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Kultur

Sue Williams zeigt feministische Malerei im Belvedere 21

Umfassende Retrospektive der US-Künstlerin thematisiert Macht, Gewalt und Körperpolitik

19. Februar 2026
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Das Belvedere 21 präsentiert von Februar bis Juni 2026 die bislang größte Werkschau der US-Malerin Sue Williams mit über 100 Werken.

Das Belvedere 21 in Wien widmet der US-amerikanischen Künstlerin Sue Williams eine umfassende Retrospektive. Die Ausstellung "Sue Williams. What Now" läuft vom 20. Februar bis 7. Juni 2026 und zeigt über 100 Werke aus allen Schaffensphasen der 1954 in Chicago Heights geborenen Malerin.

Kompromisslos feministische Kunst seit den 1980ern

Sue Williams gilt als eine der wichtigsten feministischen Stimmen der zeitgenössischen Malerei. Seit den späten 1980er-Jahren thematisiert sie in ihren Werken Geschlechterverhältnisse, Körperpolitiken, Macht und Unterdrückung. Dabei nutzt sie ausgerechnet die Malerei – traditionell eine männlich dominierte Kunstform – als Medium für ihre kompromisslosen gesellschaftskritischen Statements.

"Sue Williams hat ein Werk geschaffen, das zutiefst persönlich ist – und zugleich gesellschaftlich hoch brisant", erklärt Belvedere-Generaldirektorin Stella Rollig. "Gerade im aktuellen weltpolitischen Klima ist es uns ein besonderes Anliegen, feministische Positionen sichtbar zu machen, die Machtstrukturen, Gewalt und die Bedingungen von Freiheit kompromisslos ins Zentrum rücken."

Von schockierenden Anfängen zur abstrakten Meisterschaft

Williams' künstlerische Entwicklung lässt sich in mehrere Phasen unterteilen. In ihren frühen Arbeiten der 1990er Jahre schockierte sie mit direkten Darstellungen sexualisierter Gewalt. Werke wie "Try to Be More Accommodating" (1991) oder "A Funny Thing Happened" (1992) zeigen brutale Szenen, kombiniert mit sarkastischen Texten. Diese verstörend eindeutigen Darstellungen legten gleichzeitig die Mechanismen des Verschweigens und Bagatellisierens offen.

Besonders provokant war ihr Werk "The Art World Can Suck My Proverbial Dick" (1992), mit dem sie den patriarchalen Kunstbetrieb und seine misogynen Strukturen direkt angriff. Diese frühen Arbeiten machten Williams Anfang der 1990er Jahre schlagartig bekannt.

Wandel zur Abstraktion

Ab Mitte der 1990er Jahre veränderte Williams ihre malerischen Strategien grundlegend. Text und narrative Szenen traten zurück, während sich Figuren und Körperfragmente auf oft einfarbigem Grund verselbstständigten. In dieser Phase entstanden großformatige, gestisch-abstrakte Kompositionen wie "Lots of Colors" (1997) oder "Mom's Foot Blue and Orange" (1997).

Williams eignete sich dabei ironisch das All-over-Prinzip des männlich codierten Abstrakten Expressionismus an. Aus dem scheinbar abstrakten Liniengewirr blitzen verzerrte Körperteile, Geschlechtsorgane und fetischistisch aufgeladene Motive hervor – visuell verlockend, aber keineswegs harmlos.

Politische Reaktionen und persönliche Traumata

Um die Jahrtausendwende dominierte die expressive Linie in intensiver Farbigkeit Williams' Malerei. Die scheinbar "angenehmen" Linien und heiteren Farben erwiesen sich jedoch als ambivalent. Williams brach bewusst mit Erwartungshaltungen an ihre Malerei und hielt die Körperlichkeit auch in der scheinbaren Abstraktion präsent.

