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JUNOS fordern Aktienpension: „Nur eine Säule ist zu riskant

2. April 2026 um 10:36
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Während die Regierung über das Doppelbudget verhandelt, bringen die JUNOS - die Jungen Liberalen der NEOS - eine alte Forderung mit neuer Dringlichkeit auf den Tisch: die Einführung einer Aktienpen

Während die Regierung über das Doppelbudget verhandelt, bringen die JUNOS - die Jungen Liberalen der NEOS - eine alte Forderung mit neuer Dringlichkeit auf den Tisch: die Einführung einer Aktienpension in Österreich. Sophie Wotschke, Bundesvorsitzende der JUNOS, warnt vor den langfristigen Risiken des aktuellen Pensionssystems und fordert eine grundlegende Ergänzung durch kapitalgedeckte Vorsorge.

Was ist eine Aktienpension und wie funktioniert sie?

Eine Aktienpension ist ein kapitalgedecktes Vorsorgesystem, bei dem Beiträge nicht wie beim derzeitigen Umlageverfahren direkt an aktuelle Pensionisten ausgezahlt werden, sondern in Aktien und andere Wertpapiere investiert werden. Diese Investitionen sollen über Jahre hinweg Erträge erwirtschaften, die dann für die spätere Pension der Beitragszahler verwendet werden. Das Prinzip basiert darauf, dass Aktienmärkte langfristig höhere Renditen erzielen als die derzeit niedrigen Zinsen auf Staatsanleihen oder Sparbücher. Während beim Umlageverfahren die heutigen Arbeitnehmer die heutigen Pensionisten finanzieren, baut jeder Versicherte bei der Aktienpension ein eigenes Kapital auf. Dieses System ist nicht als Ersatz, sondern als zusätzliche zweite Säule gedacht, um das bestehende staatliche Pensionssystem zu ergänzen und zu stabilisieren.

Österreichs Pensionssystem unter Druck

Das österreichische Pensionssystem basiert seit Jahrzehnten auf dem Umlageverfahren, bei dem die aktuelle Generation der Erwerbstätigen die Pensionen der bereits pensionierten Generation finanziert. Dieses System funktionierte gut, solange es viele Beitragszahler und wenige Pensionisten gab. Doch die demografische Entwicklung stellt das System vor massive Herausforderungen: Die Geburtenrate sinkt kontinuierlich, während die Lebenserwartung steigt. Gleichzeitig gehen die geburtenstarken Jahrgänge der Babyboomer-Generation in den nächsten Jahren in Pension.

Konkrete Zahlen verdeutlichen das Problem: Während 1970 noch etwa vier Erwerbstätige für einen Pensionisten aufkommen mussten, sind es heute nur noch etwa 2,3 Personen. Bis 2050 wird sich dieses Verhältnis auf etwa 1,7 Erwerbstätige pro Pensionist verschlechtern. Die Pensionsausgaben beliefen sich 2023 bereits auf rund 60 Milliarden Euro jährlich - das entspricht etwa 14 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Ohne Reformen drohen diese Kosten bis 2050 auf über 80 Milliarden Euro zu steigen.

Budgetäre Belastung wächst kontinuierlich

Die angespannte budgetäre Situation Österreichs verschärft die Problematik zusätzlich. Das Defizit im öffentlichen Haushalt erreichte 2023 bereits bedenkliche Dimensionen, und die Pensionsausgaben tragen erheblich zu dieser Belastung bei. Der sogenannte Bundeszuschuss zur Pensionsversicherung - also jene Mittel, die der Staat zusätzlich zu den Beiträgen aufbringen muss - belief sich 2023 auf etwa 12 Milliarden Euro. Diese Summe steigt Jahr für Jahr und engt den finanziellen Spielraum für andere wichtige Bereiche wie Bildung, Infrastruktur oder Klimaschutz ein.

Internationale Vorbilder zeigen Erfolg

Die JUNOS verweisen auf erfolgreiche Beispiele aus dem Ausland, insbesondere auf Schweden und Norwegen. Schweden führte bereits 1998 eine teilweise Privatisierung seines Pensionssystems ein und kombiniert seitdem das Umlageverfahren mit einer kapitalgedeckten Komponente. Jeder schwedische Arbeitnehmer zahlt 2,5 Prozent seines Bruttogehalts in einen individuellen Pensionsfonds ein, der in Aktien investiert wird. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Trotz der Finanzkrise 2008 erwirtschaftete das schwedische System langfristig deutlich höhere Renditen als das reine Umlageverfahren.

Noch spektakulärer ist das norwegische Modell mit seinem Staatsfonds, dem größten Staatsfonds der Welt. Norwegen investiert seine Öleinnahmen seit 1990 in einen breit gestreuten Aktienfonds, der mittlerweile ein Vermögen von über 1,4 Billionen Euro verwaltet. Pro norwegischem Staatsbürger entspricht das einem Vermögen von etwa 260.000 Euro. Die durchschnittliche jährliche Rendite des norwegischen Fonds lag seit seiner Gründung bei etwa 6,1 Prozent - weit über dem, was traditionelle Anlageformen erzielen.

