Der Tiergarten Schönbrunn hat die Anlage der Berberaffen und Mähnenspringer mit naturbelassenen Robinienstämmen der Bundesforste ausgestattet. Die Aktion verbindet Tierbeschäftigung, robuste Holzverwendung und Naturnähe.
Fast 100 naturbelassene Robinienstämme schaffen im Tiergarten Schönbrunn neue Kletter- und Beschäftigungsmöglichkeiten für Berberaffen. Hinter der scheinbar kleinen Zoo-Neuigkeit steckt ein interessantes Zusammenspiel aus Tierhaltung, Holzart und Lebensraumgestaltung.
Im Tiergarten Schönbrunn haben die Berberaffen neue Klettermöglichkeiten bekommen: fast 100 naturbelassene Robinienstämme der Österreichischen Bundesforste. Was auf den ersten Blick wie eine hübsche Zoo-Nachricht wirkt, erzählt bei genauerem Hinsehen viel über moderne Tierhaltung. Es geht um Struktur, Beschäftigung, robuste Materialien und die Frage, wie eine Anlage so gestaltet wird, dass Tiere nicht nur sichtbar sind, sondern ihr Verhalten möglichst abwechslungsreich ausleben können.
Die Berberaffen leben in Schönbrunn gemeinsam mit Mähnenspringern in einer Anlage, die 2021 eröffnet wurde. Der Tiergarten beschreibt sie als 1.130 Quadratmeter große Felslandschaft, die dem nordafrikanischen Atlasgebirge nachempfunden ist. Schluchten, Steilwände, trockene Bachläufe und Plateaus sollen den Lebensraum der beiden Tierarten erlebbar machen. Für Besucherinnen und Besucher ist das ein attraktives Bild. Für die Tiere ist die Struktur aber noch wichtiger: Felsen, Höhenunterschiede, Stämme und Verstecke schaffen Möglichkeiten zum Klettern, Ausweichen, Beobachten, Ruhen und Erkunden.
Berberaffen sind soziale, neugierige Primaten. Der Tiergarten Schönbrunn beschreibt sie als die einzigen Makaken außerhalb Asiens. Ihre Heimat sind höher gelegene Wälder im Atlasgebirge Marokkos und Algeriens, sie kommen mit unterschiedlichen Temperaturen zurecht und schützen sich mit dichtem Fell vor Kälte. In einer Zooanlage brauchen solche Tiere mehr als Futter und Platz. Sie brauchen eine Umgebung, die Bewegung, Sozialverhalten und Beschäftigung ermöglicht.
Kletterbäume erfüllen dabei mehrere Funktionen. Sie schaffen Aussichtspunkte, Flucht- und Rückzugsmöglichkeiten, Spielanreize und Wege durch die Anlage. Wenn Stämme unterschiedlich dick, krumm und verzweigt sind, müssen die Tiere ihre Bewegungen anpassen. Das ist körperlich und kognitiv interessanter als eine glatte, standardisierte Konstruktion. Genau deshalb war der Tiergarten laut Bundesforste bewusst auf der Suche nach „krummen Gewächsen“, die sich natürlich in die Felsenlandschaft einfügen und für die Affen spannend bleiben.
Die Wahl fiel auf Robinie. Laut Österreichischen Bundesforsten wurden die Stämme im Revier Mannersdorfer Wüste in Niederösterreich gefunden. ÖBf-Vorstand Andreas Gruber erklärt in der Aussendung, dass Robinien exzentrisch wachsen und starke, weit verzweigte Äste bilden. Genau diese Unregelmäßigkeit macht sie für eine Kletteranlage interessant. Wo ein Möbelbrett möglichst gerade sein soll, darf ein Kletterstamm im Zoo ruhig eigenwillig, verzweigt und überraschend sein.
Ein zweiter Vorteil ist die Widerstandsfähigkeit. Die Bundesforste verweisen darauf, dass Robinienholz besonders witterungsbeständig und langlebig ist. In Außenanlagen ist das entscheidend, weil Holz Sonne, Regen, Frost, mechanischer Belastung und natürlicher Zersetzung ausgesetzt ist. Ein Stamm, der schnell fault oder splittert, müsste häufiger ersetzt werden. Langlebiges Holz reduziert Wartungsaufwand und sorgt dafür, dass die Anlage über längere Zeit stabil bleibt.
Interessant ist auch, dass die Rinde bewusst belassen wurde. Das wirkt naturbelassen, ist aber zugleich eine gezielte Entscheidung. Die Bundesforste schreiben, dass die Rinde heimischen Insekten Lebensraum bietet und den Affen dadurch gelegentlich einen kleinen Snack ermöglicht. Damit bekommt ein einzelner Stamm mehrere Rollen: Er ist Kletterstruktur, Aussichtspunkt, Beschäftigungsobjekt und kleines Mikrohabitat. Moderne Tierhaltung arbeitet oft genau mit solchen Mehrfachnutzen.
Für die Berberaffen ist Beschäftigung nicht bloß Unterhaltung. In sozialen Gruppen entstehen Dynamiken, Rangordnungen, Nähe und Distanz. Eine abwechslungsreiche Struktur hilft, dass Tiere einander ausweichen, verschiedene Bereiche nutzen und ihr Verhalten verteilen können. Gerade in Gemeinschaftsanlagen ist das wichtig. Schönbrunn weist darauf hin, dass Berberaffen und Mähnenspringer bereits seit 1995 eine beliebte Wohngemeinschaft bilden. In der 2021 eröffneten Anlage können die unterschiedlichen Arten ihre jeweiligen Stärken zeigen: Berberaffen beim Klettern und Erkunden, Mähnenspringer auf Felsen und Plateaus.
