Am 25. Mai 2026 wurde in Wien ein warmes Essen zum Zeichen der Solidarität. Spitzenköch:innen rührten Töpfe. Sie servierten Erdäpfelgulasch. Und sie machten damit auf eine alltägliche Not aufmerksa...
Am 25. Mai 2026 wurde in Wien ein warmes Essen zum Zeichen der Solidarität. Spitzenköch:innen rührten Töpfe. Sie servierten Erdäpfelgulasch. Und sie machten damit auf eine alltägliche Not aufmerksam, die viele Wienerinnen und Wiener betrifft. Die lokalen Ausgabestellen der Team Österreich Tafel sind für Tausende Menschen ein Rettungsanker – und die Aktion „Herz am Herd“ zeigte sichtbar, wie Gastronomie und Zivilgesellschaft zusammenwirken können, wenn Hilfe gebraucht wird.
Am Samstag kochten Parvin Razavi (&flora) und Paul Ivic (Tian) in der Ausgabestelle der Team Österreich Tafel in der Safargasse (1030 Wien) ein einfaches, aber herzhaftes Erdäpfelgulasch. Die Aktion ist Teil der Cooking-Roadshow „Herz am Herd“, die österreichweit an acht Ausgabestellen der Team Österreich Tafel Halt macht. Ziel ist es, auf die Situation armuts- oder ausgrenzungsgefährdeter Menschen aufmerksam zu machen und praktische Unterstützung zu leisten.
Die aktuellen Zahlen sind eindrücklich: 1,69 Millionen Menschen in Österreich gelten als armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. 261.000 Menschen leben in absoluter Armut. Das zeigt: Das Thema betrifft nicht nur Einzelschicksale. Es betrifft unsere Städte, unsere Nachbarschaften, auch in Wien. Für viele Wienerinnen und Wiener sind tägliche Lebensmitteleinkäufe keine Selbstverständlichkeit mehr. Restaurantbesuche bleiben oft ein Wunsch. Aktionen wie „Herz am Herd“ setzen hier an. Sie liefern warme Mahlzeiten. Vor allem aber schaffen sie Aufmerksamkeit und Dialog.
Als „absolute Armut“ werden Lebensumstände bezeichnet, bei denen grundlegende Bedürfnisse wie Nahrung, Unterkunft, Kleidung oder medizinische Versorgung nicht mehr gesichert sind. In der Praxis bedeutet das: Menschen können sich nicht einmal die nötigsten Dinge zum Überleben leisten. Die Definition ist international gebräuchlich, auch wenn Messmethoden variieren. In Österreich wird diese Kategorie genutzt, um besonders vulnerable Gruppen zu identifizieren und konkrete Hilfsprogramme darauf auszurichten. Absolute Armut ist ein Indikator für extreme Notlagen, die sofortige und nachhaltige Unterstützung brauchen.
Der Begriff „armuts- oder ausgrenzungsgefährdet“ beschreibt Personen oder Haushalte, die zwar noch nicht in absoluter Armut leben, jedoch ein hohes Risiko haben, von Armut oder sozialer Ausgrenzung betroffen zu sein. Ursachen können niedrige Einkommen, Arbeitslosigkeit, prekäre Beschäftigung, hohe Wohnkosten oder fehlende soziale Absicherung sein. Menschen in dieser Gruppe stehen oft an der Schwelle zur Verarmung und sind besonders anfällig für wirtschaftliche Schocks wie steigende Lebensmittel- oder Energiepreise.
Eine Ausgabestelle ist ein Ort, an dem bedürftige Personen kostenfrei oder sehr vergünstigt Lebensmittel und andere Grundversorgung erhalten. Solche Stellen werden von sozialen Einrichtungen, gemeinnützigen Organisationen oder Ehrenamtlichen betrieben. Die Ausgabestellen der Team Österreich Tafel verteilen kontrolliert und organisiert überschüssige, aber einwandfreie Lebensmittel. Ziel ist es, Bedürftige zu unterstützen und gleichzeitig Lebensmittelverschwendung zu reduzieren. Ausgabestellen dienen oft auch als Anlaufpunkt für soziale Beratung und Vernetzung.
Die Team Österreich Tafel ist ein gemeinsames Projekt des Österreichischen Roten Kreuzes und Hitradio Ö3. Das Netzwerk umfasst in Österreich 127 Ausgabestellen, in denen Menschen in Not Unterstützung mit kostenfreien Lebensmitteln erhalten. Die Initiative verknüpft ehrenamtliches Engagement mit logistischer Infrastruktur und mediativer Reichweite. Damit gelingt es, Lebensmittel zielgerichtet an diejenigen weiterzugeben, die sie dringend benötigen, und gleichzeitig auf das Thema Armut aufmerksam zu machen.
