Zurück
OTS-MeldungNiederösterreich/Wirtschaft/Luftfahrt/Mikl-Leitner/Wirtschaft und Finanzen

133% Exportplus: Niederösterreich und Kanada vertiefen Wirtschaftspartnerschaft

8. März 2026 um 08:46
Teilen:

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 133 Prozent Exportwachstum in nur zehn Jahren – die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Niederösterreich und Kanada erleben einen beeindruckenden Aufschwung....

Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: 133 Prozent Exportwachstum in nur zehn Jahren – die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Niederösterreich und Kanada erleben einen beeindruckenden Aufschwung. Am 15. Jänner 2025 besuchten Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und die kanadische Botschafterin Alison Grant das CAE Vienna Training Center am Flughafen Wien-Schwechat, um sich über die praktischen Erfolge dieser Partnerschaft zu informieren und die Weichen für eine noch intensivere Zusammenarbeit zu stellen.

CAE Training Center: Hochtechnologie-Standort am Flughafen Schwechat

Das CAE Vienna Training Center repräsentiert modernste Simulationstechnologie in der Luftfahrtausbildung. Das kanadische Unternehmen CAE Inc. (Canadian Aviation Electronics) gilt als Weltmarktführer im Bereich Flugsimulatoren und Pilotentraining. An hochkomplexen Flugsimulatoren werden hier Pilotinnen und Piloten sowie Wartungstechnikerinnen und -techniker für verschiedene Flugzeugtypen ausgebildet.

Die Simulatoren im Schwechater Zentrum bilden reale Flugbedingungen millimetergenau nach und ermöglichen es, auch seltene Notfallsituationen gefahrlos zu trainieren. Ein einzelner Full-Motion-Simulator kostet zwischen 15 und 25 Millionen Euro und kann Bewegungen in sechs Achsen ausführen. Die hydraulischen Systeme erzeugen dabei Beschleunigungskräfte, die den Piloten das Gefühl vermitteln, tatsächlich in einem Flugzeug zu sitzen.

Internationale Ausstrahlungskraft des Standorts

Standortleiterin Meaghan Reeve betonte die strategische Bedeutung der Entscheidung für Wien-Schwechat: "Wir haben uns bewusst für diesen Standort entschieden, weil hier die Nachfrage nach hochqualifizierter Ausbildung wächst. Die zentrale Lage in Mitteleuropa, die hervorragende Infrastruktur und der Zugang zu qualifizierten Fachkräften machen diesen Standort ideal."

Das Trainingszentrum betreut Kunden aus mehreren europäischen Ländern und profitiert von der geografischen Lage Österreichs als Drehscheibe zwischen West- und Osteuropa. Airlines aus Deutschland, Italien, den Niederlanden und anderen EU-Staaten lassen ihr Personal hier ausbilden. Die Nähe zum Flughafen Wien ermöglicht zudem eine optimale logistische Anbindung.

Beeindruckende Exportentwicklung: Von 95 auf 220 Millionen Euro

Die Handelsbilanz zwischen Niederösterreich und Kanada zeigt eine beispiellose Erfolgsgeschichte. Von 95 Millionen Euro Warenexporten im Jahr 2014 stieg das Volumen auf 220 Millionen Euro im Jahr 2024 – ein Wachstum von 133 Prozent in nur einer Dekade. Diese Entwicklung übertrifft deutlich das durchschnittliche Exportwachstum Niederösterreichs mit anderen Handelspartnern.

Zum Vergleich: Die österreichischen Exporte nach Kanada insgesamt beliefen sich 2023 auf etwa 800 Millionen Euro, wobei Niederösterreich mit seinem Anteil von rund 27 Prozent eine überproportional starke Position einnimmt. Andere Bundesländer wie Oberösterreich und die Steiermark erreichen ähnliche Exportvolumen, jedoch bei unterschiedlichen Wachstumsraten.

Hauptexportgüter und Branchen

Die niederösterreichischen Exporte nach Kanada konzentrieren sich auf mehrere Schlüsselbereiche. Maschinen und Anlagen bilden mit etwa 40 Prozent den größten Anteil, gefolgt von chemischen Erzeugnissen (25 Prozent) und Metallwaren (15 Prozent). Besonders erfolgreich sind niederösterreichische Unternehmen in den Bereichen Umwelttechnik, erneuerbare Energien und Medizintechnik.

