Landwirtschaftsausschuss bespricht Tätigkeitsbericht – Kontrollen, Module und Zahlen 2025
Der Landwirtschaftsausschuss diskutierte den Tätigkeitsbericht der AMA-Marketing 2025: Zahlen, das Modul 'Tierhaltung plus', Bio-Anteil und neue Produktlinien.
Der Landwirtschaftsausschuss des Nationalrats hat den Tätigkeitsbericht der AMA-Marketing GesmbH für das Jahr 2025 beraten. Im Mittelpunkt der Sitzung standen die Entwicklung des AMA-Gütesiegels, die Kontrolltätigkeit der Marketing-Organisation sowie Debatten über das neue Modul "Tierhaltung plus" und die Entwicklung des Bio-Segments.
Die Beratung verlief parteipolitisch unterschiedlich: Während Abgeordnete der ÖVP die Arbeit der AMA-Marketing positiv bewerteten, übten FPÖ-Abgeordnete scharfe Kritik. Ein Antrag der FPÖ, den Bericht zusätzlich im Plenum zu behandeln, wurde nur von FPÖ und Grünen unterstützt und blieb damit in der Minderheit. Der Bericht wurde mehrheitlich, ohne die Stimmen der FPÖ, zur Kenntnis genommen.
Als Auskunftsperson war Geschäftsführerin Christina Mutenthaler-Sipek im Ausschuss geladen. Sie stellte die Schwerpunkte der AMA-Marketing 2025 dar und berichtete laut Sitzungsunterlagen über die Weiterentwicklung und Stärkung des AMA-Gütesiegels. Für das Vorjahr habe das AMA-Biosiegel einen besonderen Schwerpunkt dargestellt; zudem sei das neue Modul des Gütesiegels "Tierhaltung plus" eingeführt worden.
Mutenthaler-Sipek sagte, das Geschäftsjahr 2025 folge unmittelbar auf den Bericht über 2024; die AMA-Marketing habe dem Wunsch der Abgeordneten entsprochen, ihre Tätigkeitsberichte rasch vorzulegen. Das Vorjahr sei vor allem darauf ausgelegt gewesen, die Qualitäts- und Herkunftssicherung entlang der Wertschöpfungskette weiter auszubauen und das AMA-Gütesiegel in weiteren Produktgruppen zu etablieren.
Nach den Angaben der Geschäftsführung stand der AMA-Marketing 2025 ein Budget von 32,96 Mio. Ꞓ für ihre Tätigkeit zur Verfügung. Insgesamt seien 51.700 Erzeugerverträge zum AMA-Gütesiegel mit Landwirtinnen und Landwirten abgeschlossen worden. Weiters gebe es 5.100 Lizenznehmer der AMA-Gütesiegel-Programme.
Im Jahr 2025 führte die AMA-Marketing dem Bericht zufolge 35.063 Kontrollen zur Qualitätssicherung durch. Bei Abweichungen oder Mängeln finde eine entsprechende Sanktionierung statt. Die hohe Anzahl an Kontrollen sei unter anderem auf die Einführung des AMA-Gütesiegel-Moduls "Tierhaltung plus" im Milchbereich zurückzuführen, erläuterte Mutenthaler-Sipek.
Mutenthaler-Sipek bezeichnete die Implementierung des Moduls "Tierhaltung plus" vor zwei Jahren als einen "wesentlichen Meilenstein für mehr Tierwohl". Nach ihren Angaben legt dieses Modul Kriterien für die Haltung von Kühen, vor allem von Milchkühen, fest und sichere diesen mehr Bewegungsfreiheit.
Für 2025 nannte sie eine erste Zwischenbilanz: Bereits 14.000 Betriebe – rund 82 % der konventionellen Milchviehbetriebe – hätten am AMA-Gütesiegel-Modul "Tierhaltung plus" beziehungsweise am Modul "Tierhaltung plus Außenklima" teilgenommen. Letzteres sieht laut Bericht vor, dass die Tiere ganzjährig Bewegungsfreiheit haben.
