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Hotel- und Gastgewerbe: KV-Verhandlungen scheitern

Arbeitgeber bieten 3 Prozent - Gewerkschaften lehnen ab

7. April 2026 um 17:21
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Die Kollektivvertragsverhandlungen im österreichischen Hotel- und Gastgewerbe sind ohne Einigung zu Ende gegangen. Die Arbeitgeber kritisieren die Gewerkschaften.

Die Kollektivvertragsverhandlungen für das österreichische Hotel- und Gastgewerbe sind am Dienstag ohne Ergebnis beendet worden. Trotz eines nachgebesserten Angebots von durchschnittlich drei Prozent konnten sich Arbeitgeber und Gewerkschaften nicht auf eine Lohn- und Gehaltserhöhung einigen.

Arbeitgeber sehen Branche in schwieriger Lage

"Die schwierige wirtschaftliche Lage, in der sich die Branche befindet, ist ein Faktum. Darüber können wir uns als Verhandler nicht hinwegsetzen", erklären Alois Rainer und Georg Imlauer, die Obmänner und Chefverhandler der gastgewerblichen Fachverbände in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). Sie betonen, dass ihr Angebot von drei Prozent "mehr als fair" sei, besonders angesichts der bevorstehenden finanziellen Auswirkungen des neuen Rahmenkollektivvertrags ab 2026.

Die WKÖ-Vertreter kritisieren die Gewerkschaften scharf und werfen ihnen vor, die wirtschaftliche Realität zu ignorieren. Steigende Nächtigungszahlen und nominelle Umsätze würden nicht automatisch zu höheren realen Umsätzen oder besseren Betriebsergebnissen führen, argumentieren sie.

Massive Kostensteigerungen belasten Betriebe

Die Branche kämpft mit erheblichen Herausforderungen: Die Kosten für Energie, Lebensmittel und Personal sind in den vergangenen Jahren massiv gestiegen. Besonders problematisch ist dabei, dass laut WKÖ nur jeder zehnte Betrieb diese Kostensteigerungen über Preisanpassungen an die Kunden weitergeben kann.

Die Folgen dieser Entwicklung sind deutlich messbar: Die Betriebsergebnisse stagnieren seit 2019 oder sind sogar rückläufig - sowohl in der Gastronomie als auch in der Hotellerie. Zusätzlich ist die reale Bruttowertschöpfung in den letzten beiden Jahren gesunken: 2024 um 0,3 Prozent, für 2025 wird ein Minus von 0,6 Prozent prognostiziert.

Geopolitische Unsicherheiten verschärfen Situation

Die aktuelle geopolitische Lage belastet die Branche zusätzlich. Einerseits ist mit keinen Erleichterungen bei den Energiekosten zu rechnen, andererseits besteht die Gefahr weiterer Nachfrageeinbrüche. Diese Faktoren verstärken die bereits angespannte Situation der Unternehmen.

Arbeitgeber verweisen auf bisherige Investitionen

Die WKÖ-Vertreter betonen, dass die Arbeitgeber trotz der schwierigen Rahmenbedingungen kontinuierlich in ihre Mitarbeiter investiert haben. "Insbesondere, da die Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber in den letzten Jahren, trotz Corona- und darauffolgender Energiekrise, kontinuierlich und erheblich in ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter investiert haben", argumentieren Rainer und Imlauer.

Überdurchschnittliche Lohnsteigerungen der Vergangenheit

Als Beleg führen sie konkrete Zahlen an: Die Mindestlöhne und -gehälter wurden im Vorjahr um einen Prozentpunkt über der Inflation angehoben - im Unterschied zu vielen anderen Branchen. Insgesamt stiegen die Mindestlöhne und -gehälter in den letzten vier Jahren um 27,1 Prozent und lagen damit deutlich über der Inflationsrate.

Zusätzlich ist in den vergangenen beiden Jahren stufenweise ein neuer Rahmenkollektivvertrag in Kraft getreten. Dieser brachte weitere deutliche Reallohnerhöhungen durch erhöhte Sonderzahlungen, ausgeweitete Nachtarbeitszuschläge und die Anrechnung von Vordienstzeiten. Darüber hinaus wurden zahlreiche strukturelle Verbesserungen für Arbeitnehmer umgesetzt.

Kritik an Gewerkschaftshaltung

"Für viele Unternehmen waren diese zusätzlichen Kosten angesichts der wirtschaftlichen Gesamtlage eine enorme Herausforderung. Umso unverständlicher ist es, dass diese Leistungen von den Gewerkschaften negiert werden", kritisieren die Arbeitgebervertreter die Haltung der Gewerkschaften.

Die WKÖ-Obmänner betonen dabei die Bedeutung der Mitarbeiter: "Unsere Betriebe haben in den letzten Jahren Verantwortung für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter übernommen und hart an besseren Rahmenbedingungen gearbeitet, denn wir wissen, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter das Herzstück unserer Betriebe sind."

Appell an Sozialpartner

Zum Abschluss appellieren Rainer und Imlauer an die Sozialpartner, das Angebot nochmals umfassend zu bewerten. "Wir appellieren an unsere Sozialpartner, im Sinne der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wie auch der Unternehmerinnen und Unternehmer, unser Angebot nochmals umfassend zu bewerten, sodass wir zum Wohle der gesamten Branche einen Lohn- und Gehaltsabschluss erzielen können."

Herausforderungen für 2026

Besondere Brisanz erhält die Situation durch den Umstand, dass 2026 das erste Jahr sein wird, in dem die finanziellen Auswirkungen des neuen Rahmenkollektivvertrags sowohl für Mitarbeiter als auch für Betriebe vollständig spürbar werden. Dies verstärkt aus Sicht der Arbeitgeber die Notwendigkeit für "KV-Abschlüsse mit Augenmaß".

Die gescheiterten Verhandlungen zeigen die unterschiedlichen Einschätzungen der wirtschaftlichen Lage auf. Während die Arbeitgeberseite die schwierige Situation der Branche betont und ihre bisherigen Investitionen in die Mitarbeiter hervorhebt, scheinen die Gewerkschaften höhere Forderungen zu stellen. Wann die Verhandlungen fortgesetzt werden, ist derzeit noch unklar.

Schlagworte

#Kollektivvertrag#Gastronomie#Hotellerie#WKÖ#Lohnverhandlungen

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