Die österreichische Hauptstadt setzt ein starkes Zeichen für die digitale Zukunft: Vom 8. bis 18. Juni 2026 verwandelt Wien sich in einen riesigen Lernspielplatz für Technik und IT. Bei den DiDays ...
Die österreichische Hauptstadt setzt ein starkes Zeichen für die digitale Zukunft: Vom 8. bis 18. Juni 2026 verwandelt Wien sich in einen riesigen Lernspielplatz für Technik und IT. Bei den DiDays NextGen erwartet die Stadt Wien rund 1.000 Schülerinnen und Schüler aller Altersgruppen zu einem kostenlosen Bildungsevent der Superlative. Was als Pilot im Jahr 2025 startete, wird nun zu einer festen Institution der digitalen Bildung ausgebaut.
Die DiDays NextGen sind ein mehrtägiges Bildungsformat, das von der UIV Urban Innovation Vienna GmbH im Auftrag der Stadt Wien organisiert wird. UIV steht für "Urban Innovation Vienna" und ist ein Tochterunternehmen der Wien Holding, das sich auf innovative Stadtentwicklung spezialisiert hat. Das Unternehmen fungiert als Bindeglied zwischen öffentlicher Verwaltung und privaten Innovationsträgern und entwickelt zukunftsweisende Projekte für die Bundeshauptstadt.
Die Veranstaltung ist eine Erweiterung der bereits etablierten Digital Days, die seit zwölf Jahren als großes Digitalisierungsfest Wiens stattfinden. Während sich die Digital Days an die breite Öffentlichkeit richten, fokussieren sich die DiDays NextGen speziell auf die junge Generation zwischen 7 und 22 Jahren. Das Konzept basiert auf der Erkenntnis, dass digitale Kompetenzen heute genauso wichtig sind wie Lesen, Schreiben und Rechnen.
Wien hat eine lange Tradition in der Förderung innovativer Bildungskonzepte. Bereits in den 1990er Jahren war die Stadt Vorreiter bei der Einführung von Computern in Schulen. Mit der DigitalCity.Wien-Initiative, die vor mehr als zehn Jahren gestartet wurde, positioniert sich Wien international als Smart City. Diese Initiative umfasst verschiedene Bereiche: von der Digitalisierung der Verwaltung über E-Government-Services bis hin zu innovativen Bildungsangeboten.
Die Idee für die DiDays NextGen entstand aus der Erkenntnis, dass traditionelle Bildungsformate den Anforderungen der digitalen Transformation nicht mehr gerecht werden. Während in klassischen Schulstunden oft noch theoretisches Wissen vermittelt wird, bieten die DiDays praktische Erfahrungen mit modernster Technologie. Schülerinnen und Schüler können hier nicht nur lernen, sondern auch experimentieren, entwickeln und ihre eigenen digitalen Projekte realisieren.
Das elftägige Programm ist sorgfältig auf verschiedene Altersgruppen abgestimmt. Den Auftakt bildet am 8. Juni ein spezieller Workshop-Tag für Volksschulen, der von der FH Technikum Wien durchgeführt wird. Hier werden 7- bis 10-jährige Kinder altersgerecht an das Thema Internetsicherheit herangeführt. Cybersecurity, also die Sicherheit in digitalen Räumen, wird dabei spielerisch vermittelt - ein Thema, das angesichts zunehmender Online-Aktivitäten von Kindern immer wichtiger wird.
Cybersecurity umfasst alle Maßnahmen zum Schutz von Computersystemen, Netzwerken und Daten vor digitalen Angriffen. Für Kinder bedeutet das konkret: sicherer Umgang mit Passwörtern, Erkennen von Fake-News, Schutz persönlicher Daten und das richtige Verhalten bei Cybermobbing. Diese Kompetenzen sind heute genauso wichtig wie das Verhalten im Straßenverkehr und sollten früh erlernt werden.