Die Zusammenarbeit zwischen Tiergarten und Bundesforsten ist naheliegend, weil beide mit Natur, Lebensräumen und Vermittlung arbeiten, wenn auch aus unterschiedlichen Perspektiven. Die Bundesforste bewirtschaften Wälder, Seen und Naturflächen der Republik. Der Tiergarten wiederum zeigt Tiere, erklärt Lebensräume und betreibt Artenschutz- sowie Bildungsarbeit. Wenn Holz aus Bundesforste-Wäldern in einer Zooanlage verwendet wird, entsteht eine Verbindung zwischen regionaler Forstwirtschaft und tiergerechter Gestaltung.
Solche Kooperationen können außerdem zeigen, dass nicht jedes Material industriell normiert sein muss, um wertvoll zu sein. Für die Affen sind gerade die krummen, verzweigten Stämme attraktiv. Ein Stück Holz, das in einem anderen Nutzungskontext schwierig zu verarbeiten wäre, kann in der Anlage einen hohen funktionalen Wert haben. Das ist ein schönes Beispiel dafür, wie Materialeigenschaften je nach Anwendung unterschiedlich bewertet werden.
Die Meldung hat auch einen Artenschutz-Hintergrund. Der Tiergarten Schönbrunn schreibt, dass sich die Bestände der Berberaffen in den vergangenen 25 Jahren halbiert haben. Als Hauptursachen nennt der Zoo den Verlust des Lebensraums und den Fang von Jungtieren für die Heimtierhaltung. Eine neue Kletterstruktur in Wien löst diese Probleme natürlich nicht. Sie kann aber helfen, Besucherinnen und Besucher näher an die Art heranzuführen und verständlich zu machen, dass Tierhaltung mehr bedeutet als das Zeigen exotischer Tiere.
Gute Zoo-Kommunikation funktioniert oft über konkrete Beobachtungen. Wer sieht, wie Berberaffen Stämme nutzen, klettern, ruhen, einander beobachten oder nach kleinen Insekten suchen, versteht schneller, warum Struktur wichtig ist. Aus einer technischen Meldung über Robinienstämme wird so eine Geschichte über Verhalten, Lebensraum und Pflege. Genau darin liegt der Mehrwert solcher kleinen Nachrichten: Sie machen sichtbar, welche Entscheidungen hinter einer Anlage stehen.
Für Besucherinnen und Besucher dürften die neuen Stämme vor allem Bewegung in die Anlage bringen. Neue Strukturen verändern Wege und Aussichtspunkte. Tiere erkunden sie, testen Stabilität, nutzen höhere Punkte für Überblick oder ziehen sich auf einzelne Stämme zurück. Ob man spektakuläre Sprünge oder ruhiges Beobachten sieht, hängt vom Zeitpunkt, vom Wetter und von der Gruppendynamik ab. Gerade das macht Naturbeobachtung interessant: Die Anlage gibt Möglichkeiten vor, die Tiere entscheiden, wie sie sie nutzen.
Die Schönbrunner Anlage bietet mehrere Einblicke, darunter eine Beobachtungsplattform mit Blick über Wien. Wer die Berberaffen dort besucht, sieht also nicht nur eine Zooanlage, sondern auch ein gestaltetes Stück Landschaft. Die fast 100 Robinienstämme fügen dieser Landschaft eine weitere Ebene hinzu. Sie sind weder Dekoration noch bloßes Spielzeug, sondern Teil einer Umgebung, die Tiere fordert und Besucherinnen und Besuchern Verhalten erklärt.
Der Reiz dieser Pressemitteilung liegt gerade darin, dass sie klein beginnt. Fast 100 Stämme, eine Anlage, ein paar kletternde Affen: Das klingt zunächst überschaubar. Doch dahinter stehen Fragen, die viele Zoo- und Naturliebhaber interessieren: Wie sieht tiergerechte Beschäftigung aus? Warum wählt man eine bestimmte Holzart? Wie lässt sich eine Anlage naturnah, robust und abwechslungsreich gestalten? Und wie können regionale Materialien sinnvoll eingesetzt werden?
Die Antwort lautet: durch Details. Krumm gewachsene Robinien sind nicht zufällig charmant, sondern funktional. Die belassene Rinde ist nicht bloß rustikal, sondern Teil des kleinen Ökosystems im Gehege. Die Felsenlandschaft ist nicht nur Kulisse, sondern Bewegungsraum. So wird aus einer kurzen Nachricht über Holzstämme ein Blick auf die handwerkliche und biologische Seite moderner Zooarbeit.
Quellen: Österreichische Bundesforste zur Ausstattung der Anlage mit Robinienstämmen, Tiergarten Schönbrunn zur Anlage der Mähnenspringer und Berberaffen und Tiergarten Schönbrunn zum Berberaffen. Kontakt laut Bundesforste und Tiergarten: Österreichische Bundesforste Kommunikation, Andrea Kaltenegger; Tiergarten Schönbrunn Presse, presse [at] zoovienna.at.