Zum Internationalen Tag der biologischen Vielfalt am 22. Mai 2026 rückt ein Projekt in Tirol die praktische Pflege von Kulturlandschaften in den Mittelpunkt: Freiwillige unterstützen Maßnahmen zur ...
Zum Internationalen Tag der biologischen Vielfalt am 22. Mai 2026 rückt ein Projekt in Tirol die praktische Pflege von Kulturlandschaften in den Mittelpunkt: Freiwillige unterstützen Maßnahmen zur Hochalmpflege im Naturpark Karwendel. Die Einsätze, gefördert vom lavera Waldprojekt, verbinden Naturschutz, traditionelle Almwirtschaft und lokalen Klimaschutz. In Österreich sind solche Initiativen kein bloßes Freizeitprogramm, sondern tragen unmittelbar dazu bei, Lebensräume offen zu halten, Erosion zu verhindern und die regional typische Artenvielfalt zu sichern.
Die Pflege von Hochalmen ist ein konkreter Beitrag zum Schutz der Biodiversität und zur Erhaltung der Kulturlandschaft. lavera ermöglicht mit Mitteln aus dem lavera Waldprojekt unter anderem Freiwilligeneinsätze im Naturpark Karwendel, wo Pflegearbeiten wie Gehölzschnitt, Müllräumung und Zaunbau notwendig sind, damit junge Bäume wachsen und Offenland-Lebensräume erhalten bleiben. Diese Pflegemaßnahmen wirken sich sowohl auf die unmittelbare Artenvielfalt als auch auf langfristige Prozesse wie Bodenerosion und Vegetationsstabilität aus.
Die Dringlichkeit wird durch europäische und internationale Daten unterstrichen: Unter der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie gelten nur rund 15 % der Lebensräume als in gutem Zustand, 81 % als schlecht oder unzureichend. Bei geschützten Arten liegen nur etwa 27 % der Bewertungen im guten Bereich, 63 % sind schlecht oder unzureichend. Solche Zahlen markieren nicht nur abstrakte Trends; sie bedeuten konkret, dass Lebensräume und Arten vor Ort Unterstützung brauchen, damit traditionelle Nutzungsformen und ökologische Funktionen erhalten bleiben. Die Pflegeeinsätze im Karwendel sind ein Beispiel dafür, wie lokale Maßnahmen Teil einer europäischen Antwort auf diese Tendenzen sein können.
Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie: Die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie, kurz FFH-Richtlinie, ist ein EU-weites Instrument zum Schutz gefährdeter Lebensräume und Arten. Ziel der Richtlinie ist es, ein Netzwerk von Schutzgebieten (Natura 2000) zu etablieren und den Erhaltungszustand von Lebensräumen und Arten zu überwachen. Praktisch bedeutet dies, dass Staaten und Regionen Maßnahmen ergreifen müssen, um die Lebensräume in einen günstigen Zustand zu bringen oder zu erhalten. Auf lokaler Ebene können das Pflegeeinsätze, Renaturierung oder Anpassungen in der Landnutzung sein.
Erhaltungszustand: Der Erhaltungszustand ist eine fachliche Bewertung, die beschreibt, wie gut ein Lebensraum oder eine Art in einem Gebiet überleben kann. Kriterien sind etwa Flächenumfang, Strukturqualität, Populationsdichten oder Fortpflanzungserfolg. Ein 'guter' Erhaltungszustand bedeutet, dass ein Lebensraum oder eine Art langfristig stabil ist; 'ungenügend' oder 'schlecht' weist auf Gefährdungen hin. Für Laien heißt das: Je schlechter der Erhaltungszustand, desto dringender sind konkrete Maßnahmen wie Pflegeeinsätze oder Schutzmaßnahmen.
