Die Bewegtbildstudie 2026 zeigt ein scheinbares Paradox: Österreich streamt, scrollt und schaut mobil, doch klassische Broadcaster prägen weiterhin den Großteil der Nutzung. Entscheidend ist der Mix aus TV, Mediatheken und Plattformpräsenz.
Die Bewegtbildstudie 2026, erhoben im Februar 2026, zeigt: Bewegtbild ist im Alltag der Österreicher:innen fest verankert. Laut der repräsentativen Erhebung (4.000 Befragte) nutzen 100 Prozent mindestens einmal pro Woche Bewegtbild; mehr als drei Viertel konsumieren täglich.
Angebote klassischer Fernsehveranstalter machen in linearer sowie digitaler Verbreitung 71 Prozent aller genutzten Inhalte aus. 13 Prozent entfallen auf Videoportale, 15 Prozent auf Bewegtbild über Social Media (inkl. YouTube) – ohne Broadcaster-Inhalte. Broadcaster-Inhalte werden auch in sozialen Medien breit konsumiert und prägen die Nachfrage in einem stark fragmentierten Plattformumfeld. Die Bewegtbildnutzung erfolgt mittlerweile jeweils zur Hälfte über klassische TV-Verbreitungswege (Kabel-TV, Satellit, Antenne) und über Online-Kanäle, darunter Sendermediatheken und Social-Media-Präsenzen der Broadcaster.
„Mit knapp sechs Stunden pro Tag bewegt sich die Bewegtbildnutzung in Österreich auf einem hohen Niveau. Digitale Verbreitungswege sind für Broadcaster hoch relevant, um jüngere Zielgruppen effektiv zu erreichen. Dabei hat der Big Screen seinen festen Platz im Konsum von Bewegtbildinhalten für längere Formate, während Kurzformate gerne auf mobilen Endgeräten konsumiert werden. Broadcaster-Inhalte finden in sozialen Medien Beachtung, wodurch junge Zielgruppen an etablierte Medienmarken und Nachrichtenangebote herangeführt werden können“, analysiert Wolfgang Struber, Geschäftsführer der RTR Medien.
„Die Angebote der Broadcaster behaupten sich im Medienalltag der Österreicherinnen und Österreicher auch als digitale Angebote und gegen Big-Tech-Plattformen – in allen Altersgruppen! Der konsequente und erfolgreiche Ausbau der Sendermediatheken manifestiert sich in der intensiven Nutzung der qualitativ hochwertigen Broadcaster-Angebote auf allen Endgeräten. Bildschirme werden zunehmend im Verbund genutzt: Die Second-Screen-Nutzung bietet attraktive Interaktionsmöglichkeiten für Marken, die von der Werbewirksamkeit des Big Screens und der Vertrauenswürdigkeit der Broadcaster-Angebote profitieren und im digitalen Umfeld weiterführende Informationen bieten können“, fasst Thomas Gruber (ProSiebenSat.1 PULS 4), Obmann der Arbeitsgemeinschaft TELETEST zusammen.
Insgesamt verbringen die Österreicher sechs Stunden (359 Minuten) täglich mit Bewegtbildinhalten. Über 70 Prozent davon entfallen auf die Angebote der Broadcaster inklusive ihrer Inhalte auf sozialen Medien. Soziale Medien (ohne Broadcaster-Inhalte) erreichen 15 Prozent, Videoportale 13 Prozent. Keine der Plattformen erreicht Anteile über sechs Prozent – YouTube und Netflix liegen hier knapp niedriger, alle anderen Plattformen liegen unter drei Prozent.
In der Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen liegt der tägliche Bewegtbildkonsum bei 6:53 Stunden (413 Minuten). 53 Prozent der Nutzung in dieser Gruppe entfallen auf Broadcaster-Angebote, ein Viertel auf soziale Medien (ohne Broadcaster-Inhalte) und ein Fünftel auf Videoportale; Netflix macht hier zehn Prozent aus.
4:13 Stunden (253 Minuten) verbringen die Österreicher täglich vor dem Big Screen. Auf diesem Gerät werden zu 86 Prozent Angebote der Broadcaster genutzt; etwa ein Zehntel der Nutzung am Fernseher entfällt auf Videoportale. Auf Smartphones und Tablets dominieren Kurzformate über Social Media (inkl. Broadcaster-Inhalten) mit etwas mehr als 60 Prozent der mobilen Nutzungen. Mit rund einem Fünftel folgen die Mediatheken der Broadcaster, dahinter klassische Videoportale.
Auch bei den 14- bis 29-Jährigen führen am Big Screen Broadcaster-Inhalte, die etwa drei Viertel der Nutzung ausmachen. Videoportale erreichen 20 Prozent am großen Bildschirm, soziale Medien sieben Prozent. Die Nutzungsdauer am Smartphone liegt bei den 14- bis 29-Jährigen bei 2:52 Stunden (152 Minuten) und ist damit mehr als doppelt so hoch wie in der Gesamtbevölkerung.
Die Bewegtbildstudie 2026 wurde von Marketmind in Zusammenarbeit mit Rogator im Auftrag von RTR Medien und Arbeitsgemeinschaft TELETEST durchgeführt. Im Februar 2026 wurden 4.000 Personen ab 14 Jahren befragt; die Ergebnisse sind aufgrund einer methodischen Neuerung nicht mit den Vorjahresergebnissen vergleichbar. Der Fragebogen wurde für mobile Nutzung optimiert: 60 Prozent der Interviews erfolgten auf Smartphones und Tablets, 40 Prozent auf Desktop- und Notebook-Systemen.
