Innenministerium meldet 1.986 rechtsextreme Tathandlungen für 2025 – Wien führt die Statistik an
Die österreichischen Sicherheitsbehörden registrierten 2025 fast 2.000 rechtsextreme Tathandlungen. Ein alarmierender Trend zeigt sich besonders in Wien.
Die österreichischen Sicherheitsbehörden verzeichneten im Jahr 2025 einen alarmierenden Anstieg rechtsextremer Aktivitäten. Insgesamt wurden 1.986 rechtsextremistische, fremdenfeindliche, rassistische, islamfeindliche, antisemitische sowie unspezifische Tathandlungen festgestellt – ein deutlicher Anstieg um 33,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr 2024 mit 1.486 Tathandlungen.
Besonders besorgniserregend ist die langfristige Entwicklung: Im Vergleich zu 2020, als 895 rechtsextreme Tathandlungen registriert wurden, bedeutet dies einen Anstieg um erschreckende 121,9 Prozent. Diese Zahlen basieren auf der Beantwortung einer parlamentarischen Anfrage und einer umfassenden Anzeigenstatistik der Sicherheitsbehörden.
"Der Verfassungsschutz geht konsequent gegen jede Form von Extremismus vor. Entscheidend sind dabei neben der ausgezeichneten internationalen Vernetzung vor allem auch die hohe Professionalität und das Engagement der Ermittler", betonte Innenminister Gerhard Karner bei der Präsentation der Bilanz.
Die regionale Verteilung zeigt deutliche Schwerpunkte: Wien führt die Statistik mit 485 registrierten Tathandlungen an, gefolgt von Oberösterreich mit 350 und Niederösterreich mit 298 Fällen. Diese Konzentration in den bevölkerungsreichen Bundesländern spiegelt sowohl die demografischen Gegebenheiten als auch die unterschiedlichen gesellschaftlichen Spannungsfelder wider.
Trotz der steigenden Fallzahlen konnten die Ermittlungsbehörden ihre Aufklärungsquote verbessern. Von den 1.986 Tathandlungen wurden 65,5 Prozent (1.281 Fälle) aufgeklärt. Im Vergleich zum Vorjahr, wo die Aufklärungsquote bei 64,1 Prozent lag, bedeutet dies eine leichte Steigerung der Ermittlungserfolge.
Als Reaktion auf diese besorgniserregende Entwicklung startete die Bundesregierung erst vor wenigen Tagen den Nationalen Aktionsplan gegen Rechtsextremismus. Dieser umfassende Ansatz bündelt zahlreiche Maßnahmen zwischen dem Innenministerium, dem Justiz- und dem Bildungsministerium sowie den Ländern und der Zivilgesellschaft.
Das Ziel ist es, die bisherigen Maßnahmen noch effizienter zu gestalten und eine koordinierte Antwort auf die wachsende Bedrohung durch rechtsextreme Ideologien zu entwickeln. Der Aktionsplan setzt dabei sowohl auf präventive Maßnahmen als auch auf eine verstärkte Strafverfolgung.
Im Zuge der Aufklärung rechtsextremer Straftaten brachten die Sicherheitsbehörden im Jahr 2025 insgesamt 1.518 Personen zur Anzeige. Dies entspricht einem Anstieg um 36 Prozent gegenüber 2024, als 1.116 Anzeigen erstattet wurden. Noch dramatischer wird das Ausmaß im Vergleich zu 2020 deutlich: Damals wurden 731 rechtsextreme Straftaten angezeigt – der aktuelle Wert bedeutet somit einen Anstieg um 107,7 Prozent.
Die Analyse der angezeigten Personen zeigt ein klares Bild: Im Jahr 2025 waren 1.379 der Beschuldigten männlich (90,8 Prozent) und 139 weiblich (9,2 Prozent). Im Vergleich zu 2024 mit 1.013 Männern und 103 Frauen zeigt sich eine proportional ähnliche Verteilung, wobei die absolute Zahl bei beiden Geschlechtern gestiegen ist.
Ein positiver Trend zeigt sich beim Anteil der Jugendlichen unter den Beschuldigten: 2025 befanden sich 243 Jugendliche (16 Prozent) unter den Angezeigten. Dieser Anteil ist gegenüber 2024 (24,8 Prozent) und 2020 (27,4 Prozent) deutlich zurückgegangen. Dies könnte auf erfolgreiche Präventionsmaßnahmen in Bildungseinrichtungen hindeuten.
Bei der Staatsbürgerschaft der angezeigten Personen zeigt sich ein interessantes Bild: 1.229 der 2025 angezeigten Personen (81 Prozent) besitzen die österreichische Staatsbürgerschaft. Dieser Anteil ist gegenüber 2024 (81,5 Prozent mit 910 Personen) leicht gesunken, aber im Vergleich zu 2020 (89,1 Prozent) deutlich niedriger.
Die Intensivierung der Ermittlungsarbeit spiegelt sich auch in den operativen Maßnahmen wider: 2025 führten die Sicherheitsbehörden in Österreich insgesamt 277 Hausdurchsuchungen (inklusive freiwilliger Nachschauen) durch, verglichen mit 260 im Jahr 2024. Gleichzeitig stieg die Zahl der Festnahmen von 53 im Jahr 2024 auf 75 im Jahr 2025 deutlich an.
Das Innenministerium weist darauf hin, dass zwischen einer polizeilichen Anzeige und einer möglichen Verurteilung ein langer Prozess liegt, der verschiedene Schritte wie Anklage und Verhandlung umfasst. Nicht alle Anzeigen führen zu einem Ermittlungsverfahren – beispielsweise bei Anzeigen gegen unbekannte Täter oder gegen Strafunmündige.
Die vom Innenministerium erfassten Zahlen beziehen sich ausschließlich auf polizeiliche Anzeigen und geben daher einen umfassenden Überblick über die Aktivitäten der Sicherheitsbehörden in diesem Bereich.
Die Statistik macht deutlich, dass Rechtsextremismus in Österreich eine wachsende gesellschaftliche Herausforderung darstellt. The kontinuierliche Anstieg der Fallzahlen über die letzten Jahre zeigt, dass extremistische Ideologien weiterhin Nährboden finden und sich radikalisierte Personen zu Straftaten hinreißen lassen.
Die Bundesregierung setzt mit dem Nationalen Aktionsplan gegen Rechtsextremismus auf einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl repressive als auch präventive Elemente umfasst. Dabei spielen Bildungsmaßnahmen, gesellschaftliche Aufklärung und die Stärkung demokratischer Werte eine zentrale Rolle.
Die Entwicklung der Fallzahlen wird weiterhin genau beobachtet werden müssen, um rechtzeitig auf neue Trends und Entwicklungen reagieren zu können. Die leicht verbesserte Aufklärungsquote zeigt, dass die Arbeit der Ermittlungsbehörden Früchte trägt, jedoch bleibt die grundsätzliche Entwicklung besorgniserregend.