Wiener Holding trennt sich von Autozulieferer-Geschäft – Millionenverlust erwartet, aber bessere Eigenkapitalquote
Die Frauenthal Holding AG verkauft ihre Automotive-Division an die SteelCo GmbH. Der Deal belastet das Ergebnis mit bis zu 45 Millionen Euro.
Die börsennotierte Frauenthal Holding AG vollzieht einen weitreichenden strategischen Schritt: Das Wiener Unternehmen hat am 23. Dezember 2025 den Verkauf seiner gesamten Automotive-Division an die SteelCo GmbH bekanntgegeben. Der entsprechende Kauf- und Abtretungsvertrag wurde am selben Tag unterzeichnet, der Aufsichtsrat erteilte seine Genehmigung. Die Wirksamkeit der Transaktion wurde noch für denselben Tag erwartet.
Die Entscheidung zum Verkauf kommt nicht überraschend. Bereits am 10. Juni 2025 hatte die Frauenthal Holding AG öffentlich bekannt gegeben, dass sie strategische Optionen für ihre Automotive-Division prüfe. Nach rund einem halben Jahr intensiver Evaluierung fiel die Wahl nun auf einen vollständigen Verkauf des Geschäftsbereichs. Mit der Veräußerung sämtlicher Anteile an der Frauenthal Automotive GmbH trennt sich der Konzern von einem wesentlichen Standbein seiner bisherigen Unternehmensstruktur.
Die Frauenthal Holding AG mit Sitz am Wiener Rooseveltplatz ist an der Wiener Börse im amtlichen Handel gelistet. Das Unternehmen hat sich in den vergangenen Jahren als diversifizierter Konzern positioniert, wobei die Automotive-Sparte einen bedeutenden Teil des Gesamtgeschäfts ausmachte.
Über die genauen finanziellen Details der Transaktion hält sich die Frauenthal Holding AG bedeckt, gibt jedoch einen groben Rahmen vor. Der Kaufpreis setzt sich aus fixen und variablen Komponenten zusammen. Bei vollständiger Erreichung des variablen Anteils soll der Gesamtbetrag einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag erreichen. Dies bedeutet, dass der finale Kaufpreis je nach Erfüllung bestimmter Zielvereinbarungen zwischen den Vertragsparteien variieren kann.
Die variable Kaufpreisgestaltung ist in der M&A-Praxis durchaus üblich und dient dazu, Risiken zwischen Käufer und Verkäufer zu verteilen. Häufig werden solche Earn-Out-Klauseln an die künftige wirtschaftliche Entwicklung des verkauften Unternehmens oder an das Erreichen bestimmter Meilensteine geknüpft.
Die Zahlen verdeutlichen, welchen Stellenwert die nun verkaufte Automotive-Division im Gesamtkonzern hatte. Im Geschäftsjahr 2024 trug die Sparte einen Umsatz von 207,3 Millionen Euro zum Konzernergebnis bei. Auch im laufenden Jahr 2025 setzte sich diese Entwicklung fort: Allein im ersten Halbjahr erwirtschaftete die Automotive-Division Erlöse in Höhe von 110,6 Millionen Euro.
Diese Umsatzdimensionen machen deutlich, dass es sich bei der Transaktion um einen substanziellen Einschnitt in die Konzernstruktur handelt. Die verbleibenden Geschäftsbereiche der Frauenthal Holding AG werden künftig das gesamte operative Geschäft tragen müssen.
Die Frauenthal Holding AG macht in ihrer Ad-hoc-Mitteilung transparent, dass der Verkauf das Konzernergebnis erheblich belasten wird. Das Unternehmen rechnet mit einem negativen Ergebniseffekt in einer Größenordnung von 40 bis 45 Millionen Euro. Dieser Betrag resultiert aus der Differenz zwischen dem erzielten Kaufpreis und dem bilanzierten Wert der verkauften Gesellschaften sowie etwaigen Transaktionskosten.
Derartige Buchverluste bei Unternehmensverkäufen entstehen typischerweise dann, wenn der Marktwert eines Geschäftsbereichs unter dem liegen, was ursprünglich als Anschaffungskosten oder in Form von aufgebauten Vermögenswerten in den Büchern steht. Angesichts der schwierigen Lage in der europäischen Automobilzulieferindustrie in den vergangenen Jahren ist dies keine ungewöhnliche Entwicklung.
Trotz des erwarteten Millionenverlusts sieht die Frauenthal Holding AG auch positive Auswirkungen der Transaktion. Durch die Entkonsolidierung der Automotive-Division aus dem Konzernabschluss soll sich die Konzern-Eigenkapitalquote voraussichtlich um zwei bis drei Prozentpunkte verbessern. Dies ist ein wichtiger Indikator für die finanzielle Stabilität eines Unternehmens und wird von Investoren, Banken und Ratingagenturen genau beobachtet.