Die FPÖ-Abgeordneten Albert Royer und Peter Schmiedlechner äußerten allerdings Kritik und werteten die hohe Teilnahme als teilweise durch Vertragsbedingungen der Molkereien erzwungen. Royer meinte in der Aussprache, Landwirtinnen und Landwirte würden im Rahmen von Abnahmeverträgen faktisch zur Teilnahme gezwungen, ohne finanzielle Vorteile zu sehen. Josef Hechenberger (ÖVP) widersprach und verwies laut Protokoll darauf, dass auch Kombinationsbetriebe mit teilweiser Anbindehaltung integriert werden konnten und den teilnehmenden Betrieben gute Milchpreise gesichert worden seien.
Im Bereich pflanzlicher Produkte habe die AMA-Marketing 2025 den Fokus auf die Umsetzung neu eingeführter Richtlinien für Agrarhandel sowie für Mühlen und Backerzeugnisse gelegt, berichtete Mutenthaler-Sipek. Bei verarbeiteten Produkten sei zudem eine neue Produktkategorie für pflanzliche Drinks eingeführt worden; 2025 habe erstmals ein Haferdrink das AMA-Gütesiegel erhalten.
Mutenthaler-Sipek berichtete außerdem, dass die AMA-Marketing Verträge mit Futtermittelproduzenten abgeschlossen habe, die auch Hafer anbauen, um auf das wachsende Segment pflanzlicher Milchalternativen zu reagieren. Auf Nachfrage erläuterte sie, die AMA-Futtermittel-Richtlinie "pastus+" regle die Herstellung von Einzel- und Mischfuttermitteln und berücksichtige die EU-Vorgabe, keine Futtermittel von Entwaldungsflächen zu verwenden.
Mehrere Abgeordnete wiesen auf die Entwicklung des Bio-Anteils bei AMA-Gütesiegel-Produkten hin. Lisa Aldali (NEOS) entnahm dem Bericht, dass der Bio-Anteil nicht gesteigert werden konnte. Olga Voglauer (Grüne) fragte, was unternommen werde, um die Bio-Quote zu erhöhen; insbesondere bei Schweinefleisch zeige sich laut Aussendung eine rückläufige Tendenz.
Mutenthaler-Sipek bezeichnete das Bio-Segment als Bereich mit großem Potenzial für österreichische Produkte, nannte insbesondere Obst, Gemüse und Erdäpfel als Chancenbereiche und verwies auf die im Dezember 2025 gestartete größte Kampagne zum neu positionierten AMA-Biosiegel seit Bestehen der AMA-Marketing. Diese Kampagne stelle laut Mitteilung Stärken des AMA-Biosiegels in Bezug auf Regionalität, Natürlichkeit und Vertrauenswürdigkeit in den Mittelpunkt.
Zur Frage des Ministeriums sagte Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig in einem einleitenden Statement, das Thema hänge eng mit den Verhandlungen zur neuen GAP-Periode zusammen. Er verwies auf die Bedeutung von Ausgleichszahlungen für die Sicherung der Bio-Landwirtschaft und nannte Hürden wie erhöhte Kontrollen, Dokumentationspflichten und notwendige Investitionen. Das Landwirtschaftsministerium biete Beratung und Weiterbildung an und kommuniziere den hohen Anteil an Bio-Landwirtschaft in Österreich, so Totschnig laut Protokoll.
Mutenthaler-Sipek nannte die Rolle der AMA-Marketing als "Kommunikationshaus" intern und extern. Sie hob Partnertage hervor, die dem direkten Austausch mit Vertragspartnern dienten, sowie die erstmals gestartete Aktion, Lehrlinge aus dem Lebensmittelverkauf in landwirtschaftliche Betriebe zu bringen. Diese Aktion sei sehr gut angenommen worden, berichtete die Geschäftsführung.
Die AMA-Marketing setze zudem verstärkt auf Social-Media-Kanäle, um jüngere Zielgruppen anzusprechen. Laut der Geschäftsführung kenne das AMA-Gütesiegel 9 von 10 Österreicherinnen und Österreichern, knapp 80 % würden darauf vertrauen.