Ehrenamtliche Helfer:innen sind Personen, die ohne Bezahlung freiwillig in sozialen Projekten mitarbeiten. Sie packen an bei Lebensmittelausgaben, Logistik, Beratung und Öffentlichkeitsarbeit. Ihr Engagement ist oft das Rückgrat vieler Hilfsangebote. Im Fall der Team Österreich Tafel haben in Wien mehr als 120 ehrenamtliche Helfer:innen im vergangenen Jahr mitgeholfen, über 266 Tonnen Lebensmittel auszugeben. Ohne diese freiwillige Unterstützung wären solche Projekte in Umfang und Wirkung stark eingeschränkt.
Die Idee, überschüssige Lebensmittel an Bedürftige zu verteilen, ist in Europa seit Jahrzehnten präsent. Tafeln entstanden ursprünglich als lokale Initiativen, die Lebensmittelretter und Wohltätigkeit verbanden. In Österreich hat sich das Konzept in den letzten 15 bis 20 Jahren professionalisiert. Die Team Österreich Tafel steht inzwischen als nationales Netzwerk für eine koordinierte Ausgabestruktur, die Ehrenamtliche, etablierte Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz und Medienpartner bündelt. Solche Kooperationen ermöglichen größere Reichweite, bessere Logistik und nachhaltigere Unterstützung. Gleichzeitig spiegeln sie den Wandel sozialer Verantwortung: Gastronomie, Handel und gemeinnützige Organisationen arbeiten zunehmend zusammen, um soziale Lücken zu füllen und gleichzeitig Ressourcen effizient zu nutzen.
In der Wiener Stadtlandschaft haben Tafeln eine besondere Bedeutung. Als größte Stadt des Landes ist Wien Anlaufstelle für Menschen in besonders prekären Lebenslagen. Lokale Projekte reagierten stets auf den Bedarf: von warmen Mahlzeiten über Beratungsangebote bis zu Lebensmittelpaketen. Die Aktion „Herz am Herd“ reiht sich in diese Entwicklung ein, bringt aber eine neue Komponente: die Sichtbarkeit durch prominente Köchinnen und Köche, die mediale Aufmerksamkeit erzeugen und so das Thema in die breite Öffentlichkeit tragen.
In Österreich sind Hilfsangebote regional unterschiedlich organisiert. Die Team Österreich Tafel besucht Ausgabestellen in mehreren Bundesländern – etwa in Burgenland, Steiermark, Oberösterreich, Tirol, Salzburg und Kärnten – und macht damit deutlich, dass die Notlagen nicht nur Großstädte betreffen. Manche Bundesländer haben dichtere Netzwerke und mehr lokale Initiativen, andere sind stärker auf landwirtschaftliche Hilfe oder kirchliche Organisationen angewiesen. Die Roadshow hilft, bundesländerübergreifende Solidarität zu stärken und bewährte Praktiken zu teilen.
Im Vergleich zu Deutschland sind die Strukturen ähnlich – dort sind Tafeln seit Jahrzehnten etabliert und oft sehr großflächig organisiert. In der Schweiz ist das gesellschaftliche Sicherheitsnetz etwas anders strukturiert, mit starker kantonaler Verantwortung und teils anderen Sozialleistungen. Dennoch zeigt ein internationaler Vergleich: Lebensmittelhilfe bleibt in allen drei Ländern ein wichtiger Baustein der sozialen Unterstützung, und Kooperationen zwischen Gastronomie, Handel und gemeinnützigen Organisationen sind zentral für einen funktionierenden Hilfemechanismus.
Für einzelne Haushalte kann die Unterstützung durch die Team Österreich Tafel unmittelbar spürbar sein. Ein älteres Paar mit geringer Pension kann mit den erhaltenen Lebensmitteln mehrere Wochen finanziell entlastet werden. Alleinerziehende, die einen Großteil ihres Einkommens für Miete und Kinderbetreuung aufwenden, profitieren von reduzierten Ausgaben für den Wocheneinkauf. Studierende mit geringem Budget finden ebenfalls Unterstützung.
Konkrete Wirkungen, die häufig genannt werden, sind:
Die Team Österreich Tafel ist damit nicht nur Soforthilfe. Sie kann eine Brücke zu weiterführenden Hilfsangeboten sein – etwa Schuldenberatung, Arbeitsmarktintegration oder gesundheitlicher Unterstützung. Die sichtbare Teilnahme prominenter Köch:innen erhöht die Aufmerksamkeit in der Bevölkerung und kann zusätzliche Spenden oder ehrenamtliche Unterstützung mobilisieren.
Die zentralen Zahlen aus der Pressemitteilung lassen sich wie folgt zusammenfassen und einordnen:
Die Kombination aus hohen Armutszahlen und einer gut organisierten Ausgabestruktur unterstreicht zwei Dinge: Der Bedarf ist groß. Gleichzeitig gibt es in Österreich funktionierende Antworten zivilgesellschaftlicher Natur. Die Herausforderung bleibt, diese Unterstützung nachhaltig zu finanzieren und in politische Strukturen einzubetten, damit Bedürftige langfristig weniger abhängig von Ad-hoc-Hilfe werden.
