Der oberösterreichische Aluminiumkonzern AMAG Austria Metall AG steht vor einem historischen Führungswechsel: Nach fast zwei Jahrzehnten an der Spitze des Unternehmens gibt CEO Helmut Kaufmann (63)
Der oberösterreichische Aluminiumkonzern AMAG Austria Metall AG steht vor einem historischen Führungswechsel: Nach fast zwei Jahrzehnten an der Spitze des Unternehmens gibt CEO Helmut Kaufmann (63) sein Amt ab. Der Aufsichtsrat hat bereits am 5. März 2026 die Weichen für eine vollständig interne Nachfolgelösung gestellt, die ab 1. Mai 2026 in Kraft tritt.
Als neuer Vorstandsvorsitzender wurde Victor Breguncci (51) bestimmt, der bislang als Chief Sales Officer (CSO) fungierte. Der MBA-Absolvent bringt internationale Erfahrung in den Geschäftsbereichen von AMAG mit und ist seit 2019 bereits Mitglied des Vorstands. Seine Amtszeit als CEO läuft bis 31. Mai 2029.
"Ich fühle mich durch das Vertrauen des Aufsichtsrats geehrt und freue mich darauf, AMAG ab 1. Mai 2026 als CEO zu führen", erklärte Breguncci. Der neue Konzernchef kündigte an, auf den starken Fundamenten des Unternehmens aufzubauen und die erfolgreiche Entwicklung fortzusetzen. Dabei will er trotz des herausfordernden Marktumfelds für die europäische Aluminiumindustrie den Fokus auf Kundenorientierung, Produktqualität und die Position als verlässlicher Premium-Partner beibehalten.
Parallel zur CEO-Nachfolge wurde auch der Rest der Unternehmensführung neu strukturiert. CFO Claudia Trampitsch (48) wurde vorzeitig für weitere drei Jahre bis 31. Dezember 2029 wiederbestellt. Trampitsch, die seit 1. Januar 2024 als Finanzvorständin amtiert, leitete zuvor von 2015 bis 2023 die Bereiche Group Accounting und Tax bei AMAG.
Als dritter Mann im Bunde kommt Alexander Moser-Parapatits (40) neu in den Vorstand. Der bisherige Leiter "Strategy & Corporate Development" wird ab 1. Mai 2026 die neu geschaffene Position des Chief Strategy & Innovation Officer (CSIO) übernehmen. Seine Bestellung gilt für drei Jahre bis 30. April 2029.
Die Ernennung eines CSIO zeigt, welchen Stellenwert strategische Entwicklung und Innovation bei AMAG einnehmen. Ein Chief Strategy & Innovation Officer ist typischerweise verantwortlich für die langfristige Unternehmensplanung, die Identifikation neuer Geschäftsfelder und die Koordination von Innovationsprojekten. In der Aluminiumindustrie, die sich durch rasante technologische Entwicklungen und wachsende Nachhaltigkeitsanforderungen auszeichnet, ist diese Position besonders relevant. Der CSIO entwickelt Strategien für neue Anwendungsgebiete von Aluminiumprodukten, überwacht Forschungs- und Entwicklungsprojekte und identifiziert Markttrends, die für das Unternehmen relevant werden könnten. Darüber hinaus koordiniert er oft auch Akquisitionen, Joint Ventures und andere strategische Partnerschaften.
Der scheidende CEO Helmut Kaufmann blickt auf eine beeindruckende Laufbahn zurück. Fast 19 Jahre lang prägte er die Geschicke von AMAG Austria Metall AG und trug maßgeblich zur strategischen Entwicklung des Unternehmens bei. "Nach fast zwei Jahrzehnten bei AMAG möchte ich der gesamten Belegschaft, meinen Vorstandskollegen und dem Aufsichtsrat für die ausgezeichnete Zusammenarbeit und für das, was wir gemeinsam erreicht haben, danken", erklärte Kaufmann.
Während seiner Amtszeit positionierte sich AMAG erfolgreich als Technologie- und Nachhaltigkeitsführer im internationalen Markt. Dies war besonders bemerkenswert in einem Umfeld, das von beeindruckenden Forschungsergebnissen, rasanten technologischen Entwicklungen und politischen Herausforderungen geprägt war.
