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Concordia Preise 2026: Auszeichnungen für Journalismus gegen Machtmissbrauch

13. April 2026 um 13:48
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Der Presseclub Concordia ehrt am 30. April 2026 herausragende journalistische Leistungen mit seinen renommierten Preisen. Die Auszeichnungen gehen an Medienschaffende, die mit ihren Recherchen Mach...

Der Presseclub Concordia ehrt am 30. April 2026 herausragende journalistische Leistungen mit seinen renommierten Preisen. Die Auszeichnungen gehen an Medienschaffende, die mit ihren Recherchen Machtmissbrauch aufgedeckt und zur Stärkung von Pressefreiheit und Menschenrechten beigetragen haben. Die Verleihung findet um 17 Uhr im österreichischen Parlament statt – ein symbolträchtiger Ort für die Würdigung demokratischer Grundwerte.

Peter Thiel-Podcast gewinnt Pressefreiheitspreis

In der prestigeträchtigen Kategorie Pressefreiheit werden Fritz Espenlaub, Jasmin Körber, Christian Schiffer und Klaus Uhrig für ihre investigative Podcast-Serie "Die Peter Thiel Story" des Deutschlandfunks ausgezeichnet. Die mehrteilige Serie analysiert detailliert, wie der umstrittene US-Investor und PayPal-Mitgründer Peter Thiel ein mächtiges Netzwerk aufgebaut hat, das systematisch demokratische Grundrechte untergräbt.

Peter Thiel, der als einer der einflussreichsten Tech-Milliardäre der Welt gilt, steht seit Jahren im Fokus kritischer Berichterstattung. Der deutsch-amerikanische Unternehmer, geboren 1967 in Frankfurt am Main, wanderte früh in die USA aus und wurde durch die Mitgründung von PayPal zum Multimilliardär. Später investierte er als einer der ersten in Facebook und gründete das umstrittene Datenanalyse-Unternehmen Palantir Technologies, das eng mit Geheimdiensten und Militär zusammenarbeitet.

Systematischer Angriff auf Pressefreiheit

Die preisgekrönte Podcast-Serie zeigt auf, wie Thiel seine finanziellen Ressourcen gezielt einsetzt, um kritische Berichterstattung zu unterdrücken. Ein prominentes Beispiel ist seine Finanzierung des Rechtsstreits gegen das US-Medienunternehmen Gawker Media, das 2007 über Thiels Homosexualität berichtet hatte. Thiel unterstützte heimlich mehrere Klagen gegen das Unternehmen, die schließlich zu dessen Insolvenz führten. Dieser Fall gilt in der Medienbranche als Präzedenzfall für den systematischen Einsatz von Kapital gegen unliebsame Presse.

Die Journalisten deckten auf, wie Thiel über ein Netzwerk von Anwaltskanzleien, PR-Agenturen und politischen Akteuren agiert. Dabei nutzt er sowohl direkte rechtliche Angriffe als auch subtilere Methoden wie die Finanzierung von Think Tanks und politischen Bewegungen, die seine Weltanschauung fördern. Besonders brisant ist seine Unterstützung für autoritäre Politiker und seine öffentlichen Aussagen, in denen er die Vereinbarkeit von Freiheit und Demokratie in Frage stellt.

Missbrauchsskandal im SOS-Kinderdorf aufgedeckt

Der Concordia Preis in der Kategorie Menschenrechte würdigt die investigative Arbeit von Jürgen Klatzer und Matthias Winterer. Ihre im Wiener Nachrichtenmagazin Falter veröffentlichte Recherche "Körperliche Gewalt war gang und gäbe" brachte den Missbrauchsskandal im SOS-Kinderdorf ans Licht und löste eine gesellschaftliche Debatte über Kinderschutz in Österreich aus.

Das SOS-Kinderdorf, 1949 vom Tiroler Medizinstudenten Hermann Gmeiner gegründet, galt jahrzehntelang als Vorzeigeprojekt der österreichischen Kinder- und Jugendhilfe. Die Organisation betreibt weltweit über 570 Einrichtungen und kümmert sich um mehr als 1,5 Millionen Kinder und Jugendliche. In Österreich gibt es 14 SOS-Kinderdörfer mit rund 400 betreuten Kindern und Jugendlichen. Die Organisation genießt hohes gesellschaftliches Ansehen und erhält jährlich Millionen an Spenden und staatlichen Förderungen.

Jahrzehntelanger Machtmissbrauch enthüllt

Die Recherche von Klatzer und Winterer deckte systematische Übergriffe auf, die sich über Jahrzehnte erstreckten. Ehemalige Bewohner berichteten von körperlicher und psychischer Gewalt, die als "pädagogische Maßnahme" verschleiert wurde. Die Journalisten führten über 50 Interviews mit Betroffenen, ehemaligen Mitarbeitern und Experten. Dabei kam ein System der Vertuschung zum Vorschein, das Täter schützte und Opfer zum Schweigen brachte.

