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Beziehungsfähigkeit in Schulen prägt Konflikte

3. Mai 2026 um 20:26
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Am 3. Mai 2026 legt der Verein für Kultur- und Toleranzforschung eine neue Untersuchung vor, die das österreichische Schulsystem unter ungewohnten Blickwinkeln beleuchtet: Im Zentrum steht die Frag...

Am 3. Mai 2026 legt der Verein für Kultur- und Toleranzforschung eine neue Untersuchung vor, die das österreichische Schulsystem unter ungewohnten Blickwinkeln beleuchtet: Im Zentrum steht die Frage, wie Beziehungsfähigkeit zwischen Lehrpersonen, Eltern und Jugendlichen die Schulkultur und das Konfliktgeschehen prägt. Die Studie, die Ergebnisse in einem Band zusammenfasst und online verfügbar ist, liefert klare Zahlen zur politischen Toleranz und differenzierten Orientierungen – und sie stellt grundsätzliche Fragen an die Bildungspolitik in Österreich. Der Befund trifft auf einen Bildungskontext, der zunehmend kompetenzorientiert arbeitet und zugleich von gesellschaftlichen Spannungen belastet ist. Die Untersuchung zeigt Differenzen zwischen Lehrkräften, Eltern und Jugendlichen: Lehrpersonen gelten demnach als am liberalsten, Jugendliche weisen häufiger kollektivistische oder fundamentalistisch geprägte Haltungen auf, Eltern liegen überwiegend in einer Mittellage. Diese Analyse ist relevant für Schulen in Wien, Niederösterreich, Oberösterreich und anderen Bundesländern sowie für bundesweite Bildungsdebatten, denn sie benennt Ursachen und Folgen von Konflikten und bietet Ansatzpunkte für mögliche Veränderungen.

Beziehungsfähigkeit als Schlüsselthema für das österreichische Schulsystem

Die Studie ist keine Kritik an einzelnen Lehrpersonen oder Elterngruppen; sie versteht Beziehungsfähigkeit als zentrale Dimension von Bildung. Beziehungsfähigkeit (Hauptkeyword) bezeichnet dabei die Fähigkeit, stabile, respektvolle und empathische Beziehungen zu anderen Menschen aufzubauen und zu pflegen – im Schulkontext also zwischen Lehrpersonen, SchülerInnen und Eltern. Wenn Beziehungsfähigkeit fehlt, steigen Missverständnisse und Konflikte, das zeigen die Daten. Die Untersuchung macht deutlich, dass Bildungsinhalte und Unterrichtskonzepte allein Konflikte nicht verhindern, wenn die soziale Kompetenz, also die Beziehungsfähigkeit, nicht systematisch gefördert wird. Vor dem Hintergrund aktueller Debatten um Lehrpläne, Leistungsdruck und die Rolle digitaler Medien ist diese Sicht besonders relevant für das österreichische Schulsystem.

Fachbegriffe verständlich erklärt

Beziehungsfähigkeit: Beziehungsfähigkeit beschreibt die Fähigkeit, empathisch, respektvoll und verlässlich mit anderen umzugehen. Auf individueller Ebene umfasst sie emotionale Regulation, Perspektivenübernahme, Kommunikationsfertigkeiten und die Bereitschaft zur Konfliktlösung. Auf institutioneller Ebene bedeutet Beziehungsfähigkeit, dass Schulen Strukturen schaffen, die Vertrauen fördern, Konfliktstrukturen entschärfen und positive Interaktionen ermöglichen. In der schulischen Praxis zeigt sich Beziehungsfähigkeit etwa in einem konstruktiven Lehrer-Schüler-Verhältnis, einer offenen Elternarbeit und einem Klima, in dem Mobbing weniger Chancen hat. Ohne Förderung sozialer Kompetenzen bleibt Bildung oft eindimensional – leistungs- und kompetenzorientiert – und verfehlt wichtige gesellschaftliche Funktionen.

Toleranzmodus / Politische Toleranz: Mit dem Begriff Toleranzmodus wird in der Studie die Art und Weise beschrieben, wie Menschen gegenüber abweichenden Meinungen, Lebensentwürfen und Gruppen reagieren. Ein »reflektiert-demokratischer« Toleranzmodus beinhaltet Anerkennung von Grundrechten, Diskussionsbereitschaft und die Fähigkeit, Differenzen auszuhalten. Ein »werterelativistischer« Modus relativiert Werte und neigt dazu, jede Position als gleichwertig zu sehen, was in politischen Fragen zu Entpolitisierung führen kann. Autoritär geprägte Toleranz geht oft mit klaren Hierarchievorstellungen und Ablehnung von abweichendem Verhalten einher. Diese Unterscheidungen sind wichtig, um die in der Studie berichteten Anteile (45 % werterelativistisch, 30 % reflektiert-demokratisch, 20 % autoritär, 5 % besonders intolerant) einzuordnen.