Die österreichische Aluminiumindustrie hat in den vergangenen zwei Jahrzehnten eine bemerkenswerte Transformation durchlaufen. Während früher vor allem die Grundstoffproduktion im Vordergrund stand, hat sich der Fokus zunehmend auf hochwertige Spezialprodukte und innovative Anwendungen verlagert. AMAG spielte in dieser Entwicklung eine Vorreiterrolle und etablierte sich als einer der führenden europäischen Anbieter von Premium-Aluminiumprodukten. Die Aluminiumindustrie ist für Österreich von erheblicher wirtschaftlicher Bedeutung: Sie beschäftigt direkt und indirekt mehrere zehntausend Menschen und erwirtschaftet einen Jahresumsatz von mehreren Milliarden Euro. Besonders wichtig ist die Branche für die Regionen Oberösterreich und Tirol, wo sich die größten Produktionsstandorte befinden.
Die Personalentscheidungen bei AMAG fallen in eine Zeit großer Herausforderungen für die europäische Aluminiumindustrie. Hohe Energiekosten, verschärfte Umweltauflagen und die Konkurrenz aus Asien und anderen Regionen setzen die Branche unter Druck. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach nachhaltigen und leichtgewichtigen Materialien, insbesondere in der Automobil- und Luftfahrtindustrie.
Im Vergleich zu deutschen Konkurrenten wie Norsk Hydro oder Schweizer Unternehmen wie Constellium hat sich AMAG durch seine Fokussierung auf Hochleistungslegierungen und Spezialanwendungen eine starke Marktposition erarbeitet. Während viele europäische Aluminiumproduzenten ihre Grundstoffproduktion reduzieren oder ganz einstellen, setzt AMAG auf Wertschöpfung durch technologische Innovation und Premiumprodukte.
Die neue Unternehmensführung steht vor komplexen Aufgaben. Der Trend zur Elektromobilität bietet enormous Wachstumschancen, da Aluminium aufgrund seiner Leichtbauigenschaften eine Schlüsselrolle in der Entwicklung effizienter Elektrofahrzeuge spielt. Gleichzeitig müssen die Produktionskosten gesenkt und die Nachhaltigkeit der Herstellungsprozesse weiter verbessert werden.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Kreislaufwirtschaft: Aluminium lässt sich nahezu unbegrenzt recyceln, ohne dass seine Eigenschaften leiden. Dies macht das Material zu einem wichtigen Baustein für eine nachhaltige Wirtschaft. AMAG hat bereits erhebliche Investitionen in Recyclingtechnologien getätigt und will diesen Bereich weiter ausbauen.
Für die rund 2.000 Beschäftigten der AMAG-Gruppe bedeutet der Führungswechsel zunächst Kontinuität. Alle drei neuen Vorstandsmitglieder kommen aus den eigenen Reihen, was für Stabilität und Vertrauen in die bewährten Unternehmensstrukturen spricht. Der Hauptstandort Ranshofen in Oberösterreich bleibt das Herzstück der Aktivitäten, während die internationale Präsenz durch Beteiligungen wie die 20-prozentige Beteiligung an der kanadischen Alouette-Hütte und die Komponenten-Sparte mit Hauptsitz in Übersee am Chiemsee gestärkt wird.
Die Entscheidung für eine interne Nachfolge signalisiert auch an die Belegschaft, dass Karrierechancen innerhalb des Unternehmens bestehen. Dies ist besonders wichtig in einer Branche, die händeringend nach qualifizierten Fachkräften sucht. Die Aluminiumindustrie benötigt sowohl hochqualifizierte Ingenieure und Techniker als auch erfahrene Produktionsmitarbeiter.
AMAG ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für die Region Braunau-Simbach. Das Unternehmen bezieht nicht nur Energie und Rohstoffe aus der Region, sondern beschäftigt auch viele Zulieferer und Dienstleister. Eine stabile Unternehmensführung ist daher nicht nur für die direkten Mitarbeiter wichtig, sondern für die gesamte regionale Wirtschaft. Die Gemeinde Ranshofen profitiert erheblich von den Steuereinnahmen des Unternehmens, und lokale Geschäfte und Restaurants sind auf die Kaufkraft der AMAG-Beschäftigten angewiesen.
