L'opera seria feiert im MusikTheater an der Wien Premiere
Gassmanns satirische Meisterwerk aus dem 18. Jahrhundert wird ab 28. Februar 2026 mit Laurent Pelly und Christophe Rousset neu inszeniert.
Eine der witzigsten und schärfsten Opernparodien des 18. Jahrhunderts kehrt nach Wien zurück: Florian Leopold Gassmanns "L'opera seria" feiert am 28. Februar 2026 im MusikTheater an der Wien Premiere. Das satirische Meisterwerk, das 1769 erstmals im damaligen Burgtheater aufgeführt wurde, verspricht mit Regisseur Laurent Pelly und Dirigent Christophe Rousset Unterhaltung auf höchstem Niveau.
"L'opera seria" ist mehr als nur eine Oper – sie ist ein geistreicher Blick hinter die Kulissen der barocken Opernwelt. Die Geschichte dreht sich um den Komponisten Sospiro und den Dichter Delirio, die stolz ihre neue Oper präsentieren wollen. Doch was als feierliche Aufführung geplant war, entwickelt sich schnell zu einem vergnüglichen Chaos.
Der Impresario Fallito fordert Kürzungen, die Primadonna Stonatrilla verlangt mehr Aufmerksamkeit, eine andere Sängerin besteht auf einer neuen Arie, und die beiden Kastratensänger erscheinen erst gar nicht zur Probe. Als wäre das nicht genug, mischen sich auch noch die Mütter der Sängerinnen in alle Entscheidungen ein. Trotz des Durcheinanders findet schließlich die Aufführung der Oper "Oranzebe" statt – und endet genau so chaotisch, wie sie begonnen hat.
Florian Leopold Gassmann und sein Librettist Ranieri de' Calzabigi schufen mit "L'opera seria" die wohl überdrehteste Opernparodie ihrer Zeit. Das Werk persifliert meisterhaft die Missstände der ernsten Oper: selbstherrliche Sängerinnen und Sänger, sinnlose Virtuosität, pompöse Ausstattung und hohles Pathos werden aufs Korn genommen. Gleichzeitig feiert die Parodie den Witz und die Charakterisierungskunst der Opera buffa.
Die Wahl der Autoren war dabei kein Zufall: Ranieri de' Calzabigi war die treibende Kraft der Opernreform Christoph Willibald Glucks und kannte die Schwächen des etablierten Opernbetriebs aus erster Hand. Florian Leopold Gassmann wiederum fungierte als Hofkapellmeister unter Joseph II. und bildete das wichtige Bindeglied zwischen Gluck und der Generation der Wiener Klassik.
Für die Wiederaufnahme in der Stadt der Uraufführung konnte das MusikTheater an der Wien eine beeindruckende künstlerische Leitung gewinnen. Laurent Pelly, einer der gefragtesten Opernregisseure unserer Zeit, ist bekannt für seine Fähigkeit, satirische Schärfe und Komik virtuos zu verbinden. Seine Inszenierungen zeichnen sich durch intelligenten Humor und präzise Charakterzeichnung aus – ideale Voraussetzungen für Gassmanns Opernparodie.
Am Dirigentenpult steht Christophe Rousset, ein ausgewiesener Spezialist für Musik des 18. Jahrhunderts, der bereits regelmäßig im MusikTheater an der Wien zu Gast ist. Mit seinem Ensemble Les Talens Lyriques bringt er die nötige Expertise für die authentische Interpretation barocker Musik mit.
Die Rückkehr von "L'opera seria" nach Wien hat besondere symbolische Bedeutung. 1769 im damaligen Burgtheater uraufgeführt, war das Werk ein wichtiger Baustein in der Entwicklung der Wiener Operntradition. Es entstand in einer Zeit des Umbruchs, als sich die Oper von den starren Konventionen der Opera seria zu lösen begann und neue, lebendigere Ausdrucksformen suchte.
Gassmanns satirischer Ansatz war dabei durchaus mutig: Er wagte es, die etablierten Konventionen seiner Zeit zu hinterfragen und deren Schwächen bloßzustellen. Gleichzeitig bewies er mit der musikalischen Umsetzung, dass Parodie und künstlerische Qualität sich keineswegs ausschließen müssen.
Die Premiere findet am Samstag, 28. Februar 2026, um 19.00 Uhr statt. Weitere Vorstellungen sind für den 2., 4., 7., 9. und 11. März 2026 geplant, jeweils um 19.00 Uhr im MusikTheater an der Wien in der Linken Wienzeile 6 im sechsten Wiener Gemeindebezirk.
Tickets sind über verschiedene Kanäle erhältlich: an den Tageskassen der Vereinigten Bühnen Wien (Ronacher, Raimund Theater und Theater an der Wien), online auf der Website des Theaters, bei Wien Ticket im Callcenter unter 01/588 85 (Montag bis Samstag von 8.00 bis 20.00 Uhr), im Wien Ticket-Pavillon bei der Staatsoper sowie auf www.wien-ticket.at und in allen weiteren Wien Ticket-Vorverkaufsstellen.
Die Aufführung von "L'opera seria" reiht sich in die erfolgreiche Serie historischer Opernaufführungen im MusikTheater an der Wien ein. Das Haus, das sich als Spezialist für selten gespielte Werke etabliert hat, leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Wiederentdeckung des musikalischen Erbes.
Besonders bemerkenswert ist, dass mit dieser Produktion ein Werk wieder zum Leben erweckt wird, das seine Uraufführung in Wien erlebte und nun nach mehr als 250 Jahren in die Stadt zurückkehrt. Dies unterstreicht einmal mehr Wiens Rolle als wichtiges Zentrum der europäischen Operngeschichte und die Kontinuität dieser Tradition bis in die Gegenwart.