Österreichische Väter verbringen durchschnittlich nur neun Tage in Karenz, während Mütter 416 Tage bei ihren Neugeborenen bleiben. Diese dramatische Diskrepanz macht Österreich zum EU-Schlusslicht ...
Österreichische Väter verbringen durchschnittlich nur neun Tage in Karenz, während Mütter 416 Tage bei ihren Neugeborenen bleiben. Diese dramatische Diskrepanz macht Österreich zum EU-Schlusslicht bei der Väterkarenz und offenbart ein gesellschaftliches Problem, das weit über individuelle Entscheidungen hinausgeht. Eine neue SPÖ-Umfrage mit 782 Teilnehmenden aus ganz Österreich zeigt: Viele Väter wollen mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, werden aber durch strukturelle Hürden daran gehindert.
Die von SPÖ-Familiensprecher Bernhard Herzog initiierte Umfrage "Familie ist Teamarbeit" bringt ernüchternde Erkenntnisse ans Licht. Finanzielle Einbußen stehen an der Spitze der Hindernisse, die Väter von der Karenz abhalten. Für viele Familien, in denen traditionell der Mann das höhere Einkommen erzielt, bedeutet eine längere Väterkarenz einen erheblichen finanziellen Einschnitt.
Die Angst vor Karriereknicks erweist sich als zweites zentrales Hindernis. Während Mutterschutz und Elternkarenz für Frauen gesellschaftlich akzeptiert sind, kämpfen Männer noch immer mit Vorurteilen am Arbeitsplatz. Die Umfrage berichtet von Fällen, in denen Vätern mit Kündigung gedroht wurde oder sie nach der Karenz Nachteile in der beruflichen Entwicklung erlitten.
Neben finanziellen und beruflichen Sorgen spielt das gesellschaftliche Umfeld eine Rolle. Negative Reaktionen von Kolleginnen und Kollegen, Vorgesetzten oder dem privaten Umfeld verstärken die Hemmschwelle, Karenz zu nehmen. Die Umfrage zeigt, dass viele Väter diese Barrieren als relevant empfinden.
Die Bundesregierung hat sich im Regierungsprogramm vorgenommen, eine „interministerielle Arbeitsgruppe unter Einbindung von Stakeholdern und Sozialpartnern“ einzurichten, die Modelle zur "Stärkung der Partnerschaftlichkeit und der Väterbeteiligung" vorlegen und die "Harmonisierung rechtlicher Bestimmungen" prüfen soll. Bis spätestens Ende 2026 sollen Vorschläge vorliegen. Im Zuge dieser Gespräche will sich SPÖ-Familiensprecher Bernhard Herzog dafür einsetzen, die Hürden für eine höhere Väterbeteiligung abzubauen.
Die geringe Väterbeteiligung hat Folgen für Familien: Mütter tragen weiterhin den Großteil der Kinderbetreuung und erleben dadurch Nachteile in ihrer Erwerbsbiografie. Die Umfrage macht deutlich, dass viele Väter bereuen, keine Karenz genommen zu haben.
Die SPÖ-Umfrage zeigt klar: Viele Väter möchten mehr Zeit mit ihren Kindern verbringen, werden jedoch durch finanzielle, berufliche und gesellschaftliche Hürden davon abgehalten. Die angekündigte Arbeitsgruppe soll mögliche Lösungen prüfen; Politiker wie Bernhard Herzog wollen sich für Abbau dieser Hürden einsetzen. Die gesammelten Umfrage-Ergebnisse können auf der Website der SPÖ eingesehen werden.