Ein Schlüssel zum langfristigen Erfolg von AMAG liegt in der kontinuierlichen Innovation. Das Unternehmen investiert jährlich mehrere Millionen Euro in Forschung und Entwicklung und arbeitet eng mit österreichischen Universitäten und Forschungseinrichtungen zusammen. Schwerpunkte sind dabei neue Legierungen für die Luft- und Raumfahrt, verbesserte Recyclingverfahren und die Entwicklung von Aluminiumprodukten für die Elektromobilität.
Die Ernennung von Alexander Moser-Parapatits zum CSIO unterstreicht die Bedeutung, die das Unternehmen der strategischen Innovation beimisst. In seiner bisherigen Funktion war er bereits maßgeblich an der Entwicklung der Unternehmensstrategie beteiligt und kennt die technologischen Herausforderungen der Branche genau.
Die vorzeitige Verlängerung des Mandats von CFO Claudia Trampitsch signalisiert Vertrauen in die finanzielle Führung des Unternehmens. In Zeiten volatiler Rohstoffpreise und unsicherer Energiekosten ist eine erfahrene Finanzvorständin von unschätzbarem Wert. Trampitsch bringt nicht nur fundierte Kenntnisse in Rechnungswesen und Steuern mit, sondern auch Erfahrung im Umgang mit internationalen Kapitalmärkten.
AMAG ist an der Wiener Börse notiert und muss sich regelmäßig den kritischen Fragen von Investoren und Analysten stellen. Eine kontinuierliche und transparente Finanzberichterstattung ist dabei essentiell für das Vertrauen der Aktionäre und die Finanzierungskosten des Unternehmens.
Die AMAG-Gruppe beliefert Kunden in über 30 Ländern und ist besonders stark in den Bereichen Luft- und Raumfahrt, Automotive, Sportartikel, Beleuchtung, Maschinenbau, Bauwesen und Verpackung positioniert. Diese Diversifikation hilft dabei, konjunkturelle Schwankungen in einzelnen Branchen auszugleichen.
In den kommenden Jahren wird sich zeigen, ob die neue Führung die strategischen Herausforderungen erfolgreich meistern kann. Dazu gehören der weitere Ausbau der Position in zukunftsträchtigen Märkten wie der E-Mobilität, die Verbesserung der Kostenstruktur und die Weiterentwicklung nachhaltiger Produktionsverfahren.
Branchenexperten erwarten für die europäische Aluminiumindustrie in den nächsten fünf Jahren ein moderates Wachstum, das vor allem von der Nachfrage aus der Automobilindustrie und dem Bausektor getrieben wird. Unternehmen, die sich erfolgreich auf Hochleistungsanwendungen und nachhaltige Produktion fokussieren, dürften dabei die besten Chancen haben. AMAG scheint mit seiner neuen Führungsmannschaft gut aufgestellt zu sein, um von diesen Trends zu profitieren.
Die Entscheidung für eine vollständig interne Nachfolgelösung könnte sich als strategischer Vorteil erweisen, da alle neuen Vorstandsmitglieder die Unternehmenskultur und die spezifischen Herausforderungen der Branche genau kennen. Gleichzeitig bringen sie verschiedene Kompetenzbereiche mit, die für die zukünftigen Herausforderungen relevant sind: Vertrieb und Kundenbeziehungen, Finanzen und Controlling sowie Strategie und Innovation.
Der Generationswechsel bei AMAG Austria Metall AG markiert das Ende einer erfolgreichen Ära unter Helmut Kaufmann und den Beginn eines neuen Kapitels unter Victor Breguncci. Mit einem erfahrenen Team und einer klaren strategischen Ausrichtung scheint das oberösterreichische Unternehmen gut gerüstet für die Herausforderungen der kommenden Jahre. Die Anleger und die rund 2.000 Beschäftigten werden die Entwicklung mit Spannung verfolgen.