Deutsche Diskussion als Mahnung

Auch in Deutschland wird intensiv über eine Aktienpension diskutiert. Die dortige gesetzliche Rentenversicherung steht vor ähnlichen demografischen Herausforderungen wie Österreich. Während die deutsche Politik noch zögert, zeigen private Studien eindeutig: Eine 30-jährige Person, die monatlich 100 Euro in einen breit gestreuten Aktienfonds einzahlt, kann bei einer konservativen Renditeerwartung von 5 Prozent pro Jahr nach 37 Jahren mit einem Kapital von etwa 114.000 Euro rechnen. Bei gleichen Einzahlungen in das klassische Umlageverfahren wären es nur etwa 44.400 Euro.

Konkreter Vorschlag der JUNOS im Detail

Der Vorschlag der JUNOS sieht vor, dass mindestens eine Milliarde Euro staatlicher Mittel pro Jahr in einen breit gestreuten, aktienbasierten Fonds investiert werden. Diese Summe entspricht etwa einem Zwölftel des aktuellen Bundeszuschusses zur Pensionsversicherung. Der Fonds soll von unabhängigen Experten verwaltet werden, um politische Einflussnahme zu vermeiden. Zusätzlich sollen alle Erwerbstätigen die Möglichkeit erhalten, freiwillig private Beiträge in dieses System einzuzahlen.

Die Verwaltung durch unabhängige Experten ist ein entscheidender Punkt: Politische Eingriffe in Investitionsentscheidungen haben in der Vergangenheit oft zu suboptimalen Ergebnissen geführt. Stattdessen soll ein Gremium aus Finanzexperten, Volkswirten und Pensionsexperten die Anlagestrategie festlegen. Vorbild könnten hier die erfolgreichen Sovereign Wealth Funds sein, die weltweit Billionen von Dollar verwalten und dabei strenge Governance-Regeln befolgen.

Risikostreuung als Sicherheitsnetz

Ein häufiger Einwand gegen Aktienpensionen ist das Verlustrisiko. Tatsächlich schwanken Aktienmärkte kurzfristig erheblich, wie die Finanzkrise 2008 oder der Corona-Crash 2020 zeigten. Langfristig jedoch - und bei der Altersvorsorge geht es um Zeiträume von 30 bis 40 Jahren - haben breit gestreute Aktienportfolios historisch immer positive Renditen erzielt. Der deutsche Aktienindex DAX beispielsweise erzielte seit 1970 eine durchschnittliche jährliche Rendite von etwa 7,5 Prozent, trotz aller Krisen. Entscheidend ist die breite Streuung: Der Fonds würde nicht in einzelne Aktien, sondern in tausende Unternehmen weltweit investieren, um das Risiko zu minimieren.

Auswirkungen auf verschiedene Bevölkerungsgruppen

Besonders junge Österreicher würden von einer Aktienpension profitieren. Ein 25-jähriger Arbeitnehmer, der 40 Jahre lang in einen Aktienfonds einzahlt, kann aufgrund des Zinseszinseffekts erheblich höhere Pensionen erwarten als bei der reinen Umlagefinanzierung. Für einen Durchschnittsverdiener mit einem Bruttogehalt von 3.500 Euro monatlich könnte dies bedeuten: Statt einer staatlichen Pension von etwa 1.800 Euro könnten durch die zusätzliche Aktienpension weitere 800 bis 1.200 Euro monatlich hinzukommen.

Aber auch für ältere Arbeitnehmer bietet das System Vorteile: Sie profitieren davon, dass das Umlageverfahren durch die zusätzliche Kapitalsäule entlastet wird. Dadurch sinkt der Druck auf das bestehende System, und auch die umlagefinanzierten Pensionen bleiben längerfristig stabiler. Selbst Personen, die nur noch 10 oder 15 Jahre bis zur Pension haben, könnten noch merkliche Zusatzerträge erzielen.

Soziale Aspekte nicht vergessen

Kritiker befürchten, dass eine Aktienpension soziale Ungleichheit verstärken könnte, da Menschen mit höheren Einkommen mehr einzahlen können. Die JUNOS betonen daher, dass das Umlageverfahren als sozial ausgleichende Basis bestehen bleiben soll. Zusätzlich könnten staatliche Zuschüsse für Geringverdiener oder Zeiten der Arbeitslosigkeit vorgesehen werden, um auch für diese Gruppen Vermögensaufbau zu ermöglichen.

