Österreichische Energieagentur veröffentlicht aktuelle Großhandelspreisindizes – Gaspreise sinken um ein Drittel im Jahresvergleich
Die Großhandelspreise für Strom steigen im Jänner 2026 leicht an, während die Gaspreise im Jahresvergleich um über 33 Prozent fallen.
Die Österreichische Energieagentur hat die aktuellen Großhandelspreisindizes für Strom und Gas für den Jänner 2026 veröffentlicht. Die Zahlen zeigen ein gemischtes Bild: Während die Strompreise im Vergleich zum Vormonat leicht angestiegen sind, verzeichnen die Gaspreise einen deutlichen Rückgang. Im Jahresvergleich liegen beide Energieträger unter dem Vorjahresniveau – besonders ausgeprägt ist dieser Trend beim Erdgas.
Der Strompreisindex auf Monatsbasis, kurz ÖSPI-Monat, ist im Jänner 2026 gegenüber dem Dezember 2025 um 1,3 Prozent gestiegen. Aktuell liegt der Index bei einem Wert von 125,12 Euro pro Megawattstunde. Trotz dieses monatlichen Anstiegs zeigt sich im Jahresvergleich eine positive Entwicklung für Verbraucherinnen und Verbraucher: Im Vergleich zum Jänner 2025 liegt der Index um 3,9 Prozent niedriger.
Ein bemerkenswerter Aspekt der aktuellen Strompreisentwicklung ist der deutliche Unterschied zwischen Grund- und Spitzenlastpreisen. Der Spitzenlastpreis liegt derzeit um 20,8 Prozent über dem Niveau des Grundlastpreises. Diese Differenz erklärt sich durch die erhöhte Nachfrage zu bestimmten Tageszeiten, etwa in den Morgenstunden und am frühen Abend, wenn Haushalte und Industrie gleichzeitig Strom benötigen.
Auf Quartalsbasis zeigt der Strompreisindex (ÖSPI-Quartal) im ersten Quartal 2026 einen Anstieg um 6,9 Prozent gegenüber dem Vorquartal. Der Index liegt bei 115,78 Euro pro Megawattstunde. Im Vergleich zum ersten Quartal 2025 ergibt sich allerdings nur ein moderater Anstieg von 1,2 Prozent. Der Spitzenlastpreis übertrifft hier den Grundlastpreis um 17,2 Prozent.
Die Jahresbetrachtung liefert stabile Werte: Der Strompreisindex auf Jahresbasis (ÖSPI-Jahr) blieb im Jänner 2026 gegenüber dem Oktober 2025 nahezu unverändert und liegt bei 93,93 Euro pro Megawattstunde. Im Jahresvergleich zum Jänner 2025 bedeutet dies einen Rückgang um 3,0 Prozent. Der Aufschlag für Spitzenlast fällt bei der Jahresbetrachtung mit 5,8 Prozent über dem Grundlastpreis deutlich moderater aus als bei den kürzeren Betrachtungszeiträumen.
Wesentlich erfreulicher gestaltet sich die Situation am Gasmarkt. Der Gaspreisindex auf Monatsbasis (ÖGPI-Monat) ist im Jänner 2026 gegenüber dem Vormonat um beachtliche 10,9 Prozent gesunken. Mit einem aktuellen Wert von 30,39 Euro pro Megawattstunde liegt der Index um 33,7 Prozent unter dem Niveau des Jänners 2025 – ein Rückgang um mehr als ein Drittel innerhalb eines Jahres.
Diese Entwicklung dürfte bei österreichischen Haushalten und Unternehmen, die mit Gas heizen oder es in Produktionsprozessen einsetzen, für Erleichterung sorgen. Nach den Turbulenzen der vergangenen Jahre, die durch geopolitische Spannungen und Versorgungsunsicherheiten geprägt waren, scheint sich der Gasmarkt zunehmend zu stabilisieren.
Auch auf Quartalsbasis bestätigt sich der positive Trend: Der Gaspreisindex (ÖGPI-Quartal) fiel im ersten Quartal 2026 gegenüber dem Vorquartal um 9,4 Prozent auf 32,93 Euro pro Megawattstunde. Im Vergleich zum ersten Quartal 2025 entspricht dies einem Rückgang um 25,5 Prozent – also etwa ein Viertel günstiger als vor einem Jahr.