SPÖ-Abgeordnete Petra Tanzler wies auf einen weiterhin niedrigen Frauenanteil in Spitzenpositionen der AMA-Marketing hin. Mutenthaler-Sipek erklärte, man sei sich des Themas bewusst und setze sich dafür ein, Stellen mit qualifizierten Frauen zu besetzen.
Die AMA-Marketing GesmbH ist laut Bericht eine 100-prozentige Tochter der AMA (Agrarmarkt Austria). In der Aussprache wurde ihre Rolle bei Qualitäts- und Herkunftssicherung von heimischen Lebensmitteln hervorgehoben.
Das AMA-Gütesiegel ist das zentrale Kennzeichen, das von der AMA-Marketing in verschiedenen Programmen und Modulen vergeben wird. Im Bericht wurde die Erweiterung des Siegels auf neue Produktgruppen und Module thematisiert.
"Tierhaltung plus" ist ein Modul des AMA-Gütesiegels mit Kriterien für die Haltung von Kühen, insbesondere Milchkühen. Nach Angaben der Geschäftsführung soll das Modul mehr Bewegungsfreiheit für die Tiere sicherstellen; es wurde auch eine Variante mit ganzjähriger Bewegungsfreiheit ("Tierhaltung plus Außenklima") erwähnt.
Die Richtlinie "pastus+" regelt laut Geschäftsführung die Herstellung von Einzel- und Mischfuttermitteln. Mutenthaler-Sipek machte deutlich, dass dabei auch die EU-Vorgabe berücksichtigt werde, keine Futtermittel von Entwaldungsflächen zu verwenden.
Als Erzeugerverträge wurden im Bericht die vertraglichen Vereinbarungen zwischen Landwirtinnen und Landwirten und der AMA für die Nutzung des AMA-Gütesiegels benannt. Insgesamt nannten die Unterlagen 51.700 abgeschlossene Erzeugerverträge im Jahr 2025.
Die AMA-Marketing verfügte laut Tätigkeitsbericht 2025 über 32,96 Mio. Ꞓ für ihre Tätigkeit in diesem Jahr. Diese Zahl wurde von Geschäftsführerin Mutenthaler-Sipek im Ausschuss genannt.
Für 2025 gab die AMA-Marketing 35.063 Kontrollen zur Qualitätssicherung an. Die hohe Zahl an Kontrollen führt die Geschäftsführung unter anderem auf die Einführung des Moduls "Tierhaltung plus" im Milchbereich zurück.
Mutenthaler-Sipek nannte eine Teilnahme von 14.000 Betrieben im Jahr 2025, was nach ihren Angaben rund 82 % der konventionellen Milchviehbetriebe entspricht. Zudem existiere ein Modul "Tierhaltung plus Außenklima" mit ganzjähriger Bewegungsfreiheit.
Auf Nachfrage betonte die Geschäftsführung, dass es nicht im Interesse der AMA-Marketing sei, Betrieben ein Gütesiegel zu entziehen. Erzeugerverträge würden nur in seltenen Einzelfällen beendet; vielmehr gehe es darum, Mängel aufzuzeigen und Möglichkeiten zu deren Behebung zu benennen.
Aus dem Bericht entnahm NEOS-Abgeordnete Lisa Aldali, dass der Bio-Anteil von AMA-Gütesiegel-Produkten nicht gesteigert werden konnte. Die Geschäftsführung nannte Obst, Gemüse und Erdäpfel als Chancenbereiche, wies aber gleichzeitig auf Schwierigkeiten insbesondere bei Fleischprodukten und bei preissensiblen Kundinnen und Kunden hin.
Die Geschäftsführung hob Partnertage, Social-Media-Aktivitäten und eine Aktion, Lehrlinge in landwirtschaftliche Betriebe zu bringen, hervor. Außerdem sprach sie von einer umfangreichen Kampagne zum neu positionierten AMA-Biosiegel, die im Dezember 2025 gestartet worden sei.
Quelle: Pressedienst der Parlamentsdirektion – Parlamentskorrespondenz; Dokumente und Protokollangaben aus der Sitzung des Landwirtschaftsausschusses zum Tätigkeitsbericht der AMA-Marketing GesmbH (III-354 d.B.).
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