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Österreicher telefonieren 22% mehr: 20 Minuten täglich am Handy

6. März 2026 um 08:36
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Die Österreicherinnen und Österreicher haben ihre Telefoniergewohnheiten im vergangenen Jahr drastisch verändert. Während sie im dritten Quartal 2024 noch durchschnittlich 16,5 Minuten täglich tele...

Die Österreicherinnen und Österreicher haben ihre Telefoniergewohnheiten im vergangenen Jahr drastisch verändert. Während sie im dritten Quartal 2024 noch durchschnittlich 16,5 Minuten täglich telefonierten, sind es nun bereits 20,1 Minuten – ein Anstieg von bemerkenswerten 22 Prozent. Diese Entwicklung zeigt deutlich, wie sehr sich unsere Kommunikationsgewohnheiten in der digitalen Ära wandeln und welche enormen Datenmengen dabei entstehen.

RTR Internet Monitor offenbart dramatischen Anstieg der Telefonzeiten

Der aktuelle RTR Internet Monitor für das dritte Quartal 2025, veröffentlicht von der Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR), liefert beeindruckende Zahlen zur Kommunikationsnutzung in Österreich. Dr. Klaus M. Steinmaurer, Geschäftsführer der RTR für den Fachbereich Telekommunikation und Post, präsentierte Daten, die das veränderte Kommunikationsverhalten der neun Millionen Österreicherinnen und Österreicher dokumentieren.

Die tägliche Kommunikationszeit setzt sich aus verschiedenen Kanälen zusammen: 7,1 Minuten entfallen auf Messengerdienste wie WhatsApp, Telegram oder Signal, 6,9 Minuten auf traditionelle Telefonate über Handy oder Festnetz, und zusätzliche 6,0 Minuten werden in Videokonferenzen verbracht. Diese Zahlen summieren sich auf insgesamt 16,6 Milliarden Minuten im gesamten dritten Quartal 2025.

Was sind Messengerdienste und wie funktionieren sie?

Messengerdienste sind internetbasierte Kommunikationsplattformen, die es Nutzern ermöglichen, Text-, Sprach-, Video- und Dateinnachrichten in Echtzeit zu versenden. Im Gegensatz zu herkömmlichen SMS nutzen diese Dienste die Internetverbindung des Geräts, was kostengünstigere und funktionsreichere Kommunikation ermöglicht. WhatsApp ist dabei der unangefochtene Marktführer in Österreich, gefolgt von Telegram, Signal und anderen Anbietern. Diese Plattformen bieten erweiterte Funktionen wie Gruppenchats, Dateiübertragung, Sprachnachrichten und Ende-zu-Ende-Verschlüsselung, die sie für private und geschäftliche Kommunikation gleichermaßen attraktiv machen.

Historische Entwicklung der Telekommunikation in Österreich

Die Geschichte der Telekommunikation in Österreich reicht bis ins 19. Jahrhundert zurück. 1847 wurde die erste Telegrafenlinie zwischen Wien und Brünn eröffnet, 1881 folgte das erste öffentliche Telefonnetz in Wien. Die Mobilfunkära begann 1984 mit der Einführung des analogen C-Netzes durch die damalige Post- und Telegrafenverwaltung. Der Durchbruch des Mobilfunks erfolgte jedoch erst in den 1990er Jahren mit der Liberalisierung des Telekommunikationsmarktes.

Die Jahrtausendwende brachte die SMS-Revolution: 2005 wurden in Österreich bereits über 3 Milliarden SMS versendet. Doch mit der Einführung von Smartphones und der Verbreitung von Flatrate-Tarifen für mobile Daten ab 2007 begann der Siegeszug der internetbasierten Kommunikation. WhatsApp, 2009 gegründet und 2011 in Österreich populär geworden, läutete das Ende der SMS-Ära ein. Heute werden nur noch 0,24 SMS pro Person und Tag versendet – ein dramatischer Rückgang von über 90 Prozent seit dem Höhepunkt um 2010.