Besonders erschütternd waren die Schilderungen über sexuellen Missbrauch, der von Führungskräften und Betreuern verübt wurde. Die Opfer, damals Kinder und Jugendliche in vulnerablen Lebenssituationen, hatten kaum Möglichkeiten, sich zu wehren oder Hilfe zu holen. Viele litten noch Jahrzehnte später unter den Folgen der Traumatisierung. Die Recherche zeigte auch auf, wie interne Beschwerden ignoriert oder die Betroffenen sogar bestraft wurden.

Weitreichende Konsequenzen für Kinderschutz

Die Veröffentlichung der Recherche hatte unmittelbare und weitreichende Folgen für das österreichische Kinderschutzsystem. Das SOS-Kinderdorf musste seine Führungsstruktur grundlegend reorganisieren und externe Kontrollmechanismen einführen. Die Organisation richtete eine unabhängige Ombudsstelle ein und startete ein umfassendes Aufarbeitungsprogramm. Betroffene erhielten erstmals die Möglichkeit, ihre Erfahrungen in einem geschützten Rahmen zu schildern und Entschädigung zu beantragen.

Auf politischer Ebene führte der Skandal zu einer Verschärfung der Kontrollen in der österreichischen Kinder- und Jugendhilfe. Das Sozialministerium kündigte strengere Überwachungsmaßnahmen an und erhöhte die Frequenz unangemeldeter Inspektionen. Zudem wurden die Melde- und Beschwerdemechanismen überarbeitet, um künftig schneller auf Hinweise reagieren zu können. Die Bundesländer, die für die Kinder- und Jugendhilfe zuständig sind, verschärften ihre Auflagen für private Träger.

Astrid Zimmermann erhält Ehrenpreis

Mit dem Concordia Ehrenpreis wird Astrid Zimmermann ausgezeichnet, die jahrzehntelang als Generalsekretärin des Presseclub Concordia wirkte. Zimmermann, eine der profiliertesten Medienjuristinnen Österreichs, hat sich über ihre gesamte berufliche Laufbahn hinweg für die Rechte von Journalisten und die Qualität des österreichischen Journalismus eingesetzt.

Geboren in Wien, studierte Zimmermann Rechtswissenschaften an der Universität Wien und spezialisierte sich früh auf Medienrecht. Sie war maßgeblich an der Entwicklung des österreichischen Medienrechts beteiligt und beriet sowohl Journalisten als auch Medienunternehmen in rechtlichen Fragen. Ihre Expertise war besonders gefragt bei Fällen, die die Pressefreiheit betrafen – von Ehrenschutzprozessen bis hin zu Fragen des Quellenschutzes.

Vorkämpferin für Journalistenrechte

Als Generalsekretärin des Presseclub Concordia transformierte Zimmermann die Organisation von einem traditionellen Journalistenclub zu einer modernen Interessensvertretung. Sie initiierte zahlreiche Fortbildungsprogramme für Journalisten und setzte sich für bessere Arbeitsbedingungen in der Medienbranche ein. Besonders am Herzen lag ihr die Situation freier Journalisten, die oft unter prekären Bedingungen arbeiten müssen.

Zimmermann war auch international aktiv und vertrat österreichische Journalisteninteressen in europäischen Gremien. Sie arbeitete eng mit Organisationen wie Transparency International und Reporter ohne Grenzen zusammen und setzte sich für Pressefreiheit auch in autoritären Regimen ein. Ihre Expertise war gefragt, wenn es um die Bewertung von Mediengesetzen und deren Auswirkungen auf die Pressefreiheit ging.

Tradition der Concordia Preise

Seit 1997 vergibt der Presseclub Concordia seine prestigeträchtigen Preise für außerordentliche publizistische Leistungen. Die Auszeichnungen haben sich zu einem der wichtigsten Journalismuspreise im deutschsprachigen Raum entwickelt. Der Preis in der Kategorie Menschenrechte wird von der Bank Austria gestiftet, während die gemeinnützige Privatstiftung Dr. Strohmayer den Preis in der Kategorie Pressefreiheit finanziert.

Der Presseclub Concordia selbst blickt auf eine lange Geschichte zurück. 1992 gegründet, versteht sich der Verein als überparteiliche Plattform für Journalisten aller Mediengattungen. Mit über 600 Mitgliedern ist er einer der größten Journalistenvereine Österreichs. Neben der Preisvergabe organisiert der Club regelmäßig Diskussionsveranstaltungen, Fortbildungen und fördert den Austausch zwischen Journalisten und anderen gesellschaftlichen Gruppen.

