Eine 5. Klasse der AHS Rahlgasse in Wien steht geschlossen da. Niemand setzt sich, als der Workshopleiter fragt: "Setzt euch, wenn ihr noch nie Diskriminierung erlebt oder beobachtet habt."
Eine 5. Klasse der AHS Rahlgasse in Wien steht geschlossen da. Niemand setzt sich, als der Workshopleiter fragt: "Setzt euch, wenn ihr noch nie Diskriminierung erlebt oder beobachtet habt." Seit Jänner 2026 wird das zweistündige Modul "Demokratie & Verantwortung - das Format gegen Antisemitismus" für Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II sowie für Lehrlinge in überarbeiteter Form angeboten. Es handelt sich um ein mobiles Demokratiebildungsangebot des Parlaments.
Das Parlament hat sein Workshopkonzept überarbeitet. Das Modul wurde inhaltlich neu aufgestellt: Weg vom rein historischen Thema Nationalsozialismus und Holocaust, hin zu aktuellen Formen der Diskriminierung und Antisemitismus als Beispiel sowie zur eigenen Selbstwirksamkeit. Der Schwerpunkt liegt darauf, wie man aktiv werden kann, um Diskriminierung und Antisemitismus entgegenzutreten. Antisemitismus wird dabei als exemplarische Form der Diskriminierung behandelt, um strukturelle Mechanismen zu thematisieren. In der Diskussion kommt auch die sogenannte "Sündenbocktheorie" zur Sprache.
Im Zentrum des Workshops steht die Frage: Was können wir tun? Die Schülerinnen und Schüler nennen unter anderem: "ansprechen", "melden", "dokumentieren". Dabei wird auch über Grenzen gesprochen – aktiv werden heißt nicht, sich selbst in Gefahr zu bringen. Handlungsmöglichkeiten reichen von Gesprächen im Freundeskreis bis hin zu Engagement auf gesellschaftlicher Ebene.
In Gruppenarbeit ordnen die Schülerinnen und Schüler Erzählungen verschiedenen Mythen zu. Redewendungen wie "Du Jude" im Sinne von "Geizhals" werden thematisiert. Die 14- bis 15-Jährigen erkennen, dass Diskriminierung ihren Werten widerspricht, die Ausdrucksformen aber dennoch Teil des Sprachgebrauchs sein können.
Die Reaktionen der Schülerinnen und Schüler zeigen etwa Verwunderung darüber, wie alt Antisemitismus eigentlich ist, sagt der Workshopleiter. Manche Formen oder versteckte Mythen wie die "Weltherrschaft" seien den Jugendlichen zuvor nicht präsent gewesen. Die Nähe zur eigenen Lebenswelt macht das Thema für sie greifbar, und konkrete Fallbeispiele bleiben laut den Teilnehmenden besonders im Gedächtnis.
Der Demokratiebildner beschreibt die Zielsetzung des Moduls so: "Die Jugendlichen sollen Formen von Diskriminierung kennenlernen und Werkzeuge bekommen, um handlungsfähig zu werden." Er beobachtet, dass die Werte bei den Jugendlichen vorhanden seien und sie Werkzeuge brauchen, um diese leben und verteidigen zu können. Die Erkenntnis, dass Diskriminierung nicht nur Einzelne betrifft, sondern den gesellschaftlichen Zusammenhalt schwächt, lasse die Jugendlichen überlegen, welchen Beitrag sie selbst leisten können.