Vergleich mit anderen deutschsprachigen Ländern

Im europäischen Vergleich zeigt Österreich ein ähnliches Kommunikationsverhalten wie Deutschland und die Schweiz, allerdings mit regionalen Unterschieden. Deutsche Nutzer verbringen durchschnittlich 18,7 Minuten täglich mit digitaler Kommunikation, während Schweizer mit 21,3 Minuten sogar noch aktiver sind. Diese Unterschiede lassen sich durch verschiedene Faktoren erklären: Die Schweiz hat eine höhere Smartphone-Penetration von 89 Prozent gegenüber 85 Prozent in Österreich, und die geografischen Gegebenheiten fördern die mobile Kommunikation. Deutschland hinkt aufgrund der langsameren Netzabdeckung in ländlichen Gebieten etwas hinterher.

Chat-Nachrichten dominieren die digitale Kommunikation

Die Zahlen zum Nachrichtenversand sind noch beeindruckender: 25,9 Milliarden Chatnachrichten wurden im dritten Quartal 2025 in Österreich versendet. Das entspricht 31 Nachrichten pro Person und Tag – eine Steigerung um 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Parallel dazu wurden 1,14 Milliarden E-Mails verschickt, was 1,4 E-Mails pro Person täglich bedeutet.

Diese Entwicklung spiegelt einen globalen Trend wider: Die asynchrone Kommunikation über Messenger wird zunehmend bevorzugt, da sie flexibler und weniger störend ist als Telefonate. Besonders jüngere Generationen nutzen Sprachnachrichten als Hybrid zwischen Text und Anruf, was die gestiegene Nutzungsdauer von Messengerdiensten erklärt.

Auswirkungen auf Verbraucher und Wirtschaft

Die veränderten Kommunikationsgewohnheiten haben weitreichende Folgen für österreichische Verbraucher und Unternehmen. Für Privatpersonen bedeutet die intensive Nutzung von Messengerdiensten eine deutliche Kosteneinsparung gegenüber traditionellen SMS und Telefonaten. Eine durchschnittliche österreichische Familie spart dadurch etwa 30 bis 50 Euro monatlich, da die meisten Mobilfunktarife unbegrenztes mobiles Internet, aber begrenzte Telefonieminuten enthalten.

Unternehmen müssen ihre Kommunikationsstrategien entsprechend anpassen. Kundenservice wird zunehmend über WhatsApp Business, Telegram-Kanäle oder spezialisierte Business-Messenger abgewickelt. Österreichische Banken wie die Erste Bank oder die Raiffeisen Bank bieten bereits umfassende Messenger-Services an, von der Kontostandsabfrage bis hin zur Überweisung. Auch im E-Commerce setzen heimische Unternehmen wie Zalando oder Otto verstärkt auf Messenger-basierte Kundenbetreuung, da diese Form der Kommunikation eine höhere Kundenzufriedenheit und schnellere Problemlösung ermöglicht.

Die Rolle der RTR als Regulierungsbehörde

Die Rundfunk und Telekom Regulierungs-GmbH (RTR) spielt eine zentrale Rolle bei der Überwachung und Regulierung des österreichischen Telekommunikationsmarktes. Als hundertprozentige Bundesgesellschaft ist sie für die Förderung des Wettbewerbs auf dem Medien-, Telekommunikations- und Postmarkt zuständig und arbeitet eng mit der Kommunikationsbehörde Austria (KommAustria), der Telekom-Control-Kommission (TKK) und der Post-Control-Kommission (PCK) zusammen.

Der RTR Internet Monitor, der quartalsweise veröffentlicht wird, ist ein wichtiges Instrument zur Marktbeobachtung und -analyse. Er enthält umfangreiche Daten zu festem und mobilem Breitband, Auswertungen aus dem RTR-Netztest, Analysen der Zentralen Informationsstelle für Breitbandversorgung (ZIB) sowie detaillierte Statistiken zu internetbasierten Kommunikationsdiensten. Diese Daten sind nicht nur für Regulierungsbehörden relevant, sondern auch für Telekommunikationsunternehmen, Investoren und Verbraucherschutzorganisationen von großer Bedeutung.

