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RBI plant Übernahme: 1,6 Milliarden Euro für Addiko Bank

8. April 2026 um 22:47
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Die Raiffeisen Bank International AG (RBI) bereitet einen der größten Bankdeals des Jahres vor: Mit einem freiwilligen Übernahmeangebot will das österreichische Finanzinstitut die komplette Kontrol

Die Raiffeisen Bank International AG (RBI) bereitet einen der größten Bankdeals des Jahres vor: Mit einem freiwilligen Übernahmeangebot will das österreichische Finanzinstitut die komplette Kontrolle über die Addiko Bank AG erlangen. Der angekündigte Angebotspreis von 23,05 Euro je Aktie könnte die Transaktion auf ein Gesamtvolumen von etwa 1,6 Milliarden Euro bringen – ein deutliches Signal für die Konsolidierung im österreichischen Bankensektor.

Details des Übernahmeangebots im Fokus

Am 8. April 2026 gab die RBI bekannt, dass sowohl der Vorstand als auch der Aufsichtsrat dem geplanten Übernahmeangebot zugestimmt haben. Das freiwillige öffentliche Übernahmeangebot richtet sich an sämtliche Aktionäre der Addiko Bank und umfasst alle ausgegebenen Stammaktien, die an der Wiener Börse gehandelt werden.

Ein freiwilliges Übernahmeangebot unterscheidet sich wesentlich von einem Pflichtangebot. Während ein Pflichtangebot gesetzlich vorgeschrieben wird, sobald ein Investor mehr als 30 Prozent der Stimmrechte einer börsennotierten Gesellschaft erwirbt, erfolgt ein freiwilliges Angebot aus strategischen Überlegungen des Bieters. In diesem Fall strebt die RBI eine vollständige Kontrolle über die Addiko Bank an, ohne bereits die kritische 30-Prozent-Schwelle überschritten zu haben.

Der Angebotspreis von 23,05 Euro je Aktie entspricht dem volumengewichteten durchschnittlichen Aktienkurs der vergangenen sechs Monate und wird als cum Dividende 2025 angeboten. Das bedeutet, dass Aktionäre, die das Angebot annehmen, zusätzlich zum Kaufpreis auch die für 2025 geplante Dividendenausschüttung erhalten.

Umfangreiche Bedingungen für die Übernahme

Das Übernahmeangebot steht unter mehreren aufschiebenden Bedingungen, die erfüllt werden müssen, bevor die Transaktion rechtswirksam abgeschlossen werden kann:

  • Genehmigung durch die zuständigen Kartellbehörden
  • Genehmigung durch die Aufsichtsbehörden (insbesondere die Finanzmarktaufsicht)
  • Mindestannahmeschwelle von mehr als 75 Prozent aller ausstehenden Aktien
  • Keine wesentlichen nachteiligen Veränderungen bei der Addiko Bank
  • Verzicht der Addiko auf Veräußerungen von Tochtergesellschaften

Die Mindestannahmeschwelle von 75 Prozent ist besonders bemerkenswert, da sie deutlich über dem üblichen Niveau liegt. Normalerweise setzen Bieter bei freiwilligen Übernahmen niedrigere Schwellen von 50 oder 60 Prozent an. Die hohe Schwelle signalisiert, dass die RBI nur bei einer überwältigenden Zustimmung der Aktionäre die Übernahme durchführen möchte.

Strategische Neuausrichtung durch Carve-Out geplant

Parallel zum Übernahmeangebot plant die RBI eine strategische Neustrukturierung der Addiko-Gruppe. In einer separaten Vereinbarung mit der Alta Group d.o.o. aus Serbien, einem bestehenden Addiko-Aktionär, soll ein umfassender Carve-Out mehrerer Balkan-Tochtergesellschaften erfolgen.

Ein Carve-Out bezeichnet die Ausgliederung und den Verkauf von Unternehmensteilen oder Tochtergesellschaften. In diesem Fall betrifft es vier bedeutende Niederlassungen der Addiko Bank in Südosteuropa: die Addiko Bank a.d. Beograd in Serbien, die Addiko Bank d.d. Sarajevo und die Addiko Bank d.d. Banja Luka in Bosnien und Herzegowina sowie die Addiko Bank A.D. Podgorica in Montenegro.

Der Verkaufspreis wird mindestens dem Verkehrswert der zu veräußernden Tochtergesellschaften entsprechen. Der Verkehrswert, auch als fairer Marktwert bezeichnet, wird durch unabhängige Gutachter ermittelt und spiegelt den Preis wider, den ein informierter und williger Käufer an einen ebenso informierten und willigen Verkäufer unter normalen Marktbedingungen zahlen würde.

Auswirkungen auf die österreichische Bankenlandschaft

Die geplante Übernahme könnte weitreichende Folgen für die österreichische Finanzbranche haben. Die RBI, als eine der größten Banken Österreichs mit starker Präsenz in Zentral- und Osteuropa, würde durch die Addiko-Akquisition ihre Position im Retail-Banking weiter ausbauen. Die Addiko Bank spezialisiert sich primär auf Konsumentenkredite und digitale Bankdienstleistungen – ein Geschäftsfeld, das in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen ist.

Für die österreichischen Verbraucher könnte die Konsolidierung sowohl Vor- als auch Nachteile bringen. Einerseits ermöglicht die größere Marktmacht potenziell bessere Konditionen und erweiterte Serviceangebote. Andererseits reduziert sich die Anzahl der unabhängigen Bankanbieter am Markt, was langfristig zu weniger Wettbewerb führen könnte.

Rechtlicher Rahmen und Timing der Transaktion

Das österreichische Übernahmegesetz (ÜbG) regelt detailliert den Ablauf von Übernahmeangeboten an der Wiener Börse. Gemäß § 5 Abs 3 Z 1 ÜbG muss die Absicht eines freiwilligen Übernahmeangebots vorab öffentlich bekanntgegeben werden – was die RBI mit ihrer Ankündigung erfüllt hat.

Die Übernahmekommission, eine unabhängige Behörde zur Überwachung von Unternehmensübernahmen, prüft die Angebotsunterlage auf Vollständigkeit und Rechtmäßigkeit. Erst nach dieser Prüfung und bei Nicht-Untersagung kann die eigentliche Annahmefrist beginnen.

Die RBI plant, die Angebotsunterlage in den kommenden Wochen bei der Übernahmekommission einzureichen. Diese umfassende Dokumentation muss alle wesentlichen Informationen über das Angebot, die Finanzierung, die strategischen Ziele und mögliche Interessenkonflikte enthalten. Zusätzlich ist eine Bestätigung eines unabhängigen Sachverständigen über die Angemessenheit des Angebotspreises erforderlich.

Zeitplan und Verfügbarkeit der Dokumente

Nach der erfolgreichen Prüfung durch die Übernahmekommission beginnt die zehenwöchige Annahmefrist. Während dieser Zeit können Addiko-Aktionäre entscheiden, ob sie das Übernahmeangebot annehmen oder ihre Aktien behalten möchten.

Die Angebotsunterlage wird zeitgleich auf mehreren Plattformen veröffentlicht: auf der RBI-Website unter der Rubrik „Investoren

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