Biodiversität: Biodiversität bezeichnet die Vielfalt des Lebens in all seinen Ebenen: Gene, Arten und Lebensräume. Sie sichert Funktionen von Ökosystemen wie Bestäubung, Nährstoffkreisläufe oder Erosionsschutz. Für Menschen bedeutet Biodiversität auch kulturelle Werte, Lebensmittelproduktion und Erholungsräume. Wenn Biodiversität abnimmt, verringern sich diese Leistungen; deshalb sind Pflege und Erhalt von Kulturlandschaften wie Almen auch eine Form von Vorsorge.
Hochalmpflege: Unter Hochalmpflege versteht man Maßnahmen, die Almflächen offen und nutzbar halten. Dazu gehören Gehölzschnitt, Entfernung von invasiven oder aufkommenden Büschen, Müllbeseitigung, Reparatur von Schutzzäunen und Maßnahmen zur Weideführung. Ziel ist es, die typische alpine Kulturlandschaft zu bewahren, die wiederum Lebensraum für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten bietet und traditionelle Weidewirtschaft ermöglicht.
Bodenerosion: Bodenerosion bezeichnet den Verlust von Oberboden durch Wasser, Wind oder Schwerkraft, was die Produktivität von Flächen senkt und Sedimentverschiebungen verursacht. Dichte Vegetationsdecken, wie sie durch bewirtschaftete Almen gefördert werden, stabilisieren den Boden und reduzieren das Risiko für Muren, Hangrutschungen oder Abschwemmungen nach Starkregen und Schneeschmelze.
Die Pflege alpiner Kulturlandschaften hat in den Alpen eine lange Geschichte. Seit Jahrhunderten prägen Menschen mit der Almwirtschaft die Bergwelt: saisonale Beweidung, Heugewinnung und die Pflege von Offenlandflächen schufen eine Mosaikstruktur aus Wiesen, Streuobstwiesen, Weiden und Gehölzsäumen. Diese traditionelle Nutzung förderte eine hohe Artenvielfalt, da zahlreiche Arten an die spezielle, von Bewirtschaftung geprägte Struktur angepasst sind. In den letzten Jahrzehnten hat sich die Situation jedoch gewandelt. Wirtschaftliche Veränderungen, Abwanderung aus Almen und Mechanisierung führten zu Nutzungsaufgaben und in der Folge zu Verbuschung oder Verwaldung vieler ehemals offener Flächen.
Parallel dazu entstand im 20. Jahrhundert der moderne Naturschutz, der zunehmend auf wissenschaftliche Grundlagen setzte und Schutzgebiete etablierte. In den 1990er- und 2000er-Jahren rückte das Konzept der ökosystemaren Dienstleistungen in den Fokus: menschliche Nutzenfunktionen von Landschaften wie Wasserregulation, Erosionsschutz und Erholung wurden stärker beachtet. Projekte wie die Hochalmpflege im Naturpark Karwendel verknüpfen heute traditionelle Formen der Landschaftspflege mit modernen Naturschutzzielen und freiwilligem Engagement.
Innerhalb Österreichs variieren Herausforderungen und Lösungsansätze je nach Bundesland. Tirol und Vorarlberg haben große Berggebiete mit aktiver Almwirtschaft, wodurch Pflegemaßnahmen häufig in Zusammenarbeit mit Gemeinden, Tourismus und Schutzgebietsverwaltungen organisiert werden. In Bundesländern mit weniger alpinem Terrain verschieben sich die Prioritäten eher zu Auwald- oder Feuchtgebietsrenaturierungen. Im Vergleich zu Deutschland zeigt sich, dass dort in einigen Regionen intensive Landwirtschaft und Flächeninanspruchnahme zu Biodiversitätsverlusten führen, während in der Schweiz ähnliche Almstrukturen existieren wie in Österreich, jedoch sind Schweizer Projekte oft stärker kantonal organisiert und oft mit finanziellen Anreizen verknüpft.