Datenschutz und Sicherheit in der digitalen Kommunikation

Mit der zunehmenden Nutzung digitaler Kommunikationsdienste rücken auch Datenschutz und Sicherheitsfragen in den Fokus. Messengerdienste verarbeiten täglich Millionen von persönlichen Nachrichten, was besondere Anforderungen an den Datenschutz stellt. Die europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) regelt dabei streng, wie Anbieter mit Nutzerdaten umgehen müssen. WhatsApp, als Marktführer, stand bereits mehrfach wegen Datenschutzverletzungen in der Kritik und musste Millionenstrafen zahlen.

Technische Infrastruktur und Netzausbau

Der massive Anstieg der digitalen Kommunikation stellt hohe Anforderungen an die österreichische Telekommunikationsinfrastruktur. Die drei großen Mobilfunknetzbetreiber – A1 Telekom Austria, Magenta (T-Mobile) und Drei (Hutchison Drei Austria) – investieren kontinuierlich in den Netzausbau. Allein 2025 fließen über 800 Millionen Euro in die Modernisierung und Erweiterung der Mobilfunknetze.

Der 5G-Ausbau spielt dabei eine entscheidende Rolle: Mit Übertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 20 Gigabit pro Sekunde und extrem niedrigen Latenzzeiten ermöglicht 5G völlig neue Kommunikationsformen wie hochauflösende Videokonferenzen, Augmented Reality-Gespräche oder holografische Telefonie. Österreich liegt beim 5G-Ausbau im europäischen Mittelfeld: Während Südkorea bereits eine 95-prozentige 5G-Abdeckung erreicht hat, sind es in Österreich derzeit etwa 60 Prozent der Bevölkerung, die Zugang zu 5G-Netzen haben.

Zukunftsprognose: Wohin entwickelt sich die Kommunikation?

Experten prognostizieren für die nächsten Jahre weitere dramatische Veränderungen in der digitalen Kommunikation. Künstliche Intelligenz wird zunehmend in Messenger integriert, um automatische Übersetzungen, intelligente Antwortvorschläge und personalisierte Inhalte zu ermöglichen. Virtual und Augmented Reality werden Videotelefonie revolutionieren und immersive Kommunikationserlebnisse schaffen.

Für Österreich bedeutet dies, dass die tägliche Kommunikationszeit voraussichtlich auf über 25 Minuten pro Person ansteigen wird. Voice-to-Text-Technologien werden Sprachnachrichten noch beliebter machen, während Blockchain-basierte Messenger für mehr Datensicherheit sorgen könnten. Die Integration von Internet-of-Things-Geräten wird außerdem neue Kommunikationsformen zwischen Menschen und Maschinen ermöglichen.

Wirtschaftliche Bedeutung des Telekommunikationssektors

Der österreichische Telekommunikationssektor erwirtschaftet jährlich etwa 4,2 Milliarden Euro und beschäftigt direkt über 25.000 Menschen. Die gestiegene Nutzung digitaler Kommunikationsdienste hat sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf die Branche: Während die Umsätze mit traditionellen Telefonaten und SMS stark rückläufig sind, wachsen die Erlöse aus Datenverkehr überproportional.

Besonders kleinere Telekommunikationsanbieter wie spusu, Hot oder yesss! profitieren von diesem Wandel, da sie mit günstigen Datentarifen punkten können. Die etablierten Anbieter reagieren mit der Entwicklung eigener Messenger-Services und der Integration von Cloud-Diensten in ihre Angebote.

Die Zukunft der Kommunikation in Österreich verspricht weitere spannende Entwicklungen. Mit dem kontinuierlichen Ausbau der 5G-Infrastruktur, der Integration künstlicher Intelligenz in Kommunikationsdienste und neuen immersiven Technologien steht die Art, wie wir miteinander kommunizieren, vor einem weiteren Wandel. Die RTR wird diese Entwicklungen weiterhin genau beobachten und quartalsweise über die neuesten Trends informieren. Für Verbraucher bedeutet dies mehr Wahlmöglichkeiten, günstigere Tarife und innovative Kommunikationsmöglichkeiten – eine Entwicklung, die trotz mancher Herausforderungen durchaus positiv zu bewerten ist.

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