Kompetenzorientierung: Unter Kompetenzorientierung versteht man die Ausrichtung von Lehrplänen und Prüfungen auf messbare Fähigkeiten und Fertigkeiten, oft verbunden mit standardisierten Leistungsnachweisen. Kompetenzorientierung zielt auf die Berufsfähigkeit und auf überprüfbare Lernergebnisse ab. Kritikerinnen und Kritiker bemängeln, dass dabei humanistische Inhalte wie Ethik, Kunst und kulturelle Bildung in den Hintergrund geraten. In der Studie wird argumentiert, dass eine einseitige Kompetenzorientierung das Konfliktpotenzial erhöhen kann, weil sie Beziehungsfähigkeit und kulturelle Bildung vernachlässigt.

Kulturelles Kapital: Der Begriff, geprägt von Soziologen, bezeichnet Ressourcen wie kulturelle Bildung, Sprachkompetenz, Zugang zu Kunst und kulturellen Codes, die Familien an ihre Kinder weitergeben. Kulturelles Kapital beeinflusst das Verhalten in Schule und Gesellschaft, etwa durch unterschiedliche Verständnisse von Leistungsbereitschaft oder Autorität. In der Untersuchung zeigt sich, dass familiäres kulturelles Kapital und Erziehungsstil zentrale Prädiktoren für Toleranzhaltungen und Konfliktanfälligkeit sind.

Autoritäre Orientierung: Dies beschreibt die Neigung zu rigiden Wertvorstellungen, klaren Hierarchien und geringer Bereitschaft zur Kritik an Autoritäten. Autoritäre Orientierung kann in Schulen zu Disziplinproblemen und Konflikten führen, wenn sie mit einem Mangel an dialogischen Strukturen verbunden ist. In der Studie wird ein Anteil autoritärer Haltungen von rund 20 % beschrieben, was in Kombination mit anderen Faktoren das Konfliktpotenzial im Schulalltag verstärken kann.

Historische Entwicklung (Kontext)

Die Debatte um die Rolle von Beziehungsfähigkeit in Schulen ist nicht neu. Historisch lässt sich in Österreich ein Spannungsfeld zwischen humanistischer Bildungstradition und funktionaler Kompetenzorientierung nachzeichnen. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert dominierten in vielen Bereichen der Bildung humanistische Perspektiven: Allgemeinbildung, Ethik, Religion und Kultur waren zentral. Nach dem Zweiten Weltkrieg und besonders seit der Bildungsexpansion der 1960er und 1970er Jahre rückten Zugangsgerechtigkeit und Massenbildung in den Vordergrund. Ende des 20. Jahrhunderts und im 21. Jahrhundert verstärkte sich die Ausrichtung auf messbare Kompetenzen, Evaluation und Leistungsindikatoren. Dieser Wandel führte zu Effizienzorientierung und verstärktem Leistungsdruck.

Parallel dazu veränderte sich die Rolle von Eltern und Medien: Familienstrukturen pluralisierten sich, Migration veränderte kulturelle Zusammensetzungen an Schulen, und digitale Medien beeinflussen Sozialisation und Kommunikation. Die Studie ordnet diese Entwicklungen ein und zeigt, dass die Reduktion von Bildung auf Kompetenzen in manchen Fällen zu einer Vernachlässigung sozialer und kultureller Bildungsinhalte geführt hat. Diese institutionellen Transformationen sind auch in anderen europäischen Ländern zu beobachten, doch die nationalen Bildungsverläufe differieren erheblich.

