In einer Zeit, in der täglich tausende Nachrichten, E-Mails und Präsentationen über uns hereinbrechen, entscheidet oft nicht mehr das WAS, sondern das WIE über den Erfolg einer Botschaft. Eine neue...
In einer Zeit, in der täglich tausende Nachrichten, E-Mails und Präsentationen über uns hereinbrechen, entscheidet oft nicht mehr das WAS, sondern das WIE über den Erfolg einer Botschaft. Eine neue Erkenntnis aus der Kommunikationsforschung zeigt: Authentische Begeisterung wirkt stärker als perfekt formulierte Standardphrasen. Diese These steht im Mittelpunkt eines aktuellen Interviews der österreichischen Fachpublikation MedienManager, das am 15. Januar 2025 veröffentlicht wurde.
Kommunikationsexpertin Conny Thalheim bringt im Gespräch mit MedienManager-Herausgeber Otto Koller auf den Punkt, was viele Unternehmen noch immer unterschätzen: Begeisternde Kommunikation ist längst kein "Nice-to-have" mehr, sondern ein harter Erfolgsfaktor. "Es geht nicht darum, perfekte Formulierungen auswendig zu lernen", erklärt Thalheim. "Echte Verbindung entsteht durch Präsenz, authentisches Interesse und die Fähigkeit, Menschen emotional zu erreichen."
Diese Entwicklung spiegelt einen grundlegenden Wandel in der Geschäftswelt wider. Während noch vor wenigen Jahren rationale Argumente und Zahlen im Vordergrund standen, entscheiden heute zunehmend emotionale Faktoren über Kauf- und Kooperationsentscheidungen. Studien belegen: 70 Prozent aller Geschäftsentscheidungen werden emotional getroffen und erst nachträglich rational begründet.
Der Begriff "begeisternde Kommunikation" beschreibt eine Kommunikationsform, die über reine Informationsvermittlung hinausgeht. Dabei steht nicht die perfekte Rhetorik im Vordergrund, sondern die Fähigkeit, beim Gesprächspartner positive Emotionen und echtes Interesse zu wecken. Diese Form der Kommunikation zeichnet sich durch mehrere Kernelemente aus:
Besonders in Österreich, wo traditionell eher zurückhaltende und sachliche Kommunikationsformen bevorzugt werden, stellt dieser Ansatz eine kleine Revolution dar. "Viele österreichische Führungskräfte haben Bedenken, als zu emotional oder unprofessionell wahrgenommen zu werden", beobachtet Thalheim. "Dabei zeigt die Praxis: Authentische Begeisterung wird als Kompetenz und nicht als Schwäche interpretiert."
Im Vergleich zu Deutschland und der Schweiz hinkt Österreich bei der Implementierung emotionaler Kommunikationsstrategien noch etwas hinterher. Während deutsche Unternehmen bereits seit Jahren auf "Emotional Branding" setzen und Schweizer Firmen die Bedeutung von "Soft Skills" in der Führung erkannt haben, entdecken österreichische Betriebe erst jetzt das Potenzial authentischer Kommunikation.
Um die Bedeutung dieser Entwicklung zu verstehen, lohnt ein Blick zurück: In den 1980er und 1990er Jahren dominierte die rein faktische Kommunikation. Produktmerkmale, technische Daten und Preise standen im Vordergrund. Die 2000er Jahre brachten den Trend zur "Kundenorientierung" – Unternehmen lernten, ihre Botschaften an die Zielgruppe anzupassen. Seit 2010 gewann die "Experience Economy" an Bedeutung: Kunden wollen nicht nur Produkte kaufen, sondern Erlebnisse haben.
Heute befinden wir uns in der Ära der "Authentic Economy". Verbraucher und Geschäftspartner erwarten von Unternehmen nicht nur gute Produkte, sondern auch authentische, menschliche Kommunikation. Diese Entwicklung wurde durch die Corona-Pandemie noch beschleunigt, als persönliche Verbindungen trotz digitaler Kommunikation wichtiger denn je wurden.
Die Auswirkungen authentischer Kommunikation auf den Unternehmenserfolg sind messbar. Unternehmen, die auf begeisternde Kommunikation setzen, verzeichnen im Durchschnitt 23 Prozent höhere Kundenzufriedenheitswerte und 18 Prozent bessere Mitarbeiterbindung. Ein österreichisches IT-Unternehmen aus Graz konnte durch die Umstellung seiner Kommunikationsstrategie die Conversion-Rate bei Kundengesprächen um 35 Prozent steigern.
