Der österreichische Technologiekonzern ams OSRAM aus Premstätten bei Graz macht einen entscheidenden Schritt in Richtung Zukunft der Künstlichen Intelligenz. Am 18. März 2026 präsentierte das Unter...
Der österreichische Technologiekonzern ams OSRAM aus Premstätten bei Graz macht einen entscheidenden Schritt in Richtung Zukunft der Künstlichen Intelligenz. Am 18. März 2026 präsentierte das Unternehmen eine bahnbrechende microLED-Array-Technologie, die das Herzstück moderner KI-Rechenzentren revolutionieren könnte. Die neue Lösung verspricht eine drastische Reduzierung des Stromverbrauchs bei gleichzeitig höherer Datenübertragungsgeschwindigkeit – ein Durchbruch, der die gesamte KI-Infrastruktur verändern könnte.
Das in Premstätten entwickelte microLED-Array erreicht beeindruckende technische Werte: Eine Grenzfrequenz von über 1 Gigahertz bei einem Energieverbrauch von unter 2 Picojoule pro Bit. Diese Zahlen mögen auf den ersten Blick abstrakt erscheinen, doch ihre Bedeutung für die Zukunft der digitalen Welt ist immens. Ein Picojoule entspricht einem Billionstel Joule – eine derart geringe Energiemenge, dass erst die Summe von Milliarden solcher Übertragungen messbare Auswirkungen auf den Stromverbrauch hat.
"Wir haben microLED-Arrays mit EVIYOS™ für hochpixelige Automobilscheinwerfer industrialisiert. Als Marktführer in der Digitalen Photonik nutzen wir nun diese Expertise, um einen Schlüsselengpass der KI-Infrastruktur zu lösen – den Stromverbrauch für Datenverbindungen zwischen und innerhalb von KI-Serverracks", erklärt Aldo Kamper, CEO von ams OSRAM. Diese Positionierung zeigt die strategische Bedeutung des Projekts für das österreichische Unternehmen.
Die Geschichte dieser Innovation beginnt mit der preisgekrönten EVIYOS™-Technologie, die bereits in der Automobilbranche für Furore sorgte. Diese weltweit erste Hochvolumen-Mikroemitter-Array für Fahrzeuge verfügt über 25.600 einzeln ansteuerbare Pixel, von denen jeder etwa halb so breit ist wie ein menschliches Haar. Die Kombination aus microLED und CMOS-Treiber-Chip in einem kompakten Gehäuse wurde mit dem Deutschen Zukunftspreis ausgezeichnet und als "Digitales Licht" bezeichnet.
Diese Expertise wird nun auf ein völlig neues Anwendungsgebiet übertragen. Während EVIYOS™ monolithische Arrays verwendet, nutzen Rechenzentrum-Anwendungen vereinzelte microLEDs. Diese Emitter werden vom Wafer getrennt und auf einem Substrat montiert, sodass jedes Gerät mit seinem eigenen glasfaseroptischen Kanal in einem mehrkanaligen Glasfaserkabel gekoppelt werden kann. Das Substrat kann dann auf einen Ziel-CMOS-Wafer zur Systemintegration aufgebracht werden.
Das Konzept der "Slow-and-Wide"-Architektur stellt einen Paradigmenwechsel in der Datenübertragung dar. Anstatt eine einzige ultraschnelle Leitung zu verwenden, setzt ams OSRAM auf Hunderte paralleler Kanäle mit geringerer Geschwindigkeit. Diese Architektur bietet mehrere entscheidende Vorteile für die KI-Infrastruktur, die den enormen Datenhunger moderner Künstlicher Intelligenz stillen muss.
Die Zuverlässigkeit steht dabei im Vordergrund. MicroLED-basierte optische Verbindungssysteme können redundante Kanäle einschließen, wodurch eine graceful degradation ermöglicht und defekte Emitter schnell ersetzt werden können. Diese Ausfallsicherheit ist für KI-Systeme von kritischer Bedeutung, da selbst kurze Unterbrechungen massive wirtschaftliche Schäden verursachen können.
Die Effizienz der neuen Architektur zeigt sich besonders deutlich im Vergleich zu herkömmlichen Systemen. In einer Slow-and-Wide-Architektur wird der Stromverbrauch erheblich reduziert gegenüber ultraschnellen Laser-Transmittern, die typischerweise in Internet-Backbone-Anwendungen verwendet werden. Der geringere Stromverbrauch reduziert auch die Wärmeentwicklung und bietet wertvollen thermischen Spielraum für Rechenzentrum-Betreiber – ein kritischer Faktor in einer Zeit, in der die Kühlung von Rechenzentren zu einem der größten Kostenfaktoren geworden ist.
Die technischen Spezifikationen der neuen microLED-Technologie verdeutlichen das Innovationspotenzial. Einzelne Emitter unterstützen Datenraten von mindestens 3,0 Gigabit pro Sekunde und Kanal bei Energieniveaus unter 2 Picojoule pro Bit über eine vollständige 10-Meter-Verbindung. Dabei werden Industriestandards für Bit-Fehler-Raten von unter 10⁻¹⁵ eingehalten – eine Präzision, die für kritische KI-Anwendungen unerlässlich ist.
