Ein schockierender Vorfall in der Salzburger Innenstadt sorgt für Aufregung und politische Diskussionen: Unbekannte Täter haben die Fenster der jüdischen Einrichtung Chabad mit Pro-Palästina-Aufklebern in Kombination mit Hakenkreuzen beklebt.
Unbekannte Täter haben die Fenster der amerikanisch-jüdischen Einrichtung Chabad mit Pro-Palästina-Aufklebern in Kombination mit Hakenkreuzen versehen. Der Vorfall hat öffentliche Reaktionen ausgelöst.
Elie Rosen, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde für Salzburg, Steiermark und Kärnten, verurteilt die Beklebungen auf das Schärfste: „An diesem Vorfall manifestiert sich in unverkennbarer Klarheit jener Antisemitismus, der seinen Nährboden in der politischen Linken gesichert weiß – Antisemitismus, der sich allzu oft hinter vermeintlicher Israel-Kritik verbirgt, tatsächlich aber zur Gänze jüdisches Leben ins Visier nimmt.“ Auch die Verwendung bzw. Kontextualisierung von Hakenkreuzen im Kontext mit Pro-Palästina-Parolen zeige, wes Geistes Kind die Täter seien.
Mit Blick auf die zahlreichen politischen Stellungnahmen zeigt sich Rosen irritiert: „Interessant ist, dass sich gerade jene politischen Kräfte, die durch Rhetorik und das Dulden antiisraelischer Narrative in den eigenen Reihen ein antisemitisches Klima mitbefördern, nun besonders eifrig in öffentlichen Verurteilungen üben – offenbar immer dann, wenn es opportun erscheint.“
So hätten etwa Vertreter von KPÖ, Grünen und SPÖ den Vorfall als „geschichtsvergessen und inakzeptabel“ bezeichnet und Antisemitismus zu Recht verurteilt. Rosen dazu: „Diese Worte sind richtig – aber sie bleiben hohl, wenn sie nicht auch im politischen Alltag mit entsprechender Konsequenz unterlegt werden.“
Besonders exemplarisch zeige sich das, so Rosen, am Verhalten des SPÖ-Gemeinderats Tarik Mete: „Noch Anfang März wurden von ihm antiisraelische Inhalte verbreitet, die in weiterer Folge eine Flut an miesen, antisemitischen Kommentaren nach sich zogen und die nur langsam gelöscht wurden. Die Reaktionen der Linksparteien seien auch hier gleich Null gewesen. In einem aktuellen Posting erkläre aber jetzt gerade Mete: ‚Angriffe auf jüdisches Leben in unserer Stadt sind inakzeptabel ... Antisemitismus und Rassismus müssen stets klar benannt werden!‘“ – Rosen kommentiert dies scharf.
Die Kritik der Salzburger Landeshauptfrau-Stellvertreterin Marlene Svatek an der „unerträglichen Doppelmoral“ innerhalb des linken politischen Spektrums findet bei Rosen Anklang: „Wenn darauf hingewiesen wird, dass bestimmte Narrative und Parolen seit Monaten auf Demonstrationen linker Gruppen verbreitet werden und den Nährboden für solche Taten bilden, dann sollte das Anlass zur Selbstreflexion sein.“
Rosen abschließend: „Die Wahrnehmung von Antisemitismus scheint bei Teilen der politischen Linken äußerst selektiv zu sein. Man ist empört, wenn es öffentlichkeitswirksam ist – und schweigt, wenn es unbequem wird. Diese Form der ‚Solidarität‘ ist entbehrlich.“
Und mit einem sarkastischen Unterton fügt er hinzu: „Darf man nun gespannt sein, ob es angesichts dieses Vorfalls auch eine ‚Aktuelle Stunde‘ im Salzburger Landtag zum Thema Linksextremismus geben wird – so wie einst beim vielzitierten ‚Ku-Klux-Klan-Kostümierungsfall‘? Oder bleibt es auch hier bei selektiver Empörung?“