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Gedenken neu denken: Holocaust-Vermittlung im Parlament

Bernhard Pörksen plädiert für Medienmündigkeit angesichts "dereguliertem Wahrheitsmarkt"

19. Juni 2026
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Im Parlament luden Zweiter Nationalratspräsident Peter Haubner und der Nationalfonds zu einer Konferenz über Holocaust-Leugnung, Desinformation und neue Vermittlungsformen in digitalen Räumen.

Digitale Räume eröffnen neue Formen der Geschichtsvermittlung. Zugleich werden dort laut der Aussendung historische Fakten verzerrt, relativiert oder gezielt in Frage gestellt. Unter dem Titel "Gedenken neu denken" luden Zweiter Nationalratspräsident Peter Haubner und der Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus zu einer Konferenz ins Parlament, die sich dem Thema Holocaust-Leugnung und Holocaust-Verzerrung in Online-Medien widmet.

Nach der Eröffnung durch Zweiten Nationalratspräsidenten und Vorsitzenden des Kuratoriums des Nationalfonds, Peter Haubner, folgte eine Keynote des Medienwissenschaftlers Bernhard Pörksen von der Universität Tübingen. In weiteren Programmpunkten diskutierten Journalistin Ingrid Brodnig, der Kommunikationsberater und Gründer Jannis Johannmeier sowie der Völkerrechtler Ralph Janik; außerdem sind laut Programm mehrere interaktive Sessions vorgesehen, in denen neue Ansätze für Holocaust-Vermittlung und den Umgang mit digitalen Formen von Geschichtsverzerrung erarbeitet werden sollen.

Konferenz "Gedenken neu denken" im Parlament

Die Konferenz wurde laut Aussendung von Zweitem Nationalratspräsidenten Peter Haubner und dem Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus ins Parlament eingeladen. Haubner deutete den Titel "Gedenken neu denken" als "Anspruch und Einladung zugleich" und sagte, es gehe nicht darum, Erinnerung neu zu erfinden, sondern sie mit "Klarheit, Mut und Entschlossenheit in die Gegenwart und Zukunft zu tragen".

Haubner verwies auf schnelle gesellschaftliche und politische Veränderungen, geopolitische Spannungen sowie zunehmende autoritäre Tendenzen. Er wies darauf hin, dass soziale Medien neue Teilhabe ermöglichen, gleichzeitig aber auch die Verbreitung von Desinformation sowie die Verharmlosung und Leugnung des Holocaust begünstigen können. Laut Haubner habe der Holocaust gezeigt, "wohin Ausgrenzung, Entmenschlichung und die Missachtung der Menschenwürde führen könnten". Er bezeichnete Rechtsstaatlichkeit, Menschenrechte und Minderheitenschutz als das Fundament einer freien und demokratischen Gesellschaft und forderte, Erinnerung dürfe nicht beim Gedenken stehen bleiben, "sondern müsse zu Haltung und Handeln führen".

Bernhard Pörksen: "Elementare Deregulierung des Wahrheitsmarktes"

In seiner Keynote mit dem Titel "Die neue Macht der Desinformation. Herausforderungen für die Debattenkultur - was wir wissen müssten und tun sollten" wandte sich Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen gegen die vielkonstatierte Diagnose eines "postfaktischen Zeitalters". Er sagte, die Rede vom Postfaktischen greife zu kurz und sei von Resignation geprägt; sie unterstelle zudem, dass es einst ein Zeitalter reiner Wahrheit gegeben habe, und deute gegenwärtige Herausforderungen "vorschnell und fahrlässig" als endgültigen Verlust gemeinsamer Wirklichkeit.

Pörksen beschrieb die digitale Medienwelt als einerseits durch eine "gigantische Öffnung" des kommunikativen Raums gekennzeichnet und andererseits durch beispiellose "Vermachtung" und "Refeudalisierung". Er nannte, dass drei Unternehmen weltweit mehr als die Hälfte aller Werbeinnahmen für sich verbuchen würden. Die von ihm formulierte "elementare Deregulierung des Wahrheitsmarktes" zeige sich laut Pörksen in drei Entwicklungen: einer beschleunigten Informationsverbreitung zulasten der Genauigkeit, aufmerksamkeitsökonomischen "Fehlanreizen" für Übertreibung und Verzerrung sowie erweiterten Möglichkeiten medialer Manipulation.