Die zentralen Ergebnisse mit Grafiken und Tabellen sind verfügbar auf https://www.screenforce.at; die Studie in voller Länge steht auf https://www.rtr.at/Bewegtbildstudie2026 zur Verfügung.
Die Bewegtbildstudie 2026 von RTR Medien und Arbeitsgemeinschaft TELETEST zeigt nicht einfach, dass Fernsehen weiterhin genutzt wird. Sie zeigt, dass sich Fernsehen als Marken- und Inhalte-Ökosystem über mehrere Verbreitungswege behauptet. Angebote klassischer Fernsehveranstalter erreichen laut Studie in linearer und digitaler Nutzung zusammen 71 Prozent der genutzten Inhalte. Das ist deshalb bemerkenswert, weil die Nutzung heute längst nicht mehr nur über Kabel, Satellit oder Antenne läuft.
Der Begriff Fernsehen ist dadurch schwerer geworden. Gemeint ist nicht mehr ausschließlich das lineare Programm am Abend, sondern auch Mediatheken, mobile Nutzung, Social-Media-Kontaktpunkte und Inhalte, die auf Plattformen wieder auftauchen. Für Medienhäuser ist das eine große Herausforderung, aber auch eine Chance. Wer seine Inhalte nur als Sendetermin denkt, verliert Reichweite. Wer sie über mehrere Kanäle ausspielt, kann auch in einem fragmentierten Umfeld sichtbar bleiben.
Für Leserinnen und Leser ist der Befund wichtig, weil er gegen zwei einfache Erzählungen spricht. Die eine lautet: Fernsehen ist tot. Die andere lautet: Streaming ersetzt alles. Die Studie zeichnet ein differenzierteres Bild. Bewegtbildnutzung ist hoch, Streaming und Social Media sind stark, aber etablierte Programmmarken bleiben im Alltag vieler Menschen präsent.
Ein weiterer Kernpunkt ist die Rolle des großen Bildschirms. Laut RTR-Meldung verbringen die Menschen in Österreich täglich 253 Minuten vor dem Big Screen. Dort werden zu 86 Prozent Angebote der Broadcaster genutzt. Das spricht dafür, dass längere Formate, Nachrichten, Unterhaltungsshows, Sport und gemeinschaftliches Schauen weiterhin stark an Fernsehgeräte gebunden sind.
Das Smartphone spielt gleichzeitig eine andere Rolle. Mobile Endgeräte sind besonders wichtig für Kurzformate, schnelle Updates, Social Video und flexible Nutzung. Die Studie macht daher sichtbar, dass Geräte nicht austauschbar sind. Ein langes Format am Abend erfüllt eine andere Funktion als ein kurzer Clip zwischendurch. Medienstrategien müssen deshalb nicht nur fragen, welche Plattform genutzt wird, sondern wofür sie genutzt wird.
Gerade für Werbewirtschaft und Medienpolitik ist das relevant. Der Big Screen gilt oft als Umfeld mit hoher Aufmerksamkeit, während mobile Nutzung stärker fragmentiert ist. Wenn Broadcaster auf beiden Ebenen sichtbar bleiben, können sie Inhalte, Markenvertrauen und Werbewirkung verbinden. Das erklärt, warum Mediatheken und digitale Ausspielung nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung des TV-Ökosystems verstanden werden.
Die Altersgruppe der 14- bis 29-Jährigen nutzt laut Studie besonders viel Bewegtbild: 413 Minuten täglich. In dieser Gruppe machen Broadcaster-Angebote noch immer 53 Prozent der Nutzung aus, während soziale Medien und Videoportale stärker ins Gewicht fallen als in der Gesamtbevölkerung. Das ist für Sender ein Warnsignal und eine Chance zugleich.
Warnsignal, weil junge Nutzung stärker verteilt und plattformgetrieben ist. Chance, weil etablierte Inhalte nicht aus dem Alltag verschwinden, wenn sie auf den richtigen Wegen zugänglich sind. Mediatheken, kurze Ausschnitte, Social-Media-Präsenzen und mobile Optimierung werden so zu Brücken zwischen klassischer Programmmarke und jüngerer Nutzung.
Die Methodik ist ebenfalls wichtig: Die Studie wurde 2026 mit einem überarbeiteten, mobil optimierten Fragebogen durchgeführt. 60 Prozent der Interviews liefen über Smartphone oder Tablet. Das macht die Ergebnisse aktueller für heutige Nutzungssituationen, bedeutet aber auch, dass direkte Vergleiche mit Vorjahreswerten vorsichtig gelesen werden müssen.
Wer hat die Bewegtbildstudie 2026 erstellt?
Die Studie wurde von Marketmind in Zusammenarbeit mit Rogator im Auftrag von RTR Medien und Arbeitsgemeinschaft TELETEST durchgeführt.
Wie viele Menschen wurden befragt?
Die Studie basiert auf 4.000 CAWI-Interviews mit Personen ab 14 Jahren und ist für die österreichische Bevölkerung repräsentativ.
Was bedeutet Broadcaster-Angebot?
Gemeint sind Inhalte klassischer Fernsehveranstalter, unabhängig davon, ob sie linear, in Mediatheken oder über digitale Kontaktpunkte genutzt werden.
Warum sind die Ergebnisse nicht direkt mit Vorjahren vergleichbar?
Der Fragebogen wurde 2026 methodisch weiterentwickelt und für mobile Teilnahme optimiert. Dadurch verbessert sich die Abbildung heutiger Nutzung, erschwert aber direkte Trendvergleiche.