Internationale Vergleiche machen deutlich: Maßnahmen müssen regional angepasst werden. Während in Teilen Deutschlands Flächen aufgegeben wurden und Sukzession voranschreitet, bleibt in Österreich die Herausforderung oft, eine nachhaltige Bewirtschaftung zu finanzieren. Projekte wie das lavera Waldprojekt zielen deshalb darauf ab, finanzielle Lücken zu schließen und Bürgerschaftliches Engagement für die Pflege offener Landschaften zu aktivieren.
Die Wirkung solcher Pflegeeinsätze ist unmittelbar spürbar. Für lokale GrundeigentümerInnen bedeutet Unterstützung durch Projekte wie das lavera Waldprojekt, dass notwendige Arbeiten durchgeführt werden können, die sonst aus Zeit- oder Kostenmangel unterbleiben würden. Für die Almwirtschaft ergeben sich konkrete Vorteile: Erhalt der Weideflächen, Schutz junger Bäume vor Wildverbiss sowie die Sicherung von Wanderrouten und Wegen, die für Tourismus und Naherholung wichtig sind.
Ein konkretes Beispiel ist der Einsatz auf dem Großen und Kleinen Ahornboden: Durch das Anlegen und Reparieren von Schutzzäunen werden junge Ahornpflanzungen vor Verbiss geschützt, was langfristig den Fortbestand der alten Ahornbestände sichert. Davon profitieren nicht nur die Bäume selbst, sondern auch die auf ihnen vorkommenden Moos- und Flechtenarten. Für Freiwillige bietet ein solcher Einsatz unmittelbare Erfahrungswerte: ökologische Bildung, körperliche Arbeit in der Natur und das Gefühl, sichtbar etwas für die eigene Region zu tun. Für Gemeinden und Tourismusakteure führt die Pflege zu attraktiven, sicheren Landschaften, die BesucherInnen anziehen.
Für Familien vor Ort kann der Erhalt der Almflächen auch bedeuten, dass traditionelle Nutzungen und damit kulturelle Identität bewahrt bleiben. Für junge Menschen entstehen Lern- und Arbeitsmöglichkeiten in Naturschutzprojekten, die Kompetenzen in ökologischer Pflege vermitteln. Solche Initiativen stärken damit auch das soziale Netz im ländlichen Raum.
Die Presseinformation nennt mehrere belastbare Zahlen: Nur 15 % der unter der FFH-Richtlinie bewerteten Lebensräume werden als gut eingestuft, 81 % als schlecht oder unzureichend. Diese Zahlen weisen auf systemische Defizite in der Pflege und im Management von Schutzgebieten hin. Wenn Lebensräume großflächig in einem schlechten Zustand sind, erhöht das die Anfälligkeit für Artenverluste und verschlechtert die Performance der Ökosystemdienstleistungen, die diese Lebensräume liefern. Die Angabe, dass bei geschützten Arten nur 27 % einen guten Erhaltungszustand haben, während 63 % schlecht oder unzureichend sind, verdeutlicht, dass Maßnahmen nicht nur flächenbezogen, sondern auch artspezifisch gedacht werden müssen.
Ein besonders eindrückliches Beispiel aus der Forschung ist der dokumentierte Rückgang der Biomasse fliegender Insekten in Schutzgebieten um 76 % saisonal (bis 82 % im Hochsommer) über 27 Jahre. Diese Zahl stammt aus einer wissenschaftlich begutachteten Langzeitanalyse und hat weitreichende Konsequenzen: Insekten sind Schlüsselakteure in Nahrungsketten und Bestäubern vieler Pflanzen; ihr Rückgang beeinflusst ganze Ökosysteme. Pflegeeinsätze, die Offenlandstrukturen und Blühflächen erhalten, tragen direkt zur Verbesserung von Insektenlebensräumen bei.
Die Artenliste des Naturparks Karwendel (96 Vogelbrutarten, rund 3.000 Pflanzenarten und über 1.300 Tierarten) macht deutlich, warum der Schutz dieser Region Priorität hat. Solche Zahlen sind nicht nur beeindruckend, sie begründen auch den Anspruch, lokale Pflegeprojekte zu unterstützen, weil sie losgelöst vom Idealismus messbare ökologische Werte bewahren.
