Kosten übersteigen wohl finanzielle Möglichkeiten des Burgenlands und der Betreiber – Bund soll Katastrophenhilfe bereitstellen
Greenpeace rechnet einen materiellen Mindestschaden von 1,6 Milliarden Euro durch asbesthaltiges Gestein; Entsorgung macht den Großteil der Summe aus.
Eine aktuelle Berechnung von Greenpeace kommt zu dem Ergebnis, dass der materielle Schaden durch den Asbest-Skandal mindestens 1,6 Milliarden Euro beträgt. Nach Angaben von Greenpeace entfallen mindestens drei Viertel dieser Summe auf die Entsorgung des asbesthaltigen Materials, der verbleibende Anteil auf Sanierungsmaßnahmen.
Greenpeace nennt Regionen in Österreich und im benachbarten Ausland als betroffen: Neben dem Burgenland seien auch Gebiete in der Steiermark, Niederösterreich und Ungarn betroffen. Die Umweltorganisation fordert deshalb die Bundesregierung auf, Mittel aus der Katastrophenhilfe zur Verfügung zu stellen und eine kostengünstige Entsorgung des Materials sicherzustellen.
Die Zahl 1,6 Milliarden Euro bezieht sich laut Greenpeace ausschließlich auf den materiellen Schaden. Bei der Kalkulation wurde ein Entsorgungspreis von 50 Euro pro Tonne angesetzt; dieser Wert entspricht laut Greenpeace der Hälfte des vor dem Asbest-Skandal üblichen Marktpreises. Mit diesem Entsorgungspreis errechnete Greenpeace, dass mindestens drei Viertel der Gesamtkosten für die Entsorgung anfallen, der Rest für Sanierungsarbeiten.
Greenpeace-Umweltchemiker Herwig Schuster warnt in der Aussendung: “Über Jahrzehnte wurde Asbestgestein aus dem Burgenland in Ostösterreich verteilt – viele Menschen haben es sogar im Vorgarten liegen. Die Entsorgungsfrage für den Asbestschotter muss dringend gelöst werden. Bei der Berechnung des Mindestschadens von 1,6 Milliarden Euro haben wir nur 50 Euro pro Tonne für die Entsorgung angesetzt. Das ist die Hälfte des vor dem Asbest-Skandal üblichen Marktpreises. Dieser günstige Entsorgungspreis ist nur möglich, wenn rasch neue, sichere und kostengünstige Deponien errichtet werden, etwa in den geschlossenen Steinbrüchen. Dafür ist Umweltminister Norbert Totschnig direkt verantwortlich. Ansonsten drohen die Kosten des Asbest-Skandals auf mindestens das Doppelte zu explodieren.”
Als Datengrundlage für die Kostenabschätzung nennt Greenpeace die Annahme, dass seit 1990 rund 26 Millionen Tonnen asbesthaltiges Gestein abgebaut wurden. Davon schätzt Greenpeace, dass rund 20 Millionen Tonnen kurz- und langfristig auf Asbestdeponien landen werden; der verbleibende Anteil werde voraussichtlich dauerhaft in der Umwelt verbleiben, etwa als Straßenunterbau oder Fundamente.
Greenpeace weist zudem darauf hin, dass etwa 20 Prozent des entstehenden Abfalls in Form von asbesthaltigem Asphalt anfallen werden. Nach Darstellung der Organisation ist dieser asphaltgebundene Abfall wegen des Bitumengehalts aufwändiger zu deponieren als reiner Asbestschotter. Greenpeace ergänzt in der Aussendung, dass dies die Straßensanierungen in den betroffenen Regionen auf Jahrzehnte verteuern und bei Sanierungen die Gefahr von Asbestfaser-Freisetzungen mit sich bringen kann.
Greenpeace nennt in der Aussendung drei namentlich bezeichnete Steinbruchbetreiber als verantwortliche Unternehmen: Zöchling, Klöcherbau und Hermann Mayer. Nach Angaben der Organisation haben diese drei Unternehmen zusammen einen Jahresumsatz von weniger als 200 Millionen Euro. Greenpeace führt weiter aus, dass Gewinne der Unternehmen nicht veröffentlicht werden und mutmaßt, dass diese nur einige Prozent des Umsatzes ausmachen dürften; daraus folgert die Organisation, dass die Betreiber den entstandenen Schaden nur teilweise abdecken könnten.
Auch das burgenländische Landesbudget wird in der Greenpeace-Mitteilung genannt: Dieses belaufe sich laut Greenpeace auf 2,8 Milliarden Euro, was nach Greenpeace-Angaben nicht ausreiche, um die Kosten zu tragen. Vor diesem Hintergrund appelliert Greenpeace an die Bundesregierung, die notwendigen Mittel freizumachen, damit der Asbest-Skandal „einem Ende zugeführt werden kann“, so Herwig Schuster.
