Spalt fordert mehr Fokus auf inländische Reformen statt Meeresschutz
FPÖ-Umweltsprecher Thomas Spalt wirft der Regierung vor, sich zu sehr auf internationale Abkommen zu konzentrieren und dabei notwendige Reformen in Österreich zu vernachlässigen.
In einer kontroversen Rede im österreichischen Nationalrat hat FPÖ-Umweltsprecher Thomas Spalt der schwarz-rot-pinken Regierung vorgeworfen, ihre Prioritäten falsch zu setzen. Anlass war die Diskussion über die Ratifizierung des UN-Übereinkommens zur biologischen Vielfalt der Meere.
"Diese Regierung bringt im eigenen Land nichts zustande", erklärte Spalt in seinem Debattenbeitrag. Er kritisierte, dass sich die Bundesregierung verstärkt internationalen Abkommen widme, während dringende inländische Reformen auf der Strecke blieben. Besonders bemängelte der FPÖ-Politiker die anhaltende Wirtschaftsschwäche Österreichs und den Verlust an internationaler Wettbewerbsfähigkeit.
Laut Spalt klagen österreichische Unternehmen zunehmend über "überbordende Bürokratie und hohe Abgaben". Die strukturellen Probleme des Landes würden durch sogenanntes "Goldplating" - die übermäßige Umsetzung von EU-Richtlinien - und Überregulierung zusätzlich verschärft.
Als konkretes Beispiel für die Untätigkeit der Regierung führte Spalt eine Petition seines Kollegen Harald Thau an. Diese befasst sich mit dem Bürokratieabbau im Bereich der Feuerwehren, konkret mit der Vereinfachung der Löschwasserentnahme zu Übungszwecken.
"Wenn die Regierungsparteien seit über zwei Jahren an einer Vereinfachung der Löschwasserentnahme für Übungszwecke arbeiten und es bis heute keine Lösung gibt, gleichzeitig aber im Nationalrat lieber über Hochseeabkommen zur biologischen Vielfalt der Weltmeere diskutiert wird, dann kann sich die österreichische Bevölkerung von dieser Regierung nichts mehr erwarten", so Spalt.
Die Petition stand im Umweltausschuss zur Kenntnisnahme auf der Tagesordnung, wurde jedoch mit dem Argument vertagt, man beschäftige sich bereits seit zwei Jahren mit diesem Thema. Für Spalt ein Beleg dafür, dass die Regierung bei einfachen, praktischen Lösungen versage.
Während Spalt grundsätzlich die Bedeutung des Ökosystemschutzes und internationaler Zusammenarbeit anerkannte, kritisierte er die Schwerpunktsetzung der Regierung. "Anstatt sich vorrangig um die drängenden Herausforderungen im Inland zu kümmern, geht bei internationalen Abkommen plötzlich alles ganz schnell", monierte der FPÖ-Politiker.
Er warf der Regierung vor, aus internationalen Vorgaben "Bürokratiemonster" zu machen, während andere europäische Länder pragmatischer vorgingen. Österreich verliere dadurch zusätzlich an Wettbewerbsfähigkeit.
Nach Ansicht des FPÖ-Umweltsprechers brauchen die Menschen in Österreich konkrete Lösungen statt "politischer Inszenierungen". Er listete die wichtigsten Bedürfnisse auf:
Spalt warf den Regierungsparteien ÖVP, SPÖ und NEOS vor, "vieles anzukündigen, wenig zu beschließen und noch weniger umzusetzen". Symbolpolitik sei offenbar einfacher als echte Reformpolitik, so seine Einschätzung.
"Verantwortungsvolle Politik beginnt im eigenen Land", betonte der FPÖ-Politiker abschließend. Die Regierungsparteien sollten "zuerst Österreich voranbringen, bevor sie internationale Ratifizierungen als Ersatz für fehlende Reformen vorantreiben".
Die Kritik reiht sich in die fortlaufende Opposition der FPÖ gegen die aktuelle Regierungskoalition ein. Während die Freiheitlichen mehr Fokus auf nationale Belange fordern, argumentieren die Regierungsparteien üblicherweise, dass internationale Verpflichtungen und nationale Reformen parallel vorangetrieben werden müssen.
Das UN-Übereinkommen zur biologischen Vielfalt der Meere, über das im Nationalrat diskutiert wurde, ist ein internationales Abkommen zum Schutz der Meeresökosysteme. Solche Übereinkommen erfordern die Ratifizierung durch die nationalen Parlamente der Unterzeichnerstaaten.
Die Debatte um Prioritäten zwischen nationalen Reformen und internationalen Verpflichtungen ist ein wiederkehrendes Thema in der österreichischen Politik und spiegelt grundsätzliche Unterschiede in der politischen Philosophie wider.