Sabine Kästner, Nachhaltigkeitsbeauftragte bei lavera, betont in der Pressemitteilung die Bedeutung von Mitmachaktionen: laut Kästner sind viele Almflächen ohne Pflege gefährdet, zumüllen oder zuzuwachsen und damit ihre Funktionen im Ökosystem zu verlieren. Mit dem lavera Waldprojekt stellt das Unternehmen Mittel zur Verfügung und fördert freiwillige Einsätze, an denen sich unter anderem Studierende und NaturliebhaberInnen beteiligen. Die Einbindung von Freiwilligen hat neben praktischen Effekten auch einen Bildungs- und Vernetzungscharakter, der langfristig lokale Motivation und Verantwortungsübernahme stärkt.
Die nächsten Jahre werden zeigen, wie erfolgreich kombinierte Ansätze aus Förderung, Freiwilligenarbeit und professionellem Naturschutz sein können. Kurzfristig ist zu erwarten, dass laufende Pflegeeinsätze im Karwendel sichtbare Verbesserungen für junge Baumpopulationen und Offenlandflächen bringen. Mittelfristig könnten verstärkte Renaturierungs- und Pflegemaßnahmen dazu beitragen, lokale Populationen stabiler zu machen und Erholungsräume für Menschen zu sichern. Langfristig hängt der Erfolg aber auch von strukturellen Entscheidungen ab: Finanzierungslücken in der Almwirtschaft, Klimaveränderungen und Flächenpolitik werden die Bedingungen prägen.
Eine realistische Prognose ist, dass dort, wo Pflege und Bewirtschaftung erhalten oder wiederbelebt werden, die Biodiversität stabilisiert oder verbessert werden kann. Gleichzeitig bleibt die Gefahr, dass ohne ausreichende Fördermittel und Engagement viele Gebiete verlanden. Politische Rahmenbedingungen auf Landes- und Bundesebene, Förderprogramme und die Kooperation mit Akteuren wie lavera werden entscheidend sein.
Wer sich engagieren möchte, kann sich über die Aktionen im Naturpark Karwendel informieren und an Pflegeeinsätzen teilnehmen. Weitere Informationen finden sich beim Naturpark selbst und beim lavera Waldprojekt. Pressefeuer hat ergänzende Hintergrundartikel zu Biodiversität, regionaler Naturschutzpraxis und Bürgerbeteiligung publiziert, zum Beispiel unter https://pressefeuer.at/umwelt/biodiversitaet, https://pressefeuer.at/naturpark-karwendel und https://pressefeuer.at/projekte/waldprojekt-lavera. Offizielle Quellen zu den genannten europäischen Bewertungen sind in der Pressemitteilung verlinkt (EEA) sowie die zitierte Langzeitstudie zur Insektenbiomasse.
Die Hochalmpflege im Naturpark Karwendel, unterstützt vom lavera Waldprojekt, ist ein praktisches Beispiel dafür, wie lokale Maßnahmen zur Pflege von Kulturlandschaften einen Beitrag zum Schutz der Biodiversität leisten können. Angesichts der düsteren Bewertungen vieler Lebensräume und Arten auf europäischer Ebene sind solche Projekte nicht nur wünschenswert, sondern notwendig. Sie verbinden Naturschutz, Bewahrung von Kulturgut und gegenseitige Unterstützung in ländlichen Regionen. Wer aktiv werden will, findet vor Ort Möglichkeiten zur Mitarbeit; für Entscheidungsträger sind stabile Förderstrukturen und koordinierte Programme nötig, um langfristige Erfolge zu sichern.
Weiterführende Links und Kontaktinformationen sind in der Originalmeldung des Projektträgers angegeben, Bildermaterial steht zur Verfügung, und interessierte Freiwillige finden aktuelle Termine und Anmeldeinformationen auf den Seiten des Naturparks Karwendel und des lavera Waldprojekts.