Historische Archive werden für moderne Verwaltung zugänglich gemacht
Die Stadt Wien hat ihre gesamte Staatsbürgerschaftsevidenz digitalisiert. Das Mammutprojekt soll Verfahren beschleunigen.
Die Stadt Wien hat einen bedeutenden Meilenstein in ihrer Digitalisierungsoffensive erreicht: Zwischen April 2024 und Dezember 2025 wurden sämtliche in Papierform geführten Verzeichnisse der Wiener Staatsbürgerschaftsevidenz digitalisiert. Insgesamt 7,2 Millionen Dokumente wurden eingescannt und dabei rund 10,4 Millionen Bilder generiert.
Das umfangreiche Digitalisierungsprojekt wurde in Kooperation zwischen der Magistratsabteilung 35 (Einwanderung und Staatsbürgerschaft) und der MA 6 (Rechnungs- und Abgabenwesen) durchgeführt. Ziel des Projekts ist es, Recherchen und die Erteilung von Auskünften deutlich zu beschleunigen und effizienter zu gestalten.
"Es ist wichtig historische Daten für die Nachwelt zu sichern. Dass die Scans der Staatsbürgerschaftsverzeichnisse abgeschlossen wurden, bedeutet außerdem einen wichtigen Schritt für die weitere Digitalisierung der Abteilung", erklärt Vizebürgermeisterin und Integrationsstadträtin Bettina Emmerling. Sie betont, dass die kontinuierliche Modernisierung und Entwicklung der Serviceorientierung und Transparenz der Abteilung oberste Priorität haben.
Die Digitalisierung der historischen Dokumente stellte eine besondere Herausforderung dar. "Ich danke meinen Mitarbeiter*innen für die Leistung, diesen empfindlichen Papierberg so professionell für das Scanzentrum verpackt und wieder korrekt einsortiert zu haben", würdigt die stellvertretende Abteilungsleiterin Nina Crobath die Arbeit ihres Teams.
Der nächste Schritt folgt bereits: Die Abteilung für Einwanderung und Staatsbürgerschaft wird nun die Beschlagwortung der einzelnen Dokumente vornehmen. Dadurch sollen gesuchte Dokumente künftig per Knopfdruck auffindbar sein, was die Bearbeitungszeiten erheblich verkürzen wird.
Die Digitalisierung der Staatsbürgerschaftsevidenz ist ein wichtiger Baustein der 2021 begonnenen umfassenden Reform der MA 35. Diese Reform ging 2024 in einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess über, der darauf abzielt, die Servicequalität der Abteilung nachhaltig zu steigern.
Bereits seit 2022 sind alle internen Verfahrensschritte sowohl in der Einwanderung als auch bei Staatsbürgerschaftsangelegenheiten vollständig digitalisiert. Neue Akten werden ausschließlich digital bearbeitet, was mehrere Vorteile mit sich bringt:
Die nun digitalisierten Dokumente haben eine lange Geschichte und besondere rechtliche Bedeutung. Die heutige Staatsbürgerschaftsevidenz wird im zentralen Staatsbürgerschaftsregister (ZSR) fortgeführt, was auch die Verdatung von ausländischen Personenstandsfällen im Zentralen Personenstandsregister (ZPR) umfasst.
Die Wurzeln der österreichischen Staatsbürgerschaftsdokumentation reichen weit zurück: Im Heimatrechtsgesetz vom 3. Dezember 1863 wurde festgelegt, dass alle österreichischen Staatsbürger in einer Gemeinde heimatberechtigt sein müssen. 1896 schuf die Heimatrechtsnovelle die Möglichkeit, das Heimatrecht nach zehnjährigem Aufenthalt zu erwerben.
Ein bedeutender Einschnitt erfolgte 1939 mit der Aufhebung des Heimatrechts. Nach dem Zweiten Weltkrieg trat 1945 an dessen Stelle der Nachweis der Staatsbürgerschaft. Die historische Heimatrolle enthält wichtige Informationen wie Personenstandsdaten, Beruf, Wohnort, Abstammung sowie Begründung und Erwerbstag des Heimatrechts.
Die digitalisierten Dokumente sind nicht nur von historischem Wert, sondern haben auch praktische Relevanz für heutige Verfahren. Sie werden benötigt bei:
Besonders seit der Einführung des § 58c, der Angehörigen von NS-Opfern den Staatsbürgerschaftserwerb ermöglicht, werden die historischen Dokumente häufig für Recherchezwecke herangezogen.
Mit der Vollendung der Digitalisierung der Staatsbürgerschaftsevidenz hat Wien einen wichtigen Schritt in Richtung moderner Verwaltung gemacht. Das Projekt zeigt exemplarisch, wie historische Archive für die digitale Zukunft aufbereitet werden können, ohne dabei ihren dokumentarischen Wert zu verlieren.
Die Wiener Stadtverwaltung setzt damit ein Zeichen für Transparenz und Serviceorientierung. Bürgerinnen und Bürger können künftig mit schnelleren Bearbeitungszeiten und effizienteren Verfahren rechnen, während gleichzeitig das historische Erbe der Stadt für kommende Generationen gesichert wird.
Die erfolgreiche Digitalisierung von 7,2 Millionen Dokumenten ist nicht nur ein technischer Erfolg, sondern auch ein Beweis dafür, dass auch große Verwaltungsapparate den digitalen Wandel erfolgreich meistern können. Wien positioniert sich damit als Vorreiter in der Digitalisierung kommunaler Dienstleistungen.