Asbesthaltiges Gestein: In der Aussendung spricht Greenpeace von „asbesthaltigem Gestein“ und „Asbestschotter“. Als asbesthaltiges Gestein werden Materialien bezeichnet, die Asbestfasern enthalten und beim Abbau, bei Verarbeitung oder bei Sanierungen freigesetzt werden können.
Asbestdeponie: Greenpeace verwendet den Begriff „Asbestdeponie“ für spezialisierte Ablagerungsorte, an denen asbesthaltiges Material dauerhaft eingelagert werden soll. Die Organisation geht davon aus, dass Millionen Tonnen des Materials auf solchen Deponien landen werden.
Entsorgungspreis / Marktpreis: In der Berechnung schrieb Greenpeace einen Entsorgungspreis von 50 Euro pro Tonne fest und nennt dies „die Hälfte des vor dem Asbest-Skandal üblichen Marktpreises“. Die Organisation argumentiert, dass dieser niedrigere Preis nur durch das rasche Errichten „neuer, sicherer und kostengünstiger Deponien“ möglich sei.
Sanierung: Mit Sanierung ist in der Mitteilung der Aufwand gemeint, der nötig ist, um belastete Flächen, Infrastrukturen oder Gebäude von asbesthaltigem Material zu bereinigen. Greenpeace unterscheidet in der Kostenaufstellung zwischen Entsorgung (größter Anteil) und Sanierung (restlicher Anteil).
Katastrophenhilfe: Greenpeace fordert, dass der Bund Mittel aus der Katastrophenhilfe bereitstellt. Die Organisation nennt dies als möglichen Finanzierungsweg, weil nach ihrer Darstellung weder die Betreiber noch das Land Burgenland die Gesamtkosten stemmen könnten.
In der Aussendung fordert Greenpeace die Bundesregierung auf, Mittel aus der Katastrophenhilfe zur Verfügung zu stellen. Zudem verlangt die Organisation eine „kostengünstige Entsorgung des Asbestmaterials“ und nennt als mögliche Maßnahme die Errichtung neuer Deponien, unter anderem in geschlossenen Steinbrüchen, um den Entsorgungspreis zu senken.
Herwig Schuster bringt in diesem Zusammenhang die Verantwortung von Seiten der Politik ins Spiel: "Dafür ist Umweltminister Norbert Totschnig direkt verantwortlich." Gleichzeitig weist Schuster darauf hin, dass bei Ausbleiben solcher Maßnahmen die Kosten laut Greenpeace auf mindestens das Doppelte anwachsen könnten.
Greenpeace gibt den materiellen Mindestschaden mit mindestens 1,6 Milliarden Euro an. Diese Zahl bezieht sich nach Angaben der Organisation nur auf materielle Posten und nicht auf mögliche Gesundheitskosten.
Laut Greenpeace entfallen mindestens drei Viertel der 1,6 Milliarden Euro auf die Entsorgung des asbesthaltigen Materials; der verbleibende Anteil ist für Sanierung vorgesehen. Für die Entsorgung rechnete Greenpeace mit 50 Euro pro Tonne.
Für die Abschätzung ging Greenpeace davon aus, dass seit 1990 rund 26 Millionen Tonnen asbesthaltiges Gestein abgebaut wurden. Von diesen Mengen werde Greenpeace zufolge rund 20 Millionen Tonnen auf Asbestdeponien landen.
In der Mitteilung nennt Greenpeace das Burgenland sowie Gebiete in der Steiermark, Niederösterreich und Ungarn als betroffene Regionen. Die Organisation macht keine detaillierteren Ortsangaben in der Aussendung.
Greenpeace weist ausdrücklich darauf hin, dass Berechnungen zu den Gesundheitskosten in ihren Schätzungen noch nicht enthalten sind. Die genannten 1,6 Milliarden Euro beziehen sich demnach auf materielle Kosten.
Greenpeace nennt die drei Steinbruchbetreiber Zöchling, Klöcherbau und Hermann Mayer und weist auf ihren gemeinsamen Jahresumsatz von weniger als 200 Millionen Euro hin. Die Organisation kommt zu dem Schluss, dass die Betreiber den Schaden nur teilweise bezahlen könnten und fordert daher, dass der Bund Mittel aus der Katastrophenhilfe bereitstellt.
Datengrundlage und Informationen zur Berechnung nennt Greenpeace unter: https://bit.ly/4omRpHz
Kontakt Greenpeace Österreich:
Herwig Schuster, Umweltchemiker, Greenpeace Österreich, Telefon: +43 (0) 664 43 19 214, E-Mail: herwig.schuster [at] greenpeace.org
Annette Stolz, Leitung Pressearbeit, Greenpeace Österreich, Telefon: +43 (0) 664 61 26 725, E-Mail: annette.stolz [at] greenpeace.org