehren, sondern einzuladen. Die Auszeichnung lenkt den Blick daher auf eine Person, die Tradition über Jahrzehnte öffentlich erklärt, angewendet und modernisiert hat.
Er wurde mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst ausgezeichnet. Die Stadt Wien berichtete über die Ehrung im Salon Karlsplatz des Künstlerhauses.
Weil sie nicht nur eine bekannte Person würdigt, sondern auch die Rolle von Ballkultur, Tanzvermittlung und Umgangsformen als Teil der Wiener Kultur sichtbar macht.
Nein. Neben der Leitung der Tanzschule Elmayer ist er auch durch Bücher, Vorträge, Trainings und Fernsehauftritte bekannt geworden. Dadurch wurde er zu einer öffentlichen Figur für Etikette und gesellschaftliche Umgangsformen.