Ab den frühen 2000er Jahren reagierten Williams' zunehmend detailreiche, ornamentale Kompositionen explizit auf gesellschaftspolitische Ereignisse. Der nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001 proklamierte "War on Terror" inspirierte Gemälde wie "Humanitarian Intervention" (2006) oder "Leo Strauss, Theoretician" (2008), die politische und psychische Erschütterungen in zerrissenen, organischen Bildformen formulierten.

Synthese der Gegenwart

In den 2010er Jahren verknüpfte Williams globale Krisen verstärkt mit persönlichen Verlusten und Traumata. Ihr malerischer Gestus wurde freier, expressiver und kinetischer. "Ministry of Hate" (2013) steht exemplarisch für diese Phase, in der Textfragmente, architektonische Motive wie die Twin Towers sowie dynamische Linien und Farbexplosionen zusammentreffen.

Die jüngsten Gemälde, darunter "The Cosmos Above" (2023) und "Present" (2025), sind als Synthese früherer Werkphasen zu verstehen. Auf ungrundierten Leinwänden verdichten sich groteske, schwebende Figurationen zu traumähnlichen Bildarrangements wiederkehrender Motive.

Verbindung zu Wien und österreichischer Kunstszene

Die Wahl des Belvedere 21 als Ausstellungsort ist nicht zufällig: Von 1997 bis 1999 leitete Sue Williams als Gastprofessorin die Meisterklasse für gegenständliche Malerei an der Akademie der bildenden Künste Wien. Ihre Lehrtätigkeit und der Austausch mit einer jüngeren Generation von Künstlerinnen und Künstlern – darunter Katrin Plavčak und Sevda Chkoutova – bilden einen wichtigen Hintergrund für diese Retrospektive.

Kuratorin Luisa Ziaja betont: "Eine Konstante in Sue Williams' Werk ist die konsequente Befragung des Mediums Malerei und der Konventionen von Figuration und Abstraktion, deren Grenzen sie beständig herausfordert. Humorvoll und unerbittlich navigiert Williams dabei entlang der Bruchlinien der Macht und erzählt von struktureller Gewalt und individuellem Trauma, Erinnerung und Resilienz."

Aktuelle Relevanz feministischer Kunst

Die Ausstellung "What Now" macht durch ihre chronologische Struktur die Konsequenz wie auch die Wandelbarkeit von Williams' kompromisslosem, pointiert humorvollem feministischen Œuvre erfahrbar. Der knappe wie aufrüttelnde Titel verdeutlicht die tief empfundene Dringlichkeit, sich den Realitäten unserer Gegenwart zu stellen.

In einer Zeit, in der feministische Themen wieder verstärkt diskutiert werden und gesellschaftliche Machtstrukturen hinterfragt werden, erhält Williams' Werk besondere Aktualität. Ihre Arbeiten zeigen, wie persönliche Erfahrungen mit politischen Realitäten verwoben sind und wie Kunst als Medium der Gesellschaftskritik fungieren kann.

Begleitprogramm zur Ausstellung

Zur Ausstellungseröffnung am 19. Februar 2026 um 19 Uhr im Belvedere 21 lädt das Museum alle Interessierten ein. Am 20. Februar 2026 findet von 17:30 bis 18:30 Uhr ein Artist Talk mit Sue Williams statt, bei dem sie im Gespräch mit Kuratorin Luisa Ziaja über "pleasant colors and heavy topics" diskutiert.

Die Ausstellung umfasst neben Gemälden auch Zeichnungen, Collagen und ausgewählte Skulpturen aus allen Schaffensphasen der Künstlerin. Durch die Gleichzeitigkeit von Persönlichem und Politischem, von humorvoller Karikatur, erschütternder Explizität und malerischer Geste entfalten Williams' Bilder ihre besondere Wirkmächtigkeit.

"Sue Williams. What Now" ist bis zum 7. Juni 2026 im Belvedere 21 in der Arsenalstraße 1, 1030 Wien, zu sehen und bietet Besucherinnen und Besuchern die Möglichkeit, eines der bedeutendsten feministischen Œuvres der zeitgenössischen Malerei kennenzulernen.

Schlagworte

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