Aufgrund ihres extrem kleinen Footprints können microLED-basierte Transceiver eine sehr hohe Bandbreitendichte erreichen. Diese Eigenschaft ist besonders wichtig für moderne KI-Systeme, die enorme Datenmengen parallel verarbeiten müssen. Die Parallelität der microLED-basierten Verbindungen eliminiert die komplexen und kostspieligen Serialisierungs-/Deserialisierungsschritte, die bei Fast-and-Narrow-Architekturen erforderlich sind.
Die Entwicklung dieser Technologie in Premstätten bei Graz unterstreicht die Bedeutung Österreichs als Technologiestandort. Ams OSRAM beschäftigt rund 18.500 Mitarbeiter weltweit und erzielte 2025 einen Umsatz von 3,3 Milliarden Euro. Das Unternehmen hält rund 12.000 erteilte und angemeldete Patente – ein Beleg für die intensive Forschungs- und Entwicklungsarbeit.
Im Vergleich zu anderen europäischen Technologiestandorten positioniert sich Österreich mit dieser Innovation in einem zukunftsträchtigen Segment. Während Deutschland traditionell stark in der Automobilindustrie verwurzelt ist und die Schweiz als Finanz- und Pharmastandort bekannt ist, könnte sich Österreich mit der Digitalen Photonik eine neue Nische erobern. Die Verbindung von präziser Fertigungstechnik und innovativer Forschung macht das Land zu einem attraktiven Standort für Hochtechnologie-Unternehmen.
Die Entwicklung dieser Technologie wird sich positiv auf den österreichischen Arbeitsmarkt auswirken. Hochqualifizierte Ingenieure und Techniker werden benötigt, um die Produktion zu skalieren und weitere Innovationen voranzutreiben. Gleichzeitig entstehen neue Geschäftsmöglichkeiten für österreichische Zulieferer und Dienstleister, die sich auf die spezialisierten Anforderungen der optischen Kommunikationstechnologie spezialisieren können.
Die Nähe zu wichtigen europäischen Märkten und die etablierten Handelsbeziehungen verschaffen österreichischen Unternehmen Vorteile bei der Erschließung neuer Märkte. Die Integration in die europäische Lieferkette für KI-Infrastruktur könnte Österreich zu einem wichtigen Knotenpunkt für diese Zukunftstechnologie machen.
Der Markt für optische Verbindungen in Rechenzentren wächst exponentiell. Getrieben wird dieses Wachstum durch den rasanten Ausbau der KI-Infrastruktur weltweit. Unternehmen wie Google, Amazon, Microsoft und Meta investieren Milliarden in neue Rechenzentren, die alle auf effiziente Datenübertragung angewiesen sind. Der weltweite Markt für optische Transceivers wird bis 2030 auf über 20 Milliarden US-Dollar geschätzt.
Ams OSRAM positioniert sich mit seiner microLED-Technologie gegen etablierte Konkurrenten wie Intel, Broadcom und Lumentum. Der Vorteil liegt in der bewährten Industrialisierung der Technologie durch die Automobilanwendung. Während Konkurrenten oft noch in der Forschungsphase sind, kann ams OSRAM auf erprobte Fertigungsprozesse und Qualitätssicherungssysteme zurückgreifen.
Die Kostenstruktur der microLED-Technologie bietet weitere Wettbewerbsvorteile. Durch die Nutzung bestehender Fertigungslinien können Skaleneffekte realisiert werden, die zu günstigeren Produktionskosten führen. Diese Kostenvorteile können an Kunden weitergegeben werden, was die Marktdurchdringung beschleunigen könnte.
Für die erfolgreiche Markteinführung wird ams OSRAM strategische Partnerschaften mit führenden Rechenzentrum-Ausrüstern eingehen müssen. Unternehmen wie Cisco, Juniper Networks und Arista Networks sind potenzielle Partner, die die microLED-Technologie in ihre Switching- und Routing-Systeme integrieren könnten. Gleichzeitig sind Partnerschaften mit Hyperscale-Betreibern wie Amazon Web Services, Microsoft Azure und Google Cloud Platform von entscheidender Bedeutung.
Die europäischen Rechenzentrum-Betreiber stehen vor besonderen Herausforderungen durch steigende Energiekosten und verschärfte Umweltauflagen. Die energieeffiziente microLED-Technologie von ams OSRAM könnte hier einen entscheidenden Vorteil bieten. Europäische Cloud-Anbieter wie OVHcloud oder Hetzner könnten zu frühen Adoptoren werden, um ihre Wettbewerbsposition zu stärken.
Die Überführung der Technologie von der Prototyp- in die Produktentwicklungsphase bringt verschiedene Herausforderungen mit sich. Die Präzision bei der Herstellung einzelner microLEDs muss konstant hoch bleiben, um die geforderten Leistungsparameter zu erreichen. Gleichzeitig müssen die Produktionskosten auf ein wettbewerbsfähiges Niveau gesenkt werden.