Eine höhere Eigenkapitalquote bedeutet, dass ein größerer Anteil der Vermögenswerte durch eigene Mittel finanziert ist und nicht durch Fremdkapital. Dies kann die Kreditwürdigkeit verbessern und dem Unternehmen mehr finanziellen Spielraum für künftige strategische Entscheidungen geben.
Ab dem Zeitpunkt der Wirksamkeit des Verkaufs werden die zur Automotive-Division gehörenden Gesellschaften nicht mehr im Konzernabschluss der Frauenthal-Gruppe konsolidiert. Dies hat weitreichende Auswirkungen auf die Bilanzstruktur: Sowohl die Aktiva als auch die Passiva der verkauften Tochtergesellschaften fallen aus dem Konzernabschluss heraus. Ebenso werden deren Umsätze und Ergebnisse nicht mehr in den konsolidierten Zahlen erscheinen.
Für Analysten und Investoren bedeutet dies, dass künftige Vergleiche mit historischen Konzernzahlen nur eingeschränkt aussagekräftig sein werden. Die Frauenthal Holding AG wird voraussichtlich angepasste Vergleichszahlen zur Verfügung stellen, um eine bessere Einordnung der operativen Entwicklung zu ermöglichen.
Als Käuferin tritt die SteelCo GmbH auf. Über dieses Unternehmen und dessen strategische Absichten mit der übernommenen Automotive-Division macht die Ad-hoc-Mitteilung keine näheren Angaben. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die SteelCo GmbH über Erfahrung im industriellen Bereich verfügt und entsprechende Synergien mit dem erworbenen Geschäft erwartet.
Die Übernahme durch einen neuen Eigentümer könnte für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Frauenthal Automotive GmbH sowohl Chancen als auch Herausforderungen mit sich bringen. Häufig gehen solche Transaktionen mit einer strategischen Neuausrichtung einher, die auch personelle Konsequenzen haben kann.
Der Verkauf der Automotive-Division reiht sich in eine Serie von Restrukturierungsmaßnahmen in der europäischen Automobilzulieferindustrie ein. Die Branche steht vor enormen Herausforderungen: Der Übergang zur Elektromobilität, steigende Rohstoffpreise, Lieferkettenprobleme und eine zunehmend volatile Nachfrage setzen viele Unternehmen unter Druck.
Zahlreiche traditionsreiche Zulieferer haben in den vergangenen Jahren Standorte geschlossen, Stellen abgebaut oder ganze Geschäftsbereiche verkauft. Vor diesem Hintergrund erscheint die Entscheidung der Frauenthal Holding AG, sich von ihrer Automotive-Sparte zu trennen, als Teil eines branchenweiten Konsolidierungsprozesses.
Für die Frauenthal Holding AG bedeutet der Verkauf eine deutliche Fokussierung des Portfolios. Nach der Transaktion wird sich das Unternehmen auf seine verbleibenden Geschäftsbereiche konzentrieren können. Details zu den künftigen strategischen Schwerpunkten wurden in der aktuellen Mitteilung nicht genannt, dürften aber in den kommenden Wochen und Monaten kommuniziert werden.
Die Aktie der Frauenthal Holding AG wird unter der ISIN AT0000762406 an der Wiener Börse gehandelt. Investoren werden die Auswirkungen der Transaktion auf den Aktienkurs und die künftige Unternehmensentwicklung genau beobachten.
Mit dem Abschluss der Transaktion endet ein Kapitel in der Geschichte der Frauenthal Holding AG. Die entscheidenden Fragen für die Zukunft lauten: Wie wird das Unternehmen die durch den Verkauf gewonnene finanzielle Flexibilität nutzen? Welche strategischen Investitionen sind geplant? Und wie entwickeln sich die verbleibenden Geschäftsbereiche?
Die verbesserte Eigenkapitalquote könnte dem Unternehmen neue Möglichkeiten eröffnen, sei es für organisches Wachstum, Akquisitionen in aussichtsreicheren Märkten oder die Stärkung der bestehenden Geschäftsfelder. Die kommenden Geschäftsberichte werden zeigen, ob die strategische Neuausrichtung die erhofften Früchte trägt.
Für den österreichischen Kapitalmarkt stellt die Transaktion ein weiteres Beispiel für die dynamischen Veränderungen in der heimischen Unternehmenslandschaft dar. Die Frauenthal Holding AG, ein etablierter Wert an der Wiener Börse, beweist mit diesem Schritt, dass sie bereit ist, auch schwierige Entscheidungen zu treffen, um die langfristige Wettbewerbsfähigkeit des Konzerns zu sichern.