Eine bahnbrechende Innovation aus Österreich macht internationale Schlagzeilen: Das Forschungsprojekt GreenBricks des AIT Austrian Institute of Technology und des Ziegelherstellers Wienerberger wur...
Eine bahnbrechende Innovation aus Österreich macht internationale Schlagzeilen: Das Forschungsprojekt GreenBricks des AIT Austrian Institute of Technology und des Ziegelherstellers Wienerberger wurde am 10. April 2026 im Rahmen des International Vienna Energy and Climate Forum in der Wiener Hofburg mit dem prestigeträchtigen Mission Innovation Net-Zero Industries Award ausgezeichnet. Die Ehrung in der Kategorie "Herausragendes Projekt" unterstreicht die Vorreiterrolle österreichischer Forschungseinrichtungen bei der industriellen Energiewende und zeigt eindrucksvoll, wie innovative Technologien "Made in Austria" die globale Klimawende vorantreiben können.
Das ausgezeichnete Projekt GreenBricks hat am Wienerberger-Standort in Uttendorf, Oberösterreich, ein völlig neues Kapitel der Ziegelproduktion aufgeschlagen. Durch die geschickte Kombination aus Elektrifizierung, Digitalisierung und modernster Wärmepumpentechnologie gelang es den Forschern und Ingenieuren, eine nahezu emissionsfreie industrielle Produktion zu realisieren. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Eine Reduktion der CO₂-Emissionen um bis zu 90 Prozent bei gleichzeitiger Senkung des Energiebedarfs um rund 30 Prozent. Diese Zahlen verdeutlichen das enorme Potenzial nachhaltiger Produktionstechnologien für die Klimaziele Österreichs und Europas.
Herzstück der Innovation ist der weltweit größte industrielle Elektroofen für die Ziegelproduktion. Dieser technologische Meilenstein markiert einen Paradigmenwechsel in einer Branche, die seit Jahrhunderten auf fossil befeuerte Brennöfen angewiesen war. Der Elektroofen bezieht seine Energie vollständig aus erneuerbaren Quellen, einschließlich einer werkseigenen Photovoltaikanlage, die direkt am Produktionsstandort installiert wurde. Diese autarke Energieversorgung macht das Werk weitgehend unabhängig von fossilen Brennstoffen und schwankenden Energiepreisen.
Ein weiterer Innovationsbaustein des GreenBricks-Projekts sind digitale Planungs- und Simulationswerkzeuge, auch bekannt als "digitale Zwillinge". Diese hochmoderne Technologie ermöglicht es, Produktionsprozesse virtuell zu simulieren und zu optimieren, bevor sie in der realen Produktion umgesetzt werden. Durch diese digitale Vorhersagbarkeit können Energieverbräuche minimiert, Produktionszeiten verkürzt und Qualitätsstandards erhöht werden. Die digitalen Zwillinge analysieren kontinuierlich Temperaturen, Luftfeuchtigkeit, Energieflüsse und Materialqualitäten, um den Produktionsprozess in Echtzeit zu optimieren.
Die Wärmepumpentechnologie, ein weiterer Baustein des Konzepts, nutzt industrielle Abwärme, die bei herkömmlichen Produktionsprozessen ungenutzt verloren geht. Diese Abwärmerückgewinnung erhöht die Energieeffizienz erheblich und trägt zur nachhaltigen Ressourcennutzung bei. Die Integration dieser Technologien zeigt beispielhaft, wie Industrie 4.0-Konzepte nicht nur die Produktivität steigern, sondern gleichzeitig den ökologischen Fußabdruck drastisch reduzieren können.
Während Deutschland und die Schweiz ebenfalls ambitionierte Dekarbonisierungsprogramme für ihre Industrien verfolgen, nimmt Österreich mit Projekten wie GreenBricks eine Vorreiterrolle ein. In Deutschland konzentrieren sich ähnliche Initiativen hauptsächlich auf die Stahl- und Chemieindustrie, während die Schweiz verstärkt auf Wasserstofftechnologien setzt. Das österreichische NEFI-Netzwerk (New Energy for Industry) bietet jedoch einen ganzheitlicheren Ansatz, der verschiedene Industriezweige und Technologien miteinander vernetzt.
Das NEFI-Innovationsnetzwerk, gefördert aus Mitteln des Klima- und Energiefonds sowie der Bundesländer Oberösterreich und Steiermark, schafft ideale Rahmenbedingungen für die schnelle Umsetzung neuer Technologien. Dieses Netzwerk, das sich um ein Konsortium aus AIT Austrian Institute of Technology, Montanuniversität Leoben, OÖ Energiesparverband und Business Upper Austria formiert hat, bündelt jahrzehntelange Erfahrung in der Energieforschung und ermöglicht den direkten Transfer von Forschungsergebnissen in die industrielle Praxis.
Die Erfolge des GreenBricks-Projekts haben weitreichende Auswirkungen auf die österreichische Gesellschaft und Wirtschaft. Für Verbraucher bedeutet die nachhaltige Ziegelproduktion langfristig stabilere Preise für Baumaterialien, da die Abhängigkeit von schwankenden Fossil-Energiepreisen drastisch reduziert wird. Gleichzeitig entstehen neue Arbeitsplätze im Bereich der Green Technology, von Ingenieuren und Technikern bis hin zu Wartungs- und Überwachungspersonal für die hochmodernen Anlagen.