Der Gaspreisindex auf Jahresbasis (ÖGPI-Jahr) sank im Jänner 2026 gegenüber dem Oktober 2025 um 7,2 Prozent und liegt aktuell bei 34,02 Euro pro Megawattstunde. Im Vergleich zum Jahreswert des Jänners 2025 bedeutet dies eine Reduktion um 18,2 Prozent.
Es ist wichtig zu verstehen, dass die von der Österreichischen Energieagentur veröffentlichten Indizes die Großhandelspreise abbilden – also jene Preise, zu denen Energieversorger Strom und Gas am Markt einkaufen. Für Endverbraucherinnen und Endverbraucher stellen diese Großhandelspreise nur einen Teil der Gesamtkosten dar. Zum Energiepreis kommen noch Netzentgelte, Steuern, Abgaben und die Marge des jeweiligen Energieanbieters hinzu.
Dennoch bilden die Großhandelspreise eine wichtige Grundlage für die Tarifgestaltung der Energieversorger. Sinkende Großhandelspreise sollten sich daher mittelfristig auch in günstigeren Tarifen für Haushalte und Unternehmen niederschlagen – vorausgesetzt, die Anbieter geben diese Preisvorteile an ihre Kundinnen und Kunden weiter.
Die unterschiedliche Entwicklung bei Strom- und Gaspreisen lässt sich auf mehrere Faktoren zurückführen. Am Gasmarkt haben sich die Versorgungssituation und die Lagerbestände in Europa deutlich verbessert. Die Diversifizierung der Bezugsquellen und der Ausbau von LNG-Infrastruktur (Flüssigerdgas) haben die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten reduziert und zu mehr Preisstabilität geführt.
Beim Strom spielen verschiedene Faktoren eine Rolle: Die Witterungsbedingungen im Winter beeinflussen sowohl die Nachfrage als auch das Angebot aus erneuerbaren Energiequellen. Windkraft und Photovoltaik unterliegen naturgemäß starken Schwankungen, was sich in den monatlichen Preisbewegungen widerspiegelt. Der moderate Anstieg im Jänner 2026 dürfte unter anderem auf die erhöhte Heizstromnachfrage und die geringere Verfügbarkeit von Solarstrom in den Wintermonaten zurückzuführen sein.
Der Österreichische Strompreisindex (ÖSPI) und der Österreichische Gaspreisindex (ÖGPI) werden von der Österreichischen Energieagentur regelmäßig veröffentlicht und dienen als wichtige Orientierungshilfe für Marktteilnehmer, Analysten und die interessierte Öffentlichkeit. Sie basieren auf den tatsächlichen Handelspreisen an den europäischen Energiebörsen und bilden die für Österreich relevanten Preise ab.
Die Unterscheidung zwischen Monats-, Quartals- und Jahreswerten ermöglicht es, sowohl kurzfristige Schwankungen als auch längerfristige Trends zu beobachten. Während die monatlichen Werte stark auf aktuelle Ereignisse reagieren, glätten die Quartals- und Jahreswerte diese Ausschläge und zeigen die grundlegende Entwicklung deutlicher.
Die aktuellen Daten zeigen eine insgesamt positive Entwicklung für österreichische Energieverbraucher. Besonders die deutlich gesunkenen Gaspreise dürften sich positiv auf die Heizkosten auswirken. Experten empfehlen Haushalten und Unternehmen, die aktuelle Marktlage zu nutzen, um Energieverträge zu überprüfen und gegebenenfalls einen Anbieterwechsel in Betracht zu ziehen.
Gleichzeitig bleibt der Energiemarkt volatil und anfällig für externe Einflüsse wie geopolitische Entwicklungen, Witterungsextreme oder Änderungen in der Energiepolitik. Eine langfristige Planungssicherheit ist daher nach wie vor begrenzt möglich. Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz und zur Reduktion des Energieverbrauchs bleiben daher unabhängig von der aktuellen Preisentwicklung sinnvoll.
Die vollständigen Daten und Zeitreihen zu den Strom- und Gaspreisindizes stellt die Österreichische Energieagentur auf ihrer Website zum Download zur Verfügung. Dort finden sich auch detaillierte Informationen zur Methodik der Indexberechnung sowie grafische Darstellungen der historischen Entwicklung.