Fraktionsführer Hanger bezeichnet Termin als "Polit-Show" und fordert Transparenz über Kosten
Die ÖVP übt massive Kritik am geplanten Lokalaugenschein des Untersuchungsausschusses in der Causa Pilnacek und wirft den Initiatoren Ressourcenverschwendung vor.
Im politischen Streit um die Aufklärung der Umstände rund um den Tod des ehemaligen Justiz-Sektionschefs Christian Pilnacek verschärft die ÖVP ihre Kritik am Vorgehen des parlamentarischen Untersuchungsausschusses. Fraktionsführer Andreas Hanger bezeichnet den geplanten Lokalaugenschein als "Polit-Show auf Kosten der Steuerzahler" und stellt den Erkenntnisgewinn eines solchen Termins grundsätzlich in Frage.
Im Zentrum der ÖVP-Kritik stehen die zu erwartenden Kosten und der organisatorische Aufwand des angekündigten Lokalaugenscheins. "Das ist kein kleiner Lokaltermin – das ist ein Großaufwand", erklärt Hanger in einer Aussendung des ÖVP-Parlamentsklubs. Er verweist auf die umfangreiche Logistik, die mit einem solchen Termin verbunden sei: Organisation, Begleitpersonal, Koordination vor Ort sowie zusätzliche sicherheitspolizeiliche Maßnahmen aufgrund des erwarteten Medieninteresses.
Der ÖVP-Abgeordnete befürchtet, dass der Einsatz Polizeikräfte über Stunden, möglicherweise den gesamten Tag binden könnte. Die dadurch entstehenden Zusatzkosten würden letztlich von den Steuerzahlerinnen und Steuerzahlern getragen werden müssen, argumentiert Hanger.
Besonders kritisch hinterfragt der Fraktionsführer den inhaltlichen Nutzen des Vorhabens. "Was soll dieser Lokalaugenschein 27 Monate nach dem Todesfall an Erkenntnisgewinn bringen?", fragt Hanger rhetorisch. Er richtet damit einen Seitenhieb gegen den Ausschussvorsitzenden Walter Rosenkranz von der FPÖ: "Abgeordnete sind keine Tatort-Ermittler und Walter Rosenkranz ist nicht Chefermittler der SOKO Wachau."
Mit dieser pointierten Formulierung unterstreicht der ÖVP-Politiker seine Auffassung, dass parlamentarische Untersuchungsausschüsse andere Methoden der Aufklärung nutzen sollten als jene, die üblicherweise Ermittlungsbehörden vorbehalten sind.
Hanger schlägt einen alternativen Weg vor, um sich über den Sachverhalt in der Causa Pilnacek zu informieren. Er verweist auf die Protokolle der Medienverfahren gegen die Zack Media GmbH, das Unternehmen hinter der Plattform ZackZack des ehemaligen Grünen-Politikers Peter Pilz. Diese Dokumente böten seiner Ansicht nach einen ausreichenden Überblick über die relevanten Fakten.
Der ÖVP-Fraktionsführer hebt dabei konkrete Gerichtsentscheidungen hervor, die er als Beleg für seine Position anführt:
"Die Ergebnisse dieser Gerichtsverfahren können eindeutiger nicht sein", kommentiert Hanger die genannten Urteile. Er sieht darin einen Beweis, dass "zentrale Erzählungen aus dem Umfeld von ZackZack/Peter Pilz", die später von der FPÖ übernommen worden seien, vor Gericht bereits gescheitert wären.
Um seine Kritik zu untermauern, fordert Hanger eine lückenlose Offenlegung aller mit dem Lokalaugenschein verbundenen Aufwendungen. Er stellt dabei konkrete Fragen:
"Aufklärung sei wichtig", räumt Hanger zwar ein, fügt jedoch hinzu: "Aber wer Steuergeld und Polizeikräfte für ein mediales Event verplant, handelt unverhältnismäßig und verantwortungslos."
Christian Pilnacek war eine der prägendsten Figuren der österreichischen Justizverwaltung. Der langjährige Sektionschef im Justizministerium galt als einflussreicher Akteur und war in zahlreiche politisch brisante Vorgänge involviert. Sein Tod im Jahr 2023 löste in der Öffentlichkeit zahlreiche Spekulationen aus.
Der parlamentarische Untersuchungsausschuss befasst sich mit verschiedenen Aspekten rund um die Justiz und deren mögliche politische Beeinflussung. Die Causa Pilnacek ist dabei eines von mehreren Themenfeldern, die im Ausschuss behandelt werden. Die politischen Fronten verlaufen dabei entlang der bekannten Linien: Während Opposition und kritische Medien auf eine umfassende Aufklärung drängen, sieht sich die ÖVP mit Vorwürfen konfrontiert, die sie zurückweist.
Die scharfe Kritik Hangers am geplanten Lokalaugenschein reiht sich in eine Serie von Auseinandersetzungen zwischen den Fraktionen im Untersuchungsausschuss ein. Die ÖVP wirft insbesondere der FPÖ und dem Umfeld von Peter Pilz vor, unbelegte Behauptungen in die Welt zu setzen, während die Gegenseite auf umfassende Aufklärung pocht.
Die erwähnten Gerichtsurteile gegen die Zack Media GmbH dienen der ÖVP als argumentative Munition, um die Glaubwürdigkeit bestimmter Darstellungen in Zweifel zu ziehen. Gleichzeitig ist zu berücksichtigen, dass Medienverfahren primär Fragen der Berichterstattung und nicht der zugrundeliegenden Sachverhalte klären.
Ob der Lokalaugenschein tatsächlich stattfinden wird und in welcher Form, bleibt abzuwarten. Die Kritik der ÖVP dürfte die politische Debatte weiter anheizen. Für die Öffentlichkeit stellt sich die Frage, welche Form der Aufklärung angemessen ist und wie das Verhältnis zwischen parlamentarischer Kontrolle und verantwortungsvollem Umgang mit öffentlichen Ressourcen ausbalanciert werden kann.
Die Forderung nach Kostentransparenz könnte dabei ein Ansatzpunkt für eine sachlichere Diskussion sein. Letztlich wird die politische Bewertung des Vorgangs davon abhängen, welche Erkenntnisse der Ausschuss – mit oder ohne Lokalaugenschein – zutage fördern kann.