Pörksen warnte, auf diesen Wegen ließen sich sowohl "jede Menge Scheingewissheiten" als auch der "Totalzweifel" bestätigen, was unser "Wahrheitsempfinden betäubt". Als Antwort nannte er laut Aussendung verstärkte Anstrengungen in den Bereichen Bildung, Regulierung und Diskurs. Er hob hervor, dass Medienkompetenz weit über technische Fertigkeiten hinausgehen müsse und als demokratische Kulturtechnik verstanden werden solle. Orientierung könnten die Maximen des guten Journalismus bieten; Pörksen erhob diese zum Leitbild einer umfassenden Medienmündigkeit. Außerdem sprach er sich für einen ausgewogenen regulatorischen Rahmen gegen Desinformation und Hassrede unter Wahrung der Kommunikationsfreiheit aus und betonte die Bedeutung des "wirklichen Zuhörens" in demokratischer Verständigung.

Diskussionen: Brodnig, Johannmeier und Janik

Im anschließenden Gespräch diskutierten die Journalistin Ingrid Brodnig und der Gründer und Geschäftsführer von The Trailblazers GmbH, Jannis Johannmeier, mit Moderatorin Rebekka Salzer über Hass im Netz, Desinformation und demokratische Perspektiven im digitalen Raum. Brodnig verwies darauf, dass emotionalisierende Inhalte in sozialen Medien besonders viel Aufmerksamkeit erhielten und durch Algorithmen zusätzlich verstärkt würden. Dies könne Polarisierung und Empörung fördern und sachliche Debatten erschweren; sie sagte, Demokratie sei auf Räume angewiesen, die sich der Logik der "moralischen Empörung" entziehen, damit Kompromisse möglich blieben. Daher brauche es auch eine Regulierung digitaler Plattformen, um Desinformation und Hass entgegenzuwirken.

Johannmeier betonte laut Aussendung, dass Emotionen eine zentrale Voraussetzung seien, um Menschen zu erreichen und zum Handeln zu bewegen. Er wies darauf hin, dass Informationen alleine oft nicht genügten, um Aufmerksamkeit zu erzeugen, und nannte Geschichten und persönliche Erfahrungen in digitalen Medien als entscheidend, um gesellschaftliche Anliegen zu vermitteln. Johannmeier sprach sich dafür aus, positive Erzählungen zu entwickeln und Emotionen für demokratische Anliegen nutzbar zu machen, anstatt vorrangig auf Gegenkampagnen zu setzen.

Völkerrechtliche Perspektiven brachte Ralph Janik, Assistenzprofessor für Völkerrecht und Menschenrechte an der Sigmund Freud Privatuniversität, in einem Impulsreferat ein. Im Mittelpunkt seines Vortrags stand laut Aussendung die Umsetzung des Völkerstrafrechts; Janik thematisierte die Frage, wie ein österreichisches Gericht Taten verfolgen könne, die auf fremdem Boden stattgefunden hätten, und erläuterte das Anwendungsfeld des Völkerstrafrechts bei "Crimes against Humanity". Er erklärte, dass diese Verbrechen eine besondere Kategorie seien, für die das Weltrechtsprinzip gelte, sodass jeder Staat solche Individuen aufgrund solcher Verbrechen auf seinem Territorium strafrechtlich verfolgen könne.

Arbeitsrunden: Welche Ansätze erarbeitet werden

Im weiteren Verlauf der Konferenz sind laut Aussendung mehrere interaktive Sessions geplant. Dort sollen neue Ansätze für die Holocaust-Vermittlung sowie der Umgang mit digitalen Formen von Geschichtsverzerrung und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit erarbeitet werden. Die Veranstaltung setzte damit auf einen Mix aus Impulsvorträgen, Diskussionen und partizipativen Arbeitsformaten.

Begriffe und Zusammenhänge erklärt

Medienmündigkeit: In der Aussendung wird Medienmündigkeit von Bernhard Pörksen als ein Leitbild genannt, das über technische Kenntnisse hinausgehen und als demokratische Kulturtechnik verstanden werden soll. Gemeint sind dabei Kompetenzen, die Unterschiede zwischen Information, Meinungsäußerung und Desinformation erkennen lassen.

Deregulierung des Wahrheitsmarktes: Pörksen beschreibt damit laut Aussendung eine Situation, in der Informationsverbreitung beschleunigt und zugleich weniger genau wird, aufmerksamkeitsökonomische Fehlanreize Übertreibung fördern und mediale Manipulation erleichtert wird. Als Folge nennt er Phänomene wie "Scheingewissheiten" und "Totalzweifel".