Für ältere Schülerinnen und Schüler stehen hochaktuelle Zukunftsthemen auf dem Programm. Quantentechnologie beispielsweise gilt als eine der Schlüsseltechnologien des 21. Jahrhunderts. Dabei handelt es sich um Technologien, die auf den Gesetzen der Quantenmechanik basieren - einem Bereich der Physik, der das Verhalten kleinster Teilchen beschreibt. Quantencomputer können bestimmte Rechenoperationen millionenfach schneller durchführen als herkömmliche Computer und revolutionieren damit Bereiche wie Medizin, Logistik oder Klimaforschung.
Künstliche Intelligenz (KI) ist ein weiterer Schwerpunkt der DiDays NextGen. KI-Systeme können Muster erkennen, lernen und Entscheidungen treffen - ähnlich wie Menschen, aber oft viel schneller und präziser. Von Sprachassistenten über Navigationssysteme bis hin zu medizinischer Diagnostik: KI ist bereits heute allgegenwärtig. Die Workshopteilnehmer lernen nicht nur, wie KI funktioniert, sondern auch, wie sie verantwortungsvoll eingesetzt werden kann.
Das Thema Industrie 4.0 beschäftigt sich mit der vierten industriellen Revolution, in der physische und digitale Welt miteinander verschmelzen. Smart Factories, autonome Roboter und vernetzte Produktionsanlagen verändern die Art, wie wir arbeiten und produzieren. Für junge Menschen bedeutet das völlig neue Berufsperspektiven in Bereichen wie Robotik, Datenanalyse oder Prozessoptimierung.
Die DiDays NextGen setzen bewusst auf innovative Vermittlungsformen, die weit über klassischen Frontalunterricht hinausgehen. Escape Games kombinieren Spielspaß mit Lerninhalten: Teilnehmer müssen knifflige Aufgaben lösen, um aus virtuellen Räumen zu "entkommen". Dabei werden komplexe technische Zusammenhänge spielerisch vermittelt.
Die "Hands-on"-Lego-Workshops nutzen die beliebten Bausteine als Lernwerkzeug. Mit speziellen Lego-Mindstorms-Sets können Schüler eigene Roboter bauen und programmieren. Diese haptische Herangehensweise macht abstrakte Programmierkonzepte greifbar und verständlich. Studien zeigen, dass solche praktischen Ansätze den Lernerfolg deutlich steigern, da sie verschiedene Sinne ansprechen und kreatives Problemlösen fördern.
Exkursionen führen die Teilnehmer direkt zu Unternehmen und Forschungseinrichtungen. In der Pilotfabrik der TU Wien können sie Industrie 4.0 hautnah erleben und sehen, wie moderne Produktionsanlagen funktionieren. Solche Realitätsbezüge sind entscheidend, um junge Menschen für technische Berufe zu begeistern und ihnen konkrete Karrierewege aufzuzeigen.
Ein besonderes Format ist "NextGen Minds", bei dem Jugendliche ab 16 Jahren direkt mit Vertretern aus Politik und Verwaltung diskutieren können. Diese Art des partizipativen Ansatzes ist in Österreich noch relativ neu, gewinnt aber international an Bedeutung. Junge Menschen haben oft andere Prioritäten und Sichtweisen als Entscheidungsträger - ein Austausch kann beiden Seiten wertvolle Impulse geben.
Die Gespräche finden im "das forum" statt, dem Klima- und Innovationsforum der Stadt Wien. Diese moderne Veranstaltungsstätte symbolisiert Wiens Anspruch, sowohl klimafreundlich als auch innovativ zu sein. Das Forum wurde 2023 eröffnet und dient als zentraler Ort für Diskussionen über die Zukunft der Stadt.
Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Förderung von Mädchen und jungen Frauen in technischen Bereichen. Die Statistik zeigt deutlich: In MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) sind Frauen nach wie vor unterrepräsentiert. In Österreich beträgt der Frauenanteil in IT-Studiengängen nur etwa 20 Prozent, bei den Absolventen liegt er sogar noch niedriger.