Für Arbeitnehmer bedeutet diese Entwicklung neue Karrierechancen. Kommunikative Fähigkeiten werden zunehmend als Schlüsselkompetenz bewertet. Wer die Kunst der begeisternden Kommunikation beherrscht, hat bessere Aufstiegschancen und kann höhere Gehälter erzielen. Personalberater berichten, dass "Soft Skills" wie Kommunikationsfähigkeit mittlerweile bei 80 Prozent aller Stellenausschreibungen explizit gefordert werden.
Wie lässt sich begeisternde Kommunikation konkret umsetzen? Thalheim gibt praktische Tipps, die sofort anwendbar sind:
Paradoxerweise hat die zunehmende Digitalisierung die Bedeutung menschlicher, authentischer Kommunikation noch verstärkt. In einer Welt voller automatisierter Chatbots und KI-generierter Texte sehnen sich Menschen nach echtem menschlichem Kontakt. Video-Calls und digitale Meetings stellen dabei besondere Anforderungen an die Kommunikationsfähigkeiten.
"Online-Kommunikation filtert viele nonverbale Signale heraus", erklärt Thalheim. "Umso wichtiger wird es, mit Stimme, Gestik und bewusst gewählten Worten zu überzeugen." Unternehmen, die ihre Mitarbeiter in digitaler Kommunikation schulen, haben einen klaren Wettbewerbsvorteil.
Trotz der offensichtlichen Vorteile stoßen Verfechter authentischer Kommunikation noch immer auf Widerstände. Besonders in traditionellen Branchen und hierarchisch strukturierten Unternehmen gilt emotionale Kommunikation noch als "unprofessionell". Führungskräfte befürchten, an Autorität zu verlieren, wenn sie menschlicher auftreten.
Diese Bedenken erweisen sich jedoch als unbegründet. Studien zeigen: Führungskräfte, die authentisch und empathisch kommunizieren, werden als kompetenter und vertrauenswürdiger eingeschätzt. Sie erreichen bessere Arbeitsergebnisse und haben zufriedenere Teams.
Die Zukunft gehört der authentischen Kommunikation. Experten prognostizieren, dass bis 2030 emotionale Intelligenz und Kommunikationsfähigkeit zu den wichtigsten Jobskills überhaupt werden. Unternehmen, die heute in die Kommunikationskompetenzen ihrer Mitarbeiter investieren, werden morgen die Marktführer sein.
Bereits jetzt zeichnen sich neue Trends ab: "Micro-Authenticity" – kleine, aber ehrliche Gesten im Arbeitsalltag – gewinnt an Bedeutung. "Vulnerability-based Leadership" – Führung durch bewusste Verletzlichkeit und Offenheit – etabliert sich als neuer Führungsstil. "Empathetic Selling" – Verkaufen durch echtes Verstehen der Kundenbedürfnisse – revolutioniert den Vertrieb.
Ein zentraler Punkt von Thalheims Ansatz ist die Erkenntnis, dass Begeisterung trainierbar ist. "Begeisterung ist kein angeborenes Talent, sondern eine Fähigkeit, die entwickelt werden kann", betont sie. Durch gezieltes Training lassen sich kommunikative Fähigkeiten systematisch verbessern. Dies umfasst sowohl technische Aspekte wie Stimm- und Sprechtechnik als auch emotionale Kompetenzen wie Empathie und Aufmerksamkeit.
Erfolgreiche Kommunikationstrainings setzen auf praktische Übungen, Video-Feedback und kontinuierliche Reflexion. Teilnehmer lernen, ihre eigene Wirkung bewusst wahrzunehmen und gezielt zu steuern. Der Schlüssel liegt darin, authentisch zu bleiben und gleichzeitig die eigenen kommunikativen Stärken zu entwickeln.
Die Botschaft ist klar: In einer zunehmend digitalisierten und automatisierten Arbeitswelt wird die Fähigkeit zur authentischen, begeisternden Kommunikation zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor. Unternehmen und Einzelpersonen, die diese Kompetenz entwickeln, werden in der Zukunft erfolgreicher sein. Denn am Ende entscheiden nicht Algorithmen über Geschäftserfolg – sondern Menschen, die sich verstanden und wertgeschätzt fühlen.