Vergleich mit anderen Bundesländern, Deutschland und der Schweiz

  • Innerhalb Österreichs: Unterschiede zwischen Bundesländern sind in der Studie nicht im Detail aufgeschlüsselt, doch international und national bekannte Muster lassen sich übertragen: Regionen mit stärkerem urbanem und akademischem Milieu (z. B. Wien) zeigen tendenziell höhere Anteile liberaler Lehrpersonen; ländliche Regionen können stärker konservative oder kollektivistische Werte aufweisen. Diese Muster beeinflussen das lokale Konfliktgeschehen an Schulen.
  • Deutschland: In Deutschland wird die Debatte um Kompetenzorientierung und die Stärkung von Sozialkompetenzen ähnlich geführt. Länder mit stärkerer Betonung von Ganztagsschulen und sozialpädagogischen Angeboten sehen oft bessere Ansätze zur Förderung von Beziehungsfähigkeit. Gleichzeitig sind auch dort Unterschiede in politischen Toleranzmodi und Elternkonstellationen feststellbar.
  • Schweiz: Die Schweiz ist geprägt von kantonaler Bildungsautonomie; einige Kantone setzen stärker auf berufsorientierte Bildung, andere auf humanistische Zugänge. Wo Schulen Kultur- und Ethikbildung institutionell fördern, zeigen sich nachweislich stabilere Schulkulturen und ein geringeres Konfliktpotenzial.

Diese Vergleiche zeigen: Es gibt keine universelle Lösung, aber Beispiele aus benachbarten Ländern und Regionen liefern Anhaltspunkte dafür, wie Beziehungsfähigkeit institutionell gestützt werden kann.

Bürger-Impact: Konkrete Auswirkungen und Beispiele

Die Ergebnisse haben direkte Folgen für Lehrpersonen, Eltern, SchülerInnen und die Kommune. Drei konkrete Beispiele verdeutlichen den Bürger-Impact:

  • Schulalltag und Disziplin: Schulen, die Beziehungsfähigkeit systematisch fördern – etwa durch verbindliche Kommunikationsregeln, regelmäßige Konfliktmoderation und soziale Lernmodule – berichten über weniger Disziplinprobleme. Fehlt diese Förderung, steigen Spannungen, und das Lernklima verschlechtert sich. Das betrifft Eltern, die stärkere Unterstützung durch die Schule erwarten, sowie Lehrpersonen, die mehr Zeit für Classroom-Management benötigen.
  • Elternarbeit und Integration: In Klassen mit hohem Anteil an Familien mit unterschiedlichem kulturellem Kapital können Missverständnisse über Erziehungsziele oder Leistungsanforderungen eskalieren. Eine bewusst gestaltete Elternarbeit, die sprachliche und kulturelle Barrieren berücksichtigt, kann Konflikte reduzieren. Werden Eltern nicht einbezogen, wirkt sich das negativ auf die Schulleistung und das Sozialverhalten von Jugendlichen aus.
  • Jugendliche und Radikalisierung: Die Studie weist darauf hin, dass ein Teil der Jugendlichen kollektivistische oder fundamentalistische Haltungen aufweist. Das hat Folgen für Präventionsarbeit und die politische Bildung: Schulen müssen präventive Angebote schaffen, um demokratische Toleranz zu stärken und Anfälligkeiten für extremistische Narrative zu verringern.

Für Bürgerinnen und Bürger bedeutet das konkret: Schulpolitik beeinflusst Alltagsleben, Nachbarschaften und die Chancen junger Menschen. Kommunen sollten daher Ressourcen für Schulsozialarbeit, Lehrerfortbildung und Elternkooperation einplanen, um langfristig stabile Schulkulturen zu fördern.

Zahlen & Fakten: Analyse der Studie

Die Untersuchung bringt einige zentrale Zahlen, die wir hier systematisch analysieren: Laut Studie ist der werterelativistische Zugang in der politischen Toleranz mit 45 % am weitesten verbreitet. Ein solcher Wert bedeutet, dass fast die Hälfte der Befragten politische und moralische Positionen relativiert und weniger klare normative Abgrenzungen vorzieht. Dies kann zu einer Form der Entsolidarisierung führen, in der politische Auseinandersetzungen weniger klar als legitim oder illegitim bewertet werden.

Mit 30 % sind knapp ein Drittel der Befragten im reflektiert-demokratischen Toleranzmodus verortet. Diese Gruppe steht für diskursive Auseinandersetzung, Anerkennung von Grundrechten und demokratische Konfliktbewältigung. Die 20 % mit autoritär geprägter Toleranz signalisieren, dass ein spürbarer gesellschaftlicher Teil klare Hierarchievorstellungen und sektoral rigide Werte hält. Die 5 % besonders intoleranten Personen stellen eine Minderheit dar, die jedoch in spezifischen Kontexten disproportional konfliktanfällig sein kann.