Die Papier- und Zellstoffindustrie, traditionell stark in Niederösterreich vertreten, profitiert von der hohen Nachfrage nach nachhaltigen Verpackungslösungen in Kanada. Unternehmen wie Mondi oder Heinzel Group haben ihre Marktpositionen in Nordamerika kontinuierlich ausgebaut.

Geopolitische Bedeutung verlässlicher Partnerschaften

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner unterstrich die strategische Dimension der Partnerschaft: "Das starke Wachstum unserer Handelsbeziehungen mit Kanada ist das Ergebnis von Innovationskraft, engagierten Fachkräften und stabilen politischen Rahmenbedingungen. In Zeiten, in denen Zölle als Druckmittel diskutiert werden, ist es gut zu wissen, dass es Freunde gibt, auf die man sich verlassen kann."

Diese Aussage gewinnt vor dem Hintergrund aktueller handelspolitischer Spannungen zwischen der EU und den USA an Bedeutung. Während die neue US-Administration Strafzölle androht, bietet Kanada als CETA-Partner (Comprehensive Economic and Trade Agreement) stabile und vorhersagbare Handelsbedingungen.

CETA-Abkommen als Wachstumsmotor

Das seit 2017 vorläufig angewandte Freihandelsabkommen CETA zwischen der EU und Kanada hat den Handel deutlich belebt. Für österreichische Unternehmen bedeutet das den Wegfall von 98 Prozent aller Zölle und vereinfachte Zertifizierungsverfahren. Besonders kleine und mittlere Unternehmen profitieren von den reduzierten bürokratischen Hürden.

Die kanadische Botschafterin Alison Grant hob die gemeinsamen Werte hervor: "Kanada und Österreich verbindet ein gemeinsames Verständnis für Offenheit, Innovation und faire Handelsbeziehungen. Internationale Zusammenarbeit stärkt nicht nur unsere Wirtschaft, sondern auch unsere Widerstandsfähigkeit."

Niederösterreich als Tor nach Mittel- und Osteuropa

Die geografische Lage Niederösterreichs macht das Bundesland für kanadische Unternehmen besonders attraktiv als Eingangstor zu den mittel- und osteuropäischen Märkten. Die Nähe zu Bratislava, Budapest und Prag sowie die ausgezeichnete Verkehrsinfrastruktur mit Autobahnen, der Donau-Wasserstraße und dem Flughafen Wien schaffen optimale Voraussetzungen für Logistik und Distribution.

Kanadische Investoren schätzen zudem die politische Stabilität, das hochqualifizierte Arbeitskräftepotenzial und die forschungsfreundliche Umgebung in Niederösterreich. Das Bundesland beherbergt mehrere Universitäten, Fachhochschulen und Forschungseinrichtungen, die eng mit der Wirtschaft kooperieren.

Erfolgsbeispiele kanadischer Unternehmen

Neben CAE haben sich weitere kanadische Unternehmen in Niederösterreich etabliert. Der Bergbaukonzern Barrick Gold kooperiert mit österreichischen Technologieunternehmen bei der Entwicklung nachhaltiger Abbauverfahren. Der Softwarehersteller Constellation Software hat über Tochtergesellschaften Niederlassungen in der Region aufgebaut.

Diese Unternehmen profitieren von den niedrigeren Lohnkosten im Vergleich zu Westeuropa bei gleichzeitig hoher Qualifikation der Arbeitskräfte. Die Zeitzonennähe zu den nordamerikanischen Märkten ermöglicht zudem effiziente Kommunikation und Projektabwicklung.

Luftfahrtbranche als Wachstumsfeld

Die Luftfahrtindustrie erlebt trotz der Corona-bedingten Rückschläge eine starke Erholung. Experten prognostizieren für die kommenden Jahre einen erheblichen Pilotenmangel, da viele erfahrene Piloten in den Ruhestand gehen und gleichzeitig der Flugverkehr wieder anzieht. Allein in Europa werden bis 2030 voraussichtlich 60.000 neue Piloten benötigt.

