24 Todesfälle bereits in diesem Jahr - Dringender Appell zu defensiver Tourenplanung
Der Österreichische Alpenverein schlägt Alarm: 2024 gab es bereits 24 Lawinentote. Experten warnen vor tückischen Altschneeproblemen im freien Gelände.
Die Zahlen sind alarmierend: Bereits 24 Menschen haben in diesem Jahr in Österreich ihr Leben durch Lawinen verloren – deutlich mehr als der langjährige Durchschnitt erwarten lässt. Der Österreichische Alpenverein reagiert mit einem eindringlichen Appell an alle Tourengeher und Variantenfahrer, in den kommenden Schönwettertagen besondere Vorsicht walten zu lassen.
"Wir hatten dieses Jahr schon sehr viele Lawinenabgänge und leider auch schon sehr viele Lawinenopfer", erklärt Jörg Randl, Leiter der Abteilung Bergsport im Österreichischen Alpenverein. Das besonders Heimtückische an der aktuellen Situation: Die gefährlichen Schwachschichten befinden sich teils tief in der Schneedecke und sind im Gelände praktisch nicht erkennbar.
Diese versteckten Gefahrenstellen können dazu führen, dass sich Schneemassen auch von weniger steilen Hängen lösen und zu großflächigen Lawinen anwachsen. Zusätzlich verschärfen lokal sehr leicht auslösbare Triebschneeansammlungen die bereits angespannte Situation in weiten Teilen Österreichs.
Gerade die für Wintersportler verlockenden sonnigen Wochenendtage bergen zusätzliche Risiken. Mit zunehmender Sonneneinstrahlung und steigenden Temperaturen im Tagesverlauf wächst insbesondere die Gefahr von Nass- und Gleitschneelawinen erheblich an. Die Schneedecke verliert durch die Erwärmung an Stabilität, vor allem in steilen, der Sonne zugewandten Hängen.
Besonders kritisch sind dabei steile Schattenhänge in mittleren und hohen Lagen sowie eingewehte Bereiche hinter Geländekanten, in Rinnen und Mulden. Der Alpenverein empfiehlt daher eine differenzierte Tourenplanung und rät dazu, konsequent alle Hänge über 30 Grad Neigung zu meiden. Dabei müssen auch angrenzende Hänge in die Risikobeurteilung mit einbezogen werden.
"Um es mit den Worten von Christoph Mitterer vom Lawinenwarndienst Tirol zusammenzufassen: Ist die Lawine das Problem, ist das Gelände die Lösung", betont Randl und ergänzt: "Also: defensiv entscheiden und im Zweifel ist es besser, umzuplanen oder ganz auf die Tour zu verzichten."
Grundsätzlich günstigere Bedingungen finden Tourengeher in den kommenden Tagen zwar in südseitigen Expositionen, wo sich die Schneedecke durch die Sonneneinstrahlung setzen und stabilisieren kann. Allerdings gilt dies nur bei eiserner zeitlicher Disziplin und einem sehr frühen Aufbruch.
"Tourenplanung bedeutet derzeit vor allem Zeitmanagement", unterstreicht der Bergsport-Experte. Skitouren müssen so geplant werden, dass sich Wintersportler vor der starken Tageserwärmung bereits wieder in sicherem Gelände befinden. Wer früh startet, Exposition und Höhenlage bewusst wählt und den tageszeitlichen Temperaturanstieg berücksichtigt, kann das Risiko deutlich reduzieren.
Bei späten Gipfelankünften oder Abfahrten in der warmen Tagesphase steigt die Gefahr von Nassschneelawinen erheblich an. Hier ist besondere Vorsicht geboten, da sich die Schneeverhältnisse im Laufe des Tages dramatisch verschlechtern können.
Neben einer defensiven Routenwahl sind weitere Sicherheitsmaßnahmen unerlässlich. Große Abstände im Aufstieg sowie das konsequente Vermeiden von Sammelpunkten in Gefahrenbereichen gehören zu den grundlegenden Verhaltensregeln in lawinengefährdetem Gelände.
Ebenso wichtig ist das Mitführen einer vollständigen Notfallausrüstung, die im Ernstfall Leben retten kann. Zur Standardausrüstung gehören das 3-Antennen-LVS-Gerät, Lawinensonde, Aluminium-Schaufel, Mobiltelefon, Erste-Hilfe-Set, Rettungsdecke und Biwaksack. Zusätzlich empfehlen Experten das Tragen eines Lawinenairbags und Helms.
Die aktuelle Lawinensituation erfordert von allen Wintersportlern im freien Gelände eine grundsätzlich defensive Herangehensweise. Das bedeutet konkret: Im Zweifelsfall auf geplante Touren verzichten, alternative Routen in sicherem Gelände wählen oder den Ausflug ganz verschieben.
Der Österreichische Alpenverein weist darauf hin, dass die Lawinen.report-Website tägliche Updates zur aktuellen Gefahrenlage bietet. Zusätzlich finden Interessierte umfassende Sicherheitsinformationen zu Skitouren auf der Alpenverein-Website unter dem Bereich "SicherAmBerg".
Die 24 Lawinentoten in diesem Jahr stellen einen besorgniserregenden Höchstwert dar, der die Dringlichkeit der Warnungen unterstreicht. Im langjährigen Durchschnitt liegen die Opferzahlen deutlich niedriger, was die außergewöhnlich gefährliche Situation der aktuellen Wintersaison verdeutlicht.
Besonders tragisch ist dabei, dass viele Unfälle durch eine defensivere Tourenplanung und das Beachten der Warnungen hätten vermieden werden können. Der Alpenverein appelliert daher eindringlich an alle Wintersportler, die aktuellen Warnungen ernst zu nehmen und ihre Tourenpläne entsprechend anzupassen.
Die kommenden Schönwettertage werden zeigen, ob die Warnungen der Experten befolgt werden. Für alle, die dennoch ins freie Gelände möchten, gilt: Früh aufbrechen, defensiv planen, moderne Sicherheitsausrüstung mitnehmen und im Zweifel umkehren – denn kein Gipfel ist es wert, das Leben aufs Spiel zu setzen.