Bedeutung für österreichische Medienlandschaft

Die Concordia Preise haben in den vergangenen Jahrzehnten wichtige gesellschaftliche Debatten angestoßen und herausragende journalistische Arbeiten gewürdigt. Frühere Preisträger deckten Korruptionsskandale auf, berichteten über Menschenrechtsverletzungen oder setzten sich für demokratische Werte ein. Die Auszeichnungen gelten als Gütesiegel für investigativen Journalismus und ermutigen Medienschaffende, auch bei schwierigen Themen nicht nachzulassen.

In einer Zeit, in der Journalisten weltweit unter Druck stehen – sei es durch rechtliche Verfolgung, wirtschaftliche Zwänge oder gesellschaftliche Anfeindungen – senden die Concordia Preise ein wichtiges Signal. Sie zeigen, dass Qualitätsjournalismus geschätzt und gefördert wird. Für die österreichische Medienlandschaft, die sich wie überall mit sinkenden Auflagen und dem Wandel zur Digitalisierung auseinandersetzen muss, sind solche Auszeichnungen besonders wertvoll.

Aktuelle Herausforderungen für Pressefreiheit

Die diesjährigen Preisträger stehen exemplarisch für die Herausforderungen, denen sich moderne Journalisten gegenübersehen. Der Fall Peter Thiel zeigt, wie finanzstarke Akteure systematisch versuchen, unliebsame Berichterstattung zu unterdrücken. Diese Form der Einschüchterung wird als "Strategic Lawsuits Against Public Participation" (SLAPP) bezeichnet und ist ein zunehmendes Problem in demokratischen Gesellschaften.

In Österreich sind Journalisten ebenfalls mit solchen Herausforderungen konfrontiert. Zwar gilt die Pressefreiheit als grundrechtlich geschützt, dennoch gibt es immer wieder Versuche, kritische Berichterstattung zu behindern. Politiker drohen mit Klagen, Unternehmen entziehen Werbebudgets, und in sozialen Medien werden Journalisten attackiert. Der österreichische Presserat registriert jährlich hunderte Beschwerden und beobachtet eine Zunahme von Einschüchterungsversuchen.

Europäische Perspektive auf Medienfreiheit

Im europäischen Vergleich steht Österreich bei der Pressefreiheit relativ gut da. Der jährliche World Press Freedom Index von Reporter ohne Grenzen sieht das Land regelmäßig unter den Top 20 weltweit. Dennoch gibt es auch hier Verbesserungspotenzial. Kritisiert werden etwa die Konzentration im Medienbereich, die teilweise undurchsichtigen Eigentumsverhältnisse und die Abhängigkeit vieler Medien von staatlicher Förderung.

Deutschland und die Schweiz, die traditionell als Benchmarks gelten, kämpfen mit ähnlichen Problemen. Auch dort nehmen SLAPP-Klagen zu, und reiche Akteure versuchen, unliebsame Berichterstattung zu unterbinden. Die Europäische Union arbeitet an einer Anti-SLAPP-Richtlinie, um Journalisten besser zu schützen. Diese soll missbräuchliche Klagen früher erkennen und abweisen sowie Schadensersatz für die Betroffenen ermöglichen.

Ausblick und Zukunftsperspektiven

Die Verleihung der Concordia Preise 2026 findet zu einem kritischen Zeitpunkt für den Journalismus statt. Während technologische Entwicklungen neue Möglichkeiten für Recherche und Berichterstattung eröffnen, wachsen auch die Bedrohungen. Künstliche Intelligenz kann sowohl bei der Aufdeckung von Missständen helfen als auch zur Verbreitung von Desinformation missbraucht werden.

Die Laudationen bei der Preisverleihung werden von Andrea Holz-Dahrenstaedt, Barbara Kaufmann und Susanne Glass gehalten – drei erfahrene Journalistinnen und Medienexpertinnen, die selbst für ihre kritische Berichterstattung bekannt sind. Ihre Würdigungen werden voraussichtlich nicht nur die Leistungen der Preisträger hervorheben, sondern auch die aktuellen Herausforderungen für den Journalismus thematisieren.

Die Entscheidung, die Preisverleihung im österreichischen Parlament abzuhalten, unterstreicht die Bedeutung einer freien Presse für die Demokratie. Das Parlament als Ort der demokratischen Meinungsbildung und Kontrolle bietet den passenden Rahmen, um die Rolle des Journalismus als "vierte Gewalt" zu würdigen. Die Veranstaltung wird voraussichtlich auch Politiker aller Parteien anziehen und Gelegenheit für wichtige Diskussionen über Medienfreiheit und Demokratie bieten.

Die diesjährigen Concordia Preisträger zeigen eindrucksvoll, dass investigativer Journalismus trotz aller Widrigkeiten seine wichtige gesellschaftliche Funktion erfüllt. Sie decken Missstände auf, geben Opfern eine Stimme und tragen zur Aufklärung bei. Ihre Arbeit erinnert daran, warum eine freie und unabhängige Presse für jede Demokratie unverzichtbar ist.

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