Das CAE Training Center in Schwechat positioniert sich strategisch für diesen Boom. Die Ausbildungskapazitäten werden kontinuierlich erweitert, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden. Ein Pilot durchläuft dabei mehrere Ausbildungsphasen: Grundausbildung, Typenausbildung für spezifische Flugzeugmuster und regelmäßige Weiterbildungen.

Technologische Innovation im Training

Moderne Flugsimulatoren nutzen Virtual Reality und Künstliche Intelligenz, um noch realistischere Trainingsszenarien zu schaffen. Die Systeme können Wetterbedingungen, Turbulenzen und technische Störungen exakt simulieren. Dabei werden auch menschliche Faktoren wie Müdigkeit oder Stress berücksichtigt, um Piloten optimal auf alle Eventualitäten vorzubereiten.

CAE investiert jährlich etwa 100 Millionen Euro in Forschung und Entwicklung neuer Simulationstechnologien. Diese Innovation macht das Unternehmen zu einem gefragten Partner für Airlines weltweit, die ihre Piloten nach höchsten Sicherheitsstandards ausbilden wollen.

Wirtschaftsstrategie 2030+ und internationale Märkte

Der Besuch fügt sich in die Wirtschaftsstrategie 2030+ Niederösterreichs ein, die auf Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und die gezielte Erschließung internationaler Märkte setzt. Das Land investiert gezielt in Zukunftstechnologien und fördert die Ansiedlung internationaler Unternehmen.

Besondere Schwerpunkte liegen dabei auf den Bereichen Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Life Sciences. Niederösterreich hat sich als Standort für Biotechnologie und Pharmaforschung etabliert, was auch kanadische Unternehmen anzieht, die in diesen Bereichen stark positioniert sind.

Förderungsinstrumente und Standortvorteile

Das Land Niederösterreich bietet verschiedene Förderungsprogramme für internationale Investoren. Dazu gehören Investitionszuschüsse, Forschungsförderungen und Unterstützung bei der Standortsuche. Die Wirtschaftsagentur ecoplus fungiert als zentrale Anlaufstelle und begleitet Unternehmen vom ersten Kontakt bis zur erfolgreichen Ansiedlung.

Die Nähe zu Wien als Forschungs- und Universitätsstandort, kombiniert mit den günstigeren Betriebskosten in Niederösterreich, schafft eine attraktive Mischung für internationale Unternehmen. Auch die kulturelle Nähe zu Deutschland und die gemeinsame Sprache erleichtern kanadischen Unternehmen den Markteintritt.

Zukunftsperspektiven der österreichisch-kanadischen Wirtschaftsbeziehungen

Experten sehen erhebliches Potenzial für eine weitere Intensivierung der Handelsbeziehungen. Besonders in den Bereichen CleanTech, digitale Technologien und nachhaltige Energielösungen ergeben sich neue Kooperationsmöglichkeiten. Kanada verfügt über reiche Rohstoffvorkommen und eine starke Technologiebasis, während Österreich mit Ingenieurskunst und innovativen Lösungen punktet.

Die Klimaziele beider Länder schaffen zusätzliche Synergien. Kanadische Unternehmen suchen nach europäischen Technologiepartnern für saubere Energien, während österreichische Firmen den nordamerikanischen Markt für ihre Umwelttechnologien erschließen wollen.

Das bilaterale Handelsvolumen könnte nach Einschätzung von Wirtschaftsexperten bis 2030 die Marke von 300 Millionen Euro überschreiten, wenn die positive Entwicklung anhält. Neue Geschäftsfelder wie Wasserstofftechnologie oder nachhaltige Mobilität bieten zusätzliche Wachstumschancen für beide Partner.

Weitere Meldungen

OTS
Niederösterreich

Paralympics-Sensation: Aigner-Geschwister holen Doppel-Gold

7. März 2026
Lesen
OTS
Niederösterreich

Paralympisches Gold: Veronika Aigner triumphiert in Cortina d'Ampezzo

7. März 2026
Lesen
OTS
Niederösterreich

Nur jede 6. Bürgermeisterin: NÖ kämpft gegen Männer-Dominanz

7. März 2026
Lesen
Alle Meldungen anzeigen