Wien bekommt eine neue, durchgehende Rad- und Fußgängerverbindung vom Wiental bis in den Süden der Stadt. Der Gemeinderat hat am gestrigen Donnerstag einen wegweisenden Flächenwidmungs- und Bebauun...
Wien bekommt eine neue, durchgehende Rad- und Fußgängerverbindung vom Wiental bis in den Süden der Stadt. Der Gemeinderat hat am gestrigen Donnerstag einen wegweisenden Flächenwidmungs- und Bebauungsplan für ein 32 Hektar großes Gebiet in Hietzing beschlossen, der die rechtlichen Grundlagen für diese wichtige Infrastrukturmaßnahme schafft. Gleichzeitig wird die charakteristische Villenbebauung des Bezirks durch eine erweiterte Schutzzone dauerhaft bewahrt.
Der neue Flächenwidmungsplan erstreckt sich von der Veitingergasse im Norden bis zur Klimtgasse im Osten und umfasst auch Teile des historischen Ortskerns von Lainz sowie das Siedlungsgebiet zwischen Speisinger Straße und Wattmanngasse. Mit einer Fläche von rund 32 Hektar – das entspricht etwa 45 Fußballfeldern – handelt es sich um eines der größten Stadtentwicklungsprojekte im 13. Bezirk der vergangenen Jahre.
"Der Flächenwidmungs- und Bebauungsplan ist eine wichtige Weichenstellung für Hietzing und das Fundament für weitere Entwicklungsschritte", erklärt Ausschuss-Vorsitzender Omar Al-Rawi. Der Plan zeige, wie das Bewahren von Bestehendem mit der Weiterentwicklung der Stadt Hand in Hand gehe.
Das Kernstück der Planung ist eine hochwertige Fuß- und Radverbindung entlang der Verbindungsbahn. Diese sogenannte tangentiale Radverbindung wird künftig eine durchgehende, sichere Route vom Wiental bis in den Süden Wiens ermöglichen. Bisher mussten Radfahrer und Fußgänger in diesem Bereich auf stark befahrene Straßen ausweichen oder längere Umwege in Kauf nehmen.
Die Verbindungsbahn, die von den Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB) betrieben wird, verbindet verschiedene Bahnstrecken miteinander und dient hauptsächlich dem Güterverkehr. Entlang dieser Bahntrasse entstehen nun die planungsrechtlichen Voraussetzungen für einen parallelen Geh- und Radweg, der sowohl für den Alltagsverkehr als auch für die Freizeitnutzung von großer Bedeutung sein wird.
Wien verfolgt das ambitionierte Ziel, den Radverkehrsanteil bis 2030 auf 15 Prozent zu steigern. Derzeit liegt dieser bei etwa 7 Prozent aller Wege. Tangentiale Verbindungen wie die geplante Route in Hietzing sind dabei von besonderer Wichtigkeit, da sie nicht nur einzelne Bezirke erschließen, sondern überregionale Verbindungen schaffen. Die neue Strecke wird das bestehende Radwegenetz erheblich erweitern und wichtige Lücken schließen.
NEOS Wien Mobilitätssprecherin Angelika Pipal-Leixner zeigt sich erfreut über die Entwicklung: "Es ist ein schönes Gefühl zu sehen, wie unsere Pläne aus dem Regierungsprogramm Realität werden. Diese so wichtige Verbindung quer durch den Bezirk war uns als Aufschwungskoalition ein großes Anliegen."
Parallel zur Förderung der nachhaltigen Mobilität wird auch der Denkmalschutz gestärkt. In Teilen von Lainz wird die bestehende Schutzzone erheblich vergrößert. Diese Maßnahme zielt darauf ab, die für Hietzing charakteristische freistehende Villenbebauung zu bewahren. Die Schutzzone ist ein planungsrechtliches Instrument, das sicherstellt, dass das äußere Erscheinungsbild historischer Gebäude erhalten bleibt.
Villenbebauung prägt das Stadtbild von Hietzing seit dem 19. Jahrhundert. Viele der Gebäude entstanden in der Gründerzeit und der Jahrhundertwende, als wohlhabende Wiener Familien ihre Sommerresidenzen in der damals noch ländlichen Umgebung errichteten. Diese Baukultur ist heute ein wesentlicher Bestandteil der Identität des 13. Bezirks und zieht sowohl Bewohner als auch Touristen an.
In Schutzzonen gelten besondere Auflagen für Baumaßnahmen. Veränderungen an der Fassade, am Dach oder anderen sichtbaren Gebäudeteilen müssen von der Magistratsabteilung für Stadtplanung genehmigt werden. Neubauten müssen sich in ihrer Gestaltung an der historischen Umgebung orientieren. Abrisse sind nur in Ausnahmefällen und nach eingehender Prüfung möglich.
Der Bebauungsplan sieht auch erhebliche Investitionen in die soziale Infrastruktur vor. Am Areal des Kardinal-König-Hauses an der Jagdschloßgasse soll ein Tageshospiz errichtet werden – eine wichtige Ergänzung der Gesundheitsversorgung im Bezirk. Tageshospize bieten schwerstkranken Menschen eine professionelle Betreuung während des Tages und ermöglichen es ihnen gleichzeitig, die Nächte zu Hause zu verbringen.