Die Studie betont zudem Unterschiede zwischen Lehrpersonen, Eltern und Jugendlichen: Lehrpersonen erscheinen insgesamt liberaler, was auf berufliche Sozialisation, Ausbildung und Berufsstandsnormen zurückgeführt werden kann. Jugendliche zeigen häufiger kollektivistische Orientierungen und in Teilen religiöses Fundamentalismusverhalten; Eltern nehmen oft eine Mittellage ein. Diese Differenzierung ist wichtig für zielgruppenspezifische Interventionen: Maßnahmen, die bei Lehrpersonen ansetzen, sind nicht automatisch für Jugendliche oder Eltern wirksam.

Wichtig ist, dass die Studie Konflikte nicht monokausal erklärt: Familiäre Sozialisation, institutionelle Einflüsse und Medien – einschließlich Künstlicher Intelligenz als neue Einflussquelle – prägen Einstellungen und Verhalten. Die genannten Anteile liefern eine Momentaufnahme, die in regionaler und zeitlicher Dimension variieren kann. Für politische Entscheidungen sind diese Zahlen hilfreiche Orientierungen, nicht absolute Wahrheiten.

Zukunftsperspektive: Prognosen und Handlungsempfehlungen

Die Studie leitet daraus eine Reihe von Schlussfolgerungen und Handlungsempfehlungen ab. Eine zentrale Prognose lautet: Wenn Bildungspolitik weiterhin stark auf Kompetenzorientierung setzt, ohne Beziehungsfähigkeit und kulturelle Bildung zu integrieren, wird das Konfliktpotenzial in Schulen weiter zunehmen. Eine mögliche Gegenreaktion könnte die Nachfrage nach schulischen Angeboten stärken, die soziale Kompetenzen, Konfliktfähigkeit und kulturelle Bildung fördern.

Konkrete Optionen für die Zukunft sind: die Stärkung von Schulsozialarbeit, die Einführung verbindlicher Module zur Förderung sozialer Kompetenzen, Lehrerfortbildungen in Beziehungsarbeit und Kommunikation sowie eine intensivere Elternarbeit. Auf Systemebene empfiehlt die Studie, Bildungspläne so zu überarbeiten, dass humanistische Inhalte wie Ethik, Kunst und Kultur nicht weiter zurückgedrängt werden. Solche Maßnahmen können mittel- und langfristig die demokratische Resilienz erhöhen und das Konfliktpotenzial reduzieren.

Für Österreich bedeutet das: Bildungspolitik sollte regional differenzierte Maßnahmen ermöglichen, die auf den spezifischen Bedarfen von Bundesländern, Gemeinden und Schulformen basieren. Investitionen in präventive Bildungsarbeit sind wirtschaftlich sinnvoll, weil sie langfristig Kosten durch Konflikte, Schulabbrüche oder soziale Probleme reduzieren können.

Schlussfolgerung und Ausblick

Die Untersuchung des Vereins für Kultur- und Toleranzforschung liefert wichtige Einsichten: Beziehungsfähigkeit ist ein zentraler Faktor für ein gelingendes Schulklima; die Verlagerung hin zu reiner Kompetenzorientierung kann dieses Klima gefährden. Die Zahlen zur politischen Toleranz (45 % werterelativistisch, 30 % reflektiert-demokratisch, 20 % autoritär, 5 % intolerant) zeigen die Bandbreite gesellschaftlicher Haltungen und machen deutlich, dass Maßnahmen zur Förderung von Beziehungsfähigkeit, kultureller Bildung und demokratischer Bildung notwendig sind. Die Ergebnisse sind relevant für Bildungsministerien, Schulverwaltungen, Lehrpersonen, Eltern und SchülerInnen in ganz Österreich.

Leserinnen und Leser, die tiefer einsteigen möchten, finden die Originalpublikation auf Springer: https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-658-49893-1. Für praktische lokale Beispiele und Diskussionen empfehlen wir weiterführende Artikel auf pressefeuer.at, zum Beispiel zu Schulsozialarbeit, kulturellem Kapital in Schulen und Bildungspolitik.

Kontakt zur Studie: Verein für Kultur- und Toleranzforschung, Dr. Zoltan Peter, Telefon: 0650 4824467, E-Mail: [email protected], Website: https://vkm-studien.com.

Weiterführende Artikel auf pressefeuer.at: Beziehungsfähigkeit in der Bildung, Debatte um Kompetenzorientierung, Kulturelles Kapital und Schule.

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