Parvin Razavi: „Für uns bedeutet eine warme Mahlzeit weit mehr als nur Arbeit – sie kann auch ein Ausdruck von Zusammenhalt und Unterstützung sein. Deshalb freuen wir uns, die Team Österreich Tafel unterstützen zu dürfen. Solidarität mit Menschen in Wien zu zeigen, die Unterstützung brauchen, kann ganz einfach sein.“
Paul Ivic: „Essen zu kochen heißt für uns nicht nur, Menschen satt zu machen, sondern auch Solidarität zu zeigen. Umso schöner ist es, die Team Österreich Tafel begleiten zu können. Anderen Menschen in Wien in schwierigen Situationen Solidarität zu schenken, ist oft leichter, als man denkt.“
Alina Veith, MSC, Landesgeschäftsleiterin Stv. Österreichisches Rotes Kreuz, Landesverband Wien: „In Wien sind immer mehr Menschen armuts- oder ausgrenzungsgefährdet. Menschen, die sich grundlegende Dinge wie Lebensmittel nicht mehr oder nur sehr schwer leisten können. Die Team Österreich Tafel unterstützt deshalb seit über 15 Jahren einkommensschwache Menschen mit kostenfreien Lebensmitteln. Im vergangenen Jahr haben wir in Wien mit über 120 ehrenamtlichen Helfer:innen des Team Österreich über 266 Tonnen Lebensmittel ausgeben können. Mit der Aktion Herz am Herd und der Unterstützung durch die Spitzenköch:innen Parvin Razavi und Paul Ivic wollen wir weiter auf dieses Thema aufmerksam machen und bedanken uns für den prominenten Einsatz.“
Clemens Strobl, Initiator der Eventreihe „Herz am Herd“ und Rotkreuz-Ambassador: „Das Ziel dieser Initiative ist einfach: Mehr Menschen zu helfen! Dank des Engagements unserer großartigen Köchinnen und Köche können wir die Team Österreich Tafel sichtbarer machen und zeigen, wie wichtig es ist, Menschen in Not nicht allein zu lassen.“
Die Roadshow endet Ende Juni mit einem Charity-Event auf Gut Wagram in Niederösterreich. Doch die Initiative sollte nicht als punktuelles Ereignis verstanden werden. Damit Hilfe nachhaltig wirkt, braucht es Folgendes: langfristige Finanzierung, stärkere Vernetzung mit Sozialdiensten und politische Maßnahmen, die Armut an der Wurzel packen. Aktionen wie „Herz am Herd“ können Impulse setzen. Sie erzeugen Aufmerksamkeit und mobilisieren Ressourcen. Gleichzeitig zeigen sie: Gastronomie und Handel können Teil der Lösung sein.
Langfristig sind mehrere Schritte denkbar. Bessere Daten über Bedarf und Nutzung von Ausgabestellen würden Planung verbessern. Ausbau von Beratungsangeboten an den Ausgabestellen kann Betroffenen Wege aus der Armut aufzeigen. Schließlich sind strukturelle Reformen – etwa bei Mindestpensionen oder Wohnkostenförderungen – zentral, um die Zahl der armuts- oder ausgrenzungsgefährdeten Menschen zu senken. Bis dahin bleibt die Arbeit der Team Österreich Tafel ein wichtiges Mosaikstück der sozialen Versorgung.
Wer die Arbeit der Team Österreich Tafel unterstützen möchte, kann sich an das Wiener Rote Kreuz wenden. Kontakt laut Pressemitteilung:
Weitere Informationen, Termine und Pressefotos finden Sie beim Veranstalter. Pressefotos zum Download sind verfügbar: https://photos.google.com/share/AF1QipNfDOgdpMMd1x1RNDcTJ5Y2iZSjANwhbzBjPRK7bljR8SCBS6gS0FYeX7KvjuG2Dg?key=ZUdDZGhydFJEZ1dsQmwxUGdLUGF6TlFxZEppSUtR
Interne weiterführende Informationen und Hintergrundberichte zu ähnlichen Themen finden Sie bei uns: https://www.pressefeuer.at/tafel-team-oesterreich, https://www.pressefeuer.at/rotes-kreuz-wien, https://www.pressefeuer.at/armut-oesterreich
„Herz am Herd“ bringt Köch:innen, Ehrenamtliche und Bedürftige an einen Tisch. Die Team Österreich Tafel bleibt ein wesentliches Instrument gegen Hunger und Lebensmittelverschwendung in Österreich. Die Aktion zeigt: Kleine Gesten haben große Wirkung. Sie machen auf strukturelle Probleme aufmerksam und liefern gleichzeitig direkte Hilfe. Bleiben Sie aufmerksam. Und wenn Sie können: Helfen Sie mit – als Spender:in, Freiwillige:r oder durch Weiterverbreiten der Botschaft.
Wie kann Ihre Gemeinde konkrete Unterstützung für Ausgabestellen wie die Team Österreich Tafel organisieren? Wir freuen uns auf Ihre Ideen und Berichte aus Ihrer Region.