Völkerstrafrecht: Dieses wurde laut Vortrag von Ralph Janik als Antwort auf die großen Verbrechen des 20. Jahrhunderts entwickelt. Es umfasst Regeln und Verfahren, mit denen besonders schwere Straftaten wie Verbrechen gegen die Menschlichkeit strafrechtlich verfolgt werden können.

Weltrechtsprinzip: Janik erklärte in seinem Vortrag, dass für bestimmte schwere Verbrechen, etwa "Crimes against Humanity", das Weltrechtsprinzip gelte, sodass jeder Staat das Recht habe, Einzelpersonen wegen solcher Verbrechen auf seinem Territorium strafrechtlich zu verfolgen.

Crimes against Humanity / Verbrechen gegen die Menschlichkeit: Janik bezeichnete diese Kategorie als besondere Gruppe von Straftaten, bei denen es nach seiner Darstellung nicht um abstrakte Entitäten, sondern um individuelle Taten und Verantwortlichkeiten geht.

FAQ zur Konferenz und ihren Kernaussagen

Wer hat die Konferenz organisiert?

Die Aussendung nennt den Zweiten Nationalratspräsidenten Peter Haubner und den Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus als Einladende der Konferenz im Parlament. Haubner ist zugleich Vorsitzender des Kuratoriums des Nationalfonds.

Welche Themen standen im Zentrum der Keynote von Bernhard Pörksen?

Pörksens Keynote behandelte laut Aussendung die Dynamiken der Desinformation und stellte die Diagnose eines "postfaktischen Zeitalters" infrage. Er sprach von einer "elementaren Deregulierung des Wahrheitsmarktes" und nannte Bildung, Regulierung und Diskurs als Bereiche, in denen Anstrengungen nötig seien.

Welche Positionen wurden im Gespräch von Brodnig und Johannmeier vertreten?

Ingrid Brodnig betonte laut Aussendung, dass emotionalisierende Inhalte in sozialen Medien besonders viel Aufmerksamkeit erhalten und Algorithmen dies verstärken können, was Polarisierung fördere. Jannis Johannmeier hob hingegen die Bedeutung von Emotionen für das Erreichen von Menschen hervor und plädierte für positive Erzählungen als Instrument demokratischer Anliegen.

Was erläuterte Ralph Janik zum Weltrechtsprinzip?

Janik stellte in seinem Impulsreferat das Völkerstrafrecht und das Weltrechtsprinzip in den Mittelpunkt und erläuterte, dass Staaten Individuen wegen schwerer Verbrechen wie Verbrechen gegen die Menschlichkeit auf ihrem Territorium strafrechtlich verfolgen können. Er bezog sich dabei auf historische Etappen wie den Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg und Prozesse wie den gegen Adolf Eichmann sowie auf UN-Sondertribunale der 1990er-Jahre.

Welche Formate sieht das Programm vor?

Laut Aussendung umfasste das Programm neben Eröffnungs- und Impulsvorträgen mehrere interaktive Sessions, in denen neue Ansätze für die Holocaust-Vermittlung sowie der Umgang mit digitalen Geschichtsverzerrungen und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit erarbeitet werden sollen.

Wo finde ich Fotos und weiterführende Hinweise zur Veranstaltung?

Die Aussendung verweist auf Fotos von der Veranstaltung sowie eine Nachschau auf vergangene Veranstaltungen im Webportal des Parlaments. Fotos und Nachschau sind auf den angegebenen Seiten des Parlaments abrufbar.

Quellen und Kontakt

Fotos von der Veranstaltung sowie eine Nachschau auf vergangene Veranstaltungen finden sich im Webportal des Parlaments: Fotos, Nachschau auf vergangene Veranstaltungen und das Webportal des Parlaments.

Kontakt: Pressedienst der Parlamentsdirektion, Parlamentskorrespondenz, Tel. +43 1 40110/2272, E-Mail: pressedienst [at] parlament.gv.at. Quelle der Informationen: Pressedienst der Parlamentsdirektion – Parlamentskorrespondenz.

Schlagworte

#Gedenken neu denken#Holocaust-Vermittlung#Bernhard Pörksen#Parlament#Medienmündigkeit#Gedenken#Haubner#Konferenz#Nationalfonds

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