Zusätzlich ist die Erneuerung eines bestehenden Kindergartens geplant. Angesichts des Wachstums Wiens und der steigenden Nachfrage nach Kinderbetreuungsplätzen ist diese Maßnahme von großer sozialpolitischer Bedeutung. Wien hat sich zum Ziel gesetzt, für alle Kinder ab dem ersten Lebensjahr einen Betreuungsplatz anzubieten.
Zur Verbesserung des Mikroklimas sind weitreichende Begrünungsmaßnahmen vorgesehen. Flachdächer und flach geneigte Dächer sollen intensiv begrünt werden, was nicht nur zur Verbesserung der Luftqualität beiträgt, sondern auch die Temperatur in der Umgebung senkt. Gerade in den heißen Sommermonaten können begrünte Dächer die gefühlte Temperatur um mehrere Grad reduzieren.
Fassadenbegrünungen werden künftig vorgeschrieben – eine Maßnahme, die sowohl ökologische als auch ästhetische Vorteile bringt. Grüne Fassaden filtern Feinstaub aus der Luft, produzieren Sauerstoff und schaffen Lebensräume für Insekten und Vögel. Gleichzeitig verbessern sie das Stadtbild erheblich.
Ein Unterbauungsverbot für Bereiche mit attraktivem Baumbestand stellt sicher, dass bestehende Grünstrukturen erhalten bleiben. Tiefgaragen und Keller dürfen in diesen Zonen nicht errichtet werden, um das Wurzelwerk der Bäume zu schützen.
Für die rund 54.000 Einwohner von Hietzing bringt der neue Bebauungsplan spürbare Verbesserungen im Alltag. Radfahrer und Fußgänger werden künftig sicherere und direktere Wege nutzen können. Die neue Verbindung wird besonders für Pendler attraktiv sein, die bisher auf das Auto oder öffentliche Verkehrsmittel angewiesen waren.
Familien mit Kindern profitieren von der erweiterten Betreuungsinfrastruktur, während ältere Menschen von dem geplanten Tageshospiz Unterstützung erhalten können. Die Begrünungsmaßnahmen werden die Lebensqualität für alle Bewohner spürbar verbessern und gleichzeitig einen Beitrag zum Klimaschutz leisten.
Die Baumaßnahmen werden auch wirtschaftliche Impulse für den Bezirk setzen. Handwerksbetriebe, Planungsbüros und andere Dienstleister werden von den Aufträgen profitieren. Langfristig macht die verbesserte Infrastruktur Hietzing als Wohnstandort noch attraktiver, was sich positiv auf die Immobilienwerte auswirken dürfte.
Der Hietzinger Bebauungsplan fügt sich in die umfassende Stadtentwicklungsstrategie Wiens ein. Die österreichische Hauptstadt wächst kontinuierlich und wird bis 2030 voraussichtlich über zwei Millionen Einwohner haben. Gleichzeitig soll Wien bis 2040 klimaneutral werden – ein ambitioniertes Ziel, das nur durch eine konsequente Verkehrswende erreicht werden kann.
Andere österreichische Städte verfolgen ähnliche Strategien. Graz hat in den vergangenen Jahren sein Radwegenetz erheblich ausgebaut, Salzburg setzt auf autofreie Zonen in der Altstadt, und Innsbruck plant eine Radschnellverbindung ins Umland. Wien nimmt jedoch aufgrund seiner Größe und seiner ambitionierten Klimaziele eine Vorreiterrolle ein.
Im internationalen Vergleich holt Wien bei der Radverkehrsförderung auf. Kopenhagen gilt mit einem Radverkehrsanteil von über 40 Prozent als Vorbild, Amsterdam erreicht ähnliche Werte. Deutsche Großstädte wie München oder Berlin haben in den vergangenen Jahren erheblich in ihre Radinfrastruktur investiert und konnten den Radverkehrsanteil deutlich steigern.
Mit dem Beschluss des Flächenwidmungsplans sind die rechtlichen Grundlagen geschaffen. Die konkreten Baumaßnahmen werden in den kommenden Monaten geplant und ausgeschrieben. Die ÖBB als Eigentümerin der Verbindungsbahn wird bei der Umsetzung des bahnbegleitenden Wegs eine zentrale Rolle spielen.
Die Stadt Wien rechnet mit einem Baubeginn in der zweiten Jahreshälfte 2024. Die Fertigstellung der gesamten Rad- und Fußgängerverbindung ist für 2026 geplant. Die Begrünungsmaßnahmen und der Ausbau der sozialen Infrastruktur werden parallel vorangetrieben.
In den kommenden Wochen sollen die Detailplanungen mit der Bevölkerung diskutiert werden. Die Bezirksvorstehung von Hietzing plant Informationsveranstaltungen, bei denen sich Anwohner über die konkreten Auswirkungen der Baumaßnahmen informieren können. Anregungen und Bedenken der Bürger sollen in die weitere Planung einfließen.
Der neue Bebauungsplan zeigt beispielhaft, wie moderne Stadtplanung funktionieren kann: Klimaschutz, Denkmalschutz und soziale Bedürfnisse werden gleichermaßen berücksichtigt. Hietzing wird damit zu einem Modell für nachhaltige Stadtentwicklung, von dem auch andere Bezirke lernen können. Die neue Rad- und Fußgängerverbindung wird nicht nur den Verkehr verändern, sondern auch das Leben der Menschen im 13. Bezirk spürbar verbessern.