Die Integration mit bestehenden CMOS-Technologien erfordert präzise Abstimmung zwischen verschiedenen Fertigungsprozessen. Ams OSRAM nutzt hier seine Erfahrung aus der EVIYOS™-Entwicklung, wo ähnliche Integrationsprobleme bereits gelöst wurden. Die Anpassung an die spezifischen Anforderungen der Datenübertragung erfordert jedoch zusätzliche Optimierungen.
Qualitätssicherung und Langzeitzuverlässigkeit sind weitere kritische Faktoren. Rechenzentren erwarten eine Lebensdauer von mindestens 10 Jahren bei kontinuierlichem Betrieb. Die microLEDs müssen über diesen Zeitraum stabile Leistung erbringen, ohne signifikante Degradation der optischen Eigenschaften.
Für den Markterfolg ist die Einhaltung internationaler Standards unerlässlich. Die IEEE 802.3 Standards für Ethernet-Kommunikation und die Optical Internetworking Forum (OIF) Spezifikationen müssen erfüllt werden. Ams OSRAM arbeitet aktiv in diesen Standardisierungsgremien mit, um sicherzustellen, dass die microLED-Technologie kompatibel zu bestehenden und zukünftigen Standards ist.
Zertifizierungen durch unabhängige Testlabore sind für die Akzeptanz bei Großkunden erforderlich. Insbesondere in sicherheitskritischen Anwendungen und regulierten Branchen sind solche Zertifizierungen Voraussetzung für den Einsatz. Die frühzeitige Einbindung von Zertifizierungspartnern beschleunigt den Weg zur Marktreife.
Die Energieeffizienz der microLED-Technologie trägt direkt zur Nachhaltigkeit der digitalen Infrastruktur bei. Rechenzentren verbrauchen bereits heute etwa 3% des weltweiten Stromverbrauchs – Tendenz steigend. Jede Verbesserung der Energieeffizienz hat daher messbare Auswirkungen auf den globalen CO₂-Ausstoß.
Die unter 2 Picojoule pro Bit erreichbare Energieeffizienz der neuen microLED-Arrays stellt eine signifikante Verbesserung gegenüber herkömmlichen optischen Transceivern dar. Bei den Datenmengen moderner KI-Systeme summieren sich diese Einsparungen zu erheblichen Beträgen. Ein großes Rechenzentrum mit der neuen Technologie könnte Millionen von Kilowattstunden pro Jahr einsparen.
Österreich hat sich ehrgeizige Klimaziele gesetzt und will bis 2040 klimaneutral werden. Technologien wie die microLED-Innovation von ams OSRAM können einen wichtigen Beitrag zur Erreichung dieser Ziele leisten. Gleichzeitig positioniert sich das Land als Anbieter nachhaltiger Technologielösungen für internationale Märkte.
Die lange Lebensdauer und hohe Zuverlässigkeit der microLED-Technologie reduzieren den Bedarf an häufigen Ersatzteilen. Dies trägt zur Schonung natürlicher Ressourcen bei und reduziert Elektroschrott. Die Möglichkeit zur selektiven Reparatur einzelner Kanäle in einem Array verlängert die Nutzungsdauer der gesamten Systemkomponenten.
Ams OSRAM arbeitet an Recycling-Konzepten für die verwendeten Materialien. Die in microLEDs verwendeten Halbleitermaterialien sind wertvoll und können bei entsprechender Aufbereitung wiederverwendet werden. Solche Kreislaufwirtschaftsansätze werden zunehmend von Kunden und Investoren gefordert.
Mit dem erfolgreichen Übergang von der Prototyp- zur Produktentwicklungsphase steht ams OSRAM vor einem entscheidenden Jahr. Die Integration der microLED-Technologie in kommerzielle Produkte erfordert intensive Zusammenarbeit mit Systemintegratoren und Endkunden. Erste Testinstallationen in ausgewählten Rechenzentren sind für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant.
Die Roadmap sieht weitere Verbesserungen der Technologie vor. Höhere Datenraten pro Kanal und noch geringerer Energieverbrauch sind die nächsten Entwicklungsziele. Parallel dazu wird an der Skalierung der Produktion gearbeitet, um den erwarteten Marktbedarf zu decken. Neue Fertigungskapazitäten in Österreich und möglicherweise in anderen europäischen Ländern sind in Planung.
Die Expansion in angrenzende Märkte wie High-Performance Computing und Telekommunikation bietet zusätzliches Wachstumspotenzial. Die Grundtechnologie der microLEDs ist vielseitig einsetzbar und könnte in verschiedenen Bereichen der optischen Kommunikation Anwendung finden.
Langfristig könnte die Digitale Photonik-Strategie von ams OSRAM das Unternehmen zu einem der führenden Anbieter für optische Kommunikationslösungen machen. Die Kombination aus bewährter Fertigungsexpertise und innovativer Technologie schafft eine starke Ausgangsposition für die Zukunft der digitalen Infrastruktur.