Mikl-Leitner fordert mehr Sichtbarkeit für Frauen in Führungspositionen
Niederösterreichs Landeshauptfrau setzt auf Frauenförderung als wirtschaftliche Notwendigkeit - fast die Hälfte aller Gründungen von Frauen.
Anlässlich des Internationalen Weltfrauentages diskutierten Politik und Wirtschaft in Baden über die Rolle der Frauen als Erfolgsfaktor für die niederösterreichische Wirtschaft. Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner und Wirtschaftskammerpräsident Wolfgang Ecker luden zur Podiumsdiskussion "Starke Männer und starke Frauen" ins Congress Center Baden.
"Das Wichtigste ist, Frauen sichtbar zu machen", betonte Mikl-Leitner zu Beginn der Veranstaltung. Die Landeshauptfrau verwies darauf, dass Frauen heute in Wirtschaft, Wissenschaft und Politik Verantwortung tragen, jedoch noch strukturelle Herausforderungen bestehen. Dazu zählen Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern, die ungleiche Verteilung der Hausarbeit und die geringe Anzahl von Frauen in Spitzenpositionen.
"Gleichstellung ist nicht nur ein Thema der Fairness und Gerechtigkeit, sondern vor allem eine wirtschaftliche Notwendigkeit für den Standort Niederösterreich", erklärte die Landeshauptfrau. "Wenn wir Wohlstand erhalten wollen, dürfen wir nicht auf die Hälfte der Bevölkerung verzichten."
Das Land Niederösterreich sieht sich bei der Frauenförderung in einer Vorbildfunktion. Mikl-Leitner verwies auf konkrete Erfolge: "Wir haben die erste Landesamtsdirektor-Stellvertreterin und die erste Baudirektorin in der Geschichte Niederösterreichs." Zudem stelle Niederösterreich die meisten Bürgermeisterinnen und sei das einzige Bundesland mit einem Gesetz, das Bürgermeisterinnen Karenz ermöglicht.
Seit ihrem Amtsantritt ist der Frauenanteil im niederösterreichischen Landesdienst um rund 60 Prozent gestiegen. Das Land treibt auch die Kinderbetreuung in Zusammenarbeit mit den Gemeinden voran - ein wesentlicher Baustein für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie für beide Geschlechter.
Besondere Bedeutung misst die Landesregierung Mentoring-Programmen bei, "mit denen wir Frauen motivieren wollen, Ja zur Verantwortung zu sagen". Auch Netzwerktreffen gemeinsam mit Männern werden forciert, da bei Frauenförderung und Gleichberechtigung auf die Unterstützung der Männer nicht verzichtet werden könne.
Besonders stolz zeigt sich Mikl-Leitner auf die Entwicklung im Bereich der Unternehmensgründungen: "Fast die Hälfte aller Unternehmen wird von Frauen gegründet und zwei Drittel aller Gründerinnen sind nach fünf Jahren noch immer erfolgreich im Geschäft."
Wirtschaftskammerpräsident Wolfgang Ecker bestätigte diese positive Entwicklung: "Niederösterreich hat die höchste Gründeranzahl österreichweit und 50 Prozent aller Unternehmen werden bei uns von Frauen gegründet." Die Marke "Gründerland Niederösterreich" wurde gemeinsam von Wirtschaftskammer und Land ins Leben gerufen, um Gründerinnen gezielt zu unterstützen.
Ein bemerkenswertes Paradox zeigt sich bei der Bildungsentwicklung: Während vor 50 Jahren doppelt so viele Männer maturierten und dreimal so viele an Universitäten absolvierten, sind heute in beiden Bereichen Frauen in der Mehrzahl. "Trotzdem geht es gerade in Führungspositionen nur langsam voran", konstatierte Mikl-Leitner.
Der aktuelle Mixed Leadership Parameter zeigt deutliche Zahlen: Der Frauenanteil in Vorständen liegt bei nur 12,5 Prozent, 58 Prozent der Unternehmen haben keine einzige Frau im Vorstand. "Den Unternehmen ist allerdings bewusst, dass sie mehr auf das starke Potenzial der Frauen setzen müssen", betonte die Landeshauptfrau.
Staatssekretärin Elisabeth Zehetner brachte es auf den Punkt: "Talente nicht zu fördern ist eine wirtschaftliche Verschwendung, sowohl bei Frauen als auch bei Männern." Frauenförderung sei ein "Must-have", da die Frauen heute top-ausgebildet seien und auf dieses weibliche Potenzial nicht verzichtet werden dürfe.
Hans Ebner, Präsident des Roten Kreuzes, berichtete über die Entwicklung in seiner Organisation: "Schon vor einem Jahr waren 47 Prozent unserer Basismitarbeiterinnen weiblich, doch je höher man in der Vereinsstruktur schaute, desto geringer wurde der Frauenanteil." Mit dem Mentoring-Programm "Die Rotkreuzlerin" wurde ein wichtiger Schritt gesetzt.
Alexandra Wittmann, Vorstandsmitglied der EVN, sprach von einem notwendigen Strukturwandel in Unternehmen: "Dafür müssen Frauen und Männer gemeinsam Führung und Verantwortung neu denken." Sie verwies darauf, dass die nächste Generation mehr Diversität in Unternehmen fordere und bereits nachhaltiger, digitaler und egalitärer aufwachse.
Martin Resel von A1 stellte konkrete Maßnahmen vor: Auf 6.000 Mitarbeitende kommen 300 Führungskräfte, hundert davon weiblich. "In der Vorstands- und Bereichsleitungsebene sind wir mit 50:50 gut aufgestellt, im technischen Bereich fehlen Frauen." Deshalb startete A1 bereits Projekte mit Schulen, um Mädchen für MINT-Berufe zu begeistern.
Badens Bürgermeisterin Carmen Jeitler-Cincelli appellierte: "Wir müssen unsere jungen Mädchen motivieren, groß zu träumen und müssen sie unterstützen, damit sie diese Träume auch verwirklichen können." Für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie brauche es auch die Unterstützung der Männer.
Die Unternehmerinnen Kristina Hentschel, Corinna Hintenberger und Katharina Schönbauer-Manak sprachen von der wichtigen Unterstützung durch die Gründeragentur riz up und betonten die Bedeutung von Netzwerken. Ihr gemeinsamer Appell: "Wir müssen nicht nur fleißig und gut, sondern vor allem sichtbar sein."
Die Podiumsdiskussion machte deutlich, dass die Förderung von Frauen in der Wirtschaft nicht nur eine Frage der Gerechtigkeit, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit ist. Niederösterreich nimmt dabei eine Vorreiterrolle ein, sowohl bei der Unterstützung von Gründerinnen als auch bei strukturellen Reformen in der Landesverwaltung.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Mit fast 50 Prozent Frauenanteil bei Unternehmensgründungen und einer Erfolgsquote von zwei Dritteln nach fünf Jahren zeigt sich das Potenzial weiblicher Führungskraft. Der Weg zu einer gleichberechtigten Teilhabe in allen Bereichen der Wirtschaft ist jedoch noch nicht abgeschlossen.
Die nächste Generation, die bereits mit anderen Werten aufwächst, könnte den entscheidenden Wandel bringen. Diversität und Nachhaltigkeit stehen bei ihr im Vordergrund - Eigenschaften, die auch in der Wirtschaft zunehmend geschätzt werden. Die Investition in Frauenförderung und Gleichberechtigung erweist sich somit als Investition in die Zukunftsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Niederösterreich.