Innovative Vortragsreihe behandelt tabuisierte Themen in der Gesundheitsversorgung
Die Hochschule Campus Wien widmet sich in drei Vorträgen sensiblen Aspekten im Gesundheitswesen - von queer-freundlicher Medizin bis zu Trauma.
Die Hochschule Campus Wien setzt mit ihrer Vortragsreihe Campus Lectures im Frühjahr 2026 einen besonderen Schwerpunkt: Das Department Gesundheitswissenschaften rückt drei gesellschaftlich relevante und oft tabuisierte Themen in den Fokus. Queerness im Gesundheitswesen, die komplexen Realitäten der Mutterschaft und trauma-sensible Behandlungsansätze stehen dabei im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Auseinandersetzung.
Den Auftakt macht am 3. März 2026 der Vortrag "Queer-friendly Healthcare" im Raum H.-2.02 der Hochschule Campus Wien in der Favoritenstraße 232. Von 17:30 bis 19:00 Uhr werden zentrale Fragen zur inklusiven Gesundheitsversorgung behandelt. Die Veranstaltung ist kostenlos, eine Anmeldung jedoch erforderlich.
Im Zentrum stehen dabei grundlegende Konzepte wie queer, LGBTQIA+ und FLINTA. Die Referent*innen verknüpfen gesellschaftliche und gesundheitliche Perspektiven und fragen: Kann die österreichische Gesundheitsversorgung wirklich alle Menschen erreichen? Die Antwort ist komplex, denn strukturelle Barrieren erschweren queeren Personen oft den Zugang zu angemessener medizinischer Betreuung.
Die Vorlesung zeigt auf, welche Normvorstellungen im Gesundheitswesen existieren und wie Gesundheitsberufe diskriminierungssensibel handeln können. Neben theoretischen Grundlagen werden aktuelle internationale Entwicklungen vorgestellt und Perspektiven aus der Community eingebunden. Diese praxisnahe Herangehensweise macht deutlich, wie wichtig eine diversitätssensible Ausbildung von Gesundheitsfachkräften ist.
Nur zwei Tage später, am 5. März 2026, widmet sich die Campus Lecture einem weiteren gesellschaftlichen Tabuthema: "Regretting Motherhood – wenn Mütter bereuen". Im Festsaal B.E.02 der Favoritenstraße 226 spricht Wiebke Schenter, bekannt als Content Creatorin @piepmadame, über die ambivalenten Realitäten der Mutterschaft.
Gesellschaftliche Narrative rund um Mutterschaft funktionieren oft über Idealbilder: Glück, Erfüllung und Selbstverwirklichung stehen im Vordergrund. Doch was passiert, wenn die Lebensrealitäten von Müttern von diesen Bildern abweichen? Schenter liest aus ihrem Buch "Ich liebe meine Kinder, aber..." und thematisiert dabei Erwartungsdruck, Rollenkonflikte und innere Zerrissenheit.
Die Veranstaltung von 17:30 bis 19:00 Uhr bietet Raum für eine anschließende Diskussion. Dieser offene Austausch ist besonders wichtig, da das Thema "Regretting Motherhood" in Österreich noch wenig öffentlich diskutiert wird. Für Gesundheitsfachkräfte, die mit Müttern arbeiten, bietet die Lecture wichtige Einblicke in komplexe emotionale Realitäten.
Den Abschluss der Vortragsreihe bildet am 15. April 2026 das Thema "Trauma-sensibles Denken und Handeln im Gesundheitsbereich". Von 17:00 bis 18:30 Uhr werden im Raum H.E.17 der Favoritenstraße 232 wichtige Aspekte der trauma-informierten Behandlung beleuchtet.
Traumatische Erlebnisse und posttraumatische Belastungen sind in Krankenhäusern und ambulanten Gesundheitseinrichtungen allgegenwärtig, werden aber oft unterschätzt. Die Lecture macht deutlich: Betroffen sind sowohl Patient*innen als auch die Gesundheitsfachkräfte selbst. Letztere begleiten häufig traumatisierte Menschen und deren Angehörige und sind damit belastenden Situationen ausgesetzt.
Die Veranstaltung will Fachkräfte und Interessierte für dieses wichtige Thema sensibilisieren und umfassend informieren. Trauma-sensible Ansätze können die Qualität der Gesundheitsversorgung erheblich verbessern und gleichzeitig das Personal vor sekundären Traumatisierungen schützen.
Die thematische Ausrichtung der Campus Lectures spiegelt die Philosophie des Department Gesundheitswissenschaften wider. Als einzige Fachhochschule Österreichs bildet die Hochschule Campus Wien alle sieben gesetzlich geregelten, gehobenen medizinisch-therapeutisch-diagnostischen Gesundheitsberufe unter einem Dach aus.
Dazu gehören Biomedizinische Analytik, Diätologie, Ergotherapie, Logopädie, Orthoptik, Physiotherapie und Radiologietechnologie sowie Hebammen. Diese Vielfalt ermöglicht eine interprofessionelle Zusammenarbeit bereits während der Ausbildung. Studierende erwerben in einer modern ausgestatteten Lehr- und Lernumgebung sowohl fachliche als auch sozial-kommunikative Kompetenzen.
Die offene gesellschaftliche Haltung der Hochschule zeigt sich nicht nur in der Themenauswahl der Vortragsreihe, sondern ist gelebter Wert in der täglichen Lehre. Absolvent*innen sollen bestmöglich auf die komplexen Herausforderungen des Gesundheitswesens vorbereitet werden – dazu gehören auch sensible Themen wie Diversität und Trauma.
Mit über 9.000 Studierenden am Campus Altes Landgut sowie weiteren Standorten ist die Hochschule Campus Wien die größte Fachhochschule des Landes. In sieben Departments steht ein Angebot von nahezu 70 Studienprogrammen zur Verfügung – sowohl berufsbegleitend als auch in Vollzeit.
Neben den Gesundheitswissenschaften umfassen diese die Bereiche Angewandte Pflegewissenschaft, Applied Life Sciences, Bauen und Gestalten, Sozialwissenschaften, Technik sowie Verwaltung, Wirtschaft, Sicherheit und Politik. Anwendungsbezogene Forschung und Entwicklung wird in neun fachspezifischen Forschungszentren gebündelt.
Die Campus Wien Academy ergänzt das Angebot durch Fort- und Weiterbildung in Form von Seminaren, Modulen und Zertifikatsprogrammen. Als Gründungsmitglied im Bündnis Nachhaltige Hochschulen unterstreicht die Institution ihr Engagement für gesellschaftliche Verantwortung.
Alle drei Vorträge der Campus Lectures sind kostenlos zugänglich, eine Anmeldung ist jedoch erforderlich. Die Veranstaltungen richten sich an Fachkräfte aus dem Gesundheitswesen, Studierende und interessierte Bürger*innen. Sie bieten eine wertvolle Gelegenheit, sich über aktuelle gesellschaftliche Entwicklungen zu informieren und in den wissenschaftlichen Diskurs einzusteigen.
Die Campus Lectures der Hochschule Campus Wien haben sich als wichtiges Forum für gesellschaftliche und wissenschaftliche Fragestellungen etabliert. Mit der aktuellen Themensetzung zeigt das Department Gesundheitswissenschaften, wie wichtig es ist, auch schwierige und tabuisierte Aspekte der Gesundheitsversorgung anzusprechen und zu durchleuchten.