Internationale Trends und österreichische Besonderheiten

Weltweit bewegen sich immer mehr Länder in Richtung gemischter Pensionssysteme. Neben Schweden und Norwegen haben auch Länder wie Chile, Australien und die Niederlande erfolgreiche Modelle entwickelt. Chile war 1981 Vorreiter und ersetzte sein Umlageverfahren komplett durch private Konten - allerdings mit gemischten Ergebnissen, da soziale Komponenten anfangs vernachlässigt wurden. Australien hingegen kombiniert seit 1992 erfolgreich staatliche Pensionen mit einer verpflichtenden betrieblichen Altersvorsorge (Superannuation), die in Aktienfonds investiert wird.

Österreich zeichnet sich durch ein besonders großzügiges, aber auch teures Pensionssystem aus. Das Pensionsalter ist im EU-Vergleich relativ niedrig, die Pensionshöhe relativ hoch. Dies macht Reformen politisch schwierig, aber umso dringender. Ein schrittweiser Übergang zu einem Mischsystem könnte diese Großzügigkeit langfristig erhalten, ohne die jungen Generationen zu überlasten.

Herausforderungen bei der Umsetzung

Die praktische Umsetzung einer Aktienpension in Österreich wäre komplex und würde mehrere Jahre dauern. Zunächst müsste ein rechtlicher Rahmen geschaffen werden, der die Verwaltung, Aufsicht und Auszahlung regelt. Die österreichische Finanzmarktaufsicht (FMA) müsste ihre Kompetenzen erweitern, um auch Pensionsfonds zu überwachen. Internationale Erfahrungen zeigen, dass der Aufbau solcher Strukturen typischerweise drei bis fünf Jahre dauert.

Ein weiterer kritischer Punkt sind die Übergangskosten: In der Anfangsphase müsste der Staat gleichzeitig das bestehende Umlageverfahren finanzieren und zusätzlich Mittel für den Aktienfondsaufbau bereitstellen. Diese Doppelbelastung könnte das Budget zunächst zusätzlich belasten. Langfristig jedoch würde sich diese Investition durch niedrigere Pensionsausgaben amortisieren.

Politische Widerstände überwinden

Pensionsreformen gehören zu den politisch schwierigsten Vorhaben, da sie langfristige Vorteile mit kurzfristigen Unsicherheiten verbinden. Die österreichische Bevölkerung ist traditionell skeptisch gegenüber Aktieninvestments - nur etwa 8 Prozent der Österreicher besitzen direkt Aktien, verglichen mit 15 Prozent in Deutschland oder 25 Prozent in den USA. Diese Skepsis zu überwinden, erfordert umfassende Aufklärungs- und Bildungsarbeit.

Generationengerechtigkeit als Leitprinzip

Sophie Wotschke von den JUNOS argumentiert mit dem Konzept der Generationengerechtigkeit: "Es geht um mehr Fairness für die junge Generation", betont sie. Tatsächlich zeigen Berechnungen, dass junge Menschen heute deutlich höhere Beiträge zahlen müssen als frühere Generationen, während sie gleichzeitig mit niedrigeren Pensionen rechnen müssen. Ein 30-jähriger Österreicher zahlt heute etwa 22,8 Prozent seines Bruttogehalts in die Sozialversicherung ein - deutlich mehr als seine Elterngeneration.

Gleichzeitig sinkt das sogenannte Pensionsniveau kontinuierlich. Während ein durchschnittlicher Pensionist in den 1990er Jahren noch etwa 80 Prozent seines letzten Nettogehalts als Pension erhielt, sind es heute nur noch etwa 60 Prozent. Diese Entwicklung wird sich ohne Reformen weiter verschärfen. Die Aktienpension könnte diese negative Spirale durchbrechen und wieder steigende Pensionsniveaus ermöglichen.

Zukunftsperspektiven und mögliche Entwicklungen

Sollte Österreich eine Aktienpension einführen, könnte dies weitreichende positive Auswirkungen haben. Studien zeigen, dass Länder mit entwickelten Kapitalmärkten und einer aktienaffinen Bevölkerung wirtschaftlich dynamischer sind. Eine Aktienpension würde Millionen von Österreichern zu Miteigentümern heimischer und internationaler Unternehmen machen und damit das Bewusstsein für wirtschaftliche Zusammenhänge stärken.

Langfristig könnte eine erfolgreiche österreichische Aktienpension auch als Vorbild für andere EU-Länder dienen. Die Europäische Union diskutiert bereits über eine "Capital Markets Union", die die europäischen Finanzmärkte stärken soll. Österreich könnte hier eine Vorreiterrolle übernehmen und gleichzeitig seine eigenen demografischen Herausforderungen lösen.

Die demografischen Prognosen sind eindeutig: Ohne strukturelle Reformen wird das österreichische Pensionssystem in den nächsten 20 bis 30 Jahren an seine Grenzen stoßen. Die Frage ist nicht ob, sondern wann und wie Reformen kommen werden. Eine rechtzeitig eingeführte Aktienpension könnte den Übergang sanft gestalten und gleichzeitig neue Chancen für alle Generationen schaffen. Die Zeit für mutige Entscheidungen läuft ab - jedes Jahr des Zögerns macht spätere Reformen schwieriger und kostspieliger.

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