Für die österreichische Bauindustrie eröffnen sich neue Möglichkeiten im Bereich nachhaltiger Gebäude. Ziegel aus klimaneutraler Produktion werden zunehmend zu einem wichtigen Verkaufsargument für umweltbewusste Bauherren und können die Zertifizierung von Gebäuden nach internationalen Nachhaltigkeitsstandards unterstützen. Dies stärkt nicht nur die Exportfähigkeit österreichischer Bauunternehmen, sondern positioniert das Land auch als Technologieführer im nachhaltigen Bauwesen.
Die Wienerberger AG, als einer der weltweit führenden Ziegelhersteller, profitiert nicht nur von reduzierten Produktionskosten durch den geringeren Energiebedarf, sondern auch von einem verbesserten Markenimage. Das Unternehmen kann sich als Pionier für nachhaltige Bauprodukte positionieren und damit neue Märkte erschließen, insbesondere in Ländern mit strengen Umweltauflagen. Johannes Rath, Chief Technical Officer von Wienerberger Building Solutions, betont: "Das Projekt zeigt, dass klimafreundliche Technologien bereits heute industriell umsetzbar sind und gleichzeitig wirtschaftliche Vorteile bieten."
Die Ziegelproduktion blickt auf eine jahrtausendealte Geschichte zurück. Bereits die alten Römer verwendeten gebrannte Ziegel für ihre Bauwerke, und auch in Österreich prägte die Ziegelherstellung seit dem Mittelalter die Architektur. Bis ins 20. Jahrhundert hinein wurden Ziegel hauptsächlich mit Holz oder Kohle gebrannt, was zu erheblichen Umweltbelastungen führte. Die Einführung von Erdgas in den 1970er und 1980er Jahren brachte erste Verbesserungen, aber erst die aktuelle Elektrifizierung mit erneuerbaren Energien ermöglicht eine wirklich nachhaltige Produktion.
In Österreich ist die Ziegelindustrie traditionell stark verankert. Das Land gilt als einer der Technologieführer bei der Entwicklung hochwertiger Ziegel für den Hausbau. Unternehmen wie Wienerberger haben sich von regionalen Produzenten zu global agierenden Konzernen entwickelt und dabei stets auf Innovation gesetzt. Das GreenBricks-Projekt setzt diese Tradition fort und verbindet sie mit modernsten Umwelttechnologien.
Der Mission Innovation Net-Zero Industries Award ist mehr als nur eine Auszeichnung – er ist ein Gütesiegel für zukunftsweisende Technologien. Die internationale Jury würdigt damit Projekte, die maßgeblich zur Reduktion von Treibhausgasemissionen in energieintensiven Industrien beitragen. Die Auszeichnung für GreenBricks unterstreicht die Rolle Österreichs als Innovationsstandort und öffnet Türen für den Export der entwickelten Technologien in andere Länder.
Andreas Kugi, Scientific Director des AIT Austrian Institute of Technology, erklärt: "Die Auszeichnung zeigt, dass innovative Technologien und digitale Planungsmethoden entscheidende Hebel für die nachhaltige Transformation der Industrie sind und auch international Anerkennung finden." Diese internationale Anerkennung ist besonders wertvoll, da sie österreichischen Technologieunternehmen hilft, ihre Lösungen weltweit zu vermarkten.
Das GreenBricks-Konzept ist bewusst so entwickelt worden, dass es auf andere Standorte und sogar andere Industriezweige übertragbar ist. Die Kombination aus Elektrifizierung, Wärmerückgewinnung und digitaler Optimierung lässt sich grundsätzlich in jeder energieintensiven Produktion anwenden. Besonders interessant ist die Technologie für Länder mit hohem Anteil erneuerbarer Energien, wie etwa Norwegen, Island oder Costa Rica, aber auch für Regionen, die ihre Industrie dekarbonisieren möchten.
Die Erfolge von GreenBricks sind erst der Anfang einer umfassenden industriellen Transformation. Experten prognostizieren, dass ähnliche Elektrifizierungskonzepte in den nächsten zehn Jahren in weiteren Industriezweigen Einzug halten werden. Besonders die Stahl-, Glas- und Keramikindustrie könnten von vergleichbaren Ansätzen profitieren. Das AIT arbeitet bereits an Folgeprojekten, die diese Technologien auf andere Bereiche übertragen sollen.
Mittel- bis langfristig könnte sich Österreich zu einem Exporteur von Clean-Tech-Lösungen für energieintensive Industrien entwickeln. Die im Rahmen von NEFI entwickelten Technologien haben das Potenzial, zu einem wichtigen Wirtschaftszweig zu werden und tausende Arbeitsplätze zu schaffen. Gleichzeitig trägt diese Entwicklung dazu bei, die Klimaziele der EU zu erreichen und Österreichs Position als Umwelttechnologie-Standort zu stärken.
Die nächsten Schritte umfassen die Skalierung der Technologie auf weitere Wienerberger-Standorte sowie die Lizenzierung an andere Ziegelhersteller weltweit. Parallel dazu wird an der Weiterentwicklung der digitalen Optimierungstools gearbeitet, um noch höhere Effizienzgewinne zu erzielen. Das Fernziel ist eine vollständig klimaneutrale Ziegelproduktion, die als Blaupause für andere Industriezweige dienen kann.
Das GreenBricks-Projekt zeigt eindrucksvoll, dass die industrielle Energiewende nicht nur ökologisch notwendig, sondern auch ökonomisch sinnvoll ist. Die internationale Auszeichnung bestätigt den eingeschlagenen Weg und motiviert weitere Unternehmen, ähnliche Transformationsprojekte zu starten. Österreich positioniert sich damit als Vorreiter einer nachhaltigen Industrieentwicklung, die Umweltschutz und wirtschaftlichen Erfolg erfolgreich miteinander verbindet.