Am 27. Januar 2026 wurde die Europäische Lärche (Larix decidua) in Österreich zum Baum des Jahres gewählt. Diese Entscheidung unterstreicht die Bedeutung der Lärche für die alpine Kulturlandschaft und die Wälder des Hochgebirges. Angesichts des Klimawandels gewinnt sie als Schutzwaldbaum zunehmend a
Am 27. Januar 2026 wurde die Europäische Lärche (Larix decidua) in Österreich zum Baum des Jahres gewählt. Diese Entscheidung unterstreicht die Bedeutung der Lärche für die alpine Kulturlandschaft und die Wälder des Hochgebirges. Angesichts des Klimawandels gewinnt sie als Schutzwaldbaum zunehmend an Bedeutung. Die Wahl der Lärche ist ein symbolischer Akt, der die Anpassungsfähigkeit und Widerstandskraft dieser Baumart hervorhebt.
Die Europäische Lärche ist ein Überlebenskünstler mit einer beeindruckenden Geschichte. Sie hat die letzte Eiszeit in mehreren Rückzugsgebieten überstanden und sich danach über die Alpen und Karpaten verbreitet. Heute prägt sie vor allem den inneralpinen Raum von den französischen Alpen über Tirol bis in den Lungau. Laut Hubert Hasenauer, Leiter des Instituts für Waldbau an der Universität für Bodenkultur Wien, erzählen die heutigen Lärchenbestände eine spannende Wanderungsgeschichte. Je nach Herkunftsgebiet unterscheiden sich die Lärchen in ihrer Wuchsform, was ein Ergebnis natürlicher Selektion im Gebirge darstellt.
Die Lärche ist ein ausgesprochener Sonnenliebhaber und gedeiht besonders gut auf freien Flächen, steilen Hängen und kargen Böden. Sie kann mit großen Temperaturunterschieden umgehen – von minus einem bis plus 14 Grad im Jahresmittel – und trotzt Frost, Schnee und Sturm. Ihr tiefreichendes Wurzelsystem sorgt für hohe Standfestigkeit, weshalb sie oft die Waldgrenze in den Alpen bildet. Mit einem Anteil von rund 4,5 Prozent an der heimischen Waldfläche gehört sie neben Fichte, Kiefer und Tanne zu den vier wichtigsten Nadelbaumarten Österreichs.
Eine Besonderheit der Lärche ist ihr sommergrünes Verhalten: Als einziger heimischer Nadelbaum wirft sie im Herbst ihre Nadeln ab. In großen Höhen wäre es eigentlich vorteilhaft, die Nadeln über den Winter zu behalten, um im kurzen Sommer schneller wachsen zu können. Warum die Lärche selbst im Hochgebirge auf diesen scheinbaren Nachteil setzt, ist bis heute nicht vollständig geklärt. Dies macht sie aus wissenschaftlicher Sicht besonders interessant.
Auch kulturell hat die Lärche die Alpen geprägt: Während andere Baumarten gerodet wurden, ließ man die Lärchen stehen. Ihr Holz war wertvoll, ihre Nadeln zersetzen sich rasch und beeinträchtigen die Weiden nicht, und sie boten Schutz für Mensch und Tier. So entstanden die charakteristischen Lärchenwiesen, die bis heute das Landschaftsbild vieler Almen prägen.
Trotz ihrer Widerstandskraft ist die Lärche nicht frei von Risiken. Krankheiten wie der Lärchenkrebs oder Insekten wie der Graue Lärchenwickler können die Vitalität und Holzqualität beeinträchtigen. Entscheidend sind daher standortgerechte Bewirtschaftung und die Wahl genetisch geeigneter Herkünfte, betont der Waldbauprofessor.
Das Holz der Lärche ist seit Jahrhunderten geschätzt. Sein rötlicher Kern macht es nicht nur optisch attraktiv, sondern auch besonders widerstandsfähig gegen Pilze und Schädlinge. Deshalb ist es vielseitig einsetzbar – vom Außenbereich über Hausbau und Schindeln bis zu Möbeln und Innenausbau. Die Qualität des Holzes hängt jedoch wesentlich von der genetischen Herkunft der Bäume ab.
Im Klimawandel brauchen wir Baumarten, die mit Extremen umgehen können. Die Lärche ist dafür ein hervorragendes Beispiel, sie verbindet ökologische Stabilität mit hoher wirtschaftlicher und landschaftlicher Bedeutung. Mit der Wahl zum Baum des Jahres 2026 rückt sie ins Rampenlicht – als Symbol für alpine Natur, nachhaltige Forstwirtschaft und die Zukunft der österreichischen Wälder.
Weitere Informationen zu über 30 aktuellen BOKU-Waldforschungsprojekten aus der 360°-Perspektive finden Sie auf der Website Waldforschung zwischen Baum, Boden & Bytes.