"NextGen Girls" setzt vom 10. bis 15. Juni gezielt einen Mädchenschwerpunkt. Studien zeigen, dass geschlechtsspezifische Ansätze dabei helfen können, Hemmschwellen abzubauen. Mädchen trauen sich oft mehr zu, wenn sie unter sich sind und nicht dem (oft unbewussten) Konkurrenzdruck mit männlichen Mitschülern ausgesetzt sind.
Der Höhepunkt ist ein mehrtägiger Hackathon unter dem Motto "Our Creative Urban Future". Ein Hackathon ist eine Veranstaltung, bei der Programmierer, Designer und andere Kreative in kurzer Zeit gemeinsam Software-Lösungen entwickeln. Der Begriff setzt sich zusammen aus "Hack" (im Sinne von kreativem Programmieren) und "Marathon". Die Teilnehmerinnen arbeiten in kleinen Teams an konkreten Problemen der Stadt und präsentieren ihre Lösungen einer Jury.
Besonders wichtig sind weibliche Rolemodels - erfolgreiche Frauen aus der IT-Branche, die als Vorbilder fungieren. Forschungen zeigen, dass junge Frauen sich eher für technische Berufe entscheiden, wenn sie positive weibliche Vorbilder haben. Diese Rolemodels können aus erster Hand erzählen, wie vielfältig und spannend Karrierewege in der Technik sein können.
Die IT-Branche bietet heute weit mehr als nur das klassische Bild des einsamen Programmierers. Von User Experience Design über Produktmanagement bis hin zu Künstlicher Intelligenz - die Berufsmöglichkeiten sind vielfältig und oft stark teamorientiert. Viele dieser Bereiche profitieren gerade von typisch "weiblichen" Stärken wie Empathie, Kommunikationsfähigkeit und ganzheitlichem Denken.
Wien nimmt mit den DiDays NextGen eine Vorreiterrolle in Österreich ein. Während andere Bundesländer wie Salzburg oder Tirol ebenfalls digitale Bildungsinitiativen haben, ist das Wiener Format einzigartig in seiner Breite und Systematik. Salzburg setzt beispielsweise auf das "Code Base Camp" für Jugendliche, während Tirol mit "Digital Innovation Hub" vor allem Startups und Unternehmen anspricht.
International orientiert sich Wien an bewährten Modellen: In Estland gibt es seit Jahren verpflichtenden Programmierunterricht ab der ersten Klasse. Finnland integriert digitale Kompetenzen systematisch in alle Fächer. Deutschland startete 2019 die Initiative "MINT-Bildung für Innovation", die allerdings weniger auf praktische Erfahrungen setzt als das Wiener Modell.
Besonders interessant ist der Vergleich mit skandinavischen Ländern: Schweden und Norwegen haben ähnliche Ansätze entwickelt, setzen aber stärker auf Integration in den regulären Schulunterricht. Wien wählt bewusst den Weg über zusätzliche, freiwillige Angebote - das ermöglicht mehr Flexibilität und Innovation, erreicht aber möglicherweise weniger Schüler systematisch.
Für Wiener Familien bedeuten die DiDays NextGen eine einzigartige Chance. Das kostenlose Format macht hochwertige digitale Bildung für alle zugänglich - unabhängig vom sozialen Hintergrund. Eine Familie aus Favoriten hat dieselben Möglichkeiten wie eine aus dem ersten Bezirk. Diese Chancengleichheit ist in einer Zeit wichtiger denn je, in der digitale Kompetenzen über beruflichen Erfolg entscheiden.
Praktisch bedeutet das: Ein 12-jähriges Mädchen aus Simmering kann beim Hackathon ihre erste App entwickeln. Ein 16-jähriger Bursch aus Ottakring entdeckt vielleicht sein Talent für Cybersecurity. Eine 14-Jährige aus der Leopoldstadt erfährt, dass Programmieren kreativ und teamorientiert sein kann - ganz anders als die Klischees vermuten lassen.
Die Teilnahme erfordert keine Vorkenntnisse, alle Materialien werden gestellt. Eltern müssen nur die Zeit ihrer Kinder "investieren" - eine Investition, die sich langfristig auszahlen kann. Studien zeigen, dass frühe positive Erfahrungen mit Technik die Berufswahl nachhaltig beeinflussen.
Die DiDays NextGen sind mehr als ein Bildungsevent - sie sind eine Investition in Wiens Zukunft als Technologiestandort. Die Stadt konkurriert international um die besten Köpfe und innovative Unternehmen. Länder wie Singapur, Israel oder Estland haben gezeigt, wie systematische Förderung digitaler Kompetenzen ganze Volkswirtschaften transformieren kann.
Wien will bis 2030 zu den fünf führenden Smart Cities Europas gehören. Dazu braucht die Stadt nicht nur Infrastruktur und Unternehmen, sondern vor allem Menschen mit den richtigen Kompetenzen. Die heute 10-Jährigen werden 2040 den Arbeitsmarkt prägen - ihre digitale Bildung entscheidet mit über Wiens Erfolg in der Zukunft.
Gleichzeitig wirkt das Event als Standortfaktor: IT-Unternehmen siedeln sich gerne dort an, wo sie qualifizierte Mitarbeiter finden. Wenn Wien zeigt, dass es die nächste Generation systematisch fördert, macht das die Stadt attraktiver für internationale Tech-Konzerne und Startups.
Trotz aller positiven Aspekte gibt es auch kritische Stimmen. Bildungsexperten warnen davor, dass zusätzliche Events den ohnehin vollen Schulalltag weiter belasten könnten. Die Teilnahme ist zwar freiwillig, aber sozialer Druck könnte entstehen, wenn "alle anderen" mitmachen.
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft die Nachhaltigkeit: Was passiert mit den geweckten Interessen nach dem Event? Kritiker fordern eine bessere Integration digitaler Bildung in den regulären Unterricht, statt auf spektakuläre Einzelevents zu setzen.
Auch die Geschlechtergerechtigkeit wird kontrovers diskutiert: Während spezielle Mädchenprogramme Hemmschwellen abbauen sollen, befürchten manche eine ungewollte Segregation. Die Debatte spiegelt ein grundsätzliches Dilemma wider: Wie kann man Gleichberechtigung fördern, ohne neue Unterschiede zu schaffen?
Die DiDays NextGen 2026 sind erst der Anfang einer langfristigen Strategie. Die Stadt Wien plant, das Format kontinuierlich weiterzuentwickeln und auszubauen. Denkbar sind regionale Ableger in den Bezirken, stärkere Integration in den Schulunterricht oder sogar internationale Kooperationen.
Technologisch werden neue Trends wie Virtual Reality, Augmented Reality oder Blockchain in die Programme integriert. Diese Technologien verändern nicht nur die Arbeitswelt, sondern auch die Art, wie wir lernen. VR-Brillen ermöglichen immersive Lernumgebungen, in denen komplexe Prozesse visualisiert werden können.
Besonders spannend ist die geplante Vernetzung mit anderen europäischen Städten. Stockholm, Helsinki und Barcelona entwickeln ähnliche Programme - ein Austausch könnte allen beteiligten Städten helfen, voneinander zu lernen und gemeinsame Standards zu entwickeln.
Die DiDays NextGen 2026 markieren einen wichtigen Meilenstein in Wiens Entwicklung zur digitalen Hauptstadt Österreichs. Sie zeigen, dass die Stadt bereit ist, in die Zukunft zu investieren - und zwar in das wertvollste Kapital: die Köpfe der nächsten Generation. Ob das Konzept aufgeht, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Fest steht: Wien geht einen mutigen Schritt in Richtung digitale Zukunft und macht dabei